Remdesivir und Myasthenia Gravis: Eine Betrachtung möglicher Wechselwirkungen

Myasthenia gravis ist eine Autoimmunerkrankung, die durch eine gestörte Reizübertragung zwischen Nerven und Muskeln gekennzeichnet ist. Dies führt zu einer belastungsabhängigen Ermüdbarkeit der Muskulatur. Die Ursache liegt in einer fehlgesteuerten Immunreaktion, bei der Autoantikörper gegen körpereigene Rezeptoren gebildet werden, was die Nervenimpulse zum Muskel stört.

Was ist Myasthenia Gravis?

Myasthenia gravis ist eine Autoimmunerkrankung, die durch eine Störung der Signalübertragung zwischen Nervensystem und Muskeln gekennzeichnet ist. Bei dieser Erkrankung greift das Immunsystem fälschlicherweise die eigenen Acetylcholin-Rezeptoren an, die für die Muskelkontraktion unerlässlich sind. Dies führt zu einer Schwächung der Muskeln, die sich bei Anstrengung verschlimmert.

Symptome und Verlauf

Die Erkrankung beginnt häufig an den Augen (okuläre Myasthenie) und äußert sich durch Sehstörungen wie Doppelbilder und Müdigkeit der Oberlider. In der Folge kann sich die Schwäche auf den gesamten Bewegungsapparat, die Sprech-, Kau-, Schluck- und/oder Atemmuskulatur ausweiten (generalisierte Myasthenie). Die Symptome können im Tagesverlauf zunehmen und innerhalb von Stunden, Tagen oder Wochen variieren. Verlauf und Schweregrad sind individuell sehr unterschiedlich.

Ursachen und Häufigkeit

Der genaue Beginn und Auslöser der Myasthenie sind oft unklar. Menschen jeden Alters und Geschlechts können erkranken, wobei es zwei Häufigkeitsgipfel gibt: zwischen dem 15. und 30. Lebensjahr sowie zwischen dem 60. und 75. Lebensjahr. Frauen sind in der jüngeren Altersgruppe häufiger betroffen, Männer in der älteren. Die Myasthenie ist eine seltene Erkrankung mit einer geschätzten Häufigkeit von 100-200 pro 1 Million Einwohner. Sie ist nicht ansteckend und weist keine ausgeprägte Erblichkeit auf.

Diagnose und Behandlung

Die Diagnose erfolgt in der Regel durch eine neurologische Untersuchung, elektrophysiologische Tests und Blutuntersuchungen zum Nachweis von Autoantikörpern. Die Behandlung zielt darauf ab, den Patient*innen ein weitgehend normales Alltagsleben mit geringen Einschränkungen zu ermöglichen. Zu den Behandlungsoptionen gehören Medikamente wie Cholinesterasehemmer (z. B. Pyridostigmin), Immunsuppressiva (z. B. Kortikosteroide, Azathioprin, Mycophenolatmofetil) und monoklonale Antikörper (z. B. Rituximab, Eculizumab, Rozanolixizumab). In bestimmten Fällen kann auch eine Thymektomie (operative Entfernung der Thymusdrüse) in Betracht gezogen werden.

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Remdesivir: Ein Überblick

Remdesivir ist ein antivirales Medikament, das ursprünglich zur Behandlung von Ebola entwickelt wurde. Es hat sich als wirksam bei der Behandlung von COVID-19 erwiesen, indem es die Replikation des Virus im Körper hemmt.

Wirkmechanismus

Remdesivir ist ein Nukleotid-Analogon, das in die virale RNA eingebaut wird und so die RNA-Polymerase hemmt. Dies führt zum Abbruch der RNA-Synthese und somit zur Hemmung der Virusreplikation.

Anwendung bei COVID-19

Remdesivir wurde zur Behandlung von COVID-19-Patienten mit schwerem Krankheitsverlauf eingesetzt, insbesondere bei Patienten, die eine Sauerstofftherapie benötigen.

Mögliche Nebenwirkungen

Zu den häufigsten Nebenwirkungen von Remdesivir gehören Übelkeit, Erbrechen, erhöhte Leberwerte und Nierenfunktionsstörungen.

Wechselwirkungen zwischen Remdesivir und Myasthenia Gravis

Bislang gibt es nur begrenzte Daten zu Wechselwirkungen zwischen Remdesivir und Myasthenia gravis. Es ist jedoch wichtig, mögliche Risiken und Wechselwirkungen zu berücksichtigen, wenn diese Medikamente gleichzeitig verabreicht werden.

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Theoretische Überlegungen

Da Myasthenia gravis eine Autoimmunerkrankung ist, bei der das Immunsystem eine Rolle spielt, und Remdesivir ein antivirales Medikament ist, das möglicherweise das Immunsystem beeinflussen kann, sind theoretische Wechselwirkungen denkbar. Es ist möglich, dass Remdesivir die Immunantwort beeinflusst und somit die Symptome der Myasthenia gravis verstärkt oder abschwächt.

Fallberichte und Studien

Bislang gibt es keine veröffentlichten Fallberichte oder Studien, die eine direkte Wechselwirkung zwischen Remdesivir und Myasthenia gravis belegen. Es sind jedoch weitere Untersuchungen erforderlich, um diese Frage zu klären.

Empfehlungen für die klinische Praxis

Bei Patient*innen mit Myasthenia gravis, die mit Remdesivir behandelt werden müssen, ist eine sorgfältige Überwachung der Symptome und des Krankheitsverlaufs erforderlich. Es ist ratsam, die Medikation der Myasthenia gravis anzupassen, falls sich die Symptome während der Remdesivir-Behandlung verschlimmern. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Neurologen und Infektiologen ist in solchen Fällen unerlässlich.

Weitere Medikamente und Myasthenia Gravis

Es ist wichtig zu beachten, dass eine Reihe von Medikamenten die Symptome der Myasthenia gravis verschlimmern können. Dazu gehören unter anderem:

  • Antibiotika (z. B. Aminoglykoside, Chinolone, Makrolide)
  • Betablocker
  • Chinin und Chloroquin
  • D-Penicillamin
  • Magnesiumhaltige Medikamente
  • Muskelrelaxanzien
  • Narkosemittel
  • Statine

Vor der Verordnung neuer Medikamente sollten Ärzte immer prüfen, ob diese für Patient*innen mit Myasthenia gravis sicher sind.

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COVID-19-Impfung bei Myasthenia Gravis

Patientinnen mit Myasthenia gravis sollten sich gegen COVID-19 impfen lassen, da eine SARS-CoV-2-Infektion das Risiko einer myasthenen Krise erhöhen kann. Studien haben gezeigt, dass die meisten Patientinnen mit neuromuskulären Erkrankungen und Immunsuppression nach der Impfung Anti-Spike-Protein-Antikörper bilden. Allerdings kann die Kombination aus Mycophenolatmofetil (MMF) und Prednisolon die Antikörpertiter signifikant beeinflussen.

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