Rezidivierende Multiple Sklerose (RMS): Definition, Verlaufsformen und Diagnose

Multiple Sklerose (MS) ist eine chronische Autoimmunerkrankung des zentralen Nervensystems, die vor allem junge Erwachsene betrifft. Die Erkrankung ist vielschichtig und variantenreich, wobei unterschiedliche Verlaufsformen existieren, die jeweils spezifische Merkmale und Herausforderungen aufweisen. Zu diesen Verlaufsformen gehören die schubförmig remittierende Multiple Sklerose (RRMS), die sekundär progrediente Multiple Sklerose (SPMS), die primär progrediente Multiple Sklerose (PPMS) sowie die progressive rezidivierende Multiple Sklerose (PRMS).

Die verschiedenen Verlaufsformen der MS im Detail

RRMS - Schubförmig remittierende MS (Multiple Sklerose)

Die schubförmig remittierende Multiple Sklerose (RRMS) ist die häufigste Form der MS. Mehr als 85 bis 90 % der Menschen, die von Multipler Sklerose betroffen sind, erleben einen Verlauf, der mit schubförmig remittierenden Episoden beginnt. Charakteristisch für RRMS sind Schübe, die sich nach einiger Zeit wieder vollständig oder teilweise zurückbilden. In den remittierenden Phasen können einige Menschen mit RRMS nahezu symptomfrei und beschwerdefrei sein.

Die Schübe können mehrere Tage oder Wochen andauern und sich in einer Bandbreite von motorischen Schwierigkeiten bis zu sensorischen oder kognitiven Beeinträchtigungen manifestieren. Die Art und Schwere der MS-Symptome variiert von Person zu Person und kann selbst bei wiederholten Schüben unterschiedlich ausfallen. Auch die Remissionsdauer, in der Symptome wieder nachlassen oder sogar verschwinden, variiert von Wochen bis zu mehreren Jahren.

Die Behandlung von RRMS zielt darauf ab, die Schübe zu reduzieren, die Dauer der Schübe zu verkürzen, die Progression der Krankheit zu verlangsamen und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Dazu werden verschiedene Medikamente und Therapieansätze eingesetzt, die vom behandelnden Arzt entsprechend der individuellen Situation des Patienten ausgewählt werden.

SPMS - Sekundär progrediente MS (Multiple Sklerose)

Bei SPMS tritt nach anfänglichen schubförmigen Phasen, die durch Remissionen und Schübe gekennzeichnet sind, eine allmähliche Verschlechterung der neurologischen Funktionen auf, ohne klare Rückbildungsphasen. Anders als bei der RRMS, bei der die Schübe mit Phasen der Erholung einhergehen, zeigt die SPMS also einen fortschreitenden Verlauf, bei dem die Symptome der MS zunehmen, unabhängig von akuten Schüben. Der Übergang von RRMS zu SPMS kann schleichend erfolgen und nicht jeder Mensch mit RRMS entwickelt zwangsläufig eine SPMS. Die genauen Ursachen der SPMS sind nicht vollständig verstanden, und die Krankheit kann bei verschiedenen Menschen unterschiedlich verlaufen.

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Die Behandlung von SPMS zielt darauf ab, das Fortschreiten der Behinderung zu verlangsamen und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Es ist wichtig zu beachten, dass die Therapieansätze je nach individueller Situation variieren können, und die Entscheidungen sollten in Absprache mit einem Neurologen oder einem MS-Spezialisten getroffen werden.

PPMS - Primär progrediente MS (Multiple Sklerose)

Im Gegensatz zu den schubförmig-remittierenden Verlaufsformen, bei denen die Symptome episodisch auftreten und zwischen den Schüben Phasen der Besserung möglich sind, zeichnet sich die PPMS durch eine allmähliche und kontinuierliche Verschlechterung der neurologischen Funktionen aus, ohne ausgeprägte Schubphasen. Bei der Primär progredienten Multiplen Sklerose schreiten die Symptome also von Beginn an kontinuierlich fort. Die Primär progrediente Multiple Sklerose (PPMS) betrifft etwa 10% aller Fälle von MS. Darüber hinaus wird darauf hingewiesen, dass die PPMS in der Regel bei Menschen diagnostiziert wird, die später im Leben, oft nach dem 40. Lebensjahr, betroffen sind. Dies steht im Kontrast zur schubförmig remittierenden MS, die häufiger in jüngeren Jahren auftritt. Es ist wichtig, dass die Behandlung von einem Neurologen oder einem Spezialisten für Multiple Sklerose überwacht wird, da die Therapie je nach Verlaufsform individuell angepasst werden muss.

PRMS - Progressive rezidivierende MS (Multiple Sklerose)

Charakteristisch für diese Verlaufsform ist eine durchgehende Verschlechterung der Symptome von Anfang an, wobei gelegentliche Schubphasen auftreten können. Die PRMS ist in Bezug auf ihren Auftretenanteil unter allen MS-Fällen eher gering und weist in vielerlei Hinsicht einzigartige Merkmale auf. Die Schubphasen bei der PRMS weisen Unterschiede zu den Schüben der schubförmig remittierenden MS (RRMS) auf. In der PRMS sind diese Phasen häufig weniger ausgeprägt und weniger vorhersehbar, was sowohl die Diagnose als auch das Management der Krankheit erschwert. Die Versorgung von Personen mit PRMS erfordert in vielen Fällen ein Team aus Gesundheitsfachleuten, das sich auf die vielfältigen Bedürfnisse der Betroffenen konzentriert.

Klinisch isoliertes Syndrom (CIS) und Benigner Verlauf

Das klinisch isolierte Syndrom bezeichnet das erstmalige Auftreten einer fokalen neurologischen Funktionsstörung, die auf eine Entzündung oder Demyelinisierung im Zentralnervensystem zurückzuführen ist. Das klinisch isolierte Syndrom stellt häufig den Beginn der MS dar. Nach den Angaben müssen die damit verbundenen Symptome für eine Dauer von mehr als 24 Stunden anhalten.

Bei etwa 5 % der Personen, die mit der Diagnose Multiple Sklerose konfrontiert sind, entwickelt sich über Jahrzehnte hinweg keine bedeutende Behinderung. In solchen Fällen wird der Krankheitsverlauf als benigne Multiple Sklerose bezeichnet. Dieser bemerkenswerte Verlauf zeichnet sich durch eine vergleichsweise geringe Beeinträchtigung und eine langsame Progression der Symptome aus, was zu einer insgesamt milderen Ausprägung der Krankheit führt.

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Die Erforschung solcher Verläufe ist von großem Interesse, um ein besseres Verständnis der zugrunde liegenden Mechanismen der Multiplen Sklerose zu erlangen und möglicherweise Ansätze für eine gezieltere Therapie zu entwickeln.

Wie werden die Verlaufsformen diagnostiziert?

Die Unterscheidung der verschiedenen Verlaufsformen der Multiplen Sklerose ist keine einfache Aufgabe. Die Diagnose kann von Neurologe zu Neurologe unterschiedlich ausfallen, da sie auf einer langfristigen Beobachtung des Krankheitsverlaufs basiert. Ein wichtiger Faktor ist, ob die Einschränkungen im Laufe der Zeit zugenommen haben, auch wenn keine akuten Schübe aufgetreten sind. Auch das Alter des Patienten spielt eine Rolle, da körperliche Einschränkungen im Alter ohnehin zunehmen können. Manchmal ist es schwierig zu beurteilen, ob die Beschwerden auf die MS oder auf den natürlichen Alterungsprozess zurückzuführen sind. Die Anzahl der Entzündungsherde kann ebenfalls eine Rolle spielen, da der Körper je nach körperlicher Verfassung, Alter und Stress gewisse Einschränkungen besser oder schlechter kompensieren kann.

Behandlungsmöglichkeiten der MS und Medikamente

Je nach Verlaufsform der Multiplen Sklerose stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten bzw. Medikamente zur Verfügung. Es gibt verschiedene Verlaufsformen der MS inklusive der dafür zugelassenen Medikamente.

MS-Schübe und Pseudo-Schübe

Der Beginn einer MS-Erkrankung wird oft durch einen Schub gekennzeichnet. Etwa 70 Prozent der Betroffenen erleben MS-Schübe, die von unterschiedlichen Symptomen begleitet sein können. Das Erkennen eines MS-Schubs gestaltet sich nicht immer einfach. Abhängig von der Lokalisation der Entzündung können die Anzeichen für einen Schub variieren. Grundsätzlich spricht man von einem Schub, wenn die Symptome länger als 24 Stunden andauern und mehr als 30 Tage nach Beginn des letzten Schubs neue oder bereits bekannte Symptome auftreten.

Neben den "echten" Schüben gibt es auch sogenannte Pseudo-Schübe. Es ist kein echter Schub, fühlt sich aber so an und kann bei allen Verlaufsformen der MS auftreten. Typisch ist: Ein „Pseudo-Schub“ bei MS dauert oft nur wenige Stunden und kann durch Stress, Hitze oder auch sportliche Extrembelastung ausgelöst werden. Auch fieberhafte Infekte oder mit Schmerzen verbundene Erkrankungen gehen manchmal mit einem Pseudo-Schub einher.

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Unabhängig von der Form Ihrer MS-Erkrankung: Wenn Sie einen akuten MS-Schub haben, wird Ihre Neurologin bzw. Ihr Neurologe möglichst schnell eine Behandlung einleiten. Dies wird gegebenenfalls mit hochdosiertem Kortison erfolgen. Diese schnelle Therapie wird auch als Stoß- oder Pulstherapie bezeichnet. Sie kann rasch die Entzündungsaktivität im ZNS eindämmen und damit die Schub-Symptome zurückdrängen.

Standardisierte diagnostische Kriterien

Entscheidend für die Diagnosestellung sind die klinischen Symptome, ergänzt durch die Magnetresonanztomografie (MRT). Hauptkriterium ist die örtliche und zeitliche Dissemination von entzündlichen Manifestationen im ZNS. Eine Liquoruntersuchung zum Nachweis der entzündlichen Genese nachgewiesener multifokaler Störungen ist bei allen unklaren Fällen und bei älteren Patienten erforderlich.

Wegen der insbesondere zu Beginn einer MS bestehenden Schwierigkeit, das vielfältige Symptomenbild eindeutig zuzuordnen, und der gleichzeitig bestehenden Notwendigkeit eines frühzeitigen Behandlungsbeginns, hat man sich auf standardisierte diagnostische Kriterien geeinigt, mit denen die Wahrscheinlichkeit der Diagnose als klinisch eindeutig, wahrscheinlich oder möglich eingestuft wird. Da es keinen spezifischen Laborparameter gibt, der als MS-beweisend gelten könnte, muss die diagnostische Einschätzung unter Berücksichtigung der Anamnese, des klinischen Befundes, von Zusatzuntersuchungen und nicht zuletzt des Verlaufs vorgenommen werden.

In den diagnostischen Kriterien, wie sie vorgeschlagen wurden, stehen die MRT-Befunde insbesondere hinsichtlich der zeitlichen und örtlichen Dissemination im Vordergrund. Sie ermöglichen zu einem frühen Zeitpunkt die Diagnosestellung und damit einen frühzeitigen Therapiebeginn und werden auch in klinischen Studien als Einschlusskriterium genutzt.

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