Rhus Toxicodendron: Homöopathische Behandlung bei Parkinson und anderen Beschwerden

Rhus toxicodendron, auch bekannt als Giftefeu, ist ein in der Homöopathie häufig verwendetes Mittel. Es wird aus dem Eichenblättrigen Giftsumach gewonnen, der hauptsächlich in Nordamerika wächst. Der Inhaltsstoff Urushiol kann bei Berührung einen juckenden Ausschlag auslösen. In der Homöopathie wird Rhus toxicodendron in stark verdünnter Form (potenziert) eingesetzt. Es findet Anwendung bei verschiedenen Beschwerden, insbesondere im Bereich des Bewegungsapparates, der Haut und der Psyche.

Anwendungsgebiete von Rhus Toxicodendron

Rhus toxicodendron wird in der Homöopathie bei einer Vielzahl von Beschwerden eingesetzt. Zu den typischen Anwendungsgebieten gehören:

  • Erkrankungen des Bewegungsapparates: Akute Schmerzen nach Verrenkungen, Verstauchungen und Zerrungen, Hexenschuss, Arthrose, Arthritis, Lumbago, Ischiasbeschwerden, Muskelkater, Halswirbelsäulensyndrom, Sehnenscheidenentzündungen, Muskel- und Sehnenzerrungen.
  • Hautbeschwerden: Hautausschläge mit Bläschenbildung, Gürtelrose (Herpes zoster), Windpocken.
  • Erkältungskrankheiten: Grippale Infekte, Erkältungen, fiebrige Infekte.
  • Psychische Beschwerden: Depressionen, die durch körperliche Überanstrengung entstanden sind, Schlafstörungen.
  • Augenerkrankungen: Bindehautentzündung (Konjunktivitis).

Charakteristische Merkmale für die Anwendung von Rhus Toxicodendron

Rhus toxicodendron hat einige sehr charakteristische Merkmale, die es im Krankheitsfall als das passende homöopathische Mittel kennzeichnen:

  • Der Patient will sich (trotz der Schmerzen!) ständig bewegen.
  • Vor allem nachts findet der Patient in keiner Position Ruhe.
  • Der Patient hat eine empfindliche, belegte Zunge mit roter Zungenspitze.
  • Die kranke Person hat Durst und Verlangen nach kalter Milch.
  • Es kommt zu trockenem Husten, wenn die Person friert, besonders nachts.

Die Beschwerden werden besser durch:

  • Fortgesetzte Bewegungen
  • Warme und heiße Anwendungen
  • Warmes Baden oder Reiben

Die Beschwerden werden schlimmer durch:

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  • Nässe und Kälte
  • Kaltes Baden
  • Zugluft
  • Frühjahr und Herbst
  • Zu Beginn der Bewegung
  • Ruhe
  • Längeres Liegen oder Stehen
  • Körperliche Anstrengung
  • Nachts
  • Nach Mitternacht

Rhus Toxicodendron für Babys und Kinder

Rhus toxicodendron kann bei Kindern bei der Behandlung von grippalen Infekten, Verstauchungen und Zerrungen sowie bei Windpocken und anderen juckenden Hautausschlägen mit Bläschen eingesetzt werden. Die Kinder sind unruhig und werfen sich im Schlaf hin und her. Meist wollen sie nichts Festes essen, verlangen aber nach kalten Getränken. Haben die Kinder Gliederschmerzen, sind diese schlimmer, wenn die Kinder ruhig liegen sollen. Sie finden keine Position, in der sie gut und beschwerdefrei liegen können und suchen ständig nach einer bequemen Stellung. Bewegen sie sich, schmerzt die anfängliche Bewegung, nach kurzer Zeit werden die Schmerzen aber deutlich besser.

Der Rhus-Toxicodendron-Typ

Der Gemütszustand eines Rhus-toxicodendron-Patienten wechselt oft mit dem Stadium der Erkrankung. Eigentlich ist der Patient fröhlich, witzig und sehr lebhaft, schlagfertig und freundlich. Wird der Rhus-toxicodendron-Typ krank, weicht dieser Zustand einer inneren Ruhelosigkeit und Erregung. Der Patient ist nun leicht reizbar und schnell frustriert. Das Rhus-toxicodendron-Kind ist unruhig und kann kaum stillhalten. Diese Ruhelosigkeit geht oft mit großer Reizbarkeit oder gar Boshaftigkeit einher.

Anwendung und Dosierung von Rhus Toxicodendron

Rhus toxicodendron ist ein homöopathisches Einzelmittel, das als Streukügelchen (Globuli), Salbe oder als Tropfen erhältlich ist. Viele homöopathische Komplexmittel, die zur Behandlung von Beschwerden des Bewegungsapparates oder bei grippalen Infekten eingesetzt werden, enthalten Rhus toxicodendron.

Bei akuten Krankheiten wird Rhus toxicodendron D6 mehrmals täglich eingenommen. Die Globuli lässt man unter der Zunge zergehen. Man kann im akuten Krankheitsfall mit halbstündlicher bis stündlicher Einnahme beginnen. Setzt die Besserung ein, werden die Abstände größer. Geht es einem anhaltend gut, kann man die Einnahme beenden. Rhus toxicodendron D12 eignet sich ebenfalls zur Behandlung von akuten Krankheiten. Diese Potenz sollte man aber nur ein bis zwei Mal täglich einnehmen. Das gleiche gilt für Rhus toxicodendron D30 und Rhus toxicodendron C30.

Höhere D-Potenzen (erkenntlich an einer Zahl von 200 und höher nach dem Buchstaben D), C-Potenzen höher als Rhus toxicodendron C30 oder Rhus toxicodendron C200 sowie homöopathische Tropfen (zum Beispiel Rhus toxicodendron LM 6) sollten nur nach Verordnung durch einen Homöopathen eingesetzt werden. Sie kommen bei schweren Krankheitsverläufen und chronischen Krankheiten infrage.

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Homöopathische Arzneimittel haben keine Nebenwirkungen, beim Auftreten von Erstverschlimmerungen muss aber die Einnahme von Rhus toxicodendron unterbrochen werden. Bei Selbstmedikation sollen sich die Beschwerden rasch bessern.

Rhus Toxicodendron bei spezifischen Beschwerden

  • Arthritis: Die Gelenke fühlen sich steif an, Schmerzen werden bei Bewegung des Gelenkes erst schlimmer, dann lassen sie allmählich nach. Eine Woche lang täglich einmal 3 Globuli Rhus toxicodendron D12 abends einnehmen.
  • Arthrose: Die Gelenke schmerzen und fühlen sich steif an. Besonders Nässe und Kälte verschlimmern die Beschwerden, Wärme und Bewegung verbessern die Schmerzen. Eine Woche lang täglich einmal 3 Globuli Rhus toxicodendron D12 abends einnehmen.
  • Lumbago (Hexenschuss): Oft nach Verheben. Starke Steifheit und Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule und des Kreuzbeines, in Verbindung mit Taubheitsgefühl oder als wäre der Bereich eingeschlafen. Die Schmerzen werden weniger durch Liegen auf dem Rücken und auf einer harten Unterlage, auch durch leichte Bewegung bessern sich die Symptome. Eine Verschlimmerung tritt bei Ruhe und feuchtkaltem Wetter auf. 3 Globuli Rhus toxicodendron D6 bis zu sechsmal täglich oder 3 Globuli Rhus toxicodendron D12 zweimal täglich.
  • Ischiasbeschwerden: Reißende Schmerzen mit dem Gefühl, man habe sich verrenkt. Entsteht durch Überheben und bei feucht-kaltem Wetter. Andauernde Bewegung verbessert die Beschwerden nach anfänglicher Verschlimmerung. Wärme und Massage lindern die Beschwerden. 3 Globuli Rhus toxicodendron D6 bis zu sechsmal täglich oder 3 Globuli Rhus toxicodendron D12 zweimal täglich.
  • Muskelkater: Reißende und ziehende Schmerzen nach körperlicher Überanstrengung, insbesondere zu Beginn einer Bewegung. Abgespanntheit und Müdigkeit, dabei trotzdem großer Bewegungsdrang. Besserung durch anhaltende Bewegung und Wärme, Verschlechterung durch Kälte. 3 Globuli Rhus toxicodendron D6 bis zu sechsmal täglich oder 3 Globuli Rhus toxicodendron D12 zweimal täglich.
  • Halswirbelsäulensyndrom: Nackenschmerzen durch falsches Liegen oder Verdrehen. Rheumatische Nackenschmerzen vor allem bei nasskaltem Wetter. Bewegungen sind zuerst schmerzhaft, verbessern aber die Beschwerden. 3 Globuli Rhus toxicodendron D6 bis zu sechsmal täglich oder 3 Globuli Rhus toxicodendron D12 zweimal täglich.
  • Sehnenscheidenentzündungen: Nach Überanstrengung. Anfängliche Bewegung schmerzt, danach bessern sich die Beschwerden. Verschlechterung durch Ruhe und Kälte. Eine Woche lang täglich einmal 3 Globuli Rhus toxicodendron D12 abends einnehmen.
  • Muskel- und Sehnenzerrungen: Anfängliche Bewegung schmerzt, danach verbessern sich die Beschwerden. Verschlechterung durch Kälte, Nässe und Ruhe. 3 Globuli Rhus toxicodendron D6 bis zu sechsmal täglich oder 3 Globuli Rhus toxicodendron D12 zweimal täglich.
  • Verstauchungen, Verrenkungen, Prellungen: Gelenke oft heiß und geschwollen. Ziehende Schmerzen zu Beginn der Bewegung, die bei fortgesetzter Bewegung nachlassen. Verbesserung durch Wärme. 3 Globuli Rhus toxicodendron D6 bis zu sechsmal täglich oder 3 Globuli Rhus toxicodendron D12 zweimal täglich.
  • Bindehautentzündung (Konjunktivitis): Häufig als Folge einer Erkältung bei nasskaltem Wetter. Die Augenlider sind morgens eitrig verklebt, der Tränenfluss ist verbunden mit brennenden Schmerzen. Besonders das Oberlid ist geschwollen. 3 Globuli Rhus toxicodendron D6 bis zu sechsmal täglich oder 3 Globuli Rhus toxicodendron D12 zweimal täglich; 3 Globuli Rhus toxicodendron C30 in Wasser auflösen und damit die Augen auswaschen.
  • Erkältungen, Grippe, fiebrige Infekte: Besonders, wenn die Erkältung mit starken Gliederschmerzen verbunden ist. Die Beschwerden entstehen als Folge von Kälte, Nässe oder starkem Schwitzen. Fieber geht mit Fieberbläschen und Schüttelfrost einher, der Kopf ist heiß, Hände und Füße sind eher kalt. Der Mund ist trocken, häufig hat die Zunge einen bräunlichen Belag. Man fühlt sich ruhelos und benommen. 3 Globuli Rhus toxicodendron D6 bis zu sechsmal täglich oder 3 Globuli Rhus toxicodendron D12 zweimal täglich.
  • Gürtelrose (Herpes zoster): Stechende Schmerzen im betroffenen Bereich. Die Haut ist rot und mit Bläschen besetzt. Juckreiz. Besserung durch warme Auflagen. Patient fühlt sich zerschlagen und ist unruhig. 3 Globuli Rhus toxicodendron D6 bis zu sechsmal täglich oder 3 Globuli Rhus toxicodendron D12 zweimal täglich; 3 Globuli Rhus toxicodendron C30 in Wasser auflösen und damit die Haut betupfen.
  • Hautausschläge: Die betroffene Haut ist meist feucht und geschwollen. Häufig rote, juckende Bläschen. Brennende Schmerzen. 3 Tage lang jeweils 3 Globuli Rhus toxicodendron D30 täglich; 3 Globuli Rhus toxicodendron C30 oder D30 in Wasser auflösen und damit die Haut betupfen.
  • Schlafstörungen: Unruhiger Schlaf mit Herumwerfen im Bett. Nach dem Erwachen ist man immer noch müde. 3 Tage lang jeweils 3 Globuli Rhus toxicodendron D30 täglich.

Rhus Toxicodendron und Parkinson

Obwohl Rhus toxicodendron nicht direkt zur Behandlung von Parkinson eingesetzt wird, gibt es einige Überschneidungen in den Symptomen, die eine Anwendung in Betracht ziehen lassen könnten. Parkinson ist eine langsam fortschreitende neurologische Erkrankung, bei der Nervenzellen absterben. Typische Symptome sind Zittern, Verlangsamung von Bewegungen, Muskelsteifheit und Schwierigkeiten beim Gehen.

Einige der Symptome, bei denen Rhus toxicodendron in der Homöopathie eingesetzt wird, können auch bei Parkinson auftreten, wie z.B. Muskel- und Gelenkschmerzen, Ruhelosigkeit und Schlafstörungen. In diesen Fällen könnte Rhus toxicodendron als Begleittherapie in Betracht gezogen werden, um die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass Parkinson eine komplexe Erkrankung ist, die eine umfassende medizinische Behandlung erfordert. Rhus toxicodendron sollte daher niemals als Ersatz für eine konventionelle Parkinson-Therapie eingesetzt werden.

Wichtiger Hinweis

Leiden Sie unter Lähmungserscheinungen in Verbindungen mit Krämpfen und Herzbeschwerden, sollten Sie die Ursache immer schulmedizinisch abklären lassen. Rhus toxicodendron kann eventuell unterstützend hilfreich sein. Gehen Sie bei länger anhaltenden oder schlimmer werdenden Beschwerden immer zu einem Arzt oder einer Ärztin und lassen Sie die Ursache abklären. Das gilt besonders bei Erkrankungen von Babys und Kindern.

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Die Homöopathie: Ein umstrittenes Konzept

Das Konzept der Homöopathie und ihre spezifische Wirksamkeit sind in der Wissenschaft umstritten und durch Studien nicht eindeutig belegt. Die Homöopathie ist eine „sanfte“ Heilmethode aus dem Bereich der sogenannten Komplementärmedizin. Damit ist gemeint, dass Heilformen dieser Richtung eine Basistherapie ergänzen können. Bei der Homöopathie verschreibt Ihnen der Arzt oder Heilpraktiker Arzneien in einer extrem verdünnten Form, die als Potenz bezeichnet wird. Bei einer D1-Potenz wurde der Wirkstoff in einem Verhältnis von 1:10 verdünnt, bei einer D 2 -Potenz ist es 1:100 potenziert und so weiter. Es wird nicht der Rückenschmerz behandelt, sondern die Erkrankung, die ihn ausgelöst hat, beispielsweise eine Verspannung. Je nach Therapieauffassung wird der Ausgangspunkt der Grunderkrankung erfragt und therapiert. Es ist einleuchtend, dass eine Diagnose sehr viel mehr Zeit in Anspruch nimmt, als „nur“ das Symptom auszuschalten. Es werden viele sogenannte Modalitäten berücksichtigt: Reaktion auf Wärme, Kälte, Ruhe, Bewegung, Stimmungslage, Schlaf, Durst, Schwitzen und vieles mehr. Aus diesem Grund ist es auch nicht möglich, an dieser Stelle eine Empfehlung für bestimmte Homöopathika auszusprechen.

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