Migräne ist eine chronische neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, oft sehr starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Diese Kopfschmerzen können von einer Reihe weiterer Symptome begleitet sein, darunter Übelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit (Photophobie) und Geräuschempfindlichkeit (Phonophobie). Migräne kann das tägliche Leben erheblich beeinträchtigen, die Arbeitsfähigkeit einschränken und die Lebensqualität mindern. Glücklicherweise gibt es eine Reihe von Strategien, die helfen können, Migräneanfälle zu vermeiden oder ihre Häufigkeit und Intensität zu reduzieren.
Was ist Migräne?
Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Es ist eine komplexe neurologische Erkrankung, die verschiedene Phasen durchlaufen kann, obwohl nicht alle Betroffenen alle Phasen erleben. Die Internationale Kopfschmerzgesellschaft (IHS) hat eine detaillierte Klassifikation von Kopfschmerzerkrankungen (ICHD-3) erstellt, die hilft, Migräne von anderen Kopfschmerzarten zu unterscheiden.
Die Phasen einer Migräne
- Prodromalphase: Bis zu zwei Tage vor einem Migräneanfall können Warnsymptome auftreten. Diese Prodromalsymptome können Stimmungsschwankungen, Müdigkeit, Nackensteifigkeit, Heißhunger, Durchfall oder Verstopfung umfassen.
- Aura: Bei manchen Menschen geht dem Migräneanfall eine Aura voraus, die sich durch Sehstörungen (z. B. verschwommenes Sehen, Lichtblitze, Zickzacklinien) oder andere sensorische Probleme äußern kann. Auren können bis in die Anfallsphase hinein andauern.
- Anfallsphase: Während dieser Phase treten starke, pochende Kopfschmerzen auf, oft begleitet von Licht- und Geräuschempfindlichkeit sowie Übelkeit. Die Schmerzen können einige Stunden bis zu drei Tage anhalten.
- Postdrom: Diese Phase, oft als "Migränekater" bezeichnet, kann mit Müdigkeit, Stimmungsschwankungen, Konzentrationsschwierigkeiten und Berührungsempfindlichkeit einhergehen.
Es ist auch möglich, eine Migräne ohne Kopfschmerzen zu haben, eine sogenannte stille Migräne, bei der andere Symptome wie Sehstörungen und Übelkeit auftreten.
Sofortmaßnahmen bei einem Migräneanfall
Wenn ein Migräneanfall einsetzt, ist es wichtig, schnell zu handeln, um die Symptome zu lindern. Hier sind einige Maßnahmen, die helfen können:
- Ruhe in einem dunklen und ruhigen Raum: Licht- und Geräuschempfindlichkeit sind typische Symptome. Ein abgedunkelter, ruhiger Raum kann helfen, die Reize zu minimieren.
- Ausreichend Wasser trinken: Dehydration kann Migräne auslösen oder verstärken. Kleine Schlucke Wasser können auch helfen, Übelkeit zu lindern.
- Koffein: In kleinen Dosen kann Koffein die Symptome lindern, da es gefäßverengend wirkt. Allerdings sollte der Konsum auf maximal 200 mg pro Tag begrenzt werden, da zu viel Koffein auch ein Auslöser sein kann.
- Warme oder kalte Kompressen: Kälte kann eine betäubende Wirkung haben, während Wärme verspannte Muskeln lockern kann. Experimentieren Sie, um herauszufinden, was besser hilft.
- Lavendelduft: Der Duft von Lavendel kann beruhigend wirken und Stress reduzieren. Lavendelöl kann inhaliert oder auf die Schläfen aufgetragen werden.
Strategien zur Vorbeugung von Migräneanfällen
Die Vorbeugung von Migräneanfällen ist ein wichtiger Aspekt im Umgang mit dieser Erkrankung. Es gibt verschiedene Ansätze, die helfen können, die Häufigkeit und Intensität der Anfälle zu reduzieren.
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Identifizierung und Vermeidung von Triggern
Ein wichtiger Schritt bei der Migräneprophylaxe ist die Identifizierung und Vermeidung von Auslösern (Triggern). Diese können von Person zu Person variieren, aber einige häufige Trigger sind:
- Stress: Stress ist einer der Hauptauslöser. Techniken zur Stressbewältigung wie Meditation, Atemübungen und Yoga können helfen.
- Schlafmangel oder übermäßiger Schlaf: Ein regelmäßiger Schlafrhythmus ist wichtig.
- Bestimmte Nahrungsmittel und Getränke: Dazu gehören Alkohol (insbesondere Rotwein), Koffein, Schokolade, Käse und verarbeitete Lebensmittel. Ein Migräne-Tagebuch kann helfen, spezifische Nahrungsmittel als Auslöser zu identifizieren.
- Dehydration: Ausreichend Wasser trinken ist wichtig, um Dehydration zu vermeiden.
- Hormonelle Veränderungen: Bei Frauen können hormonelle Schwankungen im Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus, der Schwangerschaft oder den Wechseljahren Migräne auslösen.
- Wetterveränderungen: Einige Menschen sind empfindlich gegenüber Wetterveränderungen wie Temperatur- oder Luftdruckschwankungen.
- Gerüche und Licht: Starke Gerüche, helles oder flackerndes Licht können ebenfalls Migräne auslösen.
Ein Migräne-Tagebuch führen
Das Führen eines Migräne-Tagebuchs ist ein wertvolles Hilfsmittel, um Muster und Auslöser zu erkennen. Notieren Sie Datum und Uhrzeit jedes Anfalls, Symptome, eingenommene Medikamente, Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme sowie mögliche Auslöser.
Lebensstiländerungen
- Regelmäßige Mahlzeiten: Das Auslassen von Mahlzeiten kann zu Blutzuckerschwankungen führen, die Migräne auslösen können.
- Regelmäßige Bewegung: Moderater Ausdauersport wie Joggen, Schwimmen oder Radfahren kann helfen, Migräne vorzubeugen.
- Stressmanagement: Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung nach Jacobson, autogenes Training oder Meditation können helfen, Stress abzubauen.
- Schlafhygiene: Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlafrhythmus und schaffen Sie eine entspannende Schlafumgebung.
Medikamentöse Prophylaxe
Wenn Lebensstiländerungen und die Vermeidung von Triggern nicht ausreichen, kann eine medikamentöse Prophylaxe in Betracht gezogen werden. Es gibt verschiedene Medikamente, die zur Vorbeugung von Migräne eingesetzt werden können:
- Betablocker: Propranolol, Metoprolol und Bisoprolol werden häufig zur Migräneprophylaxe eingesetzt.
- Kalziumkanalblocker: Flunarizin wird zur Vorbeugung von Migräne und Schwindel eingesetzt.
- Antikonvulsiva: Valproinsäure und Topiramat werden zur Vorbeugung von Krampfanfällen eingesetzt, können aber auch bei Migräne helfen.
- Antidepressiva: Amitriptylin, ein trizyklisches Antidepressivum, wird manchmal zur Migräneprophylaxe eingesetzt.
- Botulinumtoxin A (Botox): Injektionen mit Botox können bei chronischer Migräne helfen.
- Monoklonale Antikörper: Diese relativ neuen Medikamente zielen auf das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) ab, ein Molekül, das bei Migräne eine Rolle spielt. Sie werden als Spritze unter die Haut verabreicht. Beispiele sind Erenumab, Fremanezumab und Galcanezumab.
Die Auswahl des geeigneten Medikaments hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Häufigkeit und Schwere der Migräneanfälle, Begleiterkrankungen und individuelle Vorlieben.
Alternative und ergänzende Therapien
Einige Menschen finden Linderung durch alternative und ergänzende Therapien wie:
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- Akupunktur: Einige Studien deuten darauf hin, dass Akupunktur bei der Vorbeugung von Migräne helfen kann.
- Biofeedback: Diese Technik hilft, Körperfunktionen wie Herzfrequenz und Muskelspannung zu kontrollieren, was bei der Stressbewältigung und Migräneprophylaxe hilfreich sein kann.
- Magnesium: Ein Magnesiummangel kann zu Migräne beitragen. Die Einnahme von Magnesiumpräparaten kann helfen, Migräneanfälle zu reduzieren.
- Pestwurz: Ein Extrakt aus der Pestwurz hat sich in einigen Studien als wirksam bei der Migräneprophylaxe erwiesen, kann aber in seltenen Fällen Leberschäden verursachen.
- Mutterkraut: Einige Studien deuten darauf hin, dass Mutterkraut bei der Vorbeugung von Migräne helfen kann.
Es ist wichtig, vor Beginn einer alternativen Therapie mit einem Arzt zu sprechen, um sicherzustellen, dass sie sicher und geeignet ist.
Umgang mit hormonell bedingter Migräne
Viele Frauen leiden unter Migräneanfällen, die mit hormonellen Veränderungen im Zusammenhang stehen. Dies betrifft vor allem Frauen, die mit hormonell bedingter Migräne diagnostiziert wurden, die mit dem Menstruationszyklus und Imbalancen in Verbindung gebracht wird. Der Östrogen-, Gestagen- und Opioid-Spiegel schwankt vor, während und nach der Menstruation. Besonders der Abfall des Östrogenspiegels wird dabei als Auslöser betrachtet.
Strategien für hormonell bedingte Migräne
- Regelmäßiger Lebensstil: Ein regelmäßiger Schlafrhythmus, regelmäßige Mahlzeiten und Stressmanagement sind besonders wichtig.
- Hormonelle Verhütungsmittel: In einigen Fällen können hormonelle Verhütungsmittel helfen, den Hormonspiegel zu stabilisieren und Migräneanfälle zu reduzieren. Es ist wichtig, mit einem Arzt über die verschiedenen Optionen zu sprechen.
- Migräneprophylaxe: Medikamente wie Triptane können während der Menstruation eingenommen werden, um Migräneanfälle zu verhindern oder zu lindern.
Medikamentöse Behandlung von Migräneanfällen
Neben vorbeugenden Maßnahmen gibt es auch Medikamente zur Behandlung akuter Migräneanfälle. Dazu gehören:
- Schmerzmittel: Ibuprofen, Paracetamol und Acetylsalicylsäure (ASS) können bei leichten bis mittelschweren Migräneanfällen helfen.
- Triptane: Diese Medikamente wirken, indem sie die erweiterten Blutgefäße im Gehirn wieder verengen. Sie sind wirksam bei der Linderung von Migränekopfschmerzen und Begleitsymptomen wie Übelkeit und Lichtempfindlichkeit. Beispiele sind Sumatriptan, Naratriptan und Zolmitriptan.
- Antiemetika: Medikamente wie Metoclopramid und Domperidon können helfen, Übelkeit und Erbrechen zu lindern. Sie können auch die Aufnahme von Schmerzmitteln verbessern.
- Mutterkornalkaloide: Diese Medikamente werden nur in Ausnahmefällen zur Behandlung akuter Migräneanfälle empfohlen, da sie mehr Nebenwirkungen haben als andere Optionen.
- Kortikosteroide: Bei langanhaltenden Migräneattacken (Status migraenosus) können Kortikosteroide wie Prednison oder Dexamethason verabreicht werden.
Es ist wichtig, Medikamente frühzeitig während eines Migräneanfalls einzunehmen, um ihre Wirksamkeit zu maximieren.
Wichtig zu beachten
- Medikamenteninduzierter Kopfschmerz: Die übermäßige Einnahme von Schmerzmitteln oder Triptanen kann zu einem medikamenteninduzierten Kopfschmerz führen. Es ist wichtig, die empfohlene Dosierung und Häufigkeit der Einnahme einzuhalten.
- Arzt konsultieren: Wenn Sie unter häufigen oder schweren Migräneanfällen leiden, sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um eine Diagnose zu erhalten und einen Behandlungsplan zu entwickeln.
- Selbstmedikation: Die Selbstmedikation mit rezeptfreien Medikamenten kann in manchen Fällen hilfreich sein, sollte aber immer in Absprache mit einem Arzt erfolgen.
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