Roger Cicero: Ursachen und Hintergründe seines Hirnschlags

Der plötzliche Tod des bekannten Jazzmusikers Roger Cicero im vergangenen Jahr hat die Aufmerksamkeit auf das Thema Schlaganfall gelenkt. Cicero verstarb im Alter von nur 45 Jahren an den Folgen eines Hirnschlags, was verdeutlicht, dass diese Erkrankung auch jüngere Menschen treffen kann. Obwohl es traurige Nachrichten gibt, gibt es auch hoffnungsvolle Entwicklungen: Die frühzeitige Erkennung und Behandlung von Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen oder Typ-2-Diabetes führt dazu, dass viele gefährdete Personen vor einem Schlaganfall bewahrt bleiben. Zudem haben sich die Therapiemöglichkeiten in den letzten Jahrzehnten verbessert, was die Sterblichkeitsrate senkt.

Schlaganfall: Eine der häufigsten Todesursachen und Ursache für Behinderungen

Trotz der Fortschritte in der Prävention und Behandlung bleibt der Schlaganfall eine der häufigsten Todesursachen neben Krebs und Herzinfarkt. Zudem steigt die Zahl der Menschen, die nach einem Schlaganfall dauerhafte Beeinträchtigungen erleiden. Diese Beeinträchtigungen können sich in Form von Bewegungseinschränkungen, räumlicher Orientierungslosigkeit, Hilfsbedürftigkeit im Alltag oder Sprachstörungen äußern. Schlaganfälle sind somit die Hauptursache für dauerhafte Behinderungen bei Erwachsenen.

Neue Therapieansätze bei Sprachstörungen nach Schlaganfall

Rehabilitationsärzte, Therapeuten und Pflegekräfte arbeiten intensiv daran, den Betroffenen zu helfen. Ein vielversprechender neuer Ansatz ist die nicht-invasive Stimulation des Gehirns mit Gleichstrom (transkranielle Gleichstromstimulation, tDCS). Während kleinere Studien bereits positive Effekte bei Bewegungseinschränkungen gezeigt haben, deutet eine aktuelle Untersuchung im Fachblatt "Brain" auf eine mögliche Wirkung bei Sprachstörungen hin.

Transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS) bei Aphasie

Agnes Flöel, Neurologin an der Charité Berlin, und Marcus Meinzer, Psychologe an der Universität Queensland, führten eine Studie mit 26 Patienten durch, die nach einem Schlaganfall an Aphasie (Sprachstörung) litten. Die Patienten wurden acht Tage lang jeweils zweimal 20 Minuten mit Elektroden versehen. Eine Hälfte der Teilnehmer erhielt die tDCS, während die andere Hälfte eine Scheinbehandlung (Placebo) erhielt. Weder die Patienten noch die Untersucher wussten, wer welcher Gruppe angehörte.

Alle Teilnehmer absolvierten zudem ein gezieltes Sprachtraining, bei dem sie zweimal anderthalb Stunden täglich das Benennen von Objekten übten. Erwartungsgemäß machten alle Teilnehmer Fortschritte. Allerdings zeigte sich, dass die Teilnehmer, die die echte Stimulation erhielten, beim Benennen von Objekten und der Übertragung auf Alltagssituationen einen größeren Vorsprung hatten. Laut Flöel war der Unterschied nach acht Tagen bereits deutlich erkennbar. Bemerkenswert ist, dass dieser Unterschied auch ein halbes Jahr nach der Behandlung noch nachweisbar war. Die Fortschritte wirkten sich positiv auf Alltagssituationen wie die Auswahl der Brötchen beim Bäcker und das Gespräch mit dem Arzt aus und wurden von den Angehörigen bestätigt.

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Stimulation des motorischen Cortex als "Hintertür" zum Sprachzentrum

Ein interessanter Aspekt der Studie ist, dass die Neurologen den primären motorischen Cortex der linken Hirnhälfte für die Stimulation ansteuerten. Dieser Bereich liegt in der Nähe des Sprachzentrums und ist entwicklungsgeschichtlich eng mit ihm verbunden. Durch die Stimulation des motorischen Cortex erhofften sich die Forscher, die Weiterleitung von Informationen zu verändern und somit das Wiederfinden von Wörtern und sprachlichen Strukturen zu verbessern. Dieser Ansatz ermöglichte es den Medizinern, aufwendige Bildgebung mit dem funktionellen Magnetresonanztomografen (fMRT) zu vermeiden.

Flöel betont, dass dieser Ansatz in Zukunft im Alltag praktikabel sein könnte. Alfons Schnitzler, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, bezeichnete die Studie auf dem jüngsten Fachkongress als "Meilenstein" für den Einsatz der nicht-invasiven Stimulation von Hirnarealen beim Schlaganfall.

Weitere Forschung erforderlich

Ob die tDCS tatsächlich ein gangbarer Behandlungsweg für Aphasien nach Schlaganfall wird, müssen allerdings größere Studien zeigen. Die vielversprechenden Ergebnisse dieser Studie geben jedoch Anlass zur Hoffnung.

Roger Ciceros Zusammenbruch und Tod

Roger Cicero erlitt im November einen schweren Zusammenbruch aufgrund eines akuten Erschöpfungssyndroms und einer Herzmuskelentzündung. Er musste daraufhin alle Termine absagen und sich strikter Bettruhe unterziehen. Als Auslöser galten beruflicher Stress und ein verschleppter Virus.

Cicero berichtete, dass er während eines Besuchs bei Freunden in Heidelberg zusammengebrochen sei und sich völlig kraftlos gefühlt habe. Er habe Angst gehabt und sich furchtbar erschrocken, da er noch nie einen solchen Kontrollverlust über seinen Körper erlebt habe. Seine Freunde riefen einen Notarzt, und Cicero verbrachte die folgenden fünf Wochen in seinem Hotelzimmer in Heidelberg.

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Obwohl er bereits im Vorfeld Anzeichen wie Kurzatmigkeit, mangelnde Belastbarkeit und Bruststechen bemerkt hatte, hatte er diese nicht ernst genommen. Erst der Zusammenbruch ließ ihn aufhorchen.

Nach seiner Genesung gab Cicero zuversichtlich bekannt, dass er für seine große Tour im April wieder fit sein werde. Er feierte bereits am 23. Januar ein Bühnen-Comeback mit seinem Jazztrio in Baden-Württemberg.

Nur wenig später erlitt er jedoch einen Hirnschlag, fiel ins Koma und verstarb noch am selben Tag.

Schlaganfall: Symptome, Risikofaktoren und Notfallmaßnahmen

Ein Schlaganfall tritt auf, wenn Teile des Gehirns nicht mehr ausreichend durchblutet werden und ihre Funktion verlieren. Dies kann zu Lähmungen und Ausfällen führen.

Ursachen

Schlaganfälle können verschiedene Ursachen haben:

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  • Hirninfarkt (Hirnschlag): In 80 bis 85 Prozent der Fälle werden die Hirnarterien durch ein Blutgerinnsel oder eine Gefäßverkalkung verschlossen.
  • Hirnblutung: In 15 bis 20 Prozent der Fälle platzen Gefäße im Inneren des Gehirns, und Blut tritt in das Gewebe aus.

Risikofaktoren

Neben dem Alter und der erblichen Vorbelastung gibt es weitere Risikofaktoren, die einen Schlaganfall begünstigen können:

  • Bluthochdruck
  • Diabetes mellitus
  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • Rauchen
  • Alkoholkonsum

Ein ungesunder Lebensstil erhöht das Risiko für Arteriosklerose, die Verkalkung von Blutgefäßen.

Symptome

Ein Schlaganfall äußert sich oft in folgenden Symptomen:

  • Lähmung eines Fußes, einer Hand oder einer gesamten Körperhälfte
  • Schiefes Gesicht, hängender Mundwinkel, einseitig geschlossenes Augenlid
  • Sprachstörungen
  • Schluckbeschwerden
  • Schwindel
  • Gangunsicherheit
  • Heftige Kopfschmerzen

Notfallmaßnahmen

Bei Verdacht auf einen Schlaganfall muss umgehend der Rettungsdienst unter dem Notruf 112 verständigt werden. Informieren Sie die Rettungsleitstelle über die Symptome und den Verdacht auf einen Schlaganfall.

Bis zum Eintreffen des Notarztes müssen Puls und Atmung überwacht werden. Geben Sie dem Betroffenen nichts zu trinken oder zu essen.

Roger Ciceros Tod: Unerwartet und tragisch

Der Tod von Roger Cicero kam für viele überraschend und unerwartet. Er starb am 24. März an den Folgen eines Hirnschlags, nachdem er wenige Tage zuvor akute neurologische Symptome infolge eines Hirninfarktes erlitten hatte. Sein Zustand verschlechterte sich im Krankenhaus schnell, und er starb im Kreise seiner Liebsten, ohne das Bewusstsein wiederzuerlangen.

Tragischerweise starb auch Ciceros Vater, der Jazzpianist Eugen Cicero, im Alter von 57 Jahren an den Folgen eines Hirnschlags.

Cicero hinterließ seinen Sohn Louis, der im August geboren wurde.

Hätte man es ahnen können?

Ende des vergangenen Jahres musste Cicero mehrere Auftritte aufgrund eines akuten Erschöpfungssyndroms mit Verdacht auf Herzmuskelentzündung absagen. Er berichtete von einem Zusammenbruch in Heidelberg und einem Kontrollverlust über seinen Körper. Ob die Auszeit, die er sich daraufhin nahm, ausreichend war, bleibt offen.

Hirnschlag, Schlaganfall oder Hirninfarkt: Was ist der Unterschied?

Die Begriffe Hirnschlag, Schlaganfall und Hirninfarkt bezeichnen dasselbe Ereignis: eine plötzliche Durchblutungsstörung im Gehirn, die zu einer Schädigung des Hirngewebes führt.

Schlaganfall: Nicht nur eine Erkrankung älterer Menschen

Obwohl das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, mit dem Alter zunimmt, können auch jüngere Menschen betroffen sein. Etwa fünf bis zehn Prozent aller Schlaganfälle treten bei Menschen unter 50 Jahren auf.

Gibt es erbliche Risikofaktoren für einen Schlaganfall?

Ja, es gibt erbliche Risikofaktoren für einen Schlaganfall. Menschen, deren Verwandte von einem Schlaganfall betroffen sind, haben ein erhöhtes Schlaganfall-Risiko.

Vorboten eines Schlaganfalls

In einigen Fällen treten die Schlaganfallsymptome nur kurzzeitig auf oder bilden sich zunächst wieder zurück. Dies kann ein Warnsignal für einen bevorstehenden Schlaganfall sein (transitorische ischämische Attacke, TIA) und sollte ärztlich abgeklärt werden.

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