Das Rückenmark ist ein wichtiger Teil unseres Körpers, der oft übersehen wird. Es ist wie eine Super-Datenautobahn, die Informationen zwischen unserem Gehirn und dem Rest unseres Körpers transportiert. In diesem Artikel werden wir das Rückenmark genauer unter die Lupe nehmen, seine Aufgaben erklären und wie es uns im Alltag hilft.
Was ist das Rückenmark?
Das Rückenmark ist ein Teil des zentralen Nervensystems, zu dem auch das Gehirn gehört. Es ist ein langer, dünner Strang aus Nervengewebe, der sich im Wirbelkanal befindet. Der Wirbelkanal ist ein knöcherner Tunnel, der durch die Wirbel der Wirbelsäule gebildet wird. Das Rückenmark ist also gut geschützt.
Das Rückenmark beginnt am unteren Ende des Gehirns, am Übergang zwischen Gehirn und Rückenmark, dem sogenannten Hirnstamm. Es erstreckt sich dann bis zum Bereich der Lendenwirbel. Bei Kindern endet das Rückenmark etwas tiefer, etwa in Höhe des vierten Lendenwirbels. Am unteren Ende verjüngt sich das Rückenmark und endet als dünner Faden, das sogenannte Filum terminale.
Wie ist das Rückenmark aufgebaut?
Wenn man das Rückenmark im Querschnitt betrachtet, erkennt man zwei Hauptbereiche: die graue Substanz und die weiße Substanz.
Graue Substanz: Die graue Substanz befindet sich im Inneren des Rückenmarks und hat eine schmetterlingsförmige Gestalt. Sie besteht hauptsächlich aus Nervenzellkörpern, den eigentlichen "Denkern" des Nervensystems. Die graue Substanz ist in verschiedene Bereiche unterteilt, die unterschiedliche Aufgaben haben:
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- Hinterhorn: Hier treten die Nervenfasern der Spinalnerven ein, die Informationen aus dem Körper zum Gehirn transportieren. Dazu gehören Empfindungen wie Wärme, Kälte, Schmerz und Berührung.
- Vorderhorn: Hier treten die Nervenfasern aus, die die Muskeln steuern. Über sie gelangen Befehle für bewusste und reflexartige Bewegungen an die entsprechenden Muskeln.
- Seitenhorn: Dieser Bereich ist nur in bestimmten Abschnitten des Rückenmarks vorhanden und enthält Nervenzellen des autonomen Nervensystems. Dieses steuert unbewusste Körperfunktionen wie Herzschlag, Atmung und Verdauung.
Weiße Substanz: Die weiße Substanz umgibt die graue Substanz und besteht hauptsächlich aus Nervenfasern, den sogenannten Axonen. Diese Nervenfasern sind von einer isolierenden Schicht, dem Myelin, umgeben, was ihnen eine weiße Farbe verleiht. Die Nervenfasern leiten Informationen zwischen dem Gehirn und dem Körper hin und her. Man kann sie sich wie Kabel vorstellen, die Nachrichten übermitteln. Die Nervenfasern sind in aufsteigende (sensible) und absteigende (motorische) Bahnen gebündelt:
- Aufsteigende Bahnen: Diese Bahnen leiten Signale aus der Körperperipherie zum Gehirn weiter, also von unten nach oben.
- Absteigende Bahnen: Diese Bahnen übermitteln Signale des Gehirns an die Muskulatur, also von oben nach unten. Die größte dieser Bahnen ist die Pyramidenbahn, die für bewusste Bewegungen zuständig ist.
Wie funktioniert das Rückenmark?
Das Rückenmark hat zwei Hauptfunktionen:
- Informationsübertragung: Das Rückenmark leitet Informationen zwischen dem Gehirn und dem Körper weiter. Wenn du zum Beispiel deine Hand auf eine heiße Herdplatte legst, senden Nerven in deiner Hand ein Signal an dein Rückenmark. Das Rückenmark leitet dieses Signal dann an dein Gehirn weiter, das dir sagt, dass die Herdplatte heiß ist. Dein Gehirn sendet dann ein Signal an dein Rückenmark, das dieses Signal an die Muskeln in deinem Arm weiterleitet, wodurch du deine Hand von der Herdplatte wegziehst.
- Reflexe: Das Rückenmark ist auch für Reflexe verantwortlich. Reflexe sind automatische Reaktionen auf einen Reiz, die ohne Beteiligung des Gehirns ablaufen. Ein Beispiel für einen Reflex ist der Kniesehnenreflex. Wenn ein Arzt mit einem kleinen Hammer auf deine Kniesehne klopft, zuckt dein Bein automatisch nach vorne. Das passiert, weil das Rückenmark das Signal vom Hammer direkt an die Muskeln in deinem Bein weiterleitet, ohne dass dein Gehirn involviert ist. Reflexe dienen oft dem Schutz des Körpers vor Verletzungen.
Die Spinalnerven: Verbindungen zur Außenwelt
Aus dem Rückenmark treten 31 Paare von Spinalnerven aus. Diese Nerven verlassen den knöchernen Wirbelkanal durch Öffnungen zwischen den Wirbeln, die sogenannten Zwischenwirbellöcher. Jeder Spinalnerv hat zwei Wurzeln:
- Vordere Wurzel: Sie enthält die motorischen Nervenfasern, die Signale vom Rückenmark zu den Muskeln leiten.
- Hintere Wurzel: Sie enthält die sensiblen Nervenfasern, die Signale von den Sinneszellen zum Rückenmark leiten. In der hinteren Wurzel befindet sich ein Nervenknoten, das Spinalganglion, in dem die Zellkörper der sensiblen Nervenzellen liegen.
Die vordere und hintere Wurzel vereinen sich zum Spinalnerv, der sich dann in verschiedene Äste aufteilt, um die Haut, Muskeln und Organe zu erreichen.
Das Rückenmark als Reflexzentrum
Das Rückenmark arbeitet auch unabhängig vom Gehirn, indem es als wichtiges Reflexzentrum den Ablauf vieler Reflexe unseres Körpers steuert, die wir unbewusst ausführen. Viele dienen dem Schutz des Körpers und sind von Geburt an vorhanden. Ein bekanntes Beispiel ist der Schmerzreflex. Wenn wir barfuß auf einen spitzen Gegenstand treten, ziehen wir den Fuß blitzschnell zurück. Der Reiz wird von den Sinneszellen der Haut aufgenommen und als elektrisches Signal über sensible Nerven zum Rückenmark geleitet. Dort wird die Erregung direkt auf motorische Nerven übertragen, die die Muskeln zur Kontraktion bringen.
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Was passiert, wenn das Rückenmark verletzt wird?
Obwohl das Rückenmark gut geschützt ist, kann es trotzdem geschädigt werden. Verletzungen des Rückenmarks können durch Unfälle, Stürze oder Krankheiten verursacht werden. Eine Schädigung des Rückenmarks kann zu verschiedenen Problemen führen, wie zum Beispiel:
- Lähmungen: Wenn das Rückenmark beschädigt ist, können die Nervensignale nicht mehr richtig übertragen werden. Dies kann zu Lähmungen führen, bei denen man bestimmte Körperteile nicht mehr bewegen kann. Je nachdem, wo das Rückenmark verletzt ist, können unterschiedliche Bereiche des Körpers betroffen sein. Eine Verletzung im oberen Bereich des Rückenmarks kann zu einer Lähmung aller vier Gliedmaßen führen (Tetraplegie), während eine Verletzung im unteren Bereich des Rückenmarks zu einer Lähmung der Beine führen kann (Paraplegie).
- Gefühlsverlust: Eine Schädigung des Rückenmarks kann auch zu einem Verlust des Gefühls in bestimmten Körperteilen führen. Man spürt dann keine Berührung, Wärme, Kälte oder Schmerz mehr.
- Probleme mit der Blase und dem Darm: Das Rückenmark steuert auch die Funktion der Blase und des Darms. Eine Schädigung des Rückenmarks kann daher zu Problemen beim Wasserlassen und Stuhlgang führen.
- Spastik: Bei einer Schädigung des Rückenmarks kann es zu einer Spastik kommen. Dabei sind die Muskeln ständig angespannt und verkrampft.
Häufige Erkrankungen und Probleme im Zusammenhang mit dem Rückenmark
Das Rückenmark kann von verschiedenen Erkrankungen betroffen sein, die seine Funktion beeinträchtigen können. Hier sind einige Beispiele:
- Spinalkanalstenose: Hierbei handelt es sich um eine Verengung des Wirbelkanals, in dem das Rückenmark verläuft. Diese Verengung kann Druck auf das Rückenmark und die Nervenwurzeln ausüben, was zu Schmerzen, Taubheit und Schwäche führen kann. Eine Spinalkanalstenose tritt häufig im Bereich der Lendenwirbelsäule auf (lumbale Spinalkanalstenose) und kann zu starken Beinschmerzen führen, die das Gehen erschweren. In schweren Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um den Wirbelkanal zu weiten und den Druck von den Nerven zu nehmen.
- Bandscheibenvorfall: Ein Bandscheibenvorfall tritt auf, wenn das weiche Innere einer Bandscheibe durch den äußeren Ring reißt und auf das Rückenmark oder die Nervenwurzeln drückt. Dies kann zu Schmerzen, Taubheit und Schwäche im betroffenen Bereich führen.
- Osteoporose: Osteoporose ist eine Erkrankung, die zu einer Abnahme der Knochendichte führt, wodurch die Knochen brüchiger werden. Dies kann zu Wirbelkörperbrüchen führen, bei denen die Wirbelkörper zusammenbrechen und an Höhe verlieren.
- Myelitis: Dies ist eine Entzündung des Rückenmarks, die durch Infektionen, Autoimmunerkrankungen oder andere Ursachen verursacht werden kann. Eine Myelitis kann zu einer Vielzahl von Symptomen führen, darunter Schwäche, Taubheit, Schmerzen und Probleme mit der Blase und dem Darm.
- Amyotrophe Lateralsklerose (ALS): Dies ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die sowohl die oberen als auch die unteren Motoneurone betrifft. ALS führt zu Muskelschwäche, Muskelabbau und schließlich zum Tod.
- Multiple Sklerose (MS): Dies ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung, die zur Demyelinisierung des zentralen Nervensystems (ZNS) führt. MS kann eine Vielzahl von Symptomen verursachen, darunter Sehstörungen, motorische Probleme, sensorische Störungen und autonome Funktionsstörungen.
- Failed-Back-Surgery-Syndrom: Hierbei handelt es sich um chronische Schmerzen im unteren Rückenbereich nach einer Wirbelsäulenoperation. Die Ursache ist oft unklar, und die Behandlung kann schwierig sein.
Behandlung von Rückenmarkserkrankungen
Die Behandlung von Rückenmarkserkrankungen hängt von der jeweiligen Erkrankung und dem Schweregrad der Symptome ab. Zu den möglichen Behandlungen gehören:
- Medikamente: Schmerzmittel, entzündungshemmende Medikamente, Muskelrelaxantien und andere Medikamente können zur Linderung von Symptomen eingesetzt werden.
- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskelkraft, Beweglichkeit und Koordination zu verbessern.
- Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, Alltagsaktivitäten trotz Einschränkungen zu bewältigen.
- Operation: In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um den Druck auf das Rückenmark oder die Nervenwurzeln zu reduzieren oder um die Wirbelsäule zu stabilisieren.
- Neuromodulation: Bei chronischen Schmerzen kann eine Neuromodulation eingesetzt werden, um die Schmerzleitung im Rückenmark zu beeinflussen. Dabei werden elektrische Impulse an das Rückenmark gesendet, um die Schmerzwahrnehmung zu reduzieren. Ein Beispiel hierfür ist die Rückenmarkstimulation.
- Injektionen: Injektionen mit Kortison oder anderen Medikamenten können zur Linderung von Schmerzen und Entzündungen eingesetzt werden. Ein Beispiel hierfür ist die Facettengelenksinfiltration, bei der ein schmerzstillendes Medikament direkt an die arthrotischen Facettengelenke gespritzt wird. Eine weitere Möglichkeit ist die Facettendenervierung, bei der die Schmerzfasern im Bereich des arthrotischen Gelenks verödet werden, um die Schmerzweiterleitung zu unterbrechen.
Wie kann man sein Rückenmark schützen?
Es gibt ein paar Dinge, die du tun kannst, um dein Rückenmark zu schützen:
- Sicherheitsvorkehrungen treffen: Trage beim Sport und bei anderen Aktivitäten, bei denen ein Verletzungsrisiko besteht, Schutzkleidung.
- Rückenfreundliche Lebensweise: Achte auf eine gute Körperhaltung und vermeide einseitige Belastungen. Hebe schwere Gegenstände richtig, indem du in die Hocke gehst und den Rücken gerade hältst.
- Gesundes Gewicht halten: Übergewicht kann den Rücken zusätzlich belasten.
- Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung stärkt die Rückenmuskulatur und hilft, den Rücken gesund zu halten.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Kalzium und Vitamin D ist wichtig für gesunde Knochen.
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