Rückenmark Signalminderung: Ursachen, Diagnose und Behandlung

Die Signalminderung im Rückenmark, sichtbar in MRT-Bildern, kann auf verschiedene Ursachen zurückzuführen sein. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen für Rückenmark Signalminderung, die diagnostischen Verfahren und die verschiedenen Behandlungsansätze. Dabei werden sowohl konservative als auch operative Maßnahmen berücksichtigt, um ein umfassendes Bild der Thematik zu vermitteln.

Einführung

Das Rückenmark ist ein wesentlicher Bestandteil des zentralen Nervensystems und spielt eine entscheidende Rolle bei der Übertragung von Nervenimpulsen zwischen Gehirn und Körper. Eine Signalminderung im Rückenmark, die durch Magnetresonanztomographie (MRT) sichtbar gemacht wird, kann auf eine Vielzahl von zugrunde liegenden Erkrankungen oder Schädigungen hinweisen.

Was bedeutet Spondylose?

Der Begriff „Spondyl“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet Wirbel. Spondylose ist ein Sammelbegriff für degenerative Veränderungen der Wirbelsäule. Diese Veränderungen können Bandscheiben, Wirbelkörper und Wirbelgelenke betreffen. Spondylose kennzeichnet eine Abfolge von bestimmten degenerativen Veränderungen an der Wirbelsäule und beginnt häufig mit Veränderungen an der Bandscheibe. Die Erkrankung beginnt häufig mit Veränderungen an der Bandscheibe. Diese verliert Wasser und damit ihre wichtige Pufferfunktion zwischen den Wirbelkörpern. Durch den Flüssigkeitsverlust wird die Bandscheibe dünner und weniger elastisch. Das kann im Krankheitsverlauf zu höheren Belastungen der ansonsten stabilisierenden Bänder, Rissen an der Bandscheibe, einer Bandscheibenprotrusion und Bandscheibenvorfällen führen.

Ursachen und Risikofaktoren

Spondylose ist eine degenerative Krankheit des Rückens, die ihren Ursprung in der Abnutzung der Bandscheibe hat. Der Verschleiß von Bandscheiben tritt häufiger bei älteren Personen auf. Oft verliert die Bandscheibe im Laufe des Lebens ihre Fähigkeit, Wasser zu speichern, sodass es zu Verschleißerscheinungen kommen kann. Als gefährdet gelten Menschen bereits ab dem 40. Lebensjahr. Häufig noch ohne entsprechende Symptomatik, stellen Ärztinnen und Ärzte 20 Jahre später Diagnosen wie Spondylarthrose.

Wie Spondylose Entsteht

Verliert die Bandscheibe wegen der Chondrose an Höhe und Elastizität, sind die Grund- und Deckplatten verstärkten Druckkräften ausgesetzt. Ihre Flächen drohen, aneinander zu reiben. Um diesen Druck auszugleichen, reagiert der Körper und regt das Knochenwachstum an den Wirbeln an. Von wuchernden Knochenstrukturen bis hin zu richtigen Zacken können sich verschiedene dieser Osteophyten aufgrund des Verschleißes bilden. Im weiteren Verlauf kann sich zusätzlich eine Facettenarthrose entwickeln. Nähern sich die Platten der Wirbelkörper im Zuge der Diskose an, vermindert sich der Abstand der Gelenkflächen an den Wirbelbögen. Reibung entsteht, zerstört die Strukturen und die Facettengelenke verschleißen. Oft ist bei Facettenverschleiß vom Facettensyndrom (Spondylarthrose) die Rede, weil er sich mit verschiedenen Schmerz-Symptomen bemerkbar machen kann.

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Mögliche Ursachen für Rückenmark Signalminderung

Eine Signalminderung im Rückenmark kann verschiedene Ursachen haben, die von degenerativen Veränderungen bis hin zu entzündlichen Prozessen reichen.

Degenerative Erkrankungen der Wirbelsäule

Degenerative Erkrankungen wie Spondylose und Osteochondrose können zu einer Signalminderung im Rückenmark führen.

Spondylose und Osteochondrose

Die Osteochondrose betrifft hauptsächlich die Bandscheiben und die angrenzenden Wirbelkörper-Endplatten. Sie ist oft der erste Schritt zur Entwicklung einer Spondylose, bei der es dann zu weiteren Veränderungen wie Knochenanbauten kommt. Spondylose ist ein teils abbauender, teils reaktiv-produktiver Prozess an der Wirbelsäule. Dazu können Osteophyten verschiedene Formen annehmen, die auf Röntgenbildern sehr gut zu sehen sind. Es gibt sie als Randzacken, Knochensporne, Höcker, Spangen und flächenhafte Verdichtungen sowie Wucherungen. Je nach Wuchs und Krankheit haben die Osteophyten andere Bezeichnungen. Einen eigenen Krankheitswert weisen sie allerdings nicht auf und sie sind im frühen Stadium auch nicht schmerzhaft. Erst wenn sie beginnen, größer zu werden, an benachbarte Wirbel zu gelangen und sich zu verbinden, kann es zu Beschwerden kommen. Zusätzlich können Osteophyten durch Wachstum den Spinalkanal einengen: Eine Spinalkanalstenose entsteht. Dort können die Osteophyten auf das Rückenmark treffen.

Spinalkanalstenose und Myelopathie

Eine Spinalkanalstenose, die durch degenerative Veränderungen oder Knochenanbauten verursacht wird, kann Druck auf das Rückenmark ausüben und zu einer Myelopathie führen. Myelopathie: Diese Art von Rückenmarks-Schädigung entsteht durch Druck (Kompression) auf den Spinalkanal. Die Durchblutung ist gestört und die Nervenzellen des Rückenmarks können dadurch mit Nährstoffen und Sauerstoff unterversorgt bleiben und absterben. Besonders häufig kommt eine spondylotische Myelopathie an der Halswirbelsäule vor. Im Falle einer Myelopathie (Schädigungen des Rückenmarks) können ebenso Lähmungserscheinungen in Armen und Beinen auftreten. Das liegt daran, dass sich vom Rückenmark zwischen den Wirbeln die Spinalnerven im ganzen Körper verzweigen.

Entzündliche Erkrankungen

Entzündliche Erkrankungen wie Spondylodiszitis, rheumatoide Arthritis und Spondylarthropathie können ebenfalls eine Signalminderung im Rückenmark verursachen.

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Spondylodiszitis

Etwa 80% aller Spondylodiszitiden werden durch Staphylococcus aureus ausgelöst. Im Verlauf kommt es häufig zur paravertebralen Exsudation oder zur epiduralen Abszessbildung. Typische Kriterien in der MRT sind:

  • T1w Sequenzen: homogene Signalabsenkung der Wirbelkörper mit Unterbrechung der angrenzenden Wirbelkörperkonturen
  • T2w Sequenzen: Signalanhebung von Wirbelkörpern und Bandscheiben
  • Nach Kontrastmittelgabe Anreicherung der Bandscheibe und angrenzenden Wirbelkörperabschnitte
  • Zudem: Höhenminderung der Bandscheibe, para-vertebrales Exsudat, epiduraler Abszess

Rheumatoide Arthritis

Die Hauptveränderungen sind in der oberen Halswirbelsäule zu finden. Epidurale Rheumaknötchen können zu einer Myelonkompression führen. Am häufigsten besteht eine HWK1/HWK2-Subluxation. Daneben bestehen Wirbelkörpererosionen vor allem an den Abschlussplatten. Im Gegensatz zu degenerativen Formen entwickeln sich diese Veränderungen besonders in Höhe HWK 2-4. Aus den erosiven Veränderungen resultieren häufig Gefügestörungen im Sinne einer Antero- oder Retrolisthesis, was mit spinalen Stenosen einhergehen kann.

Spondylarthropathie

Folgende Veränderungen bestehen an der Wirbelsäule: Syndesmophytenbildungen, Romanus-Läsion, Osteopenie, Formveränderung der Wirbelkörper, randständige Wirbelkörpersklerose, Spondylodiszitis (Andersson-Läsion), Ossifikation der Gelenkkapseln und Bänder, Bambusstabform, Wirbelkörperfrakturen, Pseudarthrosenbildung.

Infektiöse Ursachen

Infektionen können ebenfalls zu einer Signalminderung im Rückenmark führen.

Leptomeningitis

Bei subakut und chronisch verlaufenden Entzündungen der Leptomeninx kommt es zu MRT-tomografisch nachweisbaren Reaktionen mit einer diffusen Anreicherung entlang des Myelons und der Cauda equina.

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Epidurale Abszesse

Epidurale Abszesse können Folge einer Spondylitis/Spondylodiszitis sein, daneben auch iatrogen entstehen. Begünstigt wird die Entstehung durch Diabetes mellitus, Drogenabusus oder immunkompromittierende Erkrankungen wie eine HIV-Infektion.

Rückenmarkabszesse

Rückenmarkabszesse sind im Gegensatz zum Gehirn selten und entstehen überwiegend hämatogen. Das Rückenmark ist aufgetrieben, randständig tritt ein Begleitödem auf. In der MRT findet sich in den T2w Aufnahmen eine deutliche Signalanhebung. Nach Kontrastmittelgabe kommt es zur kräftigen Anreicherung der Abszesskapsel.

Andere Ursachen

Weitere mögliche Ursachen für eine Signalminderung im Rückenmark sind:

  • Akute Querschnittsmyelitis
  • Multiple Sklerose
  • AIDS
  • Guillain-Barré-Syndrom
  • Systemischer Lupus erythematodes
  • Sarkoidose
  • Bestrahlung des Rückenmarks
  • Spinale Arachnoiditis und Arachnopathie

Diagnostische Verfahren

Die Diagnose einer Rückenmark Signalminderung erfordert eine gründliche Anamnese, klinische Untersuchung und bildgebende Verfahren.

Anamnese und klinische Untersuchung

Im Vordergrund der Diagnostik steht immer die Anamnese des Patienten, um die klinische Symptomatik exakt zu erfahren. Hieraus lässt sich in aller Regel schon ein Großteil der möglichen Diagnosen bestätigen oder ausschließen. Dem folgt die klinische Untersuchung, welche in Bezug auf die degenerativen Lendenwirbelsäulenerkrankungen unterteilt werden sollte in die Bewegungsprüfung sowie die neurologische Untersuchung mit Klärung der Nervenwurzelreizung, dem Funktionsgrad der jeweiligen Muskelgruppen und dem Reflexstatus des Patienten.

Bildgebende Verfahren

  • Röntgenaufnahme: Dient der klaren Erkennung fortgeschrittener degenerativer Veränderungen im Sinne der Osteochondrose und Spondylarthrose.
  • Kernspintomographie (MRT): Kann hier in Bezug auf die Diagnostik der degenerativen Lendenwirbelsäulenerkrankungen als das am häufigsten eingesetzte Verfahren beschrieben werden.
  • Computertomographie (CT): Kann aus heutiger Sicht mit einer Dünnschicht-CT ebenfalls ein hoher Informationsgehalt erzielt werden.
  • Myelographie und Myelo-CT: Diese Untersuchungsmethode findet auch Anwendung bei Patienten, welche bereits Voroperationen hatten und magnetische oder Bildartefakt verursachende Metallimplantate im Bereich der zu untersuchenden Region vorliegen.
  • Drei-Phasen-Skelettszintigraphie: In seltenen Fällen kann eine Drei-Phasen-Skelettszintigraphie noch weitere Erkenntnisse liefern und Differentialdiagnosen, wie beispielsweise die aktivierte Osteochondrose von der Spondylodiszitis, unterscheiden.

Symptome einer Spondylose

Verschleiß an der Wirbelsäule ruft nicht bei allen Betroffenen direkt Beschwerden hervor. Häufig bleiben spondylotische Erkrankungen nämlich unentdeckt und werden erst durch nähere Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren (Röntgen, Magnetresonanztomografie) diagnostiziert. Auch wenn der Verschleiß oft lange symptomlos verläuft, können verschiedene Beschwerden auftreten. Diese Anzeichen unterscheiden sich nach Art der Spondylose (Spondylarthrose, Osteochondrose, Spinalkanalstenose). Neurologische Missempfindungen wie Kribbeln oder Taubheit kommen aus herkömmlicher Sicht im Bereich beschädigter Nervenwurzeln bei einer Radikulopathie (Wurzelsyndrom) vor. Je nachdem, welcher Abschnitt der Wirbelsäule betroffen ist, können auch andere Symptome zu den allgemeinen hinzukommen.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung einer Rückenmark Signalminderung richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache und dem Schweregrad der Symptome.

Konservative Therapie

  • Bewegung und Übungen: Mittlerweile weiß man, dass Bewegung bei Erkrankungen der Bandscheiben positive Effekte in Bezug auf Schmerzen hat . Bewegung ist wichtig, um unsere Bandscheiben mit Nährstoffen zu versorgen. Bandscheiben sind nicht durchblutet und ernähren sich daher per Diffusion. Andersherum kann Bewegungsmangel dazu führen, dass wir unsere Rückenwirbel und die dazwischenliegenden Bandscheiben durch muskulär-fasziale Spannungen unausgewogen belasten.
  • Physiotherapie: In der Krankengymnastik, der Physiotherapie sowie bei physikalischen Therapien mit Wärme-Anwendungen begleiten Therapeuten ihre Patienten bei stabilisierenden sowie muskelentspannenden Einheiten. Zum einen sollen die schwache Muskulatur wieder aufgebaut, zum anderen, verspannte Muskeln entspannt und mobilisiert werden.
  • Medikamentöse Therapie: Betroffene können sich bei Schmerzen u. a. Hinweis: Diese zum Teil sehr starken Medikamente verschaffen für kurze Zeit Linderung.

Operative Therapie

  • Dekompression: Bei diesen Eingriffen geht es darum, die Nervenwurzeln und/oder das Rückenmark vom Druck zu befreien.
  • Implantate: Diese Option kommt nur in Frage, wenn der Verschleiß noch nicht fortgeschritten ist und keine Knochen-Neubildungen vorliegen. Andernfalls degeneriert das betroffene Segment oder versteift sich weiter. Inwiefern Operationen zur Dekompressionen und Versteifungen tatsächlich langfristig helfen, ist unklar. Noch fehlen eindeutige wissenschaftliche Belege. Viel eher scheinen manuelle Bewegungs-Therapien mit Dehnübungen oder Wirbelsäulenmanipulationen, bei denen mit Impulsen Muskelverspannungen gelöst werden sollen, wirksamer zu sein.

Selbsthilfe und Prävention

  • Übungen für zu Hause: Kläre zunächst mit deiner Ärztin oder mit deinem Arzt, ob unsere Übungen für dich geeignet sind! Mit den Selbst-Massagen schiebst du zusätzlich deine Zwischenzellflüssigkeit an und erleichterst es deinem Knorpel, frische Nährstoffe aufzunehmen.
  • Ergonomische Maßnahmen: Achten Sie auf Ihre Körperhaltung und stellen Sie, wenn nötig, den Sitz im Vergleich zum Lenker oder Lenkrad etwas niedriger ein. Verbringen Sie täglich viele Stunden am Schreibtisch? Dann achten Sie auf eine ergonomische Einrichtung Ihres Arbeitsplatzes.
  • Gesunder Schlaf: Häufig unterschätzt ist ebenfalls eine gute Matratze.

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