Rückenschmerzen nach Lumbalpunktion: Ursachen, Behandlung und Prävention

Die Lumbalpunktion ist ein wichtiges diagnostisches Verfahren zur Untersuchung von Erkrankungen des Nervensystems. Dabei wird Hirnwasser (Liquor) aus dem Rückenmarkskanal entnommen und analysiert. Obwohl die Lumbalpunktion in der Regel sicher ist, können nach dem Eingriff Rückenschmerzen auftreten. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten und Präventionsmaßnahmen von Rückenschmerzen nach einer Lumbalpunktion.

Was ist eine Lumbalpunktion?

Bei der Lumbalpunktion, auch Liquor- oder Spinalpunktion genannt, handelt es sich um ein Diagnoseverfahren, das in der Neurologie, Neurochirurgie oder auch Psychiatrie angewendet wird. Dabei wird eine kleine Menge an Hirnwasser beziehungsweise Rückenmarksflüssigkeit (Liquor cerebrospinalis, kurz: Liquor) aus dem Rückenmarkskanal (Spinalkanal) entnommen. Dies geschieht zumeist im Bereich der Lende (lat. lumbo). Eher selten entnehmen Ärzte den Liquor im oberen Abschnitt der Halswirbelsäule, direkt unterhalb des Schädels (Subokzipitalpunktion). Mithilfe der Lumbalpunktion lassen sich insbesondere Erkrankungen des Nervensystems untersuchen.

Ablauf einer Lumbalpunktion

Eine Lumbalpunktion wird in der Regel von spezialisierten Fachärzten wie Neurologen oder Neurochirurgen entweder ambulant in einer Praxis oder in einer speziellen Klinik durchgeführt. Im Sitzen befindet sich die betreffende Person in vorgebeugter Position (Katzenbuckel) mit von einer Behandlungsliege herabhängenden Beinen. So kann der Arzt den Rücken der Person von der anderen Seite der Liege aus gut erreichen. Im Liegen befindet sich die betreffende Person in Seitenlage mit ebenfalls abgerundeten Rücken. Durch die gebeugte Position ist die Wirbelsäule in der Lende gedehnt und es entsteht zwischen den einzelne Wirbeln mehr Platz. Die ideale Stelle für die Punktion ist bei jedem Menschen nahezu identisch. Der Punkt liegt zwischen dem 3. und 4. oder dem 4. und 5. Lendenwirbelkörper (LWK). Um den geeigneten Bereich zu finden, tastet der Arzt horizontal entlang des Beckenkamms zur Wirbelsäule hin. In ihrer Mitte sind die herausstehenden Dornfortsätze der Wirbel spürbar. Seitlich der Dornfortsätze ist eine größere Lücke, ein Wirbelloch, durch das der Arzt die Punktionsnadel bis zum Rückenmarkskanal hindurchführt. Bei der Punktionsnadel handelt es sich um eine spezielle Hohlnadel, die von außen durch die Haut in den Spinalkanal eingeführt wird (Punktion). Dabei durchsticht die Nadel zunächst das Bindegewebe, das um den Spinalkanal liegt. Direkt darunter liegen die Hirnhäute (Meningen), in deren Zwischenraum sich das Hirnwasser und der Liquorraum befindet. Bei einer Lumbalpunktion werden aus dem äußersten Bereich etwa 20 Tropfen Hirn- bzw. Nervenwasser entnommen. Das entspricht einer Flüssigkeitsmenge von 10 bis 15 Milliliter.

Eine Lumbalpunktion ist zwar ein schwieriger Eingriff, er dauert jedoch nicht lang. Nach dem Eingriff verbleiben Betroffene noch für mindestens eine Stunde liegend in der Praxis oder Klinik. Danach werden sie vom Arzt auf mögliche Verletzungen oder Schäden untersucht. Dabei überprüft der Arzt beispielsweise, ob die betreffende Person ihre Beine normal bewegen kann.

Wann wird eine Lumbalpunktion durchgeführt?

Mithilfe der Lumbalpunktion lassen sich vor allem Erkrankungen des Nervensystems näher untersuchen. Entzündungen: Hirnhautentzündung (Meningitis), Hirnentzündung (Enzephalitis), entzündliche Neuropathien (z.B. Bei erhöhtem Hirndruck wird eine Lumbalpunktion nur in wenigen Ausnahmefällen, etwa bei einem Normaldruckhydrozephalus (umgangssprachlich Wasserkopf) oder wenn die Ursache unklar ist, eingesetzt. Die Lumbalpunktion wird nicht nur als Diagnoseverfahren genutzt. Über den Zugang zum Spinalkanal können Ärzte auch Medikamente wie Narkose- oder Schmerzmittel, Antibiotika oder Krebsmittel im Rahmen einer Therapie verabreichen.

Lesen Sie auch: Rückenschmerzen und Krämpfe im Oberbauch gleichzeitig? Mögliche Auslöser

Was wird bei einer Lumbalpunktion untersucht?

Die Lumbalpunktion bietet verschiedene Möglichkeiten, Erkrankungen des Nervensystems zu untersuchen. Raumfordernde Ereignisse wie Einblutungen oder Tumoren, die sich ausdehnen und dadurch Platz in Anspruch nehmen und das Gehirn verdrängen, erhöhen beispielsweise den Hirndruck. Dieser lässt sich mit dem Legen des Zugangs bestimmen. Die Zusammensetzung des Hirnwassers lässt wiederrum Rückschlüsse auf degenerative Erkrankungen wie Demenz oder Alzheimer zu.

Gegenanzeigen für eine Lumbalpunktion

In einigen Fällen beziehungsweise bei manchen Personen ist eine Lumbalpunktion nicht möglich. Dazu zählen vor allem Menschen mit einer Blutungsneigung oder Gerinnungsstörung sowie jene, die eine Infektion an der Punktionsstelle zum Beispiel durch Hauterkrankungen oder Verletzungen haben. Vor jeder Lumbalpunktion fragt der Arzt das Einverständnis der Person ab. Das bedeutet, dass er diesem Verfahren schriftlich zustimmen muss. Ohne Einwilligung kann eine Lumbalpunktion nicht durchgeführt werden.

Ursachen von Rückenschmerzen nach Lumbalpunktion

Rückenschmerzen nach einer Lumbalpunktion können aus verschiedenen Gründen auftreten:

  • Gewebereizung: Der Einstich der Nadel kann das umliegende Gewebe und die Nervenenden reizen, was zu Schmerzen führt.
  • Nervenirritation: Die Nadel kann Nerven irritieren und somit die Beschwerden verstärken.
  • Liquorverlust: Der Verlust von Liquorflüssigkeit während des Eingriffs kann zu einem Druckabfall führen, der nicht nur Kopfschmerzen, sondern auch Rückenschmerzen verursachen kann.
  • Muskelverspannungen: Die ungewohnte Körperhaltung während des Eingriffs kann zu Muskelverspannungen im Rückenbereich führen.

Symptome von Rückenschmerzen nach Lumbalpunktion

Rückenschmerzen nach einer Lumbalpunktion treten meist innerhalb von 24 Stunden nach dem Eingriff auf. Die Schmerzen sind typischerweise im unteren Rücken lokalisiert, können aber auch in die Beine ausstrahlen. Im Vergleich zu anderen Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, die bei bis zu 30 % der Patienten auftreten, sind Rückenschmerzen weniger häufig, aber dennoch signifikant. Während Kopfschmerzen oft einen stechenden Charakter haben, sind Rückenschmerzen eher dumpf und konstant.

Behandlung von Rückenschmerzen nach Lumbalpunktion

Die Behandlung von Rückenschmerzen nach einer Lumbalpunktion umfasst sowohl medikamentöse als auch nicht-medikamentöse Ansätze.

Lesen Sie auch: Umgang mit Rückenschmerzen nach Anfällen

Medikamentöse Behandlung

  • Rezeptfreie Schmerzmittel: Paracetamol und Ibuprofen können helfen, die Schmerzen zu lindern.

Nicht-medikamentöse Behandlung

  • Ruhe und Schonung: Vermeiden Sie anstrengende Aktivitäten und geben Sie Ihrem Körper Zeit zur Erholung.
  • Ausreichende Flüssigkeitsaufnahme: Trinken Sie ausreichend, um den Druck im Rückenmarkskanal zu stabilisieren und so die Schmerzen zu reduzieren.
  • Wärme- und Kälteanwendungen: Nutzen Sie Wärmflaschen, Heizkissen oder Kühlpacks, um die Muskulatur zu entspannen und Schmerzen zu lindern.
  • Ergonomische Unterstützung: Verwenden Sie ergonomische Sitzkissen und Stützen, um den Druck auf den Rücken zu minimieren und die Heilung zu fördern.
  • Blutpflaster (Blood-Patch): Bei starken und anhaltenden Kopfschmerzen, die durch Liquorverlust verursacht werden, kann ein Blutpflaster helfen. Dabei wird eine kleine Menge Ihres Blutes in den Punktionsbereich gespritzt, um das Leck abzudichten und den Hirndruck zu stabilisieren.

Was passiert nach einer Lumbalpunktion?

Im Anschluss an den Eingriff bleiben Sie noch für mindestens zwei bis drei Stunden in der Klinik beziehungsweise Praxis. In dieser Zeit führt die Ärztin oder der Arzt noch eine Nachuntersuchung durch, prüft die Einstichstelle und kontrolliert, ob Sie Ihre Beine ordnungsgemäß bewegen können. So wird sichergestellt, dass auch keine Nerven oder das Rückenmark verletzt sind. Loading…Loading…Loading…Bei einem ambulanten Eingriff dürfen Sie danach auch schon wieder nach Hause. Schonen Sie sich aber noch mindestens einen Tag lang und trinken Sie ausreichend.

Je nach Umfang des Eingriffs und der Menge an Hirnwasser, die während der Punktion entnommen wurde, ist eine längere Erholungsphase notwendig. Das bedeutet auch, dass Sie unter Umständen etwas länger krankgeschrieben sind.

Nach einer Lumbalpunktion kommt es bei den meisten Menschen zu Kopfschmerzen. Das liegt an dem leicht gefallenen Hirndruck aufgrund der entnommenen Menge an Hirnwasser. Bleiben Sie in einem solchen Fall noch etwas liegen und ruhen Sie sich aus. Trinken Sie reichlich, zum Beispiel Wasser oder auch einen Kaffee, wenn Sie mögen. Oft hilft das bereits und die Kopfschmerzen verschwinden innerhalb von ein bis zwei Tagen wieder. Sollte dem nicht so sein, geben Sie dem medizinischen Personal Bescheid. Ein Schmerzmittel kann dann unter Umständen Abhilfe schaffen.

Sind die Kopfschmerzen trotz dieser Maßnahmen sehr stark oder bestehen auch nach mehr als drei Tagen noch, kommt zur Behandlung ein sogenanntes Blutpflaster (engl. Blood-Patch) infrage. Dabei spritzt die Ärztin oder der Arzt eine kleine Menge Ihres Blutes, das bereits geronnen ist, in den Punktionsbereich - und zwar in den Epiduralraum, der zwischen dem Knochen und der äußeren Hirnhaut (Dura mater) liegt. Das verschließt die Einstichstelle, verhindert, dass Hirnwasser ausläuft, und stabilisiert zusätzlich den Hirndruck.

Prävention von Rückenschmerzen nach Lumbalpunktion

Es gibt einige Maßnahmen, die Sie ergreifen können, um das Risiko von Rückenschmerzen nach einer Lumbalpunktion zu minimieren:

Lesen Sie auch: Rückenschmerzen: Nervenverödung als Option

  • Sprechen Sie mit Ihrem Arzt: Informieren Sie Ihren Arzt über bestehende Rückenprobleme oder Schmerzzustände.
  • Entspannung während des Eingriffs: Versuchen Sie, sich während des Eingriffs zu entspannen und ruhig zu bleiben.
  • Flache Lagerung nach dem Eingriff: Befolgen Sie die Anweisungen Ihres Arztes bezüglich der Lagerung nach dem Eingriff. In der Regel wird eine flache Lagerung für einige Stunden empfohlen.
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie ausreichend, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen.
  • Vermeiden Sie anstrengende Aktivitäten: Vermeiden Sie anstrengende Aktivitäten in den ersten Tagen nach dem Eingriff.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

In den meisten Fällen sind Rückenschmerzen nach einer Lumbalpunktion harmlos und klingen innerhalb weniger Tage ab. Es gibt jedoch Situationen, in denen Sie einen Arzt aufsuchen sollten:

  • Starke oder anhaltende Schmerzen: Wenn die Schmerzen stark sind oder länger als ein paar Tage anhalten.
  • Neurologische Symptome: Wenn Sie Taubheitsgefühle, Kribbeln, Schwäche oder Lähmungen in den Beinen entwickeln.
  • Fieber oder Anzeichen einer Infektion: Wenn Sie Fieber, Schüttelfrost oder Rötungen oder Schwellungen an der Einstichstelle bemerken.
  • Blasen- oder Darmfunktionsstörungen: Wenn Sie Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang haben.

Seltene Komplikationen

Normalerweise birgt eine Lumbalpunktion keine großen Risiken. Es handelt sich aber um einen medizinischen Eingriff, der unter Umständen Beschwerden oder auch Komplikationen hervorrufen kann.

Neben den bereits genannten postpunktionellen Kopfschmerzen, also Kopfschmerzen, die nach dem Eingriff auftreten, kann es in seltenen Fällen beispielsweise wegen einer Einblutung in den Spinalkanal zu einer Kompression des Rückenmarks kommen. Eine solche Quetschung hat unter Umständen Lähmungen zur Folge, die insbesondere bei größeren Blutungen dauerhaft bestehen bleiben können.

Außerdem entwickeln manche Patientinnen oder Patienten eine Hirnhautentzündung infolge der Liquorpunktion.

Bei einer Subokzipitalpunktion besteht die besondere Gefahr, dass es an dieser Stelle zu einer Einklemmung des Hirnstamms kommt.

Cauda-equina-Syndrom

Das Cauda-equina-Syndrom oder Kaudasyndrom ist ein sehr seltener neurologischer Notfall, bei dem es zu einer Schädigung der Nervenwurzeln des unteren Rückenmarks kommt. Neben starken Rückenschmerzen drohen dabei u.a. Gefühlsstörungen, Lähmungen und der Verlust der Blasenkontrolle. Meist ist ein mechanisches Problem im Wirbelkanal die Ursache, z. B. ein Bandscheibenvorfall oder eine Spinalkanalstenose. Sehr selten wird das Cauda-equina-Syndrom auch durch einen ärztlichen Eingriff ausgelöst, z. B. Behandelt wird das Cauda-equina-Syndrom durch eine Operation.

Ursachen des Cauda-equina-Syndroms

Die Nervenwurzeln der Cauda equina bzw. des Conus medullaris können auf viele Weisen geschädigt werden. Am häufigsten geschieht dies aufgrund von Einengung und mechanischem Druck (Kompression) durch Strukturen in der Nachbarschaft. Weitere Ursachen sind Verletzungen des Rückenmarks durch schwere Unfälle. Seltener können auch Gefäßerkrankungen, Blutungen, entzündliche Prozesse oder Infektionen wie die Syphilis, Tuberkulose oder die Lyme-Borreliose zu einem Kaudasyndrom führen. Auch bei einer ärztlichen Behandlung kann es als seltene Komplikation zu einem Cauda-equina-Syndrom kommen. Dies ist z. B. bei der Spinal- und Epiduralanästhesie, bei der Myelographie und bei Operationen an der Wirbelsäule möglich. Einige angeborene Fehlbildungen führen ebenfalls manchmal zu einem Cauda-equina-Syndrom.

Symptome des Cauda-equina-Syndroms

Bei einer Schädigung der Cauda equina kommt es darauf an, in welcher Höhe die Läsion liegt und ob nur einzelne Nervenfaserbündel oder der komplette Pferdeschweif betroffen sind. Beim Konussyndrom sind Spinalnervenwurzeln der Segmente unterhalb von S3 beeinträchtigt.

Diagnose des Cauda-equina-Syndroms

Der Nachweis des Kaudasyndroms erfolgt am besten anhand von MRT-Aufnahmen. Die ersten Hinweise auf ein Cauda-equina-Syndrom geben die Beschwerden des Patienten und die Erhebung der Krankengeschichte. Der Rückenspezialist fragt nach Missempfindung, Lähmungen und Kraftverlust sowie nach Störungen der Funktion von Blase, Mastdarm und Potenz. Wichtig zur Einordnung der Beschwerden sind auch Vorerkrankungen, Infektionen, Operationen oder bisherige Wirbelsäulenprobleme. Bei der klinisch-neurologischen Untersuchung führt der Arzt verschiedene Funktionstests durch. Er prüft - wenn möglich -, ob der Patient gehen und auf einem Bein und auf Zehenspitzen stehen und das Bein gegen Widerstand anheben kann. Wichtig sind auch die Reflexe. Lässt sich z. B. Zum Nachweis des Kaudasyndroms untersucht der Arzt die Sensibilität der Oberschenkelinnenseite und des Damms. Ob der Conus medullaris oder die Spinalnerven S3 bis S5 mit betroffen sind, zeigt der Analreflex. Er wird durch das Bestreichen der Haut um den Anus herum mit einem Holzspatel ausgelöst. Normalerweise zieht sich der äußere Afterschließmuskel daraufhin sicht- und tastbar zusammen.

Besteht durch die Untersuchung ein Verdacht auf ein Kauda- oder Konussyndrom, veranlasst der Arzt sofort eine MRT der Lendenwirbelsäule, manchmal auch eine CT-Myelographie. Damit lassen sich einengende Bandscheibenvorfälle, Spinalkanalstenosen oder Spondylophyten gut erkennen. Nicht immer ist mechanischer Druck die Ursache für ein Cauda-equina-Syndrom. Zum Nachweis von entzündlichen Erkrankungen oder einer Rückenmarksinfektion entnimmt der Arzt z. B. Blut und Liquor. Mithilfe eines speziellen Operationsmikroskops kann der Wirbelsäulenchirurg störendes Gewebe im Spinalkanal genau identifizieren und mit feinsten Instrumenten entfernen.

Behandlung des Cauda-equina-Syndroms

Das Cauda-equina-Syndrom ist ein neurologischer Notfall und bedarf der sofortigen Therapie. Ziel ist, die eingeengten Nervenwurzeln vom Druck zu befreien. Üben ein Bandscheibenvorfall, eine Spinalkanalstenose oder ein Wirbelsäulentumor Druck auf die Cauda equina aus, wird operiert. Je nach Befund und Einschätzung des Operateurs passiert dies minimalinvasiv (z. B. mittels mikrochirurgischer Dekompression) oder durch eine offene Operation. Maßgeblich ist, dass die eingeengten Nerven so schnell wie möglich wieder befreit werden. Der Eingriff sollte innerhalb von 24 bis spätestens 48 Stunden nach Diagnose erfolgen, damit möglichst keine dauerhaften Schäden zurückbleiben. Bei Blasenstörungen sollte man noch deutlich schneller operieren.

In den Fällen, in denen kein mechanischer Druck das Cauda-equina-Syndrom auslöst, kommen meist konservative Behandlungsmaßnahmen zum Einsatz.

Prognose des Cauda-equina-Syndroms

Das Cauda-equina-Syndrom ist ein Notfall mit ungewisser Prognose. Ausgeprägte neurologische Symptome, die länger als zwei Tage anhalten, bilden sich aber oft nicht mehr vollständig zurück. Eine schlechtere Prognose hat das Cauda-equina-Syndrom auch, wenn eine Störung von Blase oder Mastdarm vorliegt. Studien zeigen, dass viele Patienten nicht frühzeitig operiert werden. Am Willen der behandelnden Ärzte oder den klinischen Voraussetzungen liegt das allerdings weniger. Es ist eher so, dass viele Betroffene erst relativ spät ärztliche Hilfe suchen. In diesen Fällen sind Folgeprobleme häufig. In einer niederländischen Studie mit 75 Patienten litten fast die Hälfte neun Wochen nach der Operation noch an Blasen-, Mastdarm- oder Sexualfunktionsstörungen. Zu bemerken ist allerdings, dass diese Patienten erst durchschnittlich 84 Stunden nach Beginn der Beschwerden operiert werden konnten.

Bandscheibenvorfall

Meist treten Bandscheibenvorfälle im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS) auf, etwas seltener betroffen sind Hals- (HWS) und am seltensten die Brustwirbel (BWS). Gangstörungen und andere schwerwiegende neurologische Funktionsstörungen treten dann auf, wenn durch den Bandscheibenvorfall das Rückenmark bedrängt wird (Myelopathie). Wenn Bandscheibenvorfälle im Bereich der Halswirbelsäule auftreten, können sie die dortigen Nervenwurzeln einklemmen und Schmerzen am oberen Rücken, im Nacken und an der Schulter auslösen.

Ein Bandscheibenvorfall kann verschiedene Ursachen haben, die nicht zwangsläufig nur mit altersbedingten Verschleißerscheinungen zusammenhängen müssen. Auch junge Menschen können schon einen Bandscheibenvorfall oder gleich mehrere Bandscheibenvorfälle erleiden. Die Ursachen sind dabei meist Überlastung oder eine falsche Belastung bei bestimmten Arbeiten. Oft treten die Vorfälle auf, wenn sich der Betroffene nach vorne beugt oder bewegt. Das drückt den vorderen, zum Bauch zeigenden Teil der Bandscheibe zusammen. Schaut man auf die Wirbelsäule, liegen die Bandscheiben zwischen den einzelnen Wirbelkörpern. Sie sind zwar flexibel, aber dennoch fest in den Wirbelkörpern verankert. Ein Bandscheibenvorfall im Brust-, Hals- oder Lendenwirbelbereich kann erheblichen Druck auf die Nervenwurzeln ausüben. Am häufigsten, in etwa 90 Prozent der Fälle, treten Bandscheibenvorfälle im Lendenwirbelbereich auf. Die Brustwirbelsäule ist eher selten betroffen. Sollte der Druck auf die Nervenwurzeln im Bereich der Brustwirbelsäule erfolgen, so äußert sich dies durch starke Schmerzen im mittleren Rückenbereich.

Die Symptome bei einem Bandscheibenvorfall, der auf das Rückenmark drückt, ähneln den oben genannten Beschwerden. Es gibt allerdings auch entscheidende Unterschiede, die sich vor allen Dingen bei einem schweren Bandscheibenvorfall bemerkbar machen. Dazu gehören Taubheitsgefühle im Analbereich und auch der Genitalbereich kann davon betroffen sein. Blase und Darm sind in ihrer Funktionsfähigkeit stark eingeschränkt, es kann zu unkontrollierbarem Harn- oder Stuhlabgang kommen. Ein Bandscheibenvorfall kann auch auf das unterste Ende der Wirbelsäule drücken, das bis zum Kreuzbein reicht. Sollte es dazu kommen, können Sie meist Ihren Darm und Ihre Blase überhaupt nicht mehr kontrollieren. Begleitend treten Lähmungen im Bereich der Beine auf.

Bevor der Arzt bei einem Bandscheibenvorfall mit der Behandlung beginnt, ist eine umfassende Diagnostik unumgänglich. In einem ersten Gespräch schildern Sie uns Ihre Beschwerden und machen Angaben über eventuelle Vorerkrankungen, Unfälle oder Bandscheibenvorfälle im familiären Umfeld. Im Anschluss daran erfolgt die neurologische Untersuchung, bei der besonders auf Empfindungsstörungen und Reflexe der Nerven geachtet wird. Auch Ihre Muskelkraft wird in diesem Rahmen getestet, denn ein Bandscheibenvorfall führt oft auch zu einer Schwächung der Muskulatur.

Bei einem Bandscheibenvorfall stehen für die Therapie sowohl konservative Verfahren, minimal-invasive Kathetertechniken und operative Maßnahmen zur Verfügung. In der Regel lässt sich ein Bandscheibenvorfall zunächst jedoch sehr gut mit konservativen Methoden behandeln. Sollte die konservative Therapie keine Wirkung zeigen, so kann über eine minimal-invasive Behandlung oder eine Operation nachgedacht werden.

Weitere Ursachen für Rückenschmerzen

  • Facettensyndrom: Ein Facettensyndrom tritt an den kleinen Wirbelgelenken auf, die sich auf der Rückseite der Wirbelsäule zwischen den einzelnen Wirbelkörpern befinden. Prinzipiell ist es eine Verschleißerscheinung, die auch als Wirbelgelenkarthrose bezeichnet wird.
  • Nackenschmerzen: Nackenschmerzen treten öfter auf als allgemein vermutet. Mitunter strahlen sie auch bis in die Schulter aus oder führen zu Kopfschmerzen oder Schwindelgefühlen. Die Schmerzen können sich dabei ganz unterschiedlich äußern und teilweise sogar einem Muskelkater ähneln. Vielen Patienten mit Nackenschmerzen kommt es auch so vor, als ob sie einen steifen Hals hätten.
  • Periphere Nervenkompressionssyndrome: Chronische Schäden durch übermäßigen Druck auf Nervenbahnen im Bereich der Arme oder Beine nennt man auch „periphere Nervenkompressionssyndrome.“ Sie nehmen eine Sonderposition unseres Behandlungsspektrums ein. Mit Abstand am häufigsten kommt das sogenannte Karpaltunnelsyndrom im Bereich der Handgelenke vor.
  • Skoliose: Unter dem medizinischen Fachbegriff der Skoliose versteht man eine feste Seitverbiegung der Wirbelsäule, die verschiedenartig stark auftreten kann. Diese resultiert meist aus einem asymmetrischen Wachstum der Wirbelsäule. Dadurch bedingt kommt es auch zur Verdrehung (Rotation) der Wirbelkörper. In der Regel und in gesundem Zustand funktioniert unsere Wirbelsäule unter anderem wie eine Art Stoßdämpfer für den Körper. Bei normalem Gehen wirken Erschütterungen auf unseren Körper, welche von der Wirbelsäule abgefangen werden müssen.

tags: #ruckenschmerzen #oberer #rucken #lumbalpunktion