Rudi Assauer und die Alzheimer-Krankheit: Einblicke, Fakten und Perspektiven

Der Tod des ehemaligen Schalke-Managers Rudi Assauer am Mittwoch nach jahrelangem Leiden an Alzheimer hat die Krankheit wieder in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt. Assauers offener Umgang mit seiner Erkrankung trug dazu bei, das Tabu zu brechen, das mit Demenz oft verbunden ist. Dieser Artikel beleuchtet die Alzheimer-Krankheit, ihre Symptome, Diagnosemethoden, Therapieansätze und Präventionsmöglichkeiten.

Was ist Alzheimer?

Alzheimer ist die häufigste Ursache für Demenz, einer Erkrankung, die durch einen fortschreitenden Verlust von kognitiven Fähigkeiten gekennzeichnet ist. Im Gehirn von Alzheimer-Patienten lagern sich zwei bestimmte Proteine ab: Amyloid und Tau. Diese Ablagerungen führen zum Absterben von Nervenzellen und somit zum unaufhaltsamen Hirnverfall.

Wie verläuft die Krankheit?

Der Verlauf der Alzheimer-Krankheit ist schleichend und individuell verschieden. Anfangs fallen Betroffenen und ihren Angehörigen vor allem Einschränkungen des Kurzzeitgedächtnisses auf. Betroffene tun sich schwer, langen Gesprächen zu folgen oder sich deren Inhalte zu merken. Häufig verlegen sie alltägliche Gegenstände und tun sich zunehmend schwer, vorausschauend zu planen.

Im fortgeschrittenen Stadium der Alzheimer-Erkrankung haben die Menschen Schwierigkeiten, alltägliche Aufgaben auszuführen. Sie erinnern sich plötzlich nicht mehr, was sie eigentlich mit dem Teller machen wollten - später nicht einmal mehr daran, was ein Teller überhaupt ist. Im weiteren Verlauf verlieren die Erkrankten zunehmend sprachliche Fähigkeiten und auch die Kontrolle über Darm und Blase sowie ihre Körperhaltung. Im Spätstadium können die Gliedmaßen versteifen, es kann zu Schluckproblemen kommen oder Krampfanfällen. Laut Professor Jörg Schulz bekommen 33 Prozent der Betroffenen solche Anfälle. Alzheimer-Kranke sind zudem besonders anfällig für Infektionen.

Wie kann man sich auf Alzheimer testen lassen?

Es gibt eine Vielzahl an Tests, die bei der Suche nach Anhaltspunkten für eine Alzheimer-Erkrankung helfen. Dazu zählen neuropsychologische Tests wie zum Beispiel der Uhrentest, bei dem es um das Zeichnen der korrekten Uhrzeit geht oder das Merken von längeren Wortreihen. Möglich ist die Diagnose über Verfahren wie CT oder MRT. Mit ihnen lässt sich nachweisen, ob das Gehirn geschrumpft ist.

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Pathologisch nachweisen lässt sich die Erkrankung durch die sich im Hirn festsetzenden Proteine Amyloid und Tau. Es gibt zwei anerkannte klinische Verfahren, die bereits zu Lebzeiten verlässliche Rückschlüsse auf zelluläre Veränderungen im Hirn erlauben. Sie haben auch Eingang in die ärztlichen Leitlinien zur Demenz gefunden. Zum einen ist das die Nervenwasseruntersuchung, und zum anderen die Positronen-Emissionstomographie (PET). Dieses bildgebende Verfahren macht die Amyloid-Ablagerungen im Gehirn sichtbar. Bei der Untersuchung des Nervenwassers fahndet das Labor nach Biomarkern. "Dadurch lassen sich bereits 20 Jahre vor Ausbruch der Krankheit erste Anzeichen auf diese nachweisen", sagt Schulz. Das ist den Medizinern wichtig, weil es hilft, die Betroffenen möglichst frühzeitig und individuell zu therapieren.

Der Hausarzt kann Patienten zu solchen Tests entweder zum Neurologen oder Nervenarzt überweisen oder in eine Gedächtnisambulanz.

Welche Medikamente helfen bei Alzheimer?

Es gibt kein Arzneimittel, das in der Lage wäre, Alzheimer zu heilen oder alle auftretenden Symptome zu mildern. Es ist also ein Potpourri an Möglichkeiten, das je nach individueller Entscheidung zum Tragen kommen kann. Dazu gehören Arzneimittel wie sogenannte Cholinesterase-Hemmer oder Glutamat-Antagonisten, die die geistige Leistungsfähigkeit verbessern. Mit ihrer Hilfe kann der Verlauf der Erkrankung um einige Monate gebremst werden. Da viele Alzheimer-Patienten Wahnvorstellungen, Halluzinationen und Aggressionen entwickeln, kommen in einigen Fällen sogenannte Antipsychotika wie zum Beispiel Chlorpromazin, Haloperidol, Risperidon, Thioridazin oder Trifluoperazin zum Einsatz. Sie sind allerdings umstritten, da sie die Sterblichkeit erhöhen. Laut einer amerikanischen Studie starben die behandelten Patienten im Schnitt sechs bis zwölf Monate früher, wenn sie solche Mittel bekamen.

Kann man sich gegen Alzheimer impfen lassen?

Derzeit wird nur im Rahmen kontrollierter Studien geimpft. Ein zugelassenes Medikament gibt es hingegen noch nicht. Bereits seit geraumer Zeit bemüht sich die Wissenschaft, einen Impfstoff zu finden, mit dem man gegen den geistigen Verfall impfen kann. Hoffnungsträger ist dabei die sogenannte Anti-Amyloid-Therapie. Sie setzt bei den Amyloid-Plaques an, die sich bei Alzheimer typischerweise im Gehirn absetzen. Diese Eiweiße greifen Nervenzellen im Gehirn an. Die Impfung nun zielt darauf ab, Antikörper ins Hirn zu bringen, die das Amyloid zerstören und das Eiweiß quasi auffressen. Diese Impfung, so hoffen die Wissenschaftler könnte im Frühstadium die Erkrankung bekämpfen. Einige Tests geben sogar Hoffnung darauf, dass sie trotz Alzheimer die Gedächtnisleistung stabilisieren kann.

Wie kann ich mich vor Alzheimer schützen?

Manchmal sind es genetische Faktoren, die die Wahrscheinlichkeit erhöhen, einmal an Alzheimer zu erkranken. Diese erbliche Vorbelastung an sich lässt sich nicht ausschalten. Wohl aber hilft ein aktives Leben - geistig wie körperlich - auch in Sachen Alzheimer-Prävention. Wie ein Muskel, der trainiert werden will, fordert auch das Gehirn Beschäftigung. Dabei ist es hilfreich, zum einen die Gedächtnisleistung zu trainieren und das Gehirn mit vielen Informationen zu füttern und zu fordern. Das geschieht zum Beispiel bei der Teilnahme an Diskussionsrunden, dem Besuch von Ausstellungen oder Bildungsreisen. Noch viel wichtiger allerdings ist es, an seiner Verarbeitungsschnelligkeit und an der Fähigkeit zum logischen Denken zu arbeiten. Denn diese hält nachhaltiger an. Neuere Studien zeigen zudem: Auch wer Übergewicht und Bluthochdruck abbaut, beugt dem Untergang von Nervenzellen im Gehirn vor.

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Bildung schützt vor Alzheimer. Ein langer Ausbildungsweg belastet zwar in den meisten Fällen den Geldbeutel, doch bringt er zugleich einen Schutz vor Demenz mit sich. Nicht klar ist allerdings laut Alzheimer-Experte Schulz, ob dadurch Veränderungen im Gehirn verhindert oder hinausgezögert werden, oder ob durch das kognitive Training einfach nur die neuropathologischen Veränderungen besser aufgefangen werden können.

Wer rastet, der rostet, sagt schon der Volksmund. Das macht sich auch in der Denkzentrale bemerkbar. Studien belegen, dass körperlich aktive Menschen ein geringeres Risiko für demenzielle Veränderungen, also auch Alzheimer haben. Dieser Zusammenhang lässt sich in Gehstrecke messen. Alleine durch schnelles Gehen oder Wandern lässt sich etwas gegen den geistigen Verfall tun.

Die Forschung findet immer mehr Hinweise darauf, dass es einen engen Zusammenhang zwischen kardio-vaskulären Risiken und der Entstehung von Alzheimer gibt. Durch eine gesündere Lebensweise ließen sich demnach nicht nur Übergewicht, Herzprobleme, Bluthochdruck oder Diabetes verhindern, sondern auch das Alzheimer-Risiko minimieren. Hinweise darauf finden die Wissenschaftler in der Tatsache, dass zwar auch bei jungen Menschen im Gehirn Amyloid gebildet wird, es aber funktionierende Reparaturmechanismen gibt, die dieses wieder entfernen. Im Alter, so nimmt man an, gibt es Ereignisse, die dieses System zum Kollabieren bringen.

Warum schlafen Alzheimer-Patienten immer?

Tun sie gar nicht. Allerdings haben Alzheimer-Kranke häufig einen umgekehrten Schlaf-Wach-Rhythmus. Oft legen sie sich schon am Tag schlafen und irren nachts verwirrt durch die Räume. Ohnehin verschiebt sich auch bei gesunden Menschen die Einschlafzeit in die früheren Abendstunden. Dafür sind ältere Menschen dann oft morgens schon früh wach. Das verstärkt den Effekt. Dadurch, dass Alzheimer-bedingt die Nervenzellbereiche der inneren Uhr zerstört werden, funktioniert der sonst vorhandene Mechanismus nicht mehr, der uns in einen Tagesrhythmus bringt.

Woran sterben Alzheimer-Kranke?

Alzheimer selbst ist nicht tödlich. Die Betroffenen versterben an den Folgen von Erkrankungen, die sich aus der Demenz-Erkrankung ergeben. Die Gefahr für Lungenentzündungen ist beispielweise durch Verschlucken erhöht.

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Rudi Assauer: Ein Gesicht der Alzheimer-Krankheit

Rudi Assauer, der sich gern als Macho präsentierte, machte seine Alzheimer-Erkrankung öffentlich. "Wenn es eine Sache in der Welt gibt, wenn es eine Sache in meinem Leben gibt, vor der ich immer Angst hatte, so richtig Schiss auf gut Deutsch, dann Alzheimer", so zitiert die "Bild"-Zeitung aus der Autobiographie des Fußballmanagers. Ein ZDF-Team begleitete ihn ein Jahr lang, um zu zeigen, "welche Klippen Rudi Assauer bei Auftritten in der Öffentlichkeit umschiffen muss und was die Krankheit für Familie und Freunde bedeutet".

Assauer ist nicht der einzige Prominente, dessen Demenz-Erkrankung die Öffentlichkeit aufwühlt. Immer wieder berichtet Bundesarbeitsministerium Ursula von der Leyen (CDU), wie ihre Familie mit der Demenz ihres prominenten Vaters, des früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht, umgeht. Im vergangenen Mai sorgte der Suizid von Playboy Gunter Sachs für Aufmerksamkeit. Für Schlagzeilen sorgte auch das Schicksal des an Alzheimer schwer erkrankten Literaturwissenschaftler Walter Jens.

Die gesellschaftliche Bedeutung der Alzheimer-Erkrankung

In Deutschland leben etwa 1,2 Millionen demente Menschen, zwei Drittel haben Alzheimer; eine wirksame Therapie gegen die Erkrankung, die sich durch Eiweiß-Ablagerungen im Gehirn zeigt, steht nach wie vor aus. Jedes Jahr werden bis zu 300.000 Demenz-Neuerkrankungen diagnostiziert, davon 120.000 Alzheimer-Fälle. Weltweit seien schon jetzt 36 Millionen Menschen demenzkrank, heißt es im Welt-Alzheimer-Bericht von 2011. Doch noch immer sei das Thema ein Tabu, kritisierte am Dienstag die Deutsche Alzheimer Gesellschaft. Im Bielefelder "Westfalen-Blatt" lobte ihr Sprecher Hans-Jürgen Freter Assauer dafür, dass er seine Erkrankung öffentlich gemacht hat. "Alzheimer ist ein Tabu.

Die Fachgesellschaft riet jedem Alzheimer-Patienten, in seinem Freundes- und Bekanntenkreis über die Diagnose zu sprechen und das Umfeld auf den geistigen Abbau vorzubereiten. "Dann erfährt man mehr Verständnis und Hilfe, wenn es irgendwann soweit ist", sagte Freter. Obwohl niemand etwas für die Krankheit könne, führe der Verlust geistiger Fähigkeiten zu einer ablehnenden Haltung vieler Menschen. Der Experte verwies auf den früheren US-Präsident Ronald Reagan, der 1994 fünf Jahre nach Ende seiner Präsidentschaft die Nation über seine Alzheimer-Erkrankung informiert habe. "Auf einmal floss Geld in die Forschung." Diesen Effekt erhoffe er sich auch für Deutschland, sagte Freter. "Die Alzheimerforschung bekommt zu wenig Fördermittel und steckt deshalb in den Kinderschuhen."

Alzheimer-Demenz: Formen und Ursachen

Am häufigsten tritt die sporadische Form des Alzheimers auf. Bei dieser Erkrankung determinieren genetische sowie Umwelteinflüsse den Verlauf. Der größte Risikofaktor ist das Alter. Aber auch das ApoE4-Gen, das für den Transport von Fettsäuren zuständig ist, erhöht das Risiko, zu erkranken.

Wesentlich seltener ist die autosomal-dominante Form der Alzheimer-Demenz. Kennzeichnend für diese Form von Alzheimer ist, dass die Symptome wesentlich früher auftreten und sich schneller verstärken beziehungsweise häufen.

Sind innerhalb einer Familie mehrere Menschen an Alzheimer erkrankt, sprechen Mediziner von einer familiären Form von Alzheimer. Bei dieser Form ist das Risiko der Blutsverwandten erhöht, ebenfalls an Alzheimer zu erkranken. Während das Lebenszeitrisiko normalerweise bei zehn Prozent liegt, erhöht es sich bei Verwandten ersten Grades um das Zweieinhalbfache (25 Prozent).

Was während der Alzheimer-Erkrankung im Gehirn passiert, dazu gibt es bisher nur Theorien. Die gängigste besagt, dass Mutationen bestimmter Proteine im Gehirn dazu führen, dass zu viel Eiweiß (β-Amyloid) gebildet wird. Die reaktionsfreudigen β-Amyloid-Moleküle („Monomere“) gehen miteinander eine chemische Verbindung ein und „klumpen“.

Dadurch entstehen die so genannten Plaques, die sich an der Großhirnrinde ablagern und die zerstörerischen Abbauvorgänge im Gehirn in Gang setzen. Ein Abbauvorgang löst dabei den nächsten aus. „Die Schädigung im Gehirn folgt dabei dem Dominoprinzip“, fasst der Neurobiologe Mathias Jucker vom Hertie-Institut der Universität Tübingen zusammen.

Was allerdings die Ursache für die Mutation der β-Amyloid-Proteine ist, darauf sucht die Forschung noch eine Antwort.

Prävention von Demenz: Was kann man tun?

Je nach Demenzform können Sie also besser oder schlechter vorbeugen. Gegenüber manchen Arten sind wir nach aktuellem Stand der Wissenschaft schlichtweg machtlos. Trotzdem gilt: Was Ihrem Körper schadet, kann auch das Gehirn beeinträchtigen. So können Sie zumindest einer vaskulären Demenz entgegenwirken, indem Sie auf folgende sechs Dinge achten:

  1. Ernähren Sie sich ausgewogen: Nach aktuellem Stand der Forschung ist eine mediterrane Ernährung besonders gut für unser Herz und Hirn. Auf dem Speiseplan stehen vor allem Obst, Gemüse, Vollkorn- und Milchprodukte, Olivenöl, wenig rotes Fleisch, stattdessen Fisch und Hühnchen.
  2. Trinken Sie Alkohol nur in Maßen: Verfechter der mediterranen Ernährung empfehlen außerdem hin und wieder ein Gläschen Rotwein. Mehr sollte es allerdings nicht sein. Denn starker Alkoholkonsum kann das Gehirn schädigen.
  3. Bewegen Sie sich ausreichend
  4. Gönnen Sie sich in stressigen Situationen eine Auszeit: Stress kann Abbauprozesse im Gehirn fördern und so zu Alzheimer führen, berichten Forscher aus Argentinien.
  5. Rauchen Sie nicht: Raucher haben ein doppelt so hohes Demenz-Risiko wie Nichtraucher.
  6. Gehen Sie regelmäßig in die Sauna: Eine Studie legt nahe, dass auch Schwitzen in der Sauna im Kampf gegen Demenz helfen kann.

Fazit

Der Tod von Rudi Assauer hat die Alzheimer-Krankheit wieder ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Obwohl es noch keine Heilung gibt, können eine frühzeitige Diagnose, medikamentöse Behandlung und präventive Maßnahmen den Verlauf der Krankheit beeinflussen und die Lebensqualität der Betroffenen verbessern. Es ist wichtig, das Tabu rund um Demenz zu brechen und Betroffenen und ihren Familien Unterstützung anzubieten. Rudi Assauer hat dazu einen wichtigen Beitrag geleistet.

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