Ivermectin ist ein vielseitiges Medikament, das in der Human- und Veterinärmedizin zur Behandlung verschiedener parasitäre Erkrankungen eingesetzt wird. Es gehört zur Stoffklasse der Avermectine und wirkt als Anthelminthikum. Ivermectin ist unter verschiedenen Handelsnamen erhältlich, darunter Soolantra®, Iveraxiro® und Driponin®. Dieser Artikel beleuchtet die Anwendungsgebiete, Wirkungsweise, Dosierung und wichtige Hinweise zur Anwendung von Ivermectin, insbesondere im Zusammenhang mit Scabioral Larva Migrans.
Was ist Ivermectin?
Ivermectin ist ein Anti-Parasitenmittel, das sowohl in Tablettenform zur oralen Einnahme als auch als Creme zur äußerlichen Anwendung verfügbar ist. Ivermectin-Tabletten werden hauptsächlich zur Behandlung von Infektionen mit Parasiten wie Milben (z.B. Krätzmilben) oder Würmern eingesetzt. Ivermectin-Creme wird vorwiegend zur Behandlung von Rosacea (Couperose) verschrieben. Es ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz verschreibungspflichtig. In der Schweiz ist Ivermectin nur zur Rosacea-Behandlung zugelassen, nicht jedoch als Parasitenmittel wie in Deutschland oder Österreich.
Anwendungsgebiete von Ivermectin
Ivermectin wird zur Behandlung verschiedener Hauterkrankungen und parasitäre Infektionen eingesetzt, darunter:
- Skabies (Krätze): Eine durch Krätzmilben verursachte Hauterkrankung, die starken Juckreiz auslöst.
- Scabies crustosa: Eine schwere Form der Krätze, die oft bei immungeschwächten Personen auftritt.
- Larva migrans: Eine Hauterkrankung, die durch wandernde Wurmlarven verursacht wird.
- Rosacea (Couperose): Eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die Rötungen und Entzündungen im Gesicht verursacht.
- Filariose: Erkrankungen durch Fadenwürmer, wie die Flussblindheit.
- Trichuriasis: Infektion durch den Peitschenwurm.
- Ascariasis: Infektion durch Spulwürmer.
- Strongyloidiasis (Anguillulosis): Infektion mit dem Zwergfadenwurm.
- Pedikulose: Kopflausbefall.
Wirkungsweise von Ivermectin
Ivermectin wirkt, indem es die Nerven- und Muskelzellen von Parasiten lähmt und dadurch deren Tod verursacht. Es bindet an Glutamat- und Gamma-Aminobuttersäure (GABA)-gesteuerte Chloridkanäle, was die Weiterleitung elektrischer Impulse stört. Gegen deren abgelegte Insekteneier wirkt Ivermectin, indem es die Nachkommen am Schlüpfen im Wirtsorganismus hindert oder sie direkt abtötet (Ovizid).
Bei Rosacea vermuten Experten entzündungshemmende Eigenschaften von Ivermectin, möglicherweise durch die Drosselung der Produktion entsprechender Botenstoffe. Es könnte auch eine Rolle spielen, dass Ivermectin Haarbalgmilben abtötet, die bei Rosacea-Patienten die Haut besonders dicht besiedeln und die Erkrankung begünstigen können.
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Dosierung und Anwendung von Ivermectin
Die Anwendung und Dosierung von Ivermectin variieren je nach der zu behandelnden Erkrankung:
Ivermectin-Creme bei Rosacea
- Anwendung: Einmal täglich dünn auf die gereinigte Haut auftragen.
- Konzentration: Die Creme enthält in der Regel 1% Ivermectin.
- Dauer: Die Behandlung erstreckt sich über mehrere Wochen bis Monate. Die Wirkung tritt normalerweise nach etwa 4 Wochen ein.
Ivermectin-Tabletten bei Skabies und anderen Parasitenbefall
- Anwendung: In der Regel als Einmaltherapie, d.h. die Tabletten werden einmalig und nüchtern eingenommen, bevorzugt abends.
- Dosierung: Die Dosis richtet sich nach dem Körpergewicht des Patienten. Üblicherweise beträgt sie 200 µg pro Kilogramm Körpergewicht.
- Kombinationstherapie: Häufig wird Ivermectin mit einer Creme mit dem Wirkstoff Permethrin kombiniert.
Allgemeine Hinweise zur Einnahme von Ivermectin-Tabletten
- Die Tabletten sollten mit einem Glas Wasser auf leeren Magen geschluckt werden.
- Ivermectin ist bei Kindern unter fünf Jahren sowie bei Personen, die weniger als 15 Kilogramm wiegen, kontraindiziert.
- Während der Behandlung mit Ivermectin sollte auf Alkoholkonsum verzichtet werden, insbesondere bei höheren Dosierungen des Medikaments.
Scabioral Larva Migrans: Spezifische Dosierung
Bei der Behandlung von Scabioral Larva Migrans mit Ivermectin ist es wichtig, die Anweisungen des Arztes genau zu befolgen. Die Dosierung richtet sich auch hier nach dem Körpergewicht des Patienten. In der Regel wird Ivermectin oral als Tablette verabreicht.
Da Ivermectin die Larven abtötet, ist es wichtig, die Behandlung gegebenenfalls nach einigen Tagen zu wiederholen, um sicherzustellen, dass alle Larven eliminiert wurden.
Wichtige Hinweise und Vorsichtsmaßnahmen
- Schwangerschaft und Stillzeit: Ivermectin darf in der Schwangerschaft und Stillzeit nicht eingenommen werden, es sei denn, es ist medizinisch unbedingt erforderlich. Tierversuche deuten darauf hin, dass es Fehlbildungen hervorrufen und dem Ungeborenen schaden kann. Da Ivermectin sehr gut fettlöslich ist, kann die Substanz beim Stillen in die Muttermilch übergehen.
- Ansteckungsgefahr bei Krätze: Krätze ist bis zu 6 Wochen ansteckend. Daher sollten besondere Hygienemaßnahmen zusätzlich zur medikamentösen Therapie durchgeführt werden:
- Über 14 Tage sollte täglich die Wäsche und Kleidung gewechselt und bei mind. 60 Grad gewaschen werden.
- Schuhe, Jacken, Kuscheltiere usw. werden in einem geschlossenen Plastiksack für fünf Tage aufbewahrt.
- Enge Kontaktpersonen sollten sich ebenfalls zum selben Zeitpunkt behandeln, um eine wiederholte Ansteckung zu vermeiden.
- Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten: Es liegen derzeit keine umfassenden Studien zu möglichen Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln vor. Da Ivermectin über die Leber abgebaut wird, ist Vorsicht geboten bei der gleichzeitigen Einnahme von Medikamenten, die ebenfalls über die Leber verstoffwechselt werden (z.B. bestimmte Antibiotika, Herzmedikamente).
- Nebenwirkungen: Ivermectin-Creme ist in der Regel gut verträglich. Selten kommt es zu Hautirritationen wie Trockenheit, Rötungen, Brennen oder Juckreiz. Bei der Einnahme von Tabletten können Nebenwirkungen wie Schwäche, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder Schwindel auftreten. Auch eine vorübergehende Erstverschlimmerung des Juckreizes bei Krätze ist möglich. In seltenen Fällen kommen Leberfunktionsstörungen oder Blutbildveränderungen vor.
- Ivermectin und COVID-19: Ivermectin ist kein Wundermittel gegen das Coronavirus und COVID-19. Die Europäische Arzneimittelagentur EMA, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Robert Koch-Institut (RKI) sprechen sich gegen den Einsatz von Ivermectin zur Behandlung von COVID-19 außerhalb klinischer Studien aus.
Alternative Behandlungsansätze
Bei dermatologischen, allergologischen und venerologischen Erkrankungen kann es notwendig sein, neben der topischen Behandlung auch eine systemische Therapie in Betracht zu ziehen. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Erkrankung schwerwiegend ist oder auf die topische Behandlung nicht ausreichend anspricht.
Systemische Antibiotika können bei bakteriellen Hautinfektionen eingesetzt werden. Bei allergischen Reaktionen können Antihistaminika helfen, die Symptome zu lindern. In einigen Fällen können auch Immunsuppressiva oder Biologika erforderlich sein, um die Entzündung zu kontrollieren.
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