Myomdruck auf Nerven: Ursachen, Symptome und Behandlung

Myome, auch bekannt als Uterusmyome oder Gebärmuttergeschwulste, sind gutartige Tumoren, die in der Muskelschicht der Gebärmutter (Uterus) entstehen. Sie sind ein häufiges Vorkommnis bei Frauen im Menstruationsalter, insbesondere zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr. Obwohl Myome in vielen Fällen keine Symptome verursachen, können sie in anderen Fällen erhebliche Beschwerden verursachen, insbesondere wenn sie auf Nerven in der Beckengegend drücken.

Was sind Myome?

Ein Myom ist ein Tumor, der sich aus Muskelzellen entwickelt. Je nachdem, welche Art von Muskelzellen betroffen ist, unterscheidet man zwischen:

  • Leiomyom: Es entwickelt sich aus glatten Muskelzellen. Diese finden sich an den inneren Organen, etwa in der Gebärmutter (Gebärmuttermyom), in den Nieren und im Magen-Darm-Trakt.
  • Rhabdomyom: Es entwickelt sich aus quergestreifter Muskulatur, die sich im Herz und in der Skelettmuskulatur findet.
  • Fibroleiomyom: Dieser Tumor entwickelt sich ebenfalls aus glatten Muskelzellen, enthält allerdings zusätzlich noch Bindegewebe.

Das Myom gehört zu den gutartigen Tumoren. Das sind Tumoren, die nur langsam wachsen und dabei nicht in umliegendes Gewebe eindringen - sie verdrängen es nur. Im Gegensatz zu bösartigen Tumoren (Krebs) bilden gutartige Tumore zudem keine Tochtergeschwülste, sogenannte Metastasen.Myome bergen daher nicht dieselben Gefahren wie Krebsgeschwülste. Dennoch beeinflussen sie mitunter die Lebensqualität der Betroffenen - mit Beschwerden und/oder ernsten Komplikationen.

Ursachen von Myomen

Obwohl Gebärmuttermyome recht häufig vorkommen, ist die genaue Ursache bis heute nicht bekannt. Eine erbliche Veranlagung kann die Bereitschaft zu Myomen begünstigen.

Auslöser für das Wachstum der Myome ist das weibliche Geschlechtshormon Östrogen. Östrogen begünstigt das Wachstum von Muskelzellen in der Gebärmutter. Daher entstehen Gebärmuttermyome nahezu ausnahmslos bei Frauen im Menstruationsalter, also ab der Pubertät bis zum Klimakterium. Nach den Wechseljahren schrumpfen Myome, da die Östrogenproduktion aufgehört hat.

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Frauen mit dunkler Haut sind etwa 2- bis 3-mal häufiger betroffen - weshalb, weiß man bisher nicht.

Weitere Risikofaktoren sind:

  • Frauen, die noch nicht schwanger waren
  • Frauen, deren Mutter oder Schwester bereits Myome hatten
  • Frauen mit starkem Übergewicht

Symptome von Myomen

Gebärmuttermyome können unterschiedliche Symptome verursachen. Kleinere Gebärmuttermyome machen oft keine Beschwerden.

Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Menstruationsstörungen mit verstärkter, schmerzhafter Regelblutung, Zyklusstörungen und Zwischenblutungen
  • Schmerzen im Bauch (vor allem im Unterleib) und Rücken
  • Druckgefühl, manchmal sogar brennende Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • Kreuzschmerzen und Nervenschmerzen in den Beinen, wenn das Myom auf Nerven in der Beckengegend drückt
  • Häufiger Harndrang, Beschwerden beim Wasserlassen und Inkontinenz oder Harnaufstau bei Druck auf die Blase
  • Krampfartige Schmerzen und Verstopfung bei Druck auf den Darm
  • Ungewollte Kinderlosigkeit und Fehlgeburten

Wie Myome auf Nerven drücken und Schmerzen verursachen

Myome können auf verschiedene Weise Schmerzen verursachen, insbesondere wenn sie auf Nerven drücken:

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  • Druck auf benachbarte Organe: Myome können Druck auf benachbarte Organe wie die Blase, den Darm oder die Nerven im Beckenbereich ausüben. Dieser Druck kann zu Schmerzen, Unbehagen und Funktionsstörungen führen.
  • Nervenkompression: Wenn ein Myom auf einen Nerv drückt, kann dies zu Nervenschmerzen führen, die sich als stechende, brennende oder kribbelnde Schmerzen äußern können. Die Schmerzen können bis in die Beine ausstrahlen.
  • Entzündung: In einigen Fällen können Myome eine Entzündung in der Umgebung verursachen, die ebenfalls zu Schmerzen beitragen kann.

Diagnose von Myomen

Zur Diagnose von Gebärmuttermyomen wird der Gynäkologe nach den Beschwerden fragen, eine sogenannte Anamnese machen. Bei entsprechenden Symptomen folgen ein Ultraschall des kleinen Beckens sowie eine Gebärmutterspiegelung (sogenannte Hysteroskopie). Um die Organe im Beckenbereich gezielter untersuchen zu können, kann der Arzt eine Bauchspiegelung (sogenannte Laparoskopie) durchführen. Eine Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) sind nur selten notwendig.

Häufig werden Gebärmuttermyome während einer Vorsorgeuntersuchung Beckens entdeckt.

Durch welche Untersuchungen lässt sich ein Myom feststellen?

Beschwerden wie eine verstärkte Menstruation oder vermehrter Harndrang sind manchmal ein Hinweis auf ein Gebärmuttermyom. Um einem solchen Verdacht nachzugehen, befragt der Frauenarzt oder die Frauenärztin die Patientin zunächst ausführlich über bestehende Beschwerden sowie eventuelle Vorerkrankungen (Anamnese).

Nach dieser Erhebung der Krankengeschichte folgt eine gynäkologische Tastuntersuchung: einmal durch die Scheide und einmal gleichzeitig durch den Enddarm und über die Bauchdecke. Ein größeres Myom oder mehrere Myome (Uterus myomatosus) kann der Arzt oder die Ärztin dabei meist ertasten.

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Mittels Ultraschalluntersuchung (Sonografie) lässt sich der Myom-Verdacht in der Regel bestätigen. Im Ultraschall sind die genaue Lage und Größe des Myoms beziehungsweise der Myome erkennbar. Die Untersuchung erfolgt entweder über die Bauchdecke oder - häufiger - über die Scheide (Vaginalsonografie).

Bringt der Ultraschall keine genaue Diagnose, ist gegebenenfalls eine Spiegelung der Gebärmutter (Hysteroskopie) oder eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) notwendig.

Wenn das Myom auf den Harnleiter drückt, muss der Arzt oder die Ärztin unter Umständen die Nieren und ableitenden Harnwege mittels Ultraschall und einer Röntgendarstellung mit Kontrastmittel (Urografie) untersuchen.

Sind die Untersuchungsergebnisse unklar, ist manchmal eine Magnetresonanztomografie (MRT) sinnvoll.

Außerdem erfolgen bei Bedarf Blutuntersuchungen (bei Verdacht auf eine Blutarmut), einschließlich einer Messung der Hormonspiegel.

Behandlung von Myomen

Die Therapie richtet sich immer nach Größe und Lage des Myoms. In der Regel werden Ärzte versuchen, eine operative Entfernung der gutartigen Geschwulst zu vermeiden. Daher beginnt die Behandlung von Myomen häufig mit Medikamenten, die das Wachstum der Myome stören.

Häufig benötigen Gebärmuttermyome keine Therapie. Das entscheidet Ihr Arzt individuell anhand der Diagnose. Kleine Gebärmuttermyome oder Myome, die keine bis wenige Beschwerden machen, wird Ihr Arzt mittels Ultraschall beobachten. Zudem kann er regelmäßige Blutuntersuchungen hinsichtlich Anämie und Eisenmangel anordnen.

Gegen Schmerzen durch Gebärmuttermyome helfen entzündungshemmende, nicht-steroidale Medikamente wie Ibuprofen und Naproxen.

Operative Therapie von Gebärmuttermyomen

Sehr große Gebärmuttergeschwulste, die starke Beschwerden verursachen, werden in erster Linie operiert. Vorher können Medikamente ein kurzfristiges Schrumpfen der Myome bewirken und die Blutungen bis zur Operation eindämmen.

Als operative Therapie von Gebärmuttermyomen gibt es folgende Möglichkeiten:

  • Myomentfernung (sogenannte Myomektomie): Das Myom wird entfernt, die Gebärmutter bleibt erhalten. Dies ist vor allem für Frauen mit Kinderwunsch von Interesse.
  • Myomverödung (sogenannte Embolisation): Die Verödung der Gebärmuttermyome ist eine sogenannte minimal-invasive Behandlungsform, die mit Röntgenkontrolle stattfindet. Hier wird ein zur Gebärmutter führendes Blutgefäß per Katheter verödet. Dadurch schrumpft das Myom, zudem verringert sich die Monatsblutung.
  • Die Ausschälung von Myome (Myomenukleation) ist ein weiteres Verfahren, das in der Regel minimal-invasiv angewendet wird. In diesem Verfahren wird das Myom mit einem sogenannten Laparoskop über kleine Einschnitte in die Bauchdecke entfernt. Die Ausschälung kann aber durch einen größeren Bauchschnitt oder die Scheide (vaginal) erfolgen.
  • Gebärmutterentfernung (sogenannte Totaloperation, Hysterektomie): Die Operation wird von der Scheide aus (vaginal) oder per Bauchschnitt (abdominal) durchgeführt.

Medikamentöse Therapie von Gebärmuttermyomen

Die medikamentöse Therapie von Gebärmuttergeschwulsten hat das Ziel, Myome zu verkleinern und bestenfalls ganz verschwinden zu lassen. Dazu werden sehr verschiedene Medikamente eingesetzt. Die medikamentöse Behandlung hängt immer von der Größe und vom Sitz der Myome sowie vom Ziel einer möglicherweise geplanten Operation ab.

Direkt auf das Wachstum von Myomen wirken Medikamente, die weibliche Sexualhormone enthalten und regulierend auf den Hormonhaushalt wirken. Da das Wachstum der Myome durch das weibliche Sexualhormon Östrogen verursacht wird, können hormonelle Wirkstoffe zur Senkung der Östrogenproduktion gute Erfolge erzielen.

Solche Medikamente sind beispielsweise Ovulationshemmer, oder einfacher gesagt: die Pille. In der medikamentösen Therapie eingesetzte „Pillen“ enthalten Wirkstoffe wie Ethinylestradiol, Chlormadinon, Cyproteronacetat, Levonorgestrel, Lynestrenol, Norethisteron, Norgestimat, Norgestrel, Drospirenon oder Chlormadinon.

Eine weitere Möglichkeit sind sogenannte Steuer-Hormone oder GnRH-Analoga wie Leuprorelin. Diese Medikamente imitieren das Hormon Gonadoliberin (GNRH) und stimulieren die Hirnanhangsdrüse, das Hormon Gonadotropin auszuschütten. Dadurch werden normalerweise die Eierstöcke angeregt, Östrogen zu bilden. Bei der anfallsweisen Stimulation aber wird die Östrogenbildung gehemmt. So wachsen die Gebärmuttermyome nicht weiter oder schrumpfen sogar.

Erster GnRH-Rezeptorantagonist zugelassen

2021 hat die Europäische Arzneimittelagentur ein neues Kombinationspräparat für die medikamentöse Therapie mäßiger bis starker Symptome von Uterusmyomen bei Frauen im gebärfähigen Alter zugelassen. Das Präparat des deutschen Herstellers Gedeon Richter kombiniert den ersten GnRH-Rezeptorantagonisten Relugolix mit weiblichen Hormonen (Estradiol und Norethisteronacetat). Relugolix mindert das Wachstum von Gebärmuttermyomen, indem es die Ausschüttung von Hormonen mindert, die am Wachstum der Gebärmutterschleimhaut beteiligt sind (luteinisierendes Hormon und follikelstimulierendes Hormon). Das Estradiol soll das Osteoporose-Risiko senken und Norethisteronacetat das Wachstum der Gebärmutterschleimhaut zusätzlich bremsen.

Zulassung für Ulipristalacetat eingeschränkt

Der Wirkstoff Ulipristalacetat ist selbst kein Hormon, wirkt aber auf das weibliche Sexualhormon Progesteron, indem es die Andockstellen (Rezeptoren) verändert. Die Progesteronbildung wird somit gehemmt. Progesteron ist so etwas wie der Gegenspieler des Östrogens. Die Einnahme von Ulipristalacetat hemmt das Wachstum von Myomen. Mit der Verkleinerung der Myome lassen in der Regel auch die Beschwerden rasch nach. Ulipristalacetat kann - wie die anderen hormonell wirksamen Medikamente - Myome so weit verkleinern, dass eine Operation nicht mehr nötig ist. 2020 wurde die Zulassung von Ulipristalacetat zur Behandlung von Gebärmuttermyomen wegen der möglichen leberschädlichen Nebenwirkungen eingeschränkt. Der Wirkstoff darf seitdem nur noch im Rahmen einer Intervall-Therapie mit Behandlungspausen angewendet werden. Und auch das nur bei erwachsenen Frauen vor der Menopause mit mittleren bis starken Symptomen, bei denen (Behandlung erfolgt nach einem festgelegten Zeit- u. Therapieschema mit Therapiepausen) eine Embolisation oder andere operative Eingriffe nicht geeignet oder fehlgeschlagen sind.

Immer mehr Frauen kennen Ulipristalacetat als Wirkstoff aus ellaOne, einer der beiden in Deutschland freiverkäuflichen „Pillen danach“.

Pflanzliche Präparate

Bei gering ausgeprägten Beschwerden kann eine Therapie von Gebärmuttermyomen mit pflanzlichen Mitteln versucht werden. Sehr viele Frauen haben gutartige Geschwulste in oder an der Gebärmutter (Uterus), sogenannte Myome. Die meisten sind klein, machen sich nicht weiter bemerkbar und werden eher zufällig entdeckt. Je nachdem wo sich Myome bilden, können sie aber auch Regelschmerzen, starke Monatsblutungen und weitere Beschwerden verursachen.

Weitere Behandlungsverfahren

  • Der Verschluss von Blutgefäßen, die das Myom versorgen (Myomembolisation). Dadurch sollen die Myome schrumpfen.
  • Weitere Verfahren, um die Myome zu beseitigen. Dazu gehört der fokussierte Ultraschall, bei dem das Myom von außen gezielt mit starken Ultraschallwellen erhitzt wird. Ein neueres Verfahren ist die Radiofrequenzablation. Dabei wird das Myom mit einer Elektrode erhitzt und zerstört. Die Vor- und Nachteile dieser Verfahren sind aber noch nicht ausreichend untersucht.

Umgang mit Schmerzen und Beschwerden im Alltag

Heftige Schmerzen und starke Blutungen während der Periode können sehr belastend sein. Die meisten Frauen mit solchen Beschwerden vermuten zunächst nicht, dass sie durch Myome ausgelöst werden. Nach der Diagnose sind ausreichende Informationen wichtig, um die Erkrankung zu verstehen und einen persönlichen Weg zu finden, mit ihr umzugehen. Dies gilt ganz besonders für Frauen mit Kinderwunsch.

Im Alltag geht es zunächst darum, mit den Beschwerden so zurechtzukommen, dass sie Privat- und Berufsleben nicht zu sehr belasten. Eine starke Periode beispielsweise empfinden viele Frauen als unangenehm und lästig, manchmal auch peinlich und mitunter angsteinflößend. Starke Schmerzen können jeden Monat tagelang das Alltagsleben beeinträchtigen und normale Aktivitäten behindern. Es gibt jedoch Mittel und Wege, sich auf die Tage mit Beschwerden so einzustellen, dass sie weniger belasten. Für viele Frauen ist es entscheidend, nach und nach das Gefühl zu bekommen, ihre Beschwerden kontrollieren zu können.

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