Scharlach ist eine häufige bakterielle Infektionskrankheit im Kindesalter, die durch Bakterien der Art Streptococcus pyogenes verursacht wird. Klinisch manifestiert sich Scharlach hauptsächlich durch Angina und ein feinfleckiges Exanthem. Die Krankheit wird durch Toxine von Streptococcus (S.) pyogenes aus der Gruppe der β-hämolysierenden Streptokokken der Gruppe A (GAS) verursacht und ist als Kinderkrankheit bekannt. Am häufigsten sind Kinder im Alter von fünf bis 15 Jahren betroffen.
Charakteristische Symptome und Diagnose von Scharlach
Charakteristisch für die Krankheit sind eine Tonsillopharyngitis („Angina“) und ein Exanthem aus feinfleckigen, rötlichen Papeln, das ab dem ersten oder zweiten Tag nach Erkrankung am Oberkörper beginnt und sich über die Extremitäten ausbreitet. Dabei werden Handflächen, Fußsohlen und die Mundpartie ausgespart. Neben der perioralen Blässe sind außerdem die Erdbeer-/Himbeerzunge und Pastia-Linien (linienförmige Petechien in Hautfalten, z.B. in Leiste und Achsel) typisch.
Die Diagnose von Scharlach wird in der Regel klinisch gestellt, basierend auf der typischen Krankengeschichte und den Symptomen. Ergänzend kann ein Streptokokken-Antigen-Schnelltest durchgeführt werden, bei dem ein Abstrich aus dem Rachen entnommen wird. Die Spezifität dieses Tests ist gut (≥ 95%), die Sensitivität jedoch etwas niedriger (80 - 90%) im Vergleich zum kulturellen Nachweis auf Blutagar. Bei Verdacht auf Scharlach mit negativem Schnelltest kann eine mikrobiologische Kultur ergänzend durchgeführt werden, die als Goldstandard für den Nachweis einer GAS-Infektion gilt.
Behandlung von Scharlach
Scharlach wird antibiotisch mit Penicillin V behandelt. Die antibiotische Behandlung reduziert die Dauer der Ansteckungsfähigkeit (<24 Stunden) und der Symptome. Weltweit sind keine Resistenzen von S. pyogenes gegen β-Laktame bekannt. Die Therapie der Wahl bei Rachen- und Hautinfektionen ist die siebentägige Gabe von Penicillin oral. Die Dosierung für Penicillin V liegt bei 50 - 100 000 IE/kgKG/Tag, mit einer maximalen Gabe von 3 Mio. Einheiten. Bei Rezidiven kann eine Therapiedauer von 10 Tagen zu einer höheren Erfolgsrate führen.
Alternative Therapiemöglichkeiten stellen Amoxicillin/Ampicillin (oral oder parenteral) und Cephalosporine (oral) der ersten Generation dar.
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Komplikationen von Scharlach
Selten kommt es zu bakteriell bedingten Komplikationen (z.B. Peritonsillarabszessen, Retropharyngealabszessen, Meningitis, Sepsis) oder toxinvermittelten Komplikationen wie dem toxischen Schocksyndrom. Zu den nicht-eitrigen Komplikationen zählen das akute rheumatische Fieber (ARF) und die akute Post-Streptokokken-Glomerulonephritis (APSGN). Auch neuropsychiatrische Folgen wie die Chorea minor und PANDAS (pediatric autoimmune neuropsychiatric disorders associated with streptococcal infections) können auftreten. Auf eine Scharlach-Erkrankung können invasive Infektionen als Komplikationen folgen, dazu gehören Pneumonien, Meningitiden, Endokarditiden, eine Sepsis und septische Arthritiden sowie die Nekrotisierende Fasziitis (NF). Durch die Toxine der Erreger kann es auch zum Streptokokken-Toxin-Schock-Syndrom kommen. Etwa die Hälfte der Betroffenen hat gleichzeitig eine NF Das immunvermittelte, fulminant verlaufende Syndrom trifft vorher gesunde Patienten.
Fieberkrämpfe als Komplikation
Eine gefürchtete und relativ häufig vorkommende Komplikation des Fiebers ist der Fieberkrampf. Fieberkrämpfe sind epilepsieartige Krampfanfälle, die ausschließlich in frühester Kindheit auftreten. Entgegen eines weit verbreiteten Irrglaubens entsteht ein Fieberkrampf nicht, weil das Fieber zu hoch steigt, sondern weil es zu schnell ansteigt. Darüber hinaus spielt die genetische Veranlagung eine erhebliche Rolle. Tatsächlich sind hierzulande nur etwa zwei bis fünf Prozent aller Babys und Kleinkinder betroffen.
Erste Hilfe bei Fieberkrämpfen
Ein Fieberkrampf endet binnen weniger Minuten von allein. In schweren Fällen kann ein Notarzt ein krampflösendes Mittel verabreichen. Sollte ein Kind einen Fieberkrampf erleiden, sollte man Ruhe bewahren, das Kind im Arm halten oder flach auf den Boden legen und spitze und kantige Gegenstände aus der Nähe entfernen. Die Atmung des Kindes sollte kontrolliert werden und sichergestellt werden, dass es sich nicht auf die Zunge beißen kann. Droht das Kind zu erbrechen, sollte es in die stabile Seitenlage gebracht werden. Es sollte nicht versucht werden, die Muskelbewegungen zu unterbinden.
Leidet das Kleinkind erstmals an einem Fieberkrampf, empfiehlt es sich, einen Notarzt zu verständigen oder, wenn der Krampf bereits vorüber ist, einen Arzt oder die Notfall-Ambulanz aufzusuchen. Hier kann das Kind untersucht und weitere Anweisungen zur Beobachtung gegeben werden.
Symptome des Fieberkrampfes
Ein einfacher Fieberkrampf geht immer mit folgenden Symptomen einher:
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- Hohes Fieber mit raschem Anstieg
- Verdrehte Augen
- Bewusstseinsverlust
- Blässe
- Versteifung des Körpers
- Rhythmische Muskelverkrampfungen
- Endet von selbst nach wenigen Minuten
- Danach ist das Kind apathisch, kann sich nicht erinnern und schläft meist rasch tief ein
Komplexe Fieberkrämpfe verlaufen in derselben Reihenfolge, dauern jedoch länger als 15 Minuten. Mitunter verliert das Kind nicht das Bewusstsein, da sich komplexe Fieberkrämpfe manchmal nur auf einzelne Körperpartien erstrecken, beispielsweise krampfartige Versteifung der Extremitäten oder nur einer Körperhälfte. In diesen Fällen sollte immer ein Notarzt gerufen werden.
Wann zum Arzt beim Fieberkrampf?
Beim ersten Fieberkrampf eines Kindes sollten Eltern immer einen Arzt verständigen beziehungsweise ihren Kinderarzt aufsuchen. Dieser gibt wichtige Hinweise zum Umgang mit weiteren Krämpfen und schult die Eltern. Eltern, deren Kinder zu Fieberkrämpfen neigen, bekommen oftmals auch krampflösende Medikamente für die Eigenbehandlung zu Hause, die jedoch nur bei lange andauernden Krämpfen verabreicht werden müssen.
Fieberkrampf nach einer Impfung
Da Fieber eine häufige Begleiterscheinung von Impfungen ist, kann es auch hierbei zu Fieberkrämpfen kommen. Laut neuesten Forschungsergebnissen des Journal of the American Medical Association treten insbesondere nach Mehrfachimpfungen gehäuft Fieberkrämpfe auf, da die Fieberneigung durch diese Mega-Impfungen erhöht sein kann. Nach beiden Impfungen tritt Fieber noch am selben, spätestens aber nach sieben Tagen gehäuft auf. Dennoch leidet nicht jedes Kind am Impffieber und die tatsächliche Fieberkrampfneigung sei nur am Impftag selbst erhöht.
Fieberkrampf beim Baby und Kleinkind
Babys vor dem sechsten Lebensmonat erleiden in der Regel keine Fieberkrämpfe, da Säuglinge in diesem Alter nur äußerst selten fieberhafte Infekte haben. Kommt es ausnahmsweise doch einmal zu einem Fieberkrampf, so handelt es sich dabei meist um sogenannte komplexe Fieberkrämpfe. Diese Form der Krämpfe geht mit entzündlichen Veränderungen im Gehirn einher. Dieser Fieberkrampf dauert mit bis zu 15 Minuten ungewöhnlich lange und wiederholt sich meist im Laufe des folgenden Tages.
Darüber hinaus verliert das Baby beim komplexen Fieberkrampf nicht unbedingt das Bewusstsein, häufig betrifft diese Art Krampf nur einzelne Partien des Körpers. Zwar hinterlassen auch komplexe Fieberkrämpfe keine Folgeschäden, jedoch sind sie oftmals das erste Anzeichen einer sich später entwickelnden Epilepsie. Fieberkrämpfe, die nach dem sechsten Lebensmonat auftreten, sind einfache Fieberkrämpfe. Sie dauern selten länger als ein paar Minuten und wiederholen sich nicht am darauffolgenden Tag.
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Bei Kleinkindern zwischen dem ersten und dem vierten Lebensjahr treten in der Regel unkomplizierte Fieberkrämpfe auf. Die Fieberkrämpfe dauern manchmal nur einige Sekunden, in anderen Fällen fünf Minuten, das Kind wacht alleine wieder auf und ist noch apathisch. Die Erinnerung an den Fieberkrampf ist nicht vorhanden. Dieser unkomplizierte Fieberkrampf hinterlässt beim Kleinkind weder körperliche noch geistige Schäden. Ein Drittel aller betroffenen Kleinkinder erlebt Fieberkrämpfe wiederholt. Bei zwei Dritteln jedoch bleibt es bei einem einmaligen Fieberkrampf.
Prävention und Maßnahmen zur Eindämmung von Scharlach
Um die Ausbreitung möglichst zu verhindern, sollte Scharlach schnell erkannt und behandelt werden. 24 Stunden nach Beginn der Antibiotikaeinnahme ist die betroffene Person nicht mehr ansteckend. Wird eine Infektion im Rahmen eines stationären Aufenthaltes festgestellt, sollten der Erkrankte isoliert und die Maßnahmen der Basishygiene eingeleitet werden.
Scharlach-Erkrankte oder Menschen, bei denen der Verdacht auf eine solche Infektion besteht, dürfen nach § 34 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) in Gemeinschaftseinrichtungen keine Lehr-, Erziehungs-, Pflege-, Aufsichts- oder sonstige Tätigkeiten ausüben, bei denen Kontakt zu anderen besteht. Auch die in diesen Einrichtungen betreuten Personen dürfen im Falle einer Erkrankung nicht in Kontakt zu anderen treten. Eine Wiederzulassung zu den Gemeinschaftseinrichtungen und -veranstaltungen ist 24 Stunden nach Antibiotikabeginn und Abklingen der Symptome möglich. Bestehen weiterhin Symptome wie Fieber, schweres Krankheitsgefühl oder purulente Hautveränderungen, sollte der Kontakt erst wieder nach deren Verschwinden aufgenommen werden.
Erfolgt bei den betroffenen Personen keine antibiotische Therapie, darf erst zwei Wochen nach Abklingen der Symptome die Gemeinschaftseinrichtung wieder besucht werden.
Differentialdiagnosen
Differentialdiagnostisch zu Scharlach sollten andere bakterielle Pharyngitiden, das Kawasaki-Syndrom oder andere Kinderkrankheiten mit Exanthembildung in Betracht gezogen werden.
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