Das zentrale Nervensystem (ZNS) ist ein komplexes Netzwerk, das eine entscheidende Rolle für die Steuerung und Koordination der Körperfunktionen spielt. Es besteht aus dem Gehirn und dem Rückenmark und ist eng mit dem peripheren Nervensystem (PNS) verbunden, das auch das vegetative Nervensystem umfasst. Störungen in diesem komplexen System können zu einer Vielzahl von gesundheitlichen Problemen führen.
Das Vegetative Nervensystem: Ein Überblick
Das vegetative Nervensystem, auch autonomes Nervensystem genannt, reguliert lebenswichtige Körperfunktionen, die nicht bewusst steuerbar sind. Dazu gehören Herzfrequenz, Blutdruck, Atmung, Verdauung, Stoffwechsel, Körpertemperatur und sexuelle Reaktion. Es unterteilt sich in das sympathische Nervensystem (Sympathikus) und das parasympathische Nervensystem (Parasympathikus). Der Sympathikus ist vor allem für die Aktivierung des Körpers in Stresssituationen zuständig, während der Parasympathikus für Entspannung und Regeneration sorgt.
Vegetative Dystonie: Wenn das Gleichgewicht verloren geht
Gerät das Wechselspiel von Sympathikus und Parasympathikus aus dem Gleichgewicht, kann dies den Ablauf lebenswichtiger Prozesse stören. Fachleute sprechen dann von einer vegetativen Dystonie oder von somatoformen Störungen. Die Symptome einer vegetativen Dystonie können vielfältig sein und sind oft unspezifisch, was die Diagnose erschwert.
Symptome eines Überreizten Nervensystems
Die Vielfalt an unspezifischen Symptomen macht es oft schwierig, ein überreiztes Nervensystem unmittelbar zu erkennen. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Verdauungsbeschwerden wie Verstopfung oder Durchfall
- Schwindel
- Müdigkeit
- Magenschmerzen
- Gedächtnisstörungen
Daher ergibt sich das Krankheitsbild einer vegetativen Dystonie in der Regel über das Ausschlussverfahren anderer Erkrankungen.
Lesen Sie auch: Enterisches Nervensystem vs. Vegetatives Nervensystem: Ein detaillierter Vergleich
Fallbeispiel: Eine ältere Dame mit unspezifischen Beschwerden
Eine ältere Dame von 72 Jahren, seit Jahren Stammkundin in einer Apotheke, wirkt seit dem plötzlichen Tod ihres Mannes vor einem Jahr niedergeschlagen und berichtet über Schwindel, Müdigkeit und Magenschmerzen. Sie klagt auch über Gedächtnisstörungen. Die Analyse der Symptome zeigt, dass diese zunächst recht harmlos und ohne direkten Zusammenhang erscheinen. Allerdings hat die Dame vor einem Jahr einen schweren Verlust erlitten, der häufig mit depressiven Verstimmungen einhergeht.
Wichtige Symptome einer Altersdepression sind das häufige Klagen über Gedächtnisstörungen (Pseudodemenz), Schlafstörungen und Schwindel. Im Zusammenhang mit Depressionen treten besonders bei Frauen häufig Rückenschmerzen, Magenbeschwerden sowie Schwindel auf.
Ursachen einer Vegetativen Dystonie
Für eine vegetative Dystonie gibt es oft keine konkrete Ursache. Es können sowohl körperliche als auch psychische Faktoren eine Rolle spielen. Nicht selten ist es eine Kombination aus beiden.
Körperliche Ursachen
Zu den häufigsten körperlichen Ursachen zählt Diabetes mellitus (Typ 2). Ebenso kann die vegetative Dystonie durch neurologische Erkrankungen wie Parkinson oder Erkrankungen des peripheren Nervensystems ausgelöst werden.
Psychische Ursachen
Da Körper und Psyche über das vegetative Nervensystem eng miteinander verbunden sind, können sich auch psychologische und soziale Faktoren wie Stress, Sorgen oder Überforderung auf das vegetative Nervensystem auswirken. Oftmals lösen die Beschwerden weitere Ängste bei den Betroffenen aus, da sie befürchten, es könne eine schwerwiegende Erkrankung zugrunde liegen.
Lesen Sie auch: Wie das vegetative Nervensystem die Blase beeinflusst
Behandlung einer Vegetativen Dystonie
Je nach Ursache und Schweregrad der Störung kann eine vegetative Dystonie ernsthafte gesundheitliche Probleme verursachen, doch lässt sie sich in den meisten Fällen erfolgreich behandeln. Die Behandlung erfordert eine individuelle Herangehensweise, die sich an der eigentlichen Ursache und der Lebenssituation der Patienten orientiert.
Therapieansätze
Wenn kein Hinweis auf eine organische Ursache zugrunde liegt, zählen sowohl psycho- und physiotherapeutische Maßnahmen als auch der Einsatz bestimmter Medikamente zu den möglichen Behandlungsmethoden. Pflanzliche oder homöopathische Mittel können hierbei eine unterstützende Therapieoption sein, da sie eine gute Verträglichkeit bei geringem Gewöhnungspotenzial aufweisen, dies trifft jedoch nicht auf alle pflanzlichen Arzneimittel zu. Gelber Jasmin und Schlangenwurzel können bei Schwindel, nervlich bedingtem Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Beschwerden Linderung verschaffen.
Der Fall der älteren Dame: Mögliche Therapieansätze
Im Fall der älteren Dame sollte zunächst geklärt werden, ob die Beschwerden eine körperliche Ursache haben. Schwindel kann beispielsweise auch eine Nebenwirkung des Antihypertonikums sein. Sollte sich das Schwindelgefühl aber zeitlich unabhängig von der Medikation entwickelt haben, lässt dies auf eine andere Ursache schließen. Dies sollte in jedem Fall medizinisch bestätigt werden.
Wichtig ist außerdem, die Patientin zu ihren Lebensgewohnheiten zu befragen. Hat sich das Leben seit dem Verlust des Partners stark verändert? Bestehen regelmäßige soziale Kontakte? Gibt es einen strukturierten Tagesablauf? Bei der Befragung muss mit viel Vorsicht und Feingefühl vorgegangen werden.
Gegen Schwindelgefühl und Magenprobleme kann zunächst symptomatisch vorgegangen werden, um die akuten Beschwerden der Kundin zu lindern. Gerade die Behandlung von Schwindel darf in der Selbstmedikation aber nur kurzfristig erfolgen. Häufig wird zunächst auf pflanzliche Medikamente zurückgegriffen. So wird beispielsweise Ginkgo wegen seiner durchblutungsfördernden Wirkung auch bei Schwindel eingesetzt.
Lesen Sie auch: Sympathikus und Parasympathikus detailliert erklärt
Sollte sich der Verdacht auf Depression bestätigen, ist es sinnvoll, den Einsatz von Antidepressiva in Erwägung zu ziehen. Nach den aktuellen Leitlinien zur Behandlung von Depressionen gelten für ältere Menschen inzwischen die gleichen Empfehlungen wie für jüngere Patienten. Allerdings ist bei ihnen das Nebenwirkungsprofil beziehungsweise die Verträglichkeit der Medikamente mehr zu beachten.
Als Mittel der Wahl gelten die selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) Citalopram und Sertralin sowie die Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) Venlafaxin und Duloxetin. Alle Substanzen verstärken im zentralen Nervensystem die Wirkung der Neurotransmitter. Sie sind nebenwirkungsärmer als die älteren trizyklischen Antidepressiva, können aber vor allem in der Anfangsphase zu Unruhe und Übelkeit führen. Nach wie vor werden auch Johanniskrautpräparate gemäß der Leitlinien als pflanzliche Alternative bei leichten und mittelschweren Depressionen empfohlen.
Vorsorge: Das Vegetative Nervensystem Stärken
Bei einer vegetativen Störung ist es wichtig, die Balance zwischen Körper und Psyche wiederherzustellen. Folgende Maßnahmen können helfen, das vegetative Nervensystem zu stärken:
- Entspannungsmethoden erlernen und anwenden: Entspannungsmethoden wie Yoga, Meditation oder andere Achtsamkeitsübungen können dabei helfen, das Stresslevel zu senken und das Nervensystem wieder zu beruhigen.
- Ausgewogen ernähren: Vitaminmangel, insbesondere ein Mangel an Vitamin B12, kann die Funktion des Nervensystems beeinträchtigen. Eine ausgewogene Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten kann die Gesundheit des autonomen Nervensystems unterstützen.
- Ausreichend schlafen: Ein gesunder Schlaf ist unerlässlich für die Stressbewältigung und Regeneration des Nervensystems. Dazu sollte die Schlafumgebung eine Temperatur von etwa 18 Grad haben und sich gut abdunkeln lassen. Fernseher oder mobile Geräte wie Smartphones sollten abends ausgeschaltet werden, um Ablenkung und laute Geräusche zu vermeiden. Deftiges Essen, Alkohol und Stress am Abend können die Schlafqualität erheblich beeinträchtigen. Besser sind daher leicht verdauliche Speisen und warme Getränke wie Tee am Abend.
Neurologische Erkrankungen und ihre Auswirkungen auf das Zentrale Nervensystem
Die Neurologie befasst sich mit den Erkrankungen des Nervensystems. Hierzu gehört einerseits das zentrale Nervensystem, also Gehirn und Rückenmark mit begleitenden Strukturen wie Blutgefäße, andererseits das periphere Nervensystem einschließlich der Muskulatur. Neurologische Erkrankungen betreffen häufig den gesamten Körper.
Apallisches Syndrom: Zustand des Wachkomas
Das apallische Syndrom, auch bekannt als Zustand des Wachkomas oder des minimalen Bewusstseins, bezieht sich auf einen Zustand, in dem ein Patient aufgrund einer schweren Hirnschädigung in einem tief beeinträchtigten Bewusstseinszustand ist. Der Patient ist nicht bei vollem Bewusstsein und zeigt keine Reaktion auf äußere Reize oder Stimulation. Ursachen können schwere Schädel-Hirn-Verletzungen oder Sauerstoffmangel im Gehirn sein. Die Rehabilitation kann darauf abzielen, die bestmögliche Lebensqualität für den Patienten zu erreichen, indem grundlegende physiologische Funktionen unterstützt, eine angemessene Pflege bereitgestellt und die Kommunikation mit der Familie und dem medizinischen Team aufrechterhalten wird.
Chronische Kopfschmerzen
Chronische Kopfschmerzen bezeichnen anhaltende oder wiederkehrende Kopfschmerzen, die über einen längeren Zeitraum von mehreren Monaten oder Jahren andauern. Im Allgemeinen gelten Kopfschmerzen als chronisch, wenn sie an mindestens 15 Tagen pro Monat über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten auftreten. Es gibt verschiedene Arten von chronischen Kopfschmerzen, wie Spannungskopfschmerzen oder Clusterkopfschmerzen. Die Behandlung variiert je nach Ursache und Art der Kopfschmerzen.
Parkinson-Krankheit
Die Parkinson-Krankheit ist eine neurologische Erkrankung, die sich typischerweise durch eine Bewegungsstörung mit den Leitsymptomen eines erhöhten Muskeltonus (Rigor), einer Unbeweglichkeit und Bewegungsstarre (Akinese) sowie eines Zitterns (Tremor) auszeichnet. Die Parkinson-Erkrankung hat ihre Ursache in einem Nervenzelluntergang und damit einhergehenden Mangel an bestimmten Botenstoffen (Dopamin) in Teilen des Gehirns. Die genaue Ursache von Morbus Parkinson ist noch nicht vollständig geklärt. In der Behandlung der Parkinson-Erkrankung stehen heute eine Reihe wirksamer Behandlungsmöglichkeiten (Medikamente, in manchen Fällen auch eine operative Hirnstimulation) zur Verfügung.
Multiple Sklerose
Die Multiple Sklerose ist eine schubförmig oder chronisch fortschreitend verlaufende entzündliche Erkrankung des Gehirns und Rückenmarks. Im Zentralnervensystem kommt es an verschiedenen Stellen zu einem Untergang von nervenumhüllendem Gewebe, sodass dort ein narbiger Defekt entsteht. Bei der Diagnostik und Behandlung der MS stehen der modernen Neurologie eine Reihe wirksamer Therapieverfahren zur Verfügung. Neben der Behandlung des akuten Schubes, meist mit Kortikosteroiden, sind die Möglichkeiten einer neurologischen Rehabilitationsbehandlung für chronisch betroffene Menschen von besonderer Bedeutung.
Phasen der Neurologischen Rehabilitation
In der Neurologie werden Patienten je nach ihrem Bedarf an Pflege und Behandlung sowie ihrem Grad der Selbstständigkeit in verschiedene Phasen eingeteilt. In der Phase C von neurologischen Krankheitsbildern handelt es sich um die chronische Phase, in der die Symptome der Erkrankung fortbestehen und oft dauerhafte Einschränkungen verursachen. Die Phase D ist die Terminalphase neurologischer Krankheiten, in der die Patienten oft schwer krank sind und palliative Pflege benötigen.
Schädel-Hirn-Verletzungen
Hirnverletzungen nach Verkehrs- und Arbeitsunfällen sind die häufigsten Ursachen für Behinderungen junger Erwachsener. Nach traumatischer Schädigung des Gehirns gilt es, die umfangreichen Ressourcen des Nervensystems zur Kompensation verloren gegangener Funktionen zu fördern und begleitende Krankheitssymptome zu behandeln. Die Rehabilitationsziele reichen von der Wiederherstellung alltäglicher Aktivitäten bis zur vollständigen beruflichen und familiären Teilhabe.
Schlaganfall
Der Schlaganfall ist eines der häufigsten neurologischen Krankheitsbilder. Ein Schlaganfall ist meist Folge einer Verkalkung der Hirngefäße. Risikofaktoren sind Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung, Zuckerkrankheit oder ungünstige Fließeigenschaften des Blutes. Von Schlaganfall betroffene Menschen sind in besonderem Maße nach der Akutbehandlung auf eine weiterführende Rehabilitationsbehandlung angewiesen.
Schwindel im Alltag meistern
Schwindel kann im Alltag eine erhebliche Herausforderung darstellen und das Leben in vielerlei Hinsicht beeinträchtigen. Es gibt jedoch verschiedene Maßnahmen, um Schwindel im Alltag zu bewältigen.
Was ist Schwindel?
Schwindel ist eine komplexe Empfindung, der verschiedene Ursachen zugrunde liegen können. Das Gefühl von Schwindel wird von Menschen unterschiedlich beschrieben und wahrgenommen. Der Schwindel kann sich in unterschiedlichen Formen äußern, wie zum Beispiel in Form eines Drehschwindels, Schwankschwindels oder auch einem Gefühl von Unsicherheit beim Gehen. Zudem ist es wichtig hervorzuheben, dass Schwindel keine eigenständige Krankheit ist. Bei Schwindel handelt es sich lediglich um ein Symptom, welchem unterschiedliche Krankheitsbilder zugrunde liegen können.
Was tun bei Schwindel?
Schwindel beim Aufstehen kann auf Probleme mit dem Blutdruck hinweisen, insbesondere bei einem plötzlichen Anstieg oder Abfall des Blutdrucks. Durch einen niedrigen Blutdruck kann das Gehirn unter Umständen nicht ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt werden. Wenn der Schwindel plötzlich auftritt, ist trotz eines Gefühls von Kontrollverlust Ruhe geboten. Panik kann die Schwindelsymptome verstärken und die Situation noch unangenehmer machen. Versuchen Sie, langsam und bewusst zu atmen, sich hinzusetzen oder sich an einer stabilen Stelle festzuhalten. Um Stürze oder Verletzungen zu vermeiden, sollten Sie entsprechende Sicherheitsvorkehrungen treffen. Stellen Sie sicher, dass Sie in Ihrem Zuhause im Falle eines Schwindelanfalls hinsetzen oder hinlegen können. Vermeiden Sie in Ihrem Alltag rutschige Böden oder Hindernisse, die ein Stolpern begünstigen könnten.
Ein gesunder Lebensstil kann dazu beitragen, Schwindelbeschwerden zu reduzieren. Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung. Insbesondere ein übermäßiger Konsum von Koffein und Alkohol sind zu vermeiden. Stress kann Schwindel ebenfalls beeinflussen, daher ist es wichtig, Entspannungstechniken wie Meditation, Yoga, Tai Chi oder Atemübungen in Ihren Alltag zu integrieren. Regelmäßige körperliche Aktivität, angepasst an Ihre individuellen Möglichkeiten, kann Schwindelbeschwerden ebenfalls entgegenwirken.
Führen Sie ein Schwindeltagebuch, um Ihre Symptome und mögliche Auslöser zu dokumentieren. Notieren Sie wann der Schwindel aufgetreten ist, wie lange er angehalten hat und welche Aktivitäten oder Umstände damit verbunden waren. Diese Informationen können auch Ihrem behandelnden Arzt helfen, um eine genaue Diagnose und Behandlungsstrategie zu erarbeiten. Der Austausch mit anderen Betroffenen kann eine wertvolle Unterstützung sein.
Wann bei Schwindel zum Arzt?
Bei akuten Schwindelbeschwerden mit weiteren neurologischen Ausfällen wie Sprachstörungen oder Bewusstseinsminderung muss umgehend eine Einweisung in eine neurologische Notfallklinik zum Ausschluss eines Schlaganfalls erfolgen. Ebenso sollten auch wiederkehrende Schwindelanfälle ernst genommen werden. Von daher ist hier die Konsultation eines Arztes zu empfehlen, um die Ursachen für den Schwindel zu ergründen und gegebenenfalls eine passende Behandlung einzuleiten.
Polyneuropathie: Eine Erkrankung des Peripheren Nervensystems
Ein Gefühl, als würden Ameisen über die Beine laufen, Schmerzen oder fehlendes Temperaturempfinden in Händen oder Füßen - diese Symptome können Anzeichen für eine Polyneuropathie sein. Der Zusatz „Poly“ drückt aus, dass nicht nur ein einzelner Nerv, sondern mehrere Nerven oder ganze Nervenstrukturen geschädigt sind. Dadurch werden bei Betroffenen Reize zwischen Nerven, Rückenmark und Gehirn nicht mehr richtig weitergeleitet.
Symptome einer Polyneuropathie
Eine Polyneuropathie kann mit unterschiedlichen Symptomen einhergehen, je nachdem, welche Nerven von der Erkrankung betroffen sind. Mediziner unterscheiden sensible, motorische und vegetative Polyneuropathien. Manche Menschen sind auch von mehreren Formen der Polyneuropathie gleichzeitig betroffen. Eine Polyneuropathie kann akut, sich schnell verschlechternd oder chronisch verlaufen.
Ursachen einer Polyneuropathie
Polyneuropathie kann erblich bedingt oder im Laufe des Lebens erworben sein, was häufiger der Fall ist. Schädigungen an den peripheren Nerven können etwa durch Entzündungsprozesse im Körper als Folge einer Autoimmunerkrankung oder einer Infektion mit bestimmten Viren beziehungsweise Bakterien auftreten. Oft steht die Polyneuropathie im Zusammenhang mit einer Diabeteserkrankung - dann handelt es sich um eine diabetische Polyneuropathie: Ein dauerhaft zu hoher Blutzuckerspiegel schädigt die Nerven und führt zu den Beschwerden. Eine weitere häufige Ursache ist die Abhängigkeit von Alkohol, wegen seiner nervenschädigenden Wirkung bei langjährigem hohen Konsum.
Diagnose und Behandlung einer Polyneuropathie
Eine neurologische Facharztpraxis ist die richtige Anlaufstelle bei Polyneuropathie. Um festzustellen, ob tatsächlich eine Polyneuropathie vorliegt, findet zuerst ein Gespräch statt. Dabei erkundigt sich der Mediziner nach der Krankengeschichte und nach den vorliegenden Beschwerden. Auch eine körperliche Untersuchung ist wichtig. Dabei prüft der Mediziner, ob Muskeln gelähmt oder geschwächt sind. Um den Ursachen auf den Grund zu gehen und um herauszufinden, welche Nerven wie stark geschädigt sind, gibt es zahlreiche Untersuchungsmethoden.
Bei einer Polyneuropathie gibt es verschiedene Behandlungsansätze: Um weitere Schäden zu verhindern und um die Beschwerden zu lindern, wird die zugrunde liegende Ursache beseitigt oder behandelt. Eine begleitende Schmerztherapie verschafft Betroffenen Linderung. Je nach vorliegender Nervenschädigung können weitere Behandlungsansätze hilfreich sein, etwa Physio- oder Ergotherapie.
Tipps für die Vorsorge und mehr Lebensqualität bei Polyneuropathie
Eine Polyneuropathie bedeutet manchmal eine Einschränkung der Lebensqualität. Diese Tipps können das Wohlbefinden steigern und Risiken minimieren: Blutzucker kontrollieren, Füße regelmäßig kontrollieren und sich ausreichend bewegen.
Hermann Oppenheim: Ein Pionier der Neurologie
Prof. Dr. Hermann Oppenheim gilt als maßgeblicher Begründer der Neurologie als einer eigenständigen klinischen Disziplin. Oppenheim verließ sich hauptsächlich auf seine eigenen Beobachtungen, die er in zahlreichen Kasuistiken sehr genau und ausführlich schilderte. Seine sorgfältig verfassten Schlussfolgerungen zog er aus dem eigenen Wissen, den eigenen Erfahrungen und der eigenen Überzeugung. Er zweifelte mit scharfer Beobachtungsgabe bestehende Lehrmeinungen an und hatte den Mut, sich öffentlich dagegen zu stellen.
Leben und Werk
Hermann Oppenheim wurde zur Jahreswende 1857/58 in Warburg, Westfalen geboren. Er stammt aus einer jüdischen Familie mit rabbinischem Hintergrund. Er geht auf das Gymnasium und macht 1877 das Abitur. Als einziger seines Abiturjahrgangs wird er aufgrund seiner hervorragenden Leistungen von der mündlichen Prüfung befreit, was damals ungewöhnlich war. Er geht nach Göttingen, wo er 1877 das Medizinstudium aufnimmt. 1881 erfolgt Oppenheims Dissertation mit einer Arbeit über die Harnstoffausscheidung. Es folgt 1882 das - sehr gute - Staatsexamen. Im März 1882 zieht Hermann Oppenheim nach Berlin um. Im Juni 1882 kommt er an einer privaten psychiatrischen Anstalt - der „Maison de Santé“ - in Berlin-Schöneberg unter. 1883 folgt er Westphal an die Charité. 1887 übernimmt Oppenheim die kommissarische Leitung seiner Abteilung. Vor Übernahme dieser kommissarischen Leitung erfolgt allerdings die Habilitation zum Thema „Über den Schreck als Ursache von Erkrankungen des Nervensystems“.
Im Jahr 1891 fasst er den Mut, sich für ein Extraordinariat zu bewerben. Oppenheim ist tief enttäuscht über sein Scheitern. Er verlässt die Charité und gründet eine eigene Klinik in Berlin-Mitte am Schiffbauerdamm mit dazugehörigem anatomischem Laboratorium. Im April hat er Martha Oppenheimer geheiratet. Die im August eröffnete Privatklinik läuft sehr gut. Im Jahr 1893 erfolgt dann immerhin die Ernennung Oppenheims zum Titularprofessor. Zehn Jahre nach seiner ersten Bewerbung richtet Oppenheim nochmals ein Gesuch zur Beförderung zum Extraordinarius an die Medizinische Fakultät der Charité.
Oppenheims Bedeutung für die Neurologie
Während all dieser Jahre war Oppenheim als Autor wissenschaftlicher Werke mit extrem viel Fleiß tätig. Seine vielen Publikationen zeichnen sich besonders dadurch aus, dass er mit scharfer Beobachtungsgabe sehr detailliert seine Fälle beschreibt. 1894 erscheint erstmals sein „Lehrbuch der Nervenkrankheiten“, das bis in die 1930er Jahre das Standardwerk der Neurologie bleiben sollte. 1906 ruft er zur Gründung der Gesellschaft Deutscher Nervenärzte auf, der er dann ab 1912 als Präsident vorsteht.
Beim Kriegsausbruch 1914 übernimmt er die Leitung des Berliner Militärkrankenhauses für Nervenkrankheiten. Hier kommt er in Kontakt mit Kriegszitterern. Seine Deutung der Symptome dieser Soldaten knüpft an seine Überlegungen zu den traumatischen Neurosen im Zusammenhang mit Eisenbahnunfällen an.