Nervenverletzungen am Knie: Behandlung und Prävention

Nervenverletzungen im Bereich des Knies können eine Vielzahl von Beschwerden verursachen, von Missempfindungen und Schmerzen bis hin zu Lähmungen. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sind entscheidend, um dauerhafte Schäden zu verhindern. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte von Nervenverletzungen am Knie, einschließlich Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten und präventiver Maßnahmen.

Ursachen von Nervenverletzungen am Knie

Nervenverletzungen im Kniebereich können durch verschiedene Faktoren verursacht werden:

  • Traumatische Ereignisse: Kniegelenksluxationen, Unfälle oder Verletzungen können direkt zu Nervenschäden führen. Quetschungen sind oft sehr komplex und können Nerven in Mitleidenschaft ziehen.
  • Engpasssyndrome: Nerven können durch anatomische Enge, Schwellungen oder Massenzunahmen eingeklemmt oder gequetscht werden. Solche Engpasssyndrome treten meist in bestimmten Bereichen wie am Handgelenk oder Fußknöchel auf. Auslöser können z.B. Verletzungen sein.
  • Operationen: Chirurgische Eingriffe im Kniebereich können unbeabsichtigt Nerven verletzen.
  • Grunderkrankungen: Bestimmte Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder rheumatoide Arthritis können das Risiko für Nervenverletzungen erhöhen.
  • Überlastung: Beim Tibialis-anterior-Syndom wird der Tibialis-Nerv im Bereich der Unterschenkelmuskulatur gequetscht. Nimmt die Muskelmasse zu, z.B. durch Überlastung, Wassereinlagerung oder Einblutungen nach einem Muskelfaseriss, kann der Nerv nicht ausweichen und wird gequetscht.

Symptome von Nervenverletzungen am Knie

Die Symptome einer Nervenverletzung im Kniebereich können vielfältig sein und hängen von der Art und Schwere der Verletzung ab. Häufige Symptome sind:

  • Missempfindungen: Kribbeln, Taubheit oder Brennen im Versorgungsgebiet des betroffenen Nervs.
  • Schmerzen: Lokalisierte oder ausstrahlende Schmerzen im Knie oder Bein.
  • Muskelschwäche: Schwierigkeiten bei der Bewegung des Knies oder Fußes.
  • Lähmungen: In schweren Fällen kann es zu teilweisen oder vollständigen Lähmungen kommen.

Diagnostik von Nervenverletzungen am Knie

Die Diagnose einer Nervenverletzung im Kniebereich umfasst in der Regel eine gründliche körperliche Untersuchung sowie bildgebende Verfahren und neurologische Tests.

  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht das Knie auf Schwellungen, Druckempfindlichkeit und Bewegungseinschränkungen. Er testet auch die Sensibilität und Muskelkraft im Bein und Fuß.
  • Bildgebende Verfahren: Röntgenaufnahmen können knöcherne Verletzungen ausschließen, während eine Magnetresonanztomographie (MRT) Weichteilschäden wie Nervenverletzungen oder Meniskusschäden darstellen kann.
  • Neurologische Tests: Elektromyographie (EMG) und Nervenleitgeschwindigkeitsmessungen können helfen, die Funktion der Nerven zu beurteilen und den Ort und das Ausmaß der Verletzung zu bestimmen.

Behandlungsmöglichkeiten von Nervenverletzungen am Knie

Die Behandlung von Nervenverletzungen am Knie hängt von der Art und Schwere der Verletzung ab. Konservative und operative Maßnahmen können zum Einsatz kommen.

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Konservative Behandlung

  • Schmerzmittel: Schmerzmittel können helfen, die Schmerzen zu lindern.
  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskelkraft und Beweglichkeit im Knie zu verbessern. CPM-Bewegungsschienen unterstützen Sie auf schonende Weise dabei, die Beweglichkeit eines Gelenks nach Verletzungen oder Operation wiederherzustellen. Die empfohlene Verwendung liegt bei 3-4 Stunden täglich, über den Tag verteilt. Der Bewegungsbereich, in dem Sie das Gelenk schmerzfrei nutzen können, wird dafür im Vorfeld von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt festgelegt und die CPM-Bewegungsschiene individuell für Sie von unseren ExpertInnen eingestellt.
  • Orthesen: Knieorthesen dienen dem Schutz, der Stabilisierung und der Entlastung des Kniegelenks. Sie werden nach Verletzungen von Bändern und Muskeln und nach Operationen eingesetzt. Zu den Knieorthesen zählen sowohl die Kniebandage als auch die Knieschiene, die je nach Einsatzzweck das Gelenk entlastet, fixiert oder unbeweglich macht (Immobilisierung).
  • Injektionen: Kortisonspritzen können helfen, Entzündungen zu reduzieren und Schmerzen zu lindern.

Operative Behandlung

Eine Operation kann erforderlich sein, wenn die konservative Behandlung nicht erfolgreich ist oder wenn die Nervenverletzung schwerwiegend ist.

  • Nervenrekonstruktion: Bei Nervenverletzungen wird der verletzte Nerv unter Lupen- oder Mikroskopsicht zuerst freigelegt und - falls möglich - die beiden Enden spannungslos wieder zusammengenäht. Sind die beiden Nervenenden durch die Verletzung soweit voneinander entfernt worden, dass sie nicht mehr spannungsfrei zusammengefügt werden können, erfolgt eine Nerventransplantation. Hierzu wird je nach Länge und Dicke das fehlende Nervenstück durch einen entbehrlichen Hautnerven ersetzt, der vorher an anderer Stelle entnommen wurde, wo der Nerv entbehrlich ist.
  • Dekompression: Bei Engpasssyndromen gilt es, den eingeklemmten oder gequetschten Nerven aus seiner misslichen Lage zu befreien, damit er keinen weiteren Schaden nimmt. Bei der offenen Operation wird nach einem Hautschnitt an der Innenseite des Handgelenkes das bindegewebige Mittelband (Retinaculum flexorum) durchtrennt, um den Nerven mehr Platz zu verschaffen. Ggf. Bei der minimal-invasiven (endoskopischen) Vorgehensweise wird über zwei kleine Hautschnitte das schmale Operationsinstrument in die Hohlhand eingeführt und die Druckentlastung der betroffenen Nerven durch eine Durchtrennung des Mittelbandes quasi von „innen“ vorgenommen. Zum Abschluss des Eingriffs werden die Hautschnitte vernäht und ein fester Verband angelegt.

Rehabilitation nach Nervenverletzungen am Knie

Die Rehabilitation ist ein wichtiger Bestandteil der Behandlung von Nervenverletzungen am Knie. Ziel der Rehabilitation ist es, die Muskelkraft, Beweglichkeit und Funktion des Knies wiederherzustellen.

  • Physiotherapie: Physiotherapie umfasst Übungen zur Stärkung der Muskeln, Verbesserung der Beweglichkeit und Koordination.
  • Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, Alltagsaktivitäten wieder zu erlernen und anzupassen.
  • Schmerzmanagement: Schmerzmanagement umfasst verschiedene Techniken zur Schmerzlinderung, wie z. B. Medikamente, Entspannungsübungen und alternative Therapien.

Prävention von Nervenverletzungen am Knie

Einige Nervenverletzungen am Knie sind nicht vermeidbar, insbesondere solche, die durch Unfälle oder traumatische Ereignisse verursacht werden. Es gibt jedoch Maßnahmen, die das Risiko von Nervenverletzungen reduzieren können.

  • Stärkung der Beinmuskulatur: Ein gezieltes Training der Beinmuskulatur, insbesondere der Oberschenkelmuskulatur, kann die Stabilität des Kniegelenks verbessern. Starke Muskeln entlasten die Bänder und verringern das Risiko von Verletzungen. Übungen wie Kniebeugen, Ausfallschritte und das Training mit Widerstandsbändern (zum Beispiel Theraband) können Sie leicht in Ihr wöchentliches Fitnessprogramm integrieren. Achten Sie dabei auf eine korrekte Ausführung, um Fehlbelastungen zu vermeiden.
  • Aufwärmen vor dem Sport: Ein gründliches Aufwärmen vor dem Sport ist essenziell, um Verletzungen vorzubeugen. Durch leichtes Joggen, dynamische Dehnübungen oder Mobilitätsübungen wird die Durchblutung der Muskeln und Gelenke gefördert, was die Belastbarkeit des Kniegelenks erhöht.
  • Gewichtsmanagement: Übergewicht erhöht den Druck auf die Kniegelenke und kann sie langfristig destabilisieren. Studien zeigen, dass bereits ein Gewichtsverlust von fünf Kilogramm die Belastung auf das Kniegelenk deutlich reduzieren kann. Eine ausgewogene Ernährung mit einem hohen Anteil an Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und magerem Eiweiß unterstützt eine nachhaltige Gewichtsreduktion.
  • Geeignetes Schuhwerk: Das Tragen von gut sitzenden, stabilen Schuhen mit ausreichender Dämpfung kann das Risiko von Verletzungen beim Sport und im Alltag minimieren.
  • Sicherheitsvorkehrungen im Alltag: Achten Sie im Alltag auf potenzielle Stolperfallen wie lose Teppiche, glatte Böden oder schlecht beleuchtete Bereiche. Besonders bei übergewichtigen Personen können bereits Bagatellverletzungen wie Stolpern oder Ausrutschen schwerwiegende Knieverletzungen verursachen.
  • Frühzeitige Behandlung von Knieproblemen: Wenn Sie bereits Knieprobleme oder Schmerzen verspüren, sollten Sie frühzeitig eine medizinische Untersuchung durchführen lassen.

Erfolgsaussichten und Risiken der Behandlung

Sowohl die Nervennaht nach Verletzungen als auch die operativen Eingriffe bei Engpasssyndromen gelten als risikoarme Eingriffe. Wie bei jeder Operation lassen sich natürlich Komplikationen nicht hundertprozentig ausschließen. Die Erfolgsaussichten der Engpass-Operationen sind sehr gut. Oft lässt der Schmerz schon direkt nach dem Eingriff nach. Bis der Nerv sich aber wieder vollständig von der Quetschung erholt hat, kann es einige Wochen dauern. Die Ergebnisse von Nervennaht und Nerventransplantation lassen sich erst nach 3-4 Monaten beurteilen.

Was Sie vor und nach einer Operation beachten sollten

Nehmen Sie wegen anderer Erkrankungen regelmäßig Medikamente, sollten Sie den Arzt bzw. Anästhesisten rechtzeitig vorher darüber informieren. Wird die Operation nicht notfallmäßige durchgeführt, sollten einige Medikamente wie z.B. Auch bei der ambulanten Versorgung von Nervenverletzungen oder Engpasssyndromen bleiben Sie nach dem Eingriff noch für einige Zeit unter Beobachtung - so lange bis Sie sich fitt für den Heimweg fühlen. Die Betäubung des Armes oder Beines kann noch einige Zeit anhalten. Sie sollten am Tag des Eingriffs nicht selbst Auto fahren und sollten sich auch nicht alleine mit öffentlichen Verkehrsmitteln auf den Weg machen. Wie lange noch eine Ruhigstellung erfolgen muss, kann der Arzt nur im Einzelfall entscheiden. Nach etwa 10 bis 14 Tagen wird der feste Verband entfernt und die Fäden der Hautnaht werden gezogen. Bei Eingriffen im Bereich von Fuß oder Bein bekommen sie in der Regel für einige Zeit eine Thromboseprophylaxe in Form von Spritzen verordnet, die Sie unbedingt nach Vorschrift anwenden sollten. Noch am Tag des Eingriffs wird Ihr Arzt Ihnen mitteilen, wann Sie zur nächsten Kontrolluntersuchung wiederkommen sollen. Bekommen Sie zu Hause Schwellungen, starke Schmerzen oder Fieber oder drückt der Verband, sollten Sie umgehend mit dem Arzt Kontakt aufnehmen.

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