Kopfschmerzen sind eine der häufigsten Beschwerden in der modernen Gesellschaft. Millionen Menschen leiden darunter - oft chronisch, oft ohne ersichtlichen Grund. Während Ursachen wie Stress, Verspannungen oder Migräne gut bekannt sind, bleibt ein wichtiger Auslöser häufig unentdeckt: das Kiefergelenk. Die craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) ist eine Störung des Kausystems, die sich auf das Kiefergelenk, die Kaumuskulatur und die damit verbundenen Strukturen auswirkt. Obwohl die Bezeichnung „Dysfunktion“ auf den Kiefer hinweist, kann CMD weit über diesen Bereich hinaus Beschwerden verursachen - insbesondere Kopfschmerzen.
Die Position des Unterkiefers liegt hierbei ungleichförmig, also eher verschoben und nicht physiologisch in Relation zum Oberkiefer. Das führt zu einem verfälschten Biss, zu Kontraktion beteiligter Muskeln und damit Spannungen und je nach Ausprägungsgrad bringt es Schmerzen mit sich und kann durch Fehlbelastung des Kiefergelenks über Diskusverschiebung auch zu Arthrose führen. CMD-bedingte Kopfschmerzen lassen sich oft ohne Medikamente in den Griff bekommen - wenn die richtige Ursache erkannt wird.
Dieser Artikel erläutert den Zusammenhang zwischen Migräne und CMD-Schienen, indem er die verschiedenen Aspekte der Erkrankung beleuchtet und Behandlungsansätze aufzeigt.
Was ist CMD? Eine unterschätzte Ursache für Kopfschmerzen
CMD entsteht häufig durch eine Fehlstellung oder Fehlbelastung des Kiefers. Dies kann durch Zahnfehlstellungen, eine schlechte Körperhaltung, Stress oder Zähneknirschen (Bruxismus) begünstigt werden. Die Folge sind Verspannungen in der Kaumuskulatur, die sich auf die umliegenden Muskelgruppen übertragen und Schmerzen in Kopf-, Gesichts- und Nackenregion auslösen können.
Typische Symptome einer CMD
CMD ist eine vielschichtige Erkrankung, die sich durch eine Reihe von Symptomen äußern kann:
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- Kopfschmerzen und Migräne - oft morgens oder nach langem Kauen
- Verspannungen im Nacken und Schulterbereich - durch Fehlbelastungen
- Kieferknacken oder -schmerzen - spürbar beim Öffnen oder Schließen des Mundes
- Zähneknirschen (Bruxismus) - häufig nachts unbewusst
- Schwindel und Tinnitus - durch die enge Verbindung zwischen Kiefer und Innenohr
- Eingeschränkte Mundöffnung - Gefühl einer Blockade im Kiefer
Diese Symptome treten oft kombiniert auf und sind für Patienten nicht immer eindeutig mit dem Kiefergelenk in Verbindung zu bringen. Genau hier liegt die Herausforderung: Viele Menschen mit CMD-bedingten Beschwerden konsultieren zuerst ihren Hausarzt, einen Neurologen oder Orthopäden, weil sie Kopfschmerzen, Schwindel oder Nackenverspannungen für eigenständige Probleme halten. Häufig werden Schmerzmittel oder Physiotherapie für den Nacken verordnet, ohne dass der wahre Auslöser - das Kiefergelenk - berücksichtigt wird.
Besonders tückisch ist, dass die Schmerzen oft diffus auftreten und sich über den gesamten Kopf-, Gesichts- und Nackenbereich erstrecken können. Betroffene beschreiben ihre Beschwerden häufig als ein drückendes, ziehendes oder spannendes Gefühl, das sich über den Tag hinweg verstärkt. Besonders nach stressigen Tagen oder morgendlichem Aufwachen nach einer Nacht mit Zähneknirschen sind die Beschwerden oft besonders ausgeprägt.
Ein weiteres Problem: CMD entwickelt sich oft schleichend. Anfangs sind es nur gelegentliche Verspannungen oder ein leichtes Knacken im Kiefergelenk. Doch im Laufe der Zeit verstärken sich die Symptome - Kopfschmerzen treten häufiger auf, die Kaumuskulatur verhärtet sich und alltägliche Bewegungen wie das Gähnen oder Kauen werden unangenehm.
CMD - Craniomandibuläre Dysfunktion
Als ihr Zahnarzt Hans-Werner Schmücker in Ottobeuren möchte ich Ihnen gerne ein häufig vorkommendes, aber nicht immer gut bekanntes Zahnproblem erklären, das CMD heißt. CMD steht für Craniomandibuläre Dysfunktion. Dabei handelt es sich um eine Störung im Zusammenspiel von Kiefer, Muskulatur und den Kiefergelenken. CMD kann zu Beschwerden führen, die nicht nur den Mundbereich betreffen, sondern auch Kopf, Nacken und Rücken beeinflussen können.
Ursachen von CMD:
Die Ursachen von CMD sind vielfältig. Hier sind einige der häufigsten Faktoren:
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- Fehlstellungen der Zähne oder des Kiefers - Wenn Zähne nicht richtig aufeinander beißen, kann das Kiefergelenk überlastet werden.
- Bruxismus (Zähneknirschen) - Manche Menschen knirschen oder pressen die Zähne zusammen, oft unbewusst, besonders nachts. Dies übt übermäßigen Druck auf das Kiefergelenk aus.
- Zahnfehlstellungen oder schlecht sitzende Kronen und Brücken - Wenn der Biss nicht richtig passt, kann das langfristig zu einer Überlastung führen.
- Stress - Emotionale Anspannung oder Stress können zu einer unbewussten Anspannung der Kiefermuskulatur führen, was die Gelenke und Muskeln belastet.
- Verletzungen - Traumata im Kopf-, Nacken- oder Kieferbereich können eine CMD auslösen.
Symptome von CMD:
Menschen mit CMD haben oft unterschiedliche Symptome, darunter:
- Schmerzen im Kiefergelenk oder in der Kiefermuskulatur
- Schwierigkeiten beim Öffnen oder Schließen des Mundes
- Knacken oder Reiben des Kiefergelenks beim Kauen oder Sprechen
- Kopfschmerzen, Nacken- und Schulterschmerzen
- Tinnitus (Ohrgeräusche) oder Schwindelgefühle
Diagnose:
Die Diagnose einer CMD erfolgt oft durch eine Kombination von:
- Klinischer Untersuchung - Wir überprüfen den Biss, die Beweglichkeit des Kiefers und achten auf Druckempfindlichkeit oder Geräusche im Kiefergelenk.
- Funktionsanalyse - Dabei wird der genaue Bewegungsablauf des Kiefers untersucht.
- Bildgebende Verfahren - Röntgenbilder oder MRTs helfen, strukturelle Probleme zu erkennen.
- Fragen zur Lebenssituation - Stress und Gewohnheiten wie Zähneknirschen können durch gezielte Fragen ermittelt werden.
Behandlungsmöglichkeiten:
Die Behandlung von CMD hängt von der Ursache und der Schwere der Beschwerden ab. Häufige Ansätze sind:
- Aufbissschienen - Diese speziellen Kunststoffschienen tragen Sie nachts, um die Kieferstellung zu korrigieren und die Kiefergelenke zu entlasten.
- Physiotherapie - Ziel ist es, die Muskulatur zu entspannen und die Kieferbewegungen zu verbessern.
- Stressmanagement - Wenn Stress eine Rolle spielt, kann Entspannungstraining oder psychologische Unterstützung sinnvoll sein.
- Zahnkorrekturen - Bei Fehlstellungen der Zähne oder nicht passenden Kronen und Brücken können zahnärztliche Korrekturen notwendig sein.
- Medikamente - In akuten Phasen können Schmerzmittel oder Muskelentspannungsmittel helfen.
Wie verursacht CMD Kopfschmerzen? Die versteckte Verbindung
Kopfschmerzen sind ein häufiges Symptom der craniomandibulären Dysfunktion (CMD) - doch wie genau kommt es dazu? Um diese Verbindung zu verstehen, muss man sich die enge anatomische und funktionelle Beziehung zwischen dem Kiefergelenk, der Schädelmuskulatur und der Halswirbelsäule ansehen.
Anatomische Zusammenhänge: Der Kiefer beeinflusst den gesamten Kopfbereich
Das Kiefergelenk (Temporomandibulargelenk) ist über Muskeln, Faszien und Nervenbahnen eng mit der Schädelbasis, dem Nacken und der oberen Wirbelsäule verbunden. Besonders relevant sind dabei:
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- Die Kaumuskulatur: Muskeln wie der Musculus masseter (Kaumuskel) und der Musculus temporalis (Schläfenmuskel) setzen direkt am Schädelknochen an. Verspannungen oder Fehlbelastungen dieser Muskeln können zu Spannungskopfschmerzen führen.
- Die oberen Halswirbel: Fehlstellungen im Kiefer können über Muskelketten und Faszien Verspannungen in der Halsmuskulatur verursachen, was wiederum zu sogenannten cervikogenen Kopfschmerzen führt.
- Das Nervensystem: Der Trigeminusnerv (Nervus trigeminus) versorgt sowohl das Kiefergelenk als auch große Teile des Gesichts und des Kopfes. Reizungen dieses Nervs durch Muskelverspannungen oder Gelenkfehlstellungen können migräneartige Kopfschmerzen auslösen.
CMD als Ursache für verschiedene Kopfschmerzarten
Je nach Mechanismus können CMD-Patienten unter verschiedenen Arten von Kopfschmerzen leiden:
- Spannungskopfschmerzen: Durch ständige Muskelverspannungen im Kiefer- und Nackenbereich kommt es zu einem dumpfen, drückenden Schmerz, der sich über Stirn, Schläfen und Hinterkopf zieht.
- Migräne: Eine Fehlbelastung des Kiefers kann den Trigeminusnerv reizen, der als Hauptverantwortlicher für Migräne gilt. Studien zeigen, dass CMD die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken verstärken kann.
- Nackenbezogene Kopfschmerzen (cervikogene Kopfschmerzen): Durch eine Fehlstellung des Kiefers verändert sich die Körperhaltung, was Verspannungen in der oberen Halswirbelsäule auslöst und zu Kopfschmerzen führt.
- Kopfschmerzen durch Bruxismus: Menschen, die nachts mit den Zähnen knirschen oder die Kiefermuskulatur unbewusst anspannen, leiden häufig unter Kopfschmerzen am Morgen. Das liegt daran, dass die Muskulatur über Nacht ständig in Arbeit ist und sich nicht entspannen kann.
Trigger-Faktoren: Was CMD-Kopfschmerzen verstärkt
Bestimmte Faktoren begünstigen oder verschlimmern CMD-bedingte Kopfschmerzen:
- Stress & emotionale Anspannung: Viele Menschen neigen dazu, Stress über die Kiefermuskulatur abzubauen - durch Pressen oder Knirschen.
- Fehlhaltungen, insbesondere bei Bildschirmarbeit: Eine nach vorne geschobene Kopfhaltung (z. B. durch ständiges Arbeiten am Computer) verstärkt die Belastung auf das Kiefergelenk.
- Zahnfehlstellungen & Bissprobleme: Ein falscher Biss kann eine ungleichmäßige Muskelbelastung verursachen und dadurch Verspannungen verstärken.
- Verletzungen & Traumata: Ein Schleudertrauma oder eine Kieferverletzung kann eine CMD begünstigen oder verstärken.
Warum die Ursache oft übersehen wird
Da Kopfschmerzen viele verschiedene Ursachen haben können, wird die Rolle des Kiefergelenks oft nicht erkannt. Häufig suchen Betroffene zuerst einen Neurologen oder Orthopäden auf, erhalten Schmerzmittel oder eine allgemeine Physiotherapie für den Nacken - ohne dass das Kiefergelenk überhaupt untersucht wird.
Eine genaue Diagnose ist jedoch entscheidend, um die richtige Behandlung einzuleiten.
Diagnose von CMD: So finden Sie heraus, ob Ihr Kiefer schuld ist
Da die Symptome einer craniomandibulären Dysfunktion (CMD) vielfältig sind und oft anderen Beschwerden ähneln, bleibt die eigentliche Ursache häufig lange unerkannt. Patienten mit chronischen Kopfschmerzen suchen oft zuerst Neurologen, Orthopäden oder HNO-Ärzte auf - doch ohne eine gezielte Untersuchung des Kiefers kann eine CMD übersehen werden.
Wichtige Hinweise: Wann sollte man an CMD denken?
Ein erster wichtiger Schritt zur Diagnose ist die Selbsteinschätzung. Folgende Fragen können Hinweise darauf geben, dass der Kiefer eine Rolle spielt:
- Treten die Kopfschmerzen morgens nach dem Aufwachen oder nach längerem Kauen auf?
- Gibt es begleitende Symptome wie Kieferknacken, Gesichtsschmerzen oder Verspannungen im Nacken?
- Wird oft mit den Zähnen geknirscht oder die Kiefermuskulatur unbewusst angespannt?
- Hat sich die Bisslage verändert oder fühlen sich die Zähne „falsch“ aufeinanderliegend an?
- Lösen bestimmte Bewegungen des Kiefers oder der Halswirbelsäule die Kopfschmerzen aus?
Wenn mehrere dieser Fragen mit „Ja“ beantwortet werden, ist eine genauere Untersuchung durch einen Fachmann sinnvoll.
Hier finden Sie eine erweiterte Checkliste mit 10 Fragen, die Hinweise darauf geben können, ob Ihr Kopfschmerz kieferbedingt ist.
Untersuchung durch Spezialisten: So wird CMD diagnostiziert
Die Diagnose einer CMD erfolgt in der Regel durch eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Physiotherapeuten, Zahnärzten, Kieferorthopäden und manchmal auch Orthopäden oder Neurologen. Dabei kommen folgende Untersuchungsmethoden zum Einsatz:
- Anamnese (Befragung des Patienten)
- Wie lange bestehen die Beschwerden schon?
- Gibt es auslösende Faktoren (z. B. Stress, nächtliches Knirschen, Zahnbehandlungen)?
- Welche Symptome treten auf, und wann verstärken sie sich?
- Manuelle Funktionsdiagnostik (Untersuchung von Kiefer und Muskulatur)
- Abtasten der Kaumuskulatur: Sind verhärtete, schmerzhafte Muskelpartien vorhanden?
- Beweglichkeit des Kiefers: Ist die Mundöffnung eingeschränkt oder asymmetrisch?
- Kiefergelenksgeräusche: Treten Knacken oder Reiben beim Öffnen und Schließen des Mundes auf?
- Haltungskontrolle: Gibt es Fehlhaltungen, insbesondere im Nacken- und Schulterbereich?
- Zahnärztliche Untersuchung & Bissanalyse
- Kontrolle der Zahnstellung: Liegt eine Bissfehlstellung vor?
- Okklusionsanalyse: Passen die Zahnreihen beim Zubeißen korrekt aufeinander?
- Untersuchung der Zahnschmelzstruktur: Deuten Abnutzungsspuren auf Zähneknirschen hin?
- Bildgebende Verfahren (falls erforderlich)
- In komplexeren Fällen kann eine bildgebende Diagnostik notwendig sein, um Veränderungen im Kiefergelenk sichtbar zu machen:
- Röntgen oder DVT (Digitale Volumentomographie): Ermöglicht eine Beurteilung der Gelenkstrukturen.
- MRT (Magnetresonanztomographie): Besonders sinnvoll zur Untersuchung von Weichteilen wie Gelenkscheiben (Diskus) und Muskulatur.
- In komplexeren Fällen kann eine bildgebende Diagnostik notwendig sein, um Veränderungen im Kiefergelenk sichtbar zu machen:
Die Herausforderung: CMD wird oft übersehen
Viele Patienten haben bereits eine lange Arzt-Odyssee hinter sich, bevor die eigentliche Ursache ihrer Beschwerden erkannt wird. Kopfschmerzen werden häufig als Migräne oder stressbedingte Spannungskopfschmerzen eingestuft, und Standardtherapien wie Schmerzmittel oder klassische Nackenmassagen bringen oft nur kurzfristige Linderung.
Ein zentraler Punkt ist, dass CMD eine funktionelle Störung ist - das bedeutet, dass sie nicht immer auf Röntgenbildern oder MRT-Aufnahmen sichtbar wird. Entscheidend für die Diagnose ist daher die klinische Untersuchung durch erfahrene Fachkräfte, die gezielt nach funktionellen Einschränkungen im Kiefergelenk suchen.
Wer unter chronischen Kopfschmerzen leidet, die sich durch herkömmliche Behandlungen nicht verbessern, sollte daher eine gezielte Untersuchung auf CMD in Betracht ziehen. Sobald die richtige Diagnose gestellt wurde, kann eine gezielte Therapie beginnen.
CMD-Behandlung in der Physiotherapie: Hilfe ohne Medikamente
Sobald eine craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) als Ursache für Kopfschmerzen identifiziert wurde, stellt sich die entscheidende Frage: Wie kann man die Beschwerden effektiv behandeln? Während in vielen Fällen Zahnschienen oder Medikamente zum Einsatz kommen, bietet die Physiotherapie eine besonders nachhaltige Lösung. Sie setzt an der Ursache der Beschwerden an und hilft, das muskuläre Ungleichgewicht im Kiefer-, Kopf- und Nackenbereich zu korrigieren.
Ziele der physiotherapeutischen Behandlung bei CMD
Die Physiotherapie verfolgt bei der CMD-Behandlung mehrere Ansätze:
- Lösen von Muskelverspannungen in der Kaumuskulatur und der Nackenregion
- Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit im Kiefer- und oberen Halsbereich
- Korrektur von Fehlhaltungen, die zur CMD beitragen (z. B. Kopfhaltung)
- Schmerzlinderung durch gezielte Techniken
- Verminderung von Zähneknirschen (Bruxismus) durch Entspannungstechniken
Da CMD oft durch eine Kombination aus Fehlbelastung, Stress und Haltungsschwächen entsteht, ist ein ganzheitlicher Therapieansatz entscheidend.
Physiotherapeutische Techniken bei CMD
- Manuelle Therapie am Kiefergelenk
Die manuelle Therapie ist eine der effektivsten Methoden zur Behandlung von CMD. Durch sanfte Mobilisationstechniken wird die Beweglichkeit des Kiefergelenks verbessert und muskuläre Dysbalancen ausgeglichen.
Techniken:
- Sanfte Dehnungen zur Entlastung der Kaumuskulatur
- Gelenkmobilisation zur Verbesserung der Kieferbeweglichkeit
- Entspannungstechniken für verspanntes Bindegewebe (Faszien)
- Neurodynamik: Entspannung der Nervenstrukturen
Da der Trigeminusnerv eine Schlüsselrolle bei CMD-bedingten Kopfschmerzen spielt, kann eine gezielte Neurodynamik helfen. Durch sanfte Bewegungsübungen werden Nervenstrukturen entlastet und ihre Beweglichkeit verbessert.
- Haltungsschulung & Ergonomieberatung
Eine falsche Kopf- und Nackenhaltung kann CMD verstärken. Besonders Menschen, die viel am Computer arbeiten oder ihr Handy häufig nutzen, neigen zu einer nach vorne geschobenen Kopfhaltung („Smartphone-Nacken“).
Therapeutische Maßnahmen:
- Korrektur der Körperhaltung, um Fehlbelastungen zu reduzieren
- Tipps für eine ergonomische Sitzposition (z. B. Bildschirmhöhe anpassen)
- Übungen zur Stärkung der tiefen Nackenmuskulatur
- Kieferübungen für zu Hause
Neben den physiotherapeutischen Behandlungen in der Praxis spielt die Eigenbehandlung durch den Patienten eine zentrale Rolle. Ein individuell angepasstes Übungsprogramm kann helfen, die Fortschritte langfristig zu sichern.
Beispiele für Übungen:
- Selbstmassage der Kaumuskulatur
- Mobilisation des Kiefergelenks durch sanfte Dehnungen
- Entspannungstechniken zur Reduktion von nächtlichem Zähneknirschen
Die interdisziplinäre Zusammenarbeit - Warum mehrere Fachrichtungen gefragt sind
CMD ist eine komplexe funktionelle Störung, die nicht nur von einem einzigen Fachbereich behandelt werden kann. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Physiotherapeuten, Zahnärzten, Orthopäden und manchmal auch Osteopathen oder Psychologen ist entscheidend, um eine langfristige Besserung zu erreichen.
Typische interdisziplinäre Maßnahmen:
- Zahnärztliche Unterstützung: Anfertigung von Aufbissschienen zur Entlastung des Kiefergelenks
- Orthopädische Abklärung: Falls Fehlhaltungen der Wirbelsäule eine Rolle spielen
- Stressmanagement: Falls Zähneknirschen durch psychische Belastung verstärkt wird
Wie lange dauert eine CMD-Therapie?
Die Dauer der Behandlung hängt stark von der Schwere der Dysfunktion und der individuellen Ausgangssituation ab. Während manche Patienten bereits nach wenigen Sitzungen deutliche Verbesserungen spüren, benötigen andere eine langfristige Therapie.
CMD-Schiene als wichtiger Bestandteil der Therapie
Die CMD-Schiene ist immer Bestandteil der CMD Therapie, da sie zum einen Beschwerden im Kieferbereich lindert, zum anderen korrigiert sie aber auch den Zustand von Kiefergelenk und Kaumuskulatur. Die Schiene sorgt dafür, dass Ober-und Unterkiefer wieder physiologisch aufeinandertreffen, was für die für die Beseitigung der CMD wichtig ist.
Durch den Einsatz der Schiene soll wieder eine natürliche Okklusion (das Schließen von Ober- und Unterkiefer) hergestellt werden. Die Schiene kann zudem dabei helfen, Kauprobleme zu reduzieren, die vorher vorhanden waren. Durch das Tragen der Aufbissschiene wird erreicht, dass die Kiefergelenksposition wieder physiologisch wird und die Kaumuskulatur entspannt. Die vorherige Zwangsposition, die durch die CMD entstanden war, wird gelöst. Es entwickeln sich wieder neue, natürliche Bewegungsmuster des Kiefers.
Vor allem bei Zähneknirschern, die häufig von einer CMD betroffen sind, ist eine Aufbissschiene äußerst sinnvoll. Die Schiene vermeidet nämlich zusätzlich eine Abnutzung der Zahnsubstanz, die durch das Reiben und Pressen erfolgen kann. Es werden also mit Hilfe der Schiene auch Schäden an Zähnen, Kiefergelenk und Muskulatur vermieden.
Wie wird eine Aufbissschiene eingesetzt und wie oft muss ich sie tragen?
Die Aufbissschiene wird meistens im Unterkiefer eingesetzt, in manchen Fällen aber auch im Oberkiefer. Sie wird individuell je nach Fall gefertigt. Dabei spielen sowohl die Beschwerden des Patienten, als auch die Behandlungsziele eine Rolle. Es gibt für die Aufbissschiene hartes und weiches Material, wobei für die CMD Schiene fast ausschließlich hartes Ku…
Schienentherapie spielt dabei ebenfalls eine wichtige Rolle
Wenn ihr Schmelz durch Zähneknirschen abgerieben wird, dann sackt der Unterkiefer weiter ein. Ihr Biss wird tiefer, das Kiefergelenk rutscht in eine Fehlposition und belastet die Gelenkgrube zusammen mit der Kiefergelenkskapsel so ungünstig, dass sich die Kapsel etwas bis völlig verschiebt, es zum Knackgeräusch kommt und u.a. Arthrose begünstigt. Außerdem sperrt die Dicke der Schiene ihren Biss und zwingt ihre Muskeln damit zum Entspannen. Nur so kann die Spannung abgebaut und die Verkürzung des Muskels zur Rückführung forciert werden.
Migräne und CMD
Migräne und Kiefergelenkbeschwerden kann man oft unter dem Oberbegriff der Craniomandibulären Dysfunktionen (CMD) zusammenfassen. Schuld sind nicht selten ein besonders stressiger Alltag, ein ungleichmäßig abgestützter Biss (bei fehlenden Zähnen) sowie Beckenschiefstände und Bandscheibenvorfälle, die vom Körper häufig über die Zähne, die Muskulatur oder das Kiefergelenk kompensiert werden. Die Folge können äußerst schmerzhafte Zustände des gesamten Kauorgans sein, unter denen die Patienten ohne eine entsprechende Behandlung dauerhaft leiden. Der Zahnarzt arbeitet diesen Beschwerden in aller Regel symptomatisch mit individuellen Aufbissschienen entgegen. Oft wird diese Behandlung zusätzlich von einer auf die Beschwerden abgestimmten Physiotherapie begleitet.
Chronische Migräne: Kiefergelenk oftmals beteiligt
Wer unter chronischer Migräne leidet, sollte sich möglicherweise auf Probleme mit den Kiefergelenken untersuchen lassen. Fehlregulationen im Bereich des Kiefergelenks können Migräne demnach verstärken. Von chronischer Migräne spricht man, wenn 15 oder mehr Migräneanfälle pro Monat vorkommen, also etwa jeden zweiten Tag. Von episodisch auftretender Migräne ist dagegen die Rede, wenn Migräne weniger häufiger vorkommt. Dies kann einmal in drei Monaten, aber auch mehrmals pro Monat sein. Patienten mit chronischer Migräne leiden dreimal wahrscheinlicher an einer Störung ihres Kiefergelenks als Personen ohne Migräne. Die Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) ist eine Fehlregulation der Muskel- beziehungsweise Gelenkfunktion der Kiefergelenke, die mit Schmerzen verbunden sein kann, aber nicht muss. Mögliche Symptome sind vielfältig: Schwindel, Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit oder andere Beschwerden können auftreten. Bereits frühere Studien fanden einen Zusammenhang zwischen Migräne und Funktionsstörungen des Kiefergelenks beziehungsweise Schmerzen beim Kauen.
Zentrale Prozesse des Nervensystems fördern Migräne
Es wird vermutet, dass sich der Zusammenhang anhand einer zentralen Sensibilisierung für Schmerzen erklären lässt. Migräne könnte für Funktionsstörungen des Kiefergelenks empfänglich machen. Die Störungen im Kiefergelenk wiederum unterhielten über Nervenreize die Migräne und einen abnormen Schmerzprozess. Die CMD steht mit Stress und einer Überbelastung der Kaumuskulatur in Verbindung. Gelenkschmerzen, eine eingeschränkte Beweglichkeit und Gelenkgeräusche, aber auch Muskelschmerzen oder ins Gesicht und den Nacken ausstrahlende Schmerzen sowie eine starke Müdigkeit können auf CMD hindeuten. Ferner sind abradierte Zähne - sprich die Zähne werden in der Front kleiner und dünn, sowie im Seitenzahbereich erscheinen die Höcker abgekaut, oft ein Zeichen für eine CMD. Die Störung der Kiefergelenksfunktion ist aber nicht die Ursache der Migräne, viele Menschen hätten CMD, jedoch keine Migräne. Doch kann die Erkrankung der Kiefergelenke eine Migräne verstärken.
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