Schlaganfall nach Geburt: Ursachen, Symptome und Behandlung

Ein Schlaganfall ist eine Durchblutungsstörung des Gehirns, die nicht nur Erwachsene, sondern auch Neugeborene, Kinder und Jugendliche betreffen kann. Obwohl Schlaganfälle bei jungen Menschen seltener vorkommen als bei Erwachsenen, sind sie dennoch eine ernste Erkrankung, die eine schnelle Diagnose und Behandlung erfordert. Jedes Jahr erleiden in Deutschland rund 270.000 Menschen einen Schlaganfall, wobei zehn bis 15 Prozent von ihnen unter 55 Jahre alt sind. Auch Kinder können betroffen sein, wobei schätzungsweise 300 bis 500 Kinder und Jugendliche zwischen dem 29. Lebenstag und dem 18. Lebensjahr jährlich einen Schlaganfall erleiden.

Ursachen des Schlaganfalls nach der Geburt

Die Ursachen für einen Schlaganfall bei Neugeborenen, Kindern und Jugendlichen sind vielfältig und unterscheiden sich von denen bei Erwachsenen. Während bei Erwachsenen oft der Lebensstil für die Durchblutungsstörung verantwortlich ist, sind die Ursachen bei Jüngeren komplexer und bedürfen einer eingehenden, fachübergreifenden Untersuchung.

Mögliche Ursachen sind:

  • Angeborene Gefäßfehlbildungen: Aneurysmen oder Blutschwämmchen im Gehirn können Blutungen verursachen, die zu Nervenschädigungen führen.
  • Hirntumore: Sie können Nerven abdrücken und so einen Schlaganfall auslösen.
  • Autoimmunerkrankungen: Das Immunsystem greift Gehirngefäße an, was zu Gefäßentzündungen und Durchblutungsstörungen führt.
  • Komplizierte Geburt: Insbesondere Zangengeburten können bei Neugeborenen einen Schlaganfall verursachen.
  • Frühgeburtlichkeit: Die Gefäße von Frühgeborenen sind fragiler und empfindlicher, was das Risiko eines Schlaganfalls erhöht.
  • Herzfehler oder Gerinnungsstörungen: Diese können bei Kindern zu Durchblutungsstörungen und somit zu einem Schlaganfall führen.
  • Eklampsie: Schlaganfallsymptome während und in den ersten sechs Wochen nach einer Schwangerschaft können Folge einer Eklampsie sein.
  • Peripartale Sinusvenenthrombose (SVT): Eine Thrombophilie als Reaktion auf die physiologischen Prozesse rund um die Geburt kann eine SVT verursachen.
  • Genetische Faktoren: Mutation in den Genen, die die Entwicklung des Gehirns steuern, können Hirnschäden bedingen (Dysgenesie - genetisch bedingte Fehlentwicklung).
  • Schlaganfall im Mutterleib: Babys können im Mutterleib einen Schlaganfall erleiden, zum Beispiel wenn sich in der Plazenta Blutgerinnsel bilden, die den Blutfluss zum Gehirn blockieren.
  • Verletzung des Kindes im Mutterleib.
  • Sauerstoffmangel: Sauerstoffmangel, zu dem es bei einer schweren Geburt kommen kann..
  • Infektion des Gehirns des Säuglings: Infektion des Gehirns des Säuglings, beispielsweise durch Meningitis oder Enzephalitis.
  • Kernikterus: Kernikterus, bei dem sich Bilirubin (Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin) im Gehirn ablagert.
  • Schwere Kopfverletzung.
  • Sauerstoffmangel durch beinahe Ersticken oder Ertrinken.
  • Nachgeburtlicher Schlaganfall.

Risikofaktoren:

Einige Faktoren erhöhen das Risiko für einen Schlaganfall nach der Geburt:

  • Frühgeburt (vor der 37. Schwangerschaftswoche).
  • Niedriges Geburtsgewicht.
  • Unterdurchschnittliche Geburtsgröße.
  • Mehrlingsgeburt.
  • Wenn die Mutter während der Schwangerschaft geraucht, Alkohol getrunken oder Drogen eingenommen hat.

Symptome eines Schlaganfalls

Die Symptome eines Schlaganfalls können je nach Alter des Kindes, der betroffenen Hirnregion und der Ursache variieren. Bei Neugeborenen und Säuglingen sind die Symptome oft unspezifisch und schwer zu erkennen.

Mögliche Symptome bei Kindern sind:

  • Plötzliche, starke Kopfschmerzen: Diese können als stechender Schmerz oder Schlag auf den Kopf empfunden werden.
  • Lähmungserscheinungen: Schwäche oder Lähmung eines Arms, Beins oder einer Gesichtshälfte. Bitten Sie den Betroffenen zu lächeln. Ist das Gesicht dabei einseitig verzogen, deutet das auf eine Halbseitenlähmung hin. Bitten Sie den Betroffenen die Augen zu schließen, beide Arme gleichzeitig in die Waagerechte zu heben, die Handflächen nach oben zu drehen und die Position zu halten.
  • Sprachstörungen: Verwaschene oder eingeschränkte Sprache, Schwierigkeiten, Sätze zu bilden oder zu verstehen. Lassen Sie die Person einen einfachen Satz nachsprechen. Ist sie dazu nicht in der Lage oder klingt die Stimme verwaschen? Versteht die Person die Aufforderung nicht?
  • Sehstörungen: Plötzliche Sehverschlechterung, Doppeltsehen oder Gesichtsfeldausfälle.
  • Gleichgewichtsstörungen: Schwindel, Unsicherheit beim Gehen oder Stehen.
  • Krampfanfälle: Unkontrollierte Muskelzuckungen oder Bewusstseinsverlust.
  • Verhaltensänderungen: Plötzliche Verwirrtheit, Reizbarkeit oder Wesensveränderungen.
  • Verspätete oder ausbleibende Bewegungsentwicklung: im Vergleich zu anderen Kindern verspätete oder ausbleibende Bewegungsentwicklung (zum Beispiel mit acht Monaten noch nicht sitzen oder mit 18 Monaten noch nicht laufen können).
  • Schwäche in einem oder beiden Armen oder Beinen.
  • Die Muskeln wirken abwechselnd zu steif oder zu schlaff.
  • Steife oder angespannte Muskeln und gesteigerte Reflexe.
  • Zittern der Hände.
  • Zappelige, ruckartige oder unbeholfene Bewegungen.
  • Schwierigkeiten mit präzisen Bewegungen und der Koordination, zum Beispiel beim Führen der Hand zum Mund.
  • Zehenspitzengang, gebückter Gang oder Scherengang (kurze Schritte mit zur Körpermitte gezogenen und bei jedem Schritt gekreuzten Beinen).
  • Muskelkrämpfe.

Wichtig: Wenn eines oder mehrere dieser Symptome auftreten, zählt jede Minute. Rufen Sie sofort unter 112 den Notarzt. Auch wenn sich die Symptome schnell zurückbilden: Nach jedem Schlaganfall muss intensiv nach der Ursache gesucht werden.

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Diagnose eines Schlaganfalls

Bei Verdacht auf einen Schlaganfall ist eine schnelle und umfassende Diagnostik entscheidend.

Die wichtigsten diagnostischen Maßnahmen sind:

  • Klinische Untersuchung: Der Arzt untersucht das Kind neurologisch, um die Art und den Schweregrad der Ausfälle festzustellen.
  • Bildgebende Verfahren:
    • Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) des Kopfes: Diese Untersuchungen zeigen, ob es sich um einen Hirninfarkt (ischämischer Schlaganfall) oder eine Hirnblutung handelt.
    • Ultraschalluntersuchung: Bei Neugeborenen kann eine Ultraschalluntersuchung helfen, die Diagnose zu bestätigen.
  • Weitere Untersuchungen: Um die Ursache des Schlaganfalls zu finden, können weitere Untersuchungen erforderlich sein, wie z.B. Blutuntersuchungen, Echokardiographie (Herzultraschall) oder Angiographie (Gefäßdarstellung). Ein sogenanntes Schluck-Echo kann ein persistierendes Foramen ovale (PFO) sichtbar machen.

Behandlung eines Schlaganfalls

Die Behandlung eines Schlaganfalls zielt darauf ab, die Durchblutung des Gehirns so schnell wie möglich wiederherzustellen, weitere Schäden zu verhindern und die Folgen des Schlaganfalls zu minimieren.

Die wichtigsten Behandlungsmaßnahmen sind:

  • Akuttherapie:
    • Thrombolyse (Lyse): Bei einem Hirninfarkt wird ein Medikament verabreicht, das das Blutgerinnsel auflöst und die Durchblutung wiederherstellt. Die Therapie sollte idealerweise innerhalb von viereinhalb Stunden nach Auftreten der ersten Schlaganfall-Symptome beginnen.
    • Thrombektomie: Bei größeren Blutgerinnseln wird ein Katheter über die Leiste ins Gehirn eingeführt, um das Gerinnsel zu entfernen.
    • Operative Entfernung des Blutgerinnsels: Bei einer Hirnblutung kann es erforderlich sein, das Blutgerinnsel operativ zu entfernen, um den Druck auf das Gehirn zu reduzieren.
  • Medikamentöse Therapie:
    • Gerinnungshemmende Medikamente ("Blutverdünner"): Diese Medikamente verhindern die Bildung weiterer Blutgerinnsel.
    • Antihypertensiva: Bei Bluthochdruck werden Medikamente eingesetzt, um den Blutdruck zu senken.
    • Magnesiumsulfat: Bei Eklampsie wird Magnesiumsulfat als Antikonvulsivum eingesetzt.
  • Operative Eingriffe:
    • Verschluss eines PFO: Ein offenes Foramen ovale kann mit einem Okkluder, einem kleinen Schirmchen, verschlossen werden.
    • Behandlung einer Dissektion: Eine Einriss in der Gefäßwand wird mit blutverdünnenden Medikamenten behandelt, bis der Einriss abgeheilt ist.
  • Symptomatische Therapie: Experten versuchen, die durch einen Schlaganfall eingetretenen Folgen auszugleichen und zu mildern.
  • Rehabilitation:
    • Physiotherapie: Zur Verbesserung der Beweglichkeit und Koordination.
    • Logopädie: Zur Behandlung von Sprach- und Schluckstörungen.
    • Ergotherapie: Zur Verbesserung der Selbstständigkeit im Alltag.
    • Psychologische Betreuung: Zur Bewältigung der psychischen Folgen des Schlaganfalls.

Rehabilitation und Langzeitfolgen

Nach der Akuttherapie ist eine umfassende Rehabilitation wichtig, um die Folgen des Schlaganfalls zu minimieren und die Lebensqualität des Kindes zu verbessern. Die Rehabilitation sollte individuell auf die Bedürfnisse des Kindes abgestimmt sein und verschiedene Therapiebereiche umfassen.

Viele Kinder mit Schlaganfall haben langfristige gesundheitliche Probleme. Zwei Drittel der Neugeborenen, Kinder und Jugendlichen, die einen Schlaganfall überleben, haben danach gesundheitliche Probleme. Dazu gehören Lähmungen, Sprachstörungen, kognitive Beeinträchtigungen, Verhaltensauffälligkeiten und epileptische Anfälle. Die Art und der Schweregrad der Beeinträchtigungen hängen von der Größe und Lokalisation des Hirnschadens ab.

Vorbeugung eines Schlaganfalls

Einige Risikofaktoren für einen Schlaganfall lassen sich beeinflussen. Dazu gehören:

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  • Gesunde Lebensweise: Eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Bewegung und der Verzicht auf Rauchen und Alkohol können das Risiko eines Schlaganfalls verringern.
  • Kontrolle von Risikofaktoren: Bluthochdruck, Diabetes und hohe Cholesterinwerte sollten regelmäßig überprüft und behandelt werden.
  • Impfungen: Impfungen gegen Röteln können das Risiko einer Zerebralparese verringern.
  • Vermeidung von Drogenkonsum während der Schwangerschaft.

Kindlicher Schlaganfall: Eine besondere Herausforderung

Ein Schlaganfall im Kindesalter ist eine seltene, aber schwerwiegende Erkrankung, die für die betroffenen Kinder und ihre Familien eine große Belastung darstellt. Es ist wichtig, die Symptome eines Schlaganfalls frühzeitig zu erkennen und schnell zu handeln, um die bestmöglichen Behandlungsergebnisse zu erzielen. Dank moderner diagnostischer und therapeutischer Verfahren haben Kinder mit Schlaganfall heute gute Chancen auf eine erfolgreiche Rehabilitation und ein weitgehend selbstständiges Leben.

Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe bietet mit ihrem Programm Kinder Schlaganfall-Hilfe Unterstützung für betroffene Kinder und ihre Familien.

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