Aphasie-Therapie nach einem Schlaganfall: Ein umfassender Überblick

Einführung

Aphasie, ursprünglich als "ohne Sprache" definiert, wird oft als "Sprachverlust" übersetzt. Es handelt sich um eine erworbene Sprachstörung, die nach neurologischen Ereignissen wie Schlaganfällen, Schädel-Hirn-Traumata, Hirnblutungen, Tumoren oder entzündlichen Erkrankungen auftritt. Diese Störung betrifft die Fähigkeit, Sprache zu verstehen und zu produzieren, sowohl im gesprochenen als auch im geschriebenen Format. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Aphasie-Therapie, von der Diagnose bis zu den spezifischen Behandlungsansätzen, und gibt Einblicke, wie Betroffene und ihre Angehörigen mit dieser Herausforderung umgehen können.

Was ist Aphasie?

Aphasie ist eine erworbene Sprachstörung, die durch eine Schädigung des Gehirns verursacht wird. Die linke Gehirnhälfte ist hauptsächlich für logische, strukturierte Prozesse zuständig, einschließlich der Sprachverarbeitung. Eine Schädigung in diesem Bereich kann zu Beeinträchtigungen des gesamten Sprachsystems führen, einschließlich des Verstehens von Gehörtem und Gelesenem, des Aussprechens von Gedanken und des Aufschreibens von Gedanken.

Ursachen von Aphasie

Die häufigsten Ursachen für Aphasie sind:

  • Schlaganfälle (ca. 80 % der Fälle)
  • Hirnblutungen
  • Schädel-Hirn-Traumata
  • Hirntumore
  • Entzündungen

Es ist wichtig zu betonen, dass Aphasie keine psychische Störung oder geistige Behinderung ist. Das Denken und die Fähigkeit zur nonverbalen Kommunikation bleiben erhalten.

Symptome von Aphasie

Die Symptome einer Aphasie können je nach Form und Schweregrad variieren. Einige häufige Symptome sind:

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  • Störungen des Sprachverständnisses
  • Störungen des Leseverständnisses
  • Wortfindungsstörungen
  • Störungen der grammatikalischen Verarbeitung
  • Störungen der lautlichen Verarbeitung
  • Störungen des Schreibens

Aphasie tritt häufig in Verbindung mit anderen Störungen auf, wie z. B.:

  • Sprechapraxie (Planungs- und Programmierungsstörung der Sprechbewegungen)
  • Dysarthrie (Sprechstörung aufgrund von Schädigung des zentralen Nervensystems oder der Hirnnerven)
  • Dysphagie (Schluckstörungen)
  • Apraxie (Störungen bei der Ausführung von Bewegungen und Bewegungsabfolgen)
  • Einschränkungen in der Zahlenverarbeitung
  • Gesichtsfeldeinschränkungen
  • Gedächtnisprobleme
  • Aufmerksamkeits-, Konzentrations- und Orientierungsstörungen
  • Halbseitige Lähmungen
  • Sensibilitätsstörungen
  • Psychosoziale Schwierigkeiten (Reizbarkeit, Gefühlsschwankungen, Ängste, Aggressionen)
  • Krampfanfälle

Formen von Aphasie

Es gibt verschiedene Formen von Aphasie, die sich in ihren Symptomen und dem Grad der Beeinträchtigung unterscheiden. Die Einteilung erfolgt häufig in vier Standardsyndrome:

  • Globale Aphasie: Die schwerste Form, bei der Betroffene kaum oder keine Sprachfähigkeiten besitzen. Sprachverständnis und Lesefähigkeit sind stark gestört.
  • Broca-Aphasie: Betroffene sprechen meist unflüssig und können keine vollständigen Sätze bilden oder sich richtig artikulieren. Das Sprachverständnis ist jedoch weitgehend intakt. Das Sprechen ähnelt einem „Telegrammstil“.
  • Wernicke-Aphasie: Gekennzeichnet durch ein stark beeinträchtigtes Sprachverständnis. Betroffene verstehen selbst einfache Wörter nicht. Die Sprachfähigkeit ist zwar flüssig, aber inhaltsleer. Es kommt zu einer scheinbar flüssigen Produktion von Sprache, deren Inhalt jedoch wenig oder keinen Sinn ergibt. Die Betroffenen haben keine Sprachkontroller.
  • Amnestische Aphasie: Die leichteste Form der Aphasie. Betroffene leiden unter Wortfindungsstörungen und verwenden häufig Füllwörter wie "Ding" oder "das da".

Zusätzlich zu diesen Standardsyndromen gibt es weitere spezifische Sprachstörungen:

  • Dysarthrophonie: Eine Sprechstörung, die durch eine Hirnverletzung oder -erkrankung verursacht wird. Es kommt zu Beeinträchtigungen der Lautbildung, der Stimmgebung und der Sprechatmung.
  • Sprechapraxie: Eine Planungs- und Programmierungsstörung der Sprechbewegungen, die sich durch unbeständige und wechselhafte Fehler äußert.

Diagnose von Aphasie

Vor Beginn der Behandlung ist eine umfassende Diagnostik erforderlich, um die sprachliche und kommunikative Leistung des Betroffenen zu erfassen. Dies umfasst standardisierte Testverfahren, die Informationen über die Art und den Schweregrad der Störung liefern. Dabei wird beurteilt, ob es sich um eine „flüssige“ oder eine „nichtflüssige“ Aphasie handelt, wie inhaltsreich oder inhaltsleer das Gesagte oder Geschriebene ist, wie stark eine Störung des Sprachverständnisses für gesprochene und geschriebene Sprache ausgeprägt ist und ob Wortfindungsstörungen vorliegen. Auch die Kommunikationsfähigkeit im Alltag wird bewertet, gegebenenfalls unter Zuhilfenahme von Gesten, Mimik und Kommunikationshilfen.

Therapie von Aphasie

Allgemeine Therapieziele

Das allgemeine Ziel der Aphasie-Therapie ist es, dem Betroffenen die sprachliche Kommunikation im Alltag wieder zu ermöglichen. Der Patient soll lernen, mit seinen reduzierten sprachlichen und/oder gestischen Ausdrucksmöglichkeiten Gesprächssituationen zu bewältigen. Dabei werden Sprachprozesse aktiviert und reorganisiert.

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Beginn der Therapie

Die logopädische Therapie sollte so frühzeitig wie möglich beginnen, idealerweise schon in der Akutphase, sobald der Allgemeinzustand des Patienten es erlaubt. Eine Therapieeinheit dauert in der Regel 45 Minuten, kann aber je nach Therapiehäufigkeit und Leistungsvermögen des Patienten zwischen 30 und 60 Minuten variieren.

Therapieansätze

Die Therapie wird individuell auf die Bedürfnisse und Fähigkeiten des Patienten zugeschnitten. Zu den häufigsten Therapieansätzen gehören:

  • Sprachtherapie: Verbesserung der Sprachfunktionen, z. B. durch Übung der Lautbildung, der Wortbedeutung und des Satzbaus.
  • Logopädie: Verbesserung der Aussprache, Training der Stimme und Wiedererlernen des Sprechens.
  • Physiotherapie: Massage und Bäder zur Unterstützung der Entspannung und Durchblutung.
  • Ergotherapie: Gezielte Übungen zum Wiedererlernen von Alltagsfähigkeiten.
  • Krankengymnastik: Bei Lähmungen und Bewegungseinschränkungen.
  • Neuropsychologische Therapie: Verbesserung von Aufmerksamkeit und Gedächtnis.
  • Neuropsychologische Trainingsprogramme: Ergänzende Übungen zur Förderung der kognitiven Fähigkeiten.

In schweren Fällen können unterstützende Kommunikationshilfen wie computergestützte Geräte oder Kommunikationstafeln sinnvoll sein, um die Verständigung zu erleichtern oder zu ermöglichen.

Spezifische Therapieformen

  • Melodische Intonationstherapie: Eine Therapieform, bei der Patienten unter Anleitung eines Therapeuten Laute und Wörter nicht sprechen, sondern singen. Dadurch sollen Sprachzentren in der rechten Hemisphäre des Gehirns trainiert werden.
  • Sprach-Apps auf dem Tablet-PC: Ergänzend zur klassischen Sprachtherapie können Sprachtrainings-Apps eingesetzt werden, um das Üben zu Hause zu unterstützen.
  • Brain-Computer-Interface (BCI): Eine innovative Methode, bei der Patienten durch Kontrolle ihrer Hirnsignale einen Cursor auf einem Bildschirm steuern können. Dies soll die Aufmerksamkeit verbessern und das Gehirn aufnahmefähiger für Sprachtherapien machen.

Phasen der Therapie

Die Therapie verläuft in verschiedenen Phasen:

  • Aktivierungsphase: Während des Krankenhausaufenthalts wird der Patient unterstützt, motiviert und sprachlich gefordert, um das Sprachverständnis für alltägliche Situationen zu verbessern und zu sprachlichen Äußerungen anzuregen.
  • Konsolidierungsphase: Die erarbeiteten Therapieinhalte werden gefestigt und in den Alltag integriert, oft durch häusliche Übungen oder Kommunikationsgruppen.

Sprachintensiv Therapieprogramm

Für Patienten mit chronischer Aphasie kann ein "Sprachintensiv Therapieprogramm" in Betracht gezogen werden, das wöchentlich mehrere logopädische Einzeltherapien, Gruppentherapiesitzungen, Computer-Therapieeinheiten sowie weitere therapeutische Angebote umfasst.

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Rolle der Angehörigen

Die Angehörigen spielen eine entscheidende Rolle im Therapieprozess. Sie bieten nicht nur die Voraussetzung dafür, dass die Patienten überhaupt in die ambulante Therapie kommen können, sondern sind auch wichtige Partner für die Therapeuten. Ihre Angaben über die Kommunikation des Patienten im Alltag sind wertvoll für die Therapieplanung. Angehörige sollten Geduld und Ruhe im Gespräch bewahren, kurze und einfache Sätze verwenden, Mimik und Gestik einbeziehen, Störquellen vermeiden und Fragen stellen, die mit "Ja" oder "Nein" beantwortet werden können.

Umgang mit Aphasie im Alltag

  • Kommunikationsstrategien: Es ist hilfreich, Gestik und Mimik für den Austausch zu nutzen. Familien entwickeln oft eigene Kommunikationsstrategien.
  • Selbstständigkeit bewahren: Angehörige sollten Betroffene weiterhin Dinge ausprobieren lassen, um ihre Selbstständigkeit so weit wie möglich zu erhalten.
  • Unterstützung anbieten: Hilfsangebote wie die Begleitung beim Arztbesuch können wichtig sein, wenn Betroffene die Kommunikation nicht alleine bewältigen können.
  • Kommunikationshilfen: Kärtchen mit Sätzen, Bildern, Symbolen oder Buchstaben sowie elektronische Kommunikationshilfen können die Kommunikation erleichtern.

Psychologische Aspekte der Aphasie

Eine Aphasie kann für die Betroffenen eine große psychische Belastung darstellen. Sie fühlen sich oft wie in einem Gefängnis, da sie wissen, was sie sagen möchten, es aber nicht in Worte fassen können. Dies kann zu Frustration, sozialer Isolation und Depression führen. Es ist wichtig, dass Betroffene psychologische Unterstützung erhalten, um mit diesen Herausforderungen umzugehen.

Umgang mit Depressionen

Viele Betroffene entwickeln in den ersten Wochen und Monaten eine Depression. In solchen Fällen ist eine Behandlung unbedingt notwendig, um die Erfolge einer Sprachtherapie nicht zu beeinträchtigen und die allgemeine Lebensqualität möglichst hoch zu halten.

Selbsthilfegruppen

Der Kontakt zu anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann sehr hilfreich sein, um sich auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen. Es gibt sowohl Selbsthilfegruppen für Betroffene als auch für Angehörige.

Aufklärung

Es ist wichtig, Freunde, Bekannte und vor allem Angehörige über die Aphasie aufzuklären und Kommunikationsregeln aufzustellen, um den Umgang miteinander zu erleichtern.

Forschung und zukünftige Entwicklungen

Die Rehabilitation von Patienten mit Aphasie bleibt eine Herausforderung. Die Forschung arbeitet kontinuierlich an neuen Therapieansätzen und Technologien, um die Behandlungsergebnisse zu verbessern. Dazu gehören die Weiterentwicklung von Sprach-Apps, der Einsatz von Brain-Computer-Interfaces und die Erforschung der Wirksamkeit der melodischen Intonationstherapie.

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