Anatomie der weiblichen Geschlechtsorgane: Ein umfassender Überblick

Die weiblichen Geschlechtsorgane sind ein komplexes System, das für Fortpflanzung, sexuelles Lustempfinden und Hormonregulation verantwortlich ist. Sie lassen sich in innere und äußere Geschlechtsorgane unterteilen, die jeweils spezifische Aufgaben erfüllen. Dieser Artikel bietet einen detaillierten Einblick in die Anatomie der weiblichen Geschlechtsorgane, ihre Funktionen und mögliche Erkrankungen.

Einführung

Die weiblichen Geschlechtsorgane umfassen alle Organe, die mit der Fortpflanzung zusammenhängen, von den Eierstöcken im Inneren des kleinen Beckens bis zu den von außen sichtbaren großen Schamlippen. Sie ermöglichen Geschlechtsverkehr und sexuelle Befriedigung. Sie sind die Voraussetzung dafür, schwanger zu werden, ein Kind auszutragen und es zur Welt zu bringen. Dazu bilden sie Hormone, die auch die Reifung vom kindlichen zum erwachsenen weiblichen Körper steuern.

Äußere weibliche Geschlechtsorgane (Vulva)

Die äußeren weiblichen Geschlechtsorgane werden zusammenfassend als Scham (Vulva) bezeichnet. Sie bilden den von außen sichtbaren Bereich der weiblichen Geschlechtsorgane und schützen die inneren Organe vor äußeren Einflüssen.

Bestandteile der Vulva

  • Venushügel (Mons pubis): Der Venushügel liegt vor und oberhalb der Symphyse (Schambeinfuge) und ist ein mit Fettgewebe ausgepolsterter Bereich, der ab der Pubertät mit Schamhaaren bedeckt sein kann.

  • Große Schamlippen (Labia majora): Die großen Schamlippen liegen als pralle Hautfalten zwischen den Oberschenkeln und umschließen die Schamspalte. Sie sind ebenfalls mit Fettgewebe ausgepolstert und können ab der Pubertät mit Haaren bedeckt sein.

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  • Kleine Schamlippen (Labia minora): Die kleinen Schamlippen liegen innerhalb der großen Schamlippen und umschließen den Scheidenvorhof. Sie sind weniger stark ausgepolstert und nicht behaart. Die Haut und Schleimhaut in diesem Bereich sind dicht mit Nerven durchzogen und sehr sensibel. Berührungen und Reibung können deshalb sexuell erregen und auch zum Orgasmus führen.

  • Klitoris (Kitzler): Die Klitoris befindet sich am vorderen Ende der kleinen Schamlippen und ist das wichtigste weibliche Lustorgan. Sie besteht aus dem Klitoriskopf mit Vorhaut, dem Schaft und zwei Schenkeln mit Schwellkörpern, die links und rechts der Harnröhre verlaufen. Der größte Teil der Klitoris befindet sich im Körperinneren. Die Schwellkörper der Klitoris und des Scheidenvorhofs bestehen aus schwammartigem Gewebe. Bei sexueller Erregung staut sich darin Blut, bis die Schwellkörper prall gefüllt sind. Dadurch schwellen auch der Klitoriskopf und -schaft an und werden steif. Die darunterliegenden Muskeln spannen sich an und ziehen sich beim Orgasmus rhythmisch zusammen.

  • Scheidenvorhof (Vestibulum): Der Scheidenvorhof ist der Bereich zwischen den kleinen Schamlippen, in den die Harnröhre und die Scheide münden.

  • Vorhofdrüsen (Bartholinische Drüsen): Die Bartholinischen Drüsen befinden sich im Scheidenvorhof und geben bei sexueller Erregung ein Sekret ab, das die Vagina befeuchtet.

  • Scheideneingang (Introitus vaginae): Der Scheideneingang ist die Öffnung zur Scheide.

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Funktion der Vulva

Die Vulva schützt die inneren Geschlechtsorgane vor äußeren Einflüssen wie Verletzungen und Infektionen. Die Klitoris ist das Zentrum der sexuellen Erregung und spielt eine entscheidende Rolle beim Orgasmus. Die Bartholinischen Drüsen sorgen für die Befeuchtung der Vagina während der sexuellen Erregung.

Innere weibliche Geschlechtsorgane

Die inneren weiblichen Geschlechtsorgane liegen im kleinen Becken oberhalb des Diaphragma urogenitale zwischen der Harnblase und dem Mastdarm. Sie sind für die Fortpflanzung und die Produktion von Geschlechtshormonen verantwortlich.

Bestandteile der inneren Geschlechtsorgane

  • Scheide (Vagina): Die Scheide ist ein 8-10 cm langer Schlauch aus Muskel- und Bindegewebe, der die Verbindung zwischen den äußeren und inneren Geschlechtsorganen darstellt. Sie grenzt vorne an die Harnblase bzw. Harnröhre, hinten an den Mastdarm. Das Scheidengewölbe umfasst auch den Muttermund. Sie nimmt beim Geschlechtsverkehr den Penis auf und dient bei der Entbindung als Geburtskanal. Die Scheidenwand (oft auch Scheidenschleimhaut genannt) produzieren Döderlein-Bakterien Milchsäure und sorgen so für das saure Scheidenmilieu mit einem pH-Wert von 3,8-4,5, sodass sich von außen eindringende Keime in der Scheide nicht vermehren können. Während der Wechseljahre verdünnt sich auch die Scheidenwand.

  • Gebärmutter (Uterus): Die Gebärmutter ist ein birnenförmiges Organ, das etwa 7 cm lang ist. Sie besteht aus Gebärmutterhals und Gebärmutterkörper (Corpus uteri). Der Gebärmutterkörper ist ein Muskelgeflecht, das Myometrium genannt wird, und sich bei der Geburt, aber auch bei der Menstruation zusammenzieht. Innen formt das Myometrium die Gebärmutterhöhle, deren Wand von der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) ausgekleidet ist. Indem sie ihre Schleimhaut aufbaut, bereitet sich die Gebärmutter jeden Monat auf die Einnistung eines befruchteten Eis vor. Vom Gebärmutterkörper aus verlaufen die Eileiter auf beiden Seiten zu den etwa pflaumengroßen Eierstöcken, die sie mit jeweils einem Trichter umgeben. Im Verlauf einer Schwangerschaft vergrößert sich die normalerweise 50 g leichte Gebärmutter auf rund 1 000 g. Nach der Geburt kehrt sie aber innerhalb weniger Wochen wieder zu ihrer normalen Größe zurück. Kräftige bindegewebige Bandstrukturen, die Parametrien, verlaufen zwischen der Gebärmutter und der seitlichen Beckenwand und halten die Gebärmutter in ihrer richtigen Position im kleinen Becken. Weitere Bänder ziehen von der Gebärmutterrückseite zum Steißbein sowie von der Gebärmutter durch die Leistengegend in das Bindegewebe der großen Schamlippen. Auch die Eierstöcke sind mit Bändern fixiert, die zur Gebärmutter und zu den anderen Bandstrukturen verlaufen. Eileiter und Eierstöcke werden zusammen mit den dazugehörigen Bändern auch als Adnexe (Anhängsel) bezeichnet.

  • Eileiter (Tuben uterinae): Die Eileiter sind paarige, etwa 10-12 cm lange Gänge, die die Eierstöcke mit der Gebärmutter verbinden. Sie fangen die Eizelle nach dem Eisprung auf und transportieren sie in die Gebärmutter. Hier kann die Eizelle befruchtet werden.

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  • Eierstöcke (Ovarien): Die Eierstöcke sind paarige, mandelförmige Organe, die sich seitlich der Gebärmutter befinden. In den Eierstöcken reifen die Eizellen heran und werden die weiblichen Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron produziert. In den Eierstöcken sind bereits zum Zeitpunkt der Geburt einer Frau bzw.

Funktion der inneren Geschlechtsorgane

Die inneren Geschlechtsorgane spielen eine entscheidende Rolle bei der Fortpflanzung, dem Lustempfinden und der Hormonregulation. In den Eierstöcken findet die Oogenese statt, die Bildung der weiblichen Geschlechtszellen (Eizellen). Hier werden auch die weiblichen Geschlechtshormone gebildet: Östrogen und Progesteron. Pro Menstruationszyklus reift in der Regel in einem der beiden Eierstöcke eine Eizelle heran und wird an der Oberfläche des Ovars freigesetzt (Eisprung). Der Eileiter fängt die Keimzelle auf und transportiert sie in Richtung Gebärmutter. Auf diesem Weg kann die Eizelle durch ein eingedrungenes Spermium befruchtet werden. Ob befruchtet oder nicht - die Eizelle nistet sich in der Gebärmutter-Schleimhaut, die sich unter Hormoneinfluss aufgebaut hat, ein. Hat keine Befruchtung stattgefunden, wird die verdickte Schleimhaut nach einigen Tagen mitsamt der Eizelle in der Regelblutung ausgestoßen. Hat sich aber eine befruchtete Eizelle eingenistet, dient die Gebärmutter als Brutkammer für das heranwachsende Baby und versorgt das Kind. Während der Geburt ist die Gebärmutter das Austreibungsorgan, welches das Kind über Muskelkontraktionen durch den Geburtskanal (Gebärmutterhals, Scheide) nach außen befördert.

Beckenboden

Der Beckenboden ist eine Muskelplatte, die das Becken nach unten abschließt und die inneren Organe trägt. Er besteht aus verschiedenen Muskeln, Bändern und Bindegewebe.

Bestandteile des Beckenbodens

  • M. levator ani: Der M. levator ani ist der wichtigste Muskel des Beckenbodens. Er besteht aus verschiedenen Teilen: M. puborectalis, M. pubococcygeus und M. iliococcygeus.
  • M. coccygeus: Dieser Muskel zieht sich von der Spina ischiadica zum Os coccygis und verläuft wie der M. levator ani im Beckenboden.
  • M. sphincter ani externus: Dies ist der äußere Schließmuskel des Afters und besteht aus quer gestreiftem Muskelgewebe. Er hat drei Teile: Pars subcutanea, Pars superficialis und Pars profunda.
  • Diaphragma urogenitale: Das Diaphragma urogenitale verschließt den Hiatus urogenitalis. Es besteht aus verschiedenen Muskeln, die sich im Spatium perinei superficiale (oberflächlicher Beckenbodenraum) und im Spatium perinei profundum (tiefer Beckenbodenraum) befinden: M. transversus perinei superficialis, M. transversus perinei profundus und M. sphincter urethrae externus.
  • Weitere Muskeln: M. ischiocavernosus und M. bulbospongiosus (M. bulbocavernosus).
  • Fascia pelvis: Die Fascia pelvis ist eine Bindegewebsschicht, die die Beckenorgane umhüllt und stützt. Sie wird in Fascia pelvis parietalis und Fascia pelvis visceralis unterteilt.

Funktion des Beckenbodens

Der Beckenboden hat wichtige Funktionen:

  • Stützfunktion: Er trägt die inneren Organe und verhindert, dass sie sich absenken.
  • Verschlussfunktion: Er verschließt die Harnröhre und den After und ermöglicht die Kontrolle über die Blasen- und Darmentleerung.
  • Sexualfunktion: Er spielt eine Rolle bei der sexuellen Erregung und beim Orgasmus.

Innervation und Blutversorgung

Die weiblichen Geschlechtsorgane werden von Nerven des autonomen und somatischen Nervensystems innerviert. Die Blutversorgung erfolgt über die Arteria iliaca interna und ihre Äste.

Innervation

  • Autonomes Nervensystem: Das autonome Nervensystem steuert die unwillkürlichen Funktionen der Geschlechtsorgane, wie z.B. die Durchblutung und die Sekretion von Drüsen.
  • Somatisches Nervensystem: Das somatische Nervensystem steuert die willkürlichen Funktionen der Geschlechtsorgane, wie z.B. die Kontraktion der Beckenbodenmuskulatur. Der N. pudendus teilt sich nicht nur in den N. dorsalis clitoridis auf, sondern in die Nn. perineales und ist somit auch zuständig für die sensible Innervation der Vulva.

Blutversorgung

Die arterielle Versorgung der äußeren weiblichen Genitalien erfolgt über die Arteria pudenda interna, welche verschiedene Äste abgibt. Die Muskeln der Vorhofbulben werden von der A. perinealis, die Schwellkörper der Vorhofbulben von der A. bulbi vestibuli versorgt. Die paarigen tiefen Klitorisarterien (A. profunda clitoridis ramus corporis clitoridis) sowie die Klitorisschenkelarterien (A. profunda clitoridis ramus crus clitoridis) dringen in die erektilen Schwellkörper (Corpora cavernosa) ein und verzweigen sich in die Rankenarterien (A. helicina), welche in die arteriellen Kavernen führen. Der Endast der A. pudenda interna, die dorsale Klitorisarterie (A. dorsalis clitoridis), verläuft zusammen mit dem dorsalen Klitorisnerv (N. dorsalis clitoridis) über den Rücken des aufsteigenden Klitoriskörpers und dann entlang des absteigenden Klitoriskörpers zur Klitoriseichel. Sie versorgt die Tunica albuginea, die perikavernösen bindegewebigen Strukturen des Bulboklitoralorgans sowie die Klitoriseichel und den Klitorishut. Die venöse Drainage der Kavernen erfolgt über Venolen in die Sperrvenen, welche ihrerseits von den Emissarvenen (V. emissaria) durch die Tunica albuginea hindurch in die Kranzvenen (V. circumflexa) abgeleitet werden, und diese dann in die voluminöse tiefe dorsale Klitorisvene (V.

Mögliche Erkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane

Die weiblichen Geschlechtsorgane können von verschiedenen Erkrankungen betroffen sein.

Erkrankungen der Vulva

  • Vulvakarzinom: Eine Krebserkrankung der Vulva (Vulvakarzinom) betrifft meist die großen Schamlippen, manchmal auch die kleinen Schamlippen und selten die Klitoris. Meist handelt es sich um Plattenepithelkarzinome der oberen Hautschichten.
  • Infektionen: Beispiele sind Herpes-Viren, den Syphilis-Erregern oder Humanen Papillomviren (HPV).
  • Lichen sclerosus: Häufig werden Vorhautadhäsionen und -phimosen beim Lichen sclerosus beobachtet.

Erkrankungen der inneren Geschlechtsorgane

  • Infektionen: Beispiele sind Scheidenpilz (Candida), HPV-Infektion, bakterielle Vaginose, Chlamydieninfektion und andere Geschlechtskrankheiten.
  • Krebserkrankungen: Krebserkrankungen im Bereich der inneren weiblichen Geschlechtsorgane sind zum Beispiel Eierstock- und Eileiterkrebs, Gebärmutter- und Gebärmutterhalskrebs sowie Scheidenkrebs.
  • Weitere Erkrankungen: Häufige Gesundheitsprobleme sind auch Eileiterentzündung, Eierstockzysten, Myome der Gebärmutter und Endometriose.

Allgemeine Symptome

Symptome, die von allen Erkrankungen im Bereich der weiblichen Geschlechtsorgane verursacht werden können, sind zum Beispiel verstärkter Ausfluss, Brennen und Juckreiz im Vaginalbereich. Auch schmerzhafte, verlängerte oder ausbleibende Regelblutungen, Zwischenblutungen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und/oder Unterleibsschmerzen können auf einer Erkrankung der weiblichen Geschlechtsorgane hindeuten.

Fehlbildungen

Weibliche Geschlechtsorgane können auch Fehlbildungen aufweisen, beispielsweise kann die Vagina fehlen.

Die Klitoris: Mehr als nur ein Knopf

Die Klitoris ist ein hochsensibles Organ, das eine zentrale Rolle bei der sexuellen Erregung und dem Orgasmus der Frau spielt.

Anatomie der Klitoris

Ohne anatomische Kenntnisse mag die Klitoris der Frau nur als kleiner Knopf oberhalb des Ausgangs der Harnröhre betrachtet werden. Das Bulboklitoralorgan ist aber von seiner Grösse her durchaus mit dem Penis vergleichbar. Über 90% seiner Ausdehnung liegen im Körperinneren. Von aussen ist nur die Klitoriseichel sichtbar, die zudem vom Klitorishut bedeckt ist. Von der Klitoriseichel bis zum Ende der Klitorisschenkel ist sie bei einem Mittelwert von 83mm zwischen 29 und 170mm lang. Ein durchschnittlicher Penis hat inklusive seiner inneren Anteile eine Länge von 170mm. Eine Frau kann also durchaus eine Klitoris haben, die es bezüglich Länge mit einem mittellangen Penis aufnehmen kann. Bei solchen zugegebenermassen nicht besonders sinnvollen Vergleichen muss berücksichtigt werden, dass der Penis bei der Penetration die physikalische Aufgabe hat, die Spermien möglichst nah an den Uterus zu bringen, während eine Klitoris nicht penetrieren muss und vorwiegend im Dienst der Lust steht. Das erektile Gefässgewebe, die Corpora cavernosa, besteht aus einem komplexen Netzwerk von arteriellen Gefässhohlräumen (Kavernen oder Sinusoide) und einer dicken Hülle aus Bindegewebe, der Tunica albuginea. Sie werden von den Klitorisschenkeln (Crus clitoridis) gebildet, welche sich zum Klitoriskörper vereinigen, der aus dem aufsteigenden Klitoriskörper (Corpus clitoridis pars ascendens) und dem absteigenden Klitoriskörper (Corpus clitoridis pars descendens) besteht. Die spongiösen Strukturen bestehen ebenfalls aus schwellfähigem kavernösem Gewebe. Eine Tunica albuginea sowie die darunterliegenden ableitenden Venen fehlen aber, sodass eine Volumenvergrösserung, aber keine Erektion möglich ist. Der Kobelt’sche Venenkomplex kann als Blutverteiler betrachtet werden, der die Gefässstrukturen des Bulboklitoralorgans untereinander sowie mit den inneren Vulvalippen, den Klitorisbändchen (Frenulae), dem Vaginavorhof und dem Harnröhrenschwellkörper verbindet. Die einzige von aussen erkennbare Struktur des Bulboklitoralorgans ist der vordere Teil der Klitoriseichel, die wie eine Kappe auf den kegelförmig zulaufenden Enden des absteigenden Klitoriskörpers sitzt.

Funktion der Klitoris

Die Klitoriseichel ist eine der empfindlichsten Strukturen des menschlichen Körpers undsteht im Dienst der Generierung der weiblichen Lust und der Auslösung des Orgasmus. Die 2-3,2mm dicken Äste des N. pudendus, die dorsalen Klitorisnerven (N. dorsalis clitoridis oder NDC), bestehen aus ca. 10000 myelinisierten Nervenfasern,15 den Fasern des N. cavernosus und unmyelinisierten C-Fasern. Sie leiten die Signale von ca. 20000 sensorischen Nervenendigungen von der Klitoris zum Rückenmark. Ebenfalls hochsensibel sind die Klitorisschenkel, der aufsteigende Klitoriskörper und vor allem die seitlichen Bereiche des absteigenden Klitoriskörpers. Eine hohe Sensibilität besitzen im Weiteren der obere Teil des RSP, der Vaginavorhof, die inneren Vulvalippen, die Klitorisvorhaut, der Klitorishut sowie die Klitorisbändchen. Die Klitoriseichel sowie die sie direkt umgebenden Strukturen können als Zentrum der Generierung der weiblichen Lust betrachtet werden. Als weitere sensible Strukturen mit erogener Bedeutung werden die Zervix, die weibliche Prostata, der Ausgang der Harnröhre sowie die Faszien und Septen des kleinen Beckens diskutiert.

Klinische Bedeutung der Klitoris

In den letzten Jahren ist die Nachfrage nach kosmetischen vulvovaginalen Eingriffen angestiegen. Insbesondere die Labienkorrektur mit oder ohne Vorhautresektion kann zu einer Gefährdung oder Zerstörung der klitoralen oder vulvären Innervation führen. Patientinnen müssen präoperativ genaustens über den Verlauf des Bulboklitoralorgans aufgeklärt werden, inklusive dessen Innervation und dass eine Operation potenziell zu Sensibilitätsverlusten führen kann. In den meisten Operationsaufklärungen und Skizzen der Vulva wird die Klitoris jedoch selten erwähnt oder lediglich die Glans clitoridis, was nicht der ganzen Ausdehnung des Bulboklitoralorgans entspricht. Nicht nur ästhetische Eingriffe an der Vulva können das Bulboklitoralorgan gefährden. Operationsgebiete von häufigeren Operationen wie beispielsweise eine Marsupialisation (in diesem Fall in der Nähe der Vorhofbulben) können das Bulboklitoralorgan betreffen und dementsprechend müssen die Patientinnen darüber aufgeklärt werden.

Die Vagina: Mehr als nur ein Geburtskanal

Die Scheide - wie ist die Vagina aufgebaut und welche Funktionen erfüllt sie?Als Scheide oder Vagina bezeichnet man die aus Muskeln und Schleimhaut bestehende Verbindung zwischen Scheideneingang (Vulva) und Gebärmutterhals. Die Vagina gehört zu den inneren Geschlechtsorganen der Frau, so wie die Gebärmutter (Uterus), die Eierstöcke (Ovarien) und die Eileiter (Tuben). Ihre besonders dehnbare und mit Muskeln umschlossene Schleimhaut erfüllt verschiedene Funktionen zur Steigerung der Lust, als Leiter bei der Geburt und zum Schutz der inneren Organe. Viele Frauen kennen den anatomischen Aufbau und die Funktionen der äußeren und inneren Geschlechtsorgane nicht im Detail, was häufig zu falschen Pflegemaßnahmen führt.

Funktionen der Vagina

Als Teil des Geburtskanals ist die Vagina besonders dehnbar und widerstandsfähig. Sie dient zur Aufnahme des Penis während des Geschlechtsverkehrs und leitet bei gebärfähigen Frauen Spermien an die Gebärmutter weiter. Außerdem dient die Scheide als Kanal zur Abführung von abgestorbenen Zellen bei ausbleibender Befruchtung. Während der Menstruation leitet das Menstruationsblut abgestorbene Zellen aus der Gebärmutter über die Scheide nach außen. Obwohl die Vagina als Sex- und Lustzentrum gilt, befinden sich nur wenige Nervenenden und keine sensorischen Zellen auf dem Organ. Die Empfindsamkeit beim Geschlechtsverkehr geht eigentlich auf die Organe der Vulva zurück. Da die Klitoris sowohl äußerlich als auch innerlich über die Vagina stimuliert werden kann, spielt das Organ bei der sexuellen Erregung der Frau dennoch eine wichtige Rolle.

Aufbau der Vagina

Die Vagina ist nicht mit der Vulva zu verwechseln, die äußere Organe wie Schamlippen und Klitoris bezeichnet. Korrekt verwendet man den Begriff Vagina ausschließlich für den schlauchförmigen Gang zwischen Gebärmutterhals und Scheidenvorhof, der auch Teil des Geburtskanals bei Neugeborenen ist. Das Organ besteht aus schlauchförmigen Muskeln und Bindegewebe, das von innen mit einer sehr dehnbaren Schleimhaut ausgekleidet ist. Im Ruhezustand beträgt die Länge der Scheide etwa 6 bis 9,5 cm, im gedehnten Zustand liegt der Mittelwert bei 13 cm. An der vorderen und hinteren Vaginawand befinden sich jeweils sogenannte Scheidenrunzeln (Rugae vaginales), die die Empfindsamkeit und Dehnbarkeit des Organs erhöhen. Vom Uterus her ragt die sogenannte Portio (Portio vaginalis uteri) in das Scheidengewölbe (Fornix vaginae) der Vagina, die den Beginn des Gebärmutterkanals markiert und diesen durch den Muttermund von der Vagina abgrenzt. Über Sehnen und Bindegewebe ist die Vagina in der Bauchhöhle mit dem Mastdarm und der Harnblase verbunden.

Schleimhaut der Vagina

Die Vaginawand besteht aus glatten Muskeln, die gitterartig von quergestreiften Muskeln umschlossen werden. Diese sogenannten Levatorschenkel ermöglichen eine Verengung der Vagina und können gezielt kontrahiert werden. Innen ist die etwa 3 mm dicke Wand der Vagina mit einer mehrschichtigen Schleimhaut ausgekleidet. Die kutane Schleimhaut der Vagina verfügt über keine Drüsen. Vaginasekrete entstehen über Drüsen an der Vulva, in der Zervix (Zervixschleim) und durch glykogenhaltige Epithelzellen, die durch die durchlässige Schleimhaut der Vagina abgegeben werden und die Scheide so dauerhaft feucht halten. Durch den hohen Glykogenanteil können sich in der Vagina sogenannte Döderlein-Bakterien ansiedeln, die Milchsäure produzieren und das Scheidenklima so leicht sauer und antibakteriell halten.

Sexuelle Erregung der Vagina

Die Vagina wird von Nervenenden umgeben, die sowohl auf Dehnung als auch auf Reibung reagieren. Bei sexueller Erregung wird die Durchblutung von Vagina und Vulva angeregt und das obere Drittel der Vagina glättet und dehnt sich aus. Die Schwellkörper der Klitoris verengen die Vagina im vorderen Drittel und erhöhen die Empfindsamkeit rund um den sogenannten G-Punkt (medizinisch Gräfenberg-Zone), der sich an der oberen Vaginalwand befindet. Die vermehrte Durchblutung der Organe regt außerdem Vulva-Drüsen und Vaginalschleimhaut zur Sekretproduktion an, sodass die Vagina spürbar feuchter und gleitfähiger wird.

Vaginalmilieu

Der Zervixschleim, das Transsudat der Schleimhaut und glykogenhaltige Epithelzellen bilden gemeinsam einen Nährboden für Döderlein-Bakterien in der Vagina, die Glykogen in Milchsäure umwandeln. Der Milchsäureanteil in der Vagina beträgt bei gesunden und geschlechtsreifen Frauen etwa 0,5 %. Durch vorhandene Milchsäure ist die Flora der Vagina mit einem pH-Wert von 4 bis 4,5 leicht sauer. Äußere Hautzellen haben zum Vergleich einen pH-Wert von 6 bis 7, während im nüchternen Magen üblicherweise ein saurer pH-Wert zwischen 1 und 2 herrscht. Das säuerliche Scheidenmilieu der Vagina bildet einen wirksamen Schutz vor Infektionen durch Viren, Bakterien und Pilzen.

Hormoneinfluss auf die Vagina

Die Schleimhaut der Vagina verändert sich zyklisch und wird vor allem durch Östrogene beeinflusst. Je höher der Östrogenspiegel, desto stärker werden Epithelzellen gebildet. Der natürliche Östrogenabfall nach dem Eisprung regt dagegen die Abschilfung von Epithelzellen aus der Schleimhaut an. Zusammensetzung und Menge des natürilchen Ausflusses aus der Vagina variieren deshalb zyklusbedingt und verändern sich auch während und nach der Menopause abhängig vom Hormonspiegel.

Veränderungen der Vagina in den Wechseljahren

Während der Menopause wird die Produktion von Östrogen und Progesteron in den Eierstöcken und in der Gebärmutter langsam eingestellt, sodass der menstruelle Zyklus ausbleibt. Der mit Östrogenmangel einhergehende Rückgang des Vaginalepithels wirkt sich direkt auf den Glykogenanteil im Sekret der Vagina und somit auf das Scheidenmilieu aus. In den Wechseljahren leiden deshalb viele Frauen unter Scheidentrockenheit, die sich durch Spannungsgefühle, Jucken oder Brennen im Bereich der Vagina äußern kann. Auch ein veränderter Ausfluss weist auf ein anfälliges Milieu in der Vagina hin. Steigt der pH-Wert über Normalwerte von 4 bis 4,5, können sich Infektionen in der Vagina leichter ansiedeln und ausbreiten. Die verminderte Sekretproduktion während der Wechseljahre kann außerdem zu Schmerzen beim Geschlechtsverkehr führen, was sich durch den Einsatz von hygienischem Gleitmittel beheben lässt.

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