Ein Schlaganfall ist ein medizinischer Notfall, der sofortiges Handeln erfordert. Die Symptome und Risikofaktoren können sich jedoch bei Männern und Frauen unterscheiden. Dieser Artikel beleuchtet die Unterschiede, um eine schnellere Erkennung und gezieltere Behandlung zu ermöglichen.
Schlaganfall: Ein Überblick
Ein Schlaganfall (Apoplex) tritt auf, wenn die Blutversorgung des Gehirns unterbrochen wird, was zu einer Mangeldurchblutung und dem Absterben von Hirnzellen führt. Es gibt hauptsächlich zwei Arten von Schlaganfällen:
- Ischämischer Schlaganfall: Verursacht durch eine Verstopfung einer Arterie im Gehirn, meist durch ein Blutgerinnsel. 80 Prozent der Schlaganfälle sind ischämisch.
- Hämorrhagischer Schlaganfall: Verursacht durch eine Blutung im Gehirn, die Druck auf das umliegende Gewebe ausübt.
Allgemeine Schlaganfall-Symptome
Es ist wichtig, die allgemeinen Symptome eines Schlaganfalls zu kennen, die bei beiden Geschlechtern auftreten können:
- Plötzliche Schwäche oder Lähmung: Betrifft meist eine Körperseite, insbesondere Gesicht, Arm oder Bein. Ein herabhängender Mundwinkel kann ein Zeichen für eine Halbseitenlähmung sein.
- Sprachstörungen: Schwierigkeiten beim Sprechen, Verstehen oder Nachsprechen von Sätzen. Eine verwaschene oder lallende Sprache kann ebenfalls auftreten.
- Sehstörungen: Plötzliche Einschränkung des Sichtfeldes, Doppeltsehen oder Verlust des Sehvermögens.
- Schwindel: Plötzlicher, heftiger Schwindel, oft in Kombination mit Gangunsicherheit. Es kann sich um Drehschwindel oder Schwankschwindel handeln.
- Starke Kopfschmerzen: Plötzliche, heftige Kopfschmerzen, oft in Verbindung mit Übelkeit und Erbrechen.
- Verwirrtheit: Plötzliche Verwirrung oder Bewusstseinsveränderungen.
- Taubheitsgefühle: Kribbeln oder Taubheit in Armen und Beinen.
- Schluckbeschwerden: Schwierigkeiten beim Schlucken.
Spezifische Unterschiede in den Symptomen zwischen Frauen und Männern
Obwohl viele Schlaganfall-Symptome bei Männern und Frauen gleich sind, gibt es einige wichtige Unterschiede. Frauen zeigen häufig zusätzliche Beschwerden, die die typischen Anzeichen verdecken können. Eine Studie von 2025 bestätigt die Unterschiede bei Schlaganfallsymptomen zwischen Frauen und Männern.
Spezifische Symptome bei Frauen:
- Kopfschmerzen: Starke Kopfschmerzen können ein frühes Anzeichen sein.
- Glieder- und Gelenkschmerzen: Ähnlich wie bei einem grippalen Infekt.
- Brustschmerzen: Können auftreten und fälschlicherweise als Herzproblem interpretiert werden.
- Verwirrtheit: Stärker ausgeprägt als bei Männern.
- Schluckstörungen, Schluckauf: Treten häufiger auf.
- Kurzatmigkeit, Atemnot: Können als unspezifische Symptome wahrgenommen werden.
- Krämpfe: Sind bei Frauen häufiger zu beobachten.
- Schwächeanfälle: Plötzliche Schwächeanfälle oder Ohnmacht.
- Harninkontinenz: Unwillkürlicher Harnverlust.
- Neglect und Blickabweichung: Laut Fachbeirat Thomalla sind diese Symptome starke Hinweise auf einen Schlaganfall bei Frauen.
Wichtiger Hinweis: Frauen, die bereits an Migräne leiden, insbesondere Migräne mit Aura, sollten besonders aufmerksam sein, da die Symptome ähnlich sein können. Migräne mit Aura kann Symptome wie Schwindel, Übelkeit oder Sehstörungen verursachen. Diese Form der Migräne erhöht nachweislich das Risiko einer plötzlichen Durchblutungsstörung im Gehirn.
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Geschlechtsspezifische Risikofaktoren
Einige Risikofaktoren begünstigen besonders bei Frauen Schlaganfälle:
- Vorhofflimmern: Betroffene Frauen bekommen doppelt so häufig einen Schlaganfall wie Männer mit Vorhofflimmern. Es ist eine Herzrhythmusstörung, bei der das Herz zu schnell und unregelmäßig schlägt. Frauen sollten deshalb ihr Herz regelmäßig untersuchen lassen, insbesondere auf Vorhofflimmern.
- Diabetes: Frauen mit Diabetes sind stärker gefährdet als Männer.
- Migräne mit Aura: Erhöht zwar für Männer und Frauen das Risiko, einen Schlaganfall zu bekommen, aber Frauen sind häufiger von Migräne betroffen als Männer.
- Hormonelle Faktoren:
- Behandlung mit Hormonen, beispielsweise zur Verhütung oder zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden.
- Ein später Eintritt in die Wechseljahre.
- Bluthochdruck in Verbindung mit einer Schwangerschaft.
- Früh- und Totgeburten.
- Alter: Mit dem Alter steigt das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden. Die höhere Lebenserwartung von Frauen führt dazu, dass ein Schlaganfall bei ihnen insgesamt häufiger vorkommt. Außerdem trägt das höhere Alter dazu bei, dass ein Hirnschlag bei Frauen oft schwerer verläuft.
Ursachen für unterschiedliche Symptome und Risikofaktoren
Ein Grund für die oft unterschiedlichen Schlaganfall-Symptome bei Männern und Frauen könnte sein, dass Frauen häufiger Schlaganfälle durch Blutgerinnsel aus dem Herzen erleiden. Bei diesen sogenannten kardioembolischen Schlaganfällen bildet sich ein Blutgerinnsel im Herzen - meist bei einer Herzrhythmusstörung wie Vorhofflimmern. Für Thomalla ist das ein Hinweis darauf, dass es geschlechtsspezifische Unterschiede im Entstehen und Verlauf von Schlaganfällen geben könnte.
Was tun bei Verdacht auf einen Schlaganfall?
Wenn Sie bei sich oder bei einer anderen Person mögliche Symptome eines Schlaganfalls bemerken, sollten Sie unmittelbar handeln. Rufen Sie sofort den ärztlichen Notdienst unter der europaweit gültigen Notrufnummer 112. Je mehr Zeit nach dem akuten Schlaganfall verstreicht, umso schwerwiegender können die Folgen sein, da Hirnzellen bei fehlender Sauerstoffversorgung innerhalb weniger Minuten absterben.
FAST-Test:
Eine einfache Test-Methode, mit der Sie einen Schlaganfall schnell erkennen können, ist der sogenannte FAST-Test:
- F (Face): Bitten Sie die Person zu lächeln. Ist das Gesicht dabei einseitig verzogen?
- A (Arms): Bitten Sie die Person, die Augen zu schließen, beide Arme gleichzeitig in die Waagerechte zu heben, die Handflächen nach oben zu drehen und die Position zu halten. Kann die Person die Arme nicht gleichmäßig heben oder sinkt ein Arm ab?
- S (Speech): Lassen Sie die Person einen einfachen Satz nachsprechen. Ist sie dazu nicht in der Lage oder klingt die Stimme verwaschen? Versteht die Person die Aufforderung nicht?
- T (Time): Wenn eines oder sogar mehrere dieser Symptome auftreten, zählt jede Minute. Rufen Sie sofort unter 112 den Notarzt.
Behandlung und Nachsorge
Bei einem akuten Schlaganfall werden die Betroffenen idealerweise auf einer Spezialstation, einer sogenannten Stroke Unit, behandelt. Unmittelbar nach Einlieferung wird per CT oder MRT des Kopfes festgestellt, ob es sich um einen Hirninfarkt (ischämischer Schlaganfall) oder eine Hirnblutung handelt.
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Behandlungsmethoden:
- Thrombolyse: Bei einem Hirninfarkt muss die Durchblutung des betroffenen Gehirnbereichs so schnell wie möglich wiederhergestellt werden. Eine Methode ist die Thrombolyse, bei der ein das Gerinnsel auflösendes Medikament verabreicht wird.
- Thrombektomie: Bei größeren Blutgerinnseln wird eine Thrombektomie durchgeführt, bei der das Gerinnsel mit einem Katheter entfernt wird.
- Behandlung von Hirnblutungen: Bei einer Hirnblutung muss die Blutung zum Stillstand gebracht werden. In manchen Fällen ist eine Operation erforderlich, um das Blut zu entfernen und den Druck auf das Gehirn zu reduzieren.
Nachsorge:
Nach einem Schlaganfall ist eine langfristige Nachbehandlung wichtig, um Langzeitschäden so gering wie möglich zu halten. Die Rehabilitation sollte möglichst schon in den ersten Tagen in der Klinik beginnen. Häufig treten zum Beispiel gefährliche Schluckstörungen auf, die in der Frühphase erkannt und behandelt werden müssen. Auch Depressionen gehören zu den häufigsten Komplikationen nach einem Schlaganfall.
Um einem erneuten Schlaganfall vorzubeugen, sollten bei Risikopatienten regelmäßig der Blutdruck, die Cholesterinwerte und der Blutzucker überprüft und eingestellt werden. Auch eine Umstellung des Lebensstils mit viel Bewegung, gesünderer Ernährung und ohne Rauchen kann das Risiko eines erneuten Schlaganfalls verringern.
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