Schlechte Nerven und Unkonzentriertheit in der Schwangerschaft: Ursachen, Symptome und Bewältigungsstrategien

Die Schwangerschaft ist eine Zeit großer Veränderungen - sowohl körperlich als auch emotional. Während viele Frauen diese Zeit als eine freudige Erfahrung erleben, können andere mit Herausforderungen wie schlechten Nerven, Unkonzentriertheit und innerer Unruhe zu kämpfen haben. Diese Symptome können durch eine Vielzahl von Faktoren verursacht werden, darunter hormonelle Veränderungen, Stress und Reizüberflutung. In diesem Artikel werden wir die Ursachen und Symptome von schlechten Nerven und Unkonzentriertheit in der Schwangerschaft untersuchen und Strategien zur Bewältigung dieser Herausforderungen aufzeigen.

Hormonelle Veränderungen und ihre Auswirkungen auf die Psyche

Die Schwangerschaft ist mit einer erheblichen Umstellung des Hormonhaushalts verbunden. Der Progesteronspiegel steigt um das 10- bis 15-fache, und der Körper der Frau wird mit Östrogenen in einer Menge überflutet, die die gesamte Produktion während des restlichen Lebens übersteigt. Diese dramatischen Veränderungen haben Auswirkungen auf Herzleistung, Blutvolumen, Resorption von Nährstoffen im Darm und Stoffwechsel.

Wenig beachtet wurden bisher die Auswirkungen der Hormone auf das Gehirn. Studien haben jedoch gezeigt, dass während der Schwangerschaft Veränderungen in Hirnarealen der sozialen Kognition auftreten, die möglicherweise die spätere Fürsorge der Mutter für das Kind beeinflussen. Es kommt zu einer leichten Volumenabnahme in Arealen des präfrontalen und des temporalen Cortex, die für soziale kognitive Leistungen zuständig sind. Diese Veränderungen führen jedoch nicht zu einem Verlust kognitiver Fähigkeiten, sondern könnten die mütterliche Bindung an das Kind fördern.

Die hormonellen Veränderungen können auch zu Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit und innerer Unruhe führen. Viele Schwangere erleben emotionale Extreme wie große Traurigkeit, Ängste und Grübeleien.

Stress und seine Folgen für Mutter und Kind

Stress ist ein weiterer Faktor, der zu schlechten Nerven und Unkonzentriertheit in der Schwangerschaft beitragen kann. Stress der Mutter kann dazu führen, dass ihr Kind schneller gestresst ist, aber unter Stress auch vergleichsweise gute Leistungen erbringt. Pränataler Stress könnte sogar den geistigen Abbau im Alter bedingen.

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Unter Stress wird im Körper Cortisol ausgeschüttet. Etwa zehn Prozent des Hormons passieren die Plazentaschranke und erreichen das kindliche Gehirn. Studien haben gezeigt, dass Kinder von Müttern, die während der Schwangerschaft Stresshormone bekamen, auch mit acht Jahren noch wesentlich stressempfindlicher waren. Zudem wurde bei diesen Kindern häufiger ein Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom festgestellt.

Nicht nur Stress, sondern auch spezifische Emotionen wie die Angst der Mutter in der Schwangerschaft hinterlassen Spuren im Kind. Kinder von Müttern, die während der Schwangerschaft sehr ängstlich waren, schrien in den ersten Lebensmonaten viel und schliefen und aßen besonders unregelmäßig. Auch als Jugendliche sind sie impulsiver und können sich schlechter konzentrieren.

Reizüberflutung und Hochsensibilität in der Schwangerschaft

Lichter, Töne, Farben, Gerüche und Aromen werden in der Werbung gerne als Explosion der Sinne beworben - für hochsensible Menschen kann dieser Schwall an Reizen allerdings zu einem unangenehmen Zustand führen, der sie im Alltag überfordert. Zu viele Eindrücke strömen zur gleichen Zeit auf das Gehirn ein, die Grenzen der Wahrnehmung werden erreicht und schneller als bei normal sensiblen Menschen überschritten.

Unser Gehirn muss jeden Tag unzählige akustische und optische Reize verarbeiten, das gilt vor allem bei einem Leben in der Großstadt. Lärm steht dabei im Vordergrund, ein Lärm, der sich aus Tausenden Geräuschen zusammensetzt. Viele Alltagsgeräusche nehmen wir deshalb nicht mehr bewusst wahr, weil unser Gehirn sie einfach herausfiltert. Bei einer Reizüberflutung befindet sich der Körper im Dauerstress.

Bei Frauen gibt es mit der Schwangerschaft und den Wechseljahren zwei Phasen besonderer Gefährdung für Reizüberflutung. Hochsensible Menschen weisen häufig Konzentrationsschwierigkeiten, Schlafstörungen, Ängste und Aggressionen auf. Im Extremfall kann es zu Depressionen, chronischen Schmerzzuständen, Migräne und sogar dem Burnout-Syndrom kommen.

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Symptome von schlechten Nerven und Unkonzentriertheit in der Schwangerschaft

Die Symptome von schlechten Nerven und Unkonzentriertheit in der Schwangerschaft können vielfältig sein und von Frau zu Frau unterschiedlich ausgeprägt sein. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Konzentrationsschwierigkeiten: Es fällt schwer, sich auf Aufgaben zu konzentrieren oder sich Dinge zu merken.
  • Schlafstörungen: Schwierigkeiten beim Ein- oder Durchschlafen, unruhiger Schlaf.
  • Ängste und Sorgen: Übermäßige Sorgen um die Gesundheit des Babys, die Geburt oder die Zukunft als Mutter.
  • Reizbarkeit und Stimmungsschwankungen: Schnelle Wechsel zwischen Freude, Traurigkeit, Wut und Gereiztheit.
  • Innere Unruhe: Ein Gefühl ständiger Anspannung und Nervosität, Schwierigkeiten beim Entspannen.
  • Körperliche Beschwerden: Kopfschmerzen, Müdigkeit, Herzklopfen, Kribbeln im Körper, wacklige Beine.

Bewältigungsstrategien für schlechte Nerven und Unkonzentriertheit in der Schwangerschaft

Obwohl schlechte Nerven und Unkonzentriertheit in der Schwangerschaft belastend sein können, gibt es verschiedene Strategien, die helfen können, diese Herausforderungen zu bewältigen:

  • Stress reduzieren: Vermeiden Sie Stressoren, soweit dies möglich ist. Planen Sie regelmäßige Entspannungszeiten ein, z.B. durch Yoga, Meditation oder Spaziergänge in der Natur.
  • Ausreichend schlafen: Achten Sie auf ausreichend Schlaf und eine gute Schlafhygiene. Schlafen Sie, wenn das Kind schläft.
  • Gesunde Ernährung: Essen Sie vollwertige und regelmäßige Mahlzeiten. Vermeiden Sie übermäßigen Konsum von Koffein, Nikotin und Alkohol. Achten Sie auf eine ausreichende Eisenversorgung.
  • Bewegung: Regelmäßige Bewegung hilft, Spannungen abzubauen und das allgemeine Wohlbefinden zu steigern.
  • Achtsamkeit: Praktizieren Sie Achtsamkeitsübungen, um den Geist zu beruhigen und Stress abzubauen.
  • Gespräche: Sprechen Sie mit Ihrem Partner, Ihrer Familie oder Freunden über Ihre Sorgen und Ängste. Suchen Sie bei Bedarf professionelle Hilfe.
  • Ruhephasen: Gönnen Sie Ihrem Gehirn regelmäßig Ruhephasen, in denen jeder mögliche Reiz von außen ausgeschlossen wird. Kein Handy, kein Fernseher, kein Laptop und vor allem kein Multi Tasking.
  • Innere Stimme: Schützen Sie Ihr Gehirn vor Auslösern durch die innere Stimme. Mit einem inneren Summen lässt der Resonanzkörper im Kopf Geräusche von außen verstummen oder zumindest leiser werden.

Schwangerschaftsdepression und wann man ärztliche Hilfe suchen sollte

Nehmen die Ängste oder Sorgen überhand und der Stimmungswechsel zu positiven Gefühlen wie Freude bleibt aus, spricht man von einer Schwangerschaftsdepression. In der Medizin nennt man diese Erkrankung auch Antepartum-Depression.

Die wichtigsten Symptome, an denen Sie eine Depression erkennen können, sind emotionale Extreme wie große Traurigkeit, zahlreiche Ängste und Grübeleien sowie der Verlust von Interesse und Freude. Außerdem können Betroffene an Appetitlosigkeit, Antriebslosigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten leiden. Zusätzlich werden sie schneller müde oder durchleben weitere psychische Beschwerden wie Schuldgefühle, Selbstzweifel und Schlafstörungen.

Wenn Sie unter einer Schwangerschaftsdepression leiden, ist es wichtig, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, Ihrer Hebamme oder einem Psychotherapeuten. Eine Schwangerschaftsdepression ist gut behandelbar, und es gibt verschiedene Therapieansätze, die Ihnen helfen können.

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Schwangerschaftsdemenz: Vergesslichkeit in der Schwangerschaft

Die Schwangerschaftsdemenz oder auch Stilldemenz ist keine wirkliche Demenz, bei der Gehirnzellen unwiederbringlich absterben. Stattdessen sind die Hormone schuld daran, dass schwangere und stillende Frauen öfter etwas vergessen.

Hauptverantwortlich scheinen die Hormone zu sein. Insbesondere gegen Ende der Schwangerschaft und nach der Geburt tut sich in Sachen Hormonspiegel im weiblichen Körper nochmal einiges: Die Spiegel von Progesteron und Östrogen fallen mit der Geburt des Kindes und dem Abstoßen der Plazenta ab, während jene von Oxytocin und Prolaktin ansteigen. Letztere fördern die Bindung zwischen Mutter und Kind. Deshalb vermuten Wissenschaftler, dass die Aufmerksamkeit der Frau nun so sehr auf das Baby gerichtet ist, dass alltägliche Handlungen und Abläufe einfach zu kurz kommen oder schlicht vergessen werden.

Zusätzlich kann das Stresshormon Kortisol eine Schwangerschaftsdemenz begünstigen. Steigt der Kortisolspiegel, nimmt die Vergesslichkeit zu. Insbesondere Schlafprobleme, mit denen viele Schwangere vor allem gegen Ende der Schwangerschaft zu kämpfen haben, treiben die Kortisolwerte in die Höhe.

Mit ein paar kleinen Verhaltensänderungen lassen sich die Symptome der Schwangerschaftsdemenz etwas lindern: Stress vermeiden, ausreichend Schlaf und Ruhe, vollwertige und regelmäßige Mahlzeiten, viel Flüssigkeit und Stillen (hemmt die Ausschüttung von Kortisol). Notieren Sie sich wichtige Termine oder Aufgaben, die zu erledigen sind. Fördern Sie Ihr Gedächtnis etwa durch Lesen oder Kreuzworträtsel.

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