Hormone und Neurotransmitter spielen eine entscheidende Rolle in unserem Körper und beeinflussen sowohl unsere körperlichen Funktionen als auch unsere psychische Gesundheit. Dopamin, ein zentraler Botenstoff, ist hierbei von besonderer Bedeutung. Dieser Artikel beleuchtet die vielschichtigen Zusammenhänge zwischen Dopamin, Emotionen, Verhalten und psychischen Erkrankungen wie Depressionen und Sucht.
Die Rolle von Hormonen und Neurotransmittern
Hormone steuern unseren Körper in vielerlei Hinsicht, von Lust und Energie bis hin zu Hunger und Müdigkeit. Einige dieser Stoffe werden über die Blutbahnen transportiert, andere, wie Dopamin, über das Nervensystem. Dopamin ist unter anderem wichtig für die Signalübermittlung zwischen Gehirn und Muskulatur und spielt daher im Bewegungszentrum des Gehirns eine zentrale Rolle.
Dopamin und seine Funktionen
Dopamin ist ein Neurotransmitter, der für eine Vielzahl von lebensnotwendigen Steuerungs- und Regelungsvorgängen benötigt wird. Es verursacht Motivation und aktiviert das Belohnungssystem im Gehirn. Drogen und Suchtmittel aktivieren dieses System durch Dopamin deutlich stärker als natürliche Belohnungen. Dopamin spielt auch beim Lernen eine wichtige Rolle.
Dopamin bei Parkinson
Bei Parkinson verkümmert die Dopaminbildung, wodurch dem Körper dieser zentrale Botenstoff fehlt. Medikamente, die die gleiche Wirkung wie Dopamin haben, können den Verlust ausgleichen und dem Körper helfen, vorerst weiter zu funktionieren. Allerdings ist Parkinson eine unheilbare Krankheit, bei der die Betroffenen Stück für Stück die Kontrolle über ihren Körper verlieren.
Dopamin und Risikobereitschaft
Die Neurologin Stephanie Hirschbichler erforscht, wie Dopamin unsere Risikobereitschaft beeinflusst. In einem Experiment erhielten Probanden entweder ein Mittel, das ihren Dopaminspiegel erhöht, ein Mittel, das den Dopaminspiegel senkt, oder ein Placebo. Anschließend trafen sie in einem Spiel Risiko-Entscheidungen. Das Ergebnis: Je mehr Dopamin, desto risikofreudiger! Dies kann auch als Nebenwirkung von Parkinsonmedikamenten auftreten, da diese sich im gesamten Gehirn verteilen.
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Dopamin und Emotionen
Hormone können unser Gehirn nachhaltig verändern und damit auch unsere Emotionen beeinflussen. Nach der Entbindung kann ein krasser Hormonsturz zu Stress, Schuldgefühlen und dem Gefühl führen, keine gute Mutter zu sein. Studien deuten darauf hin, dass höhere Cortisolspiegel bei der Mutter in der Schwangerschaft Veränderungen im Stresssystem des Kindes verursachen können.
Dopamin und Sucht
Die neuere Forschung betrachtet Sucht als körperliche Erkrankung, bei der das menschliche Gehirn im Zentrum steht. Fortschritte in den Neurowissenschaften haben Sucht als eine chronische Gehirnerkrankung mit starken genetischen, neuronalen und soziokulturellen Komponenten identifiziert.
Das Belohnungssystem
Das Belohnungssystem unseres Gehirns, ein weit verzweigtes Netz aus Hirnarealen und Neuronen, giert nach Belohnung. Dopamin ist der wichtigste Mitspieler in diesem System. Drogen und Suchtmittel aktivieren das Belohnungssystem durch Dopamin deutlich stärker als natürliche Belohnungen.
Das Suchtgedächtnis
Unser Gehirn speichert, welche Stoffe oder Verhaltensweisen zu einer besonderen Belohnung geführt haben. Das Verlangen danach wird stärker, und das Vorderhirn wird durch neuronale Anpassungsprozesse nachhaltig verändert. Das enge Zusammenspiel von Reizverarbeitung, Kognition, Gedächtnis und Emotion kann zu einem Suchtverhalten führen, das nach und nach erlernt wird.
Die Folgen der Sucht
Je häufiger beispielsweise Alkohol, illegale Drogen oder Glücksspiel als Problemlöser dienen, desto stärker verfestigen sich diese Verhaltensmuster. Gleichzeitig wird die suchterkrankte Person immer sensibler für Reize, die mit der Aufnahme bestimmter Suchtstoffe in Verbindung stehen (Trigger). Beim Verzicht auf das Suchtmittel kann es zu Entzugserscheinungen kommen.
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Behandlung von Suchterkrankungen
Die Therapie einer Suchterkrankung ist abhängig von der Art der Sucht und der Ausprägung. Mögliche Therapien sind Beratung, Entgiftung, Entwöhnung, Psychotherapie, Selbsthilfegruppen und Medikamente. Ein Rückfall ist kein persönliches Versagen, sondern gehört zum Wesen einer Sucht.
Dopamin und Prokrastination
Prokrastination, das Aufschieben von Aufgaben, kann durch einen höheren Spiegel des Botenstoffs Dopamin im Gehirn verursacht werden. Eine Studie der Ruhr-Universität Bochum (RUB) und der TU Dresden ergab, dass Frauen genetisch leichter zur Prokrastination neigen als Männer, da Östrogen die Dopaminproduktion beeinflusst.
Dopamin und emotionaler Kater
Alkoholkonsum beeinflusst unser Gehirn und das Gleichgewicht der Neurochemikalien, die zu unserer Stimmung beitragen. Alkohol schüttet Wohlfühlchemikalien wie Dopamin aus, aber diese künstliche Stimmungsaufhellung verschwindet, wenn der Alkohol abgebaut wird, was zu einem emotionalen Kater führen kann.
Dopamin und Stress-Essen
Stress kann das Essverhalten beeinflussen, indem er entweder zu einer verminderten oder einer gesteigerten Nahrungsaufnahme führt. In stressigen Situationen greifen sogenannte „Stress-Esser“ häufiger zu fett- und zuckerreichen Lebensmitteln, was eine Gewichtszunahme begünstigen kann. Studien haben gezeigt, dass Stress mit einer neuronalen Aktivierung im Mittelhirn sowie im medialen orbitofrontalen Kortex (OFC) einhergeht, Regionen, die mit Belohnungsgefühlen bei der Nahrungsaufnahme in Verbindung stehen.
Die Rolle der Amygdala
Die Amygdala, ein Hirnareal, das insbesondere während emotionaler Situationen aktiv ist, scheint ebenfalls eine Rolle beim Stress-Essen zu spielen. Studien haben gezeigt, dass die Amygdalaaktivierung Essen ohne Hunger begünstigt.
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Chronischer Stress und Stress-Essen
Chronischer Stress scheint mehr zu einer zukünftigen Gewichtszunahme beizutragen als akuter Stress. Ein hoher Cortisolspiegel, das Stresshormon, geht oft mit einem erhöhten Verzehr von fettreichen Nahrungsmitteln, einer erhöhten Kalorienaufnahme, Gewichtszunahme, Übergewicht und einem gestörtem Essverhalten einher.
Dopamin und Alkohol
Alkohol kann die Freisetzung von Dopamin im Gehirn beschleunigen, was zu einem Gefühl der Euphorie führt. Langfristiger, zu starker Alkoholkonsum kann jedoch dazu führen, dass die Dopaminrezeptoren abgebaut werden, was zu einer Abhängigkeit führen kann. Der Alkohol wird als einzige (schnelle) Lösung des Problems wahrgenommen, ist aber gleichzeitig der Auslöser für den anschließend niedrigeren Dopaminspiegel.
Alkoholentzug
Ein abrupter Entzug von Alkohol kann zu einem starken Abfall der Dopaminkonzentration im Gehirn führen, was zu Entzugssymptomen wie Halluzinationen, Wahnvorstellungen und Reizbarkeit führen kann. Ein Alkoholentzug sollte daher unter ärztlicher Aufsicht stattfinden.
Die wahre Geschichte von Dopamin
Dopamin ist nicht nur ein „Glückshormon“, sondern ein vielseitiger Neurotransmitter, der an vielen wichtigen Funktionen beteiligt ist, darunter Bewegungskontrolle, Motivation, Lernen und Belohnung. Es ist wichtig, die wissenschaftlichen Erkenntnisse über Dopamin in nuancierten "Geschichten" zu verbreiten und zu vermitteln, wie man mit deren offenem Ende gut umgeht.
Depression
Eine Depression kann durch einen Mangel oder ein Ungleichgewicht an Überträgerstoffen wie Serotonin, Dopamin, Melatonin oder Noradrenalin zwischen den einzelnen Nervenzellen des Gehirns entstehen. Auch einschneidende negative Erlebnisse können eine Depression auslösen.
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