Bleibende Schäden nach Pneumokokken-Meningitis: Eine umfassende Betrachtung

Eine bakterielle Meningitis, insbesondere verursacht durch Pneumokokken, kann bei Kindern und Erwachsenen schwerwiegende Folgen haben. Diese reichen von Lernschwierigkeiten bis hin zu dauerhaften neurologischen Schäden. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte bleibender Schäden nach einer Pneumokokken-Meningitis, einschließlich der Auswirkungen auf die schulische und berufliche Laufbahn, der Häufigkeit des Auftretens, der Risikogruppen, der Prävention und der Behandlung.

Einführung

Die Meningitis, eine Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute, wird hauptsächlich durch Viren und Bakterien verursacht. Die bakterielle Meningitis, insbesondere durch Pneumokokken, Meningokokken oder Haemophilus influenzae verursacht, kann zu bleibenden Schäden führen, selbst wenn die Krankheit überlebt wird. Diese Schäden können die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.

Auswirkungen auf schulische und berufliche Laufbahn

Eine landesweite Kohortenstudie aus Dänemark hat gezeigt, dass Kinder, die an einer bakteriellen Meningitis erkranken, später seltener einen höheren Schulabschluss erreichen und im Erwerbsleben oft erfolglos bleiben. Die Studie untersuchte 2.784 Kinder, die in den Jahren 1977 bis 2007 an einer bakteriellen Meningitis erkrankt waren, und fand heraus, dass Meningokokken- und Pneumokokken-Erkrankungen besonders negative Auswirkungen auf den schulischen Erfolg haben. Kinder mit diesen Erkrankungen erreichten seltener einen höheren Schulabschluss (12 Jahre) als die Normalbevölkerung. Auch ein Hochschulabschluss wurde seltener erreicht.

Auch Nachteile in der beruflichen Laufbahn wurden nachgewiesen. Nach einer Meningitis durch Meningokokken, Pneumokokken oder H. Influenzae waren die Betroffenen seltener erwerbstätig oder bezogen häufiger eine Invalidenrente.

Casper Roed von der Universitätsklinik Kopenhagen konnte für alle drei Meningitis-Ursachen negative Auswirkungen auf den schulischen Erfolg nachweisen. Besonders deutlich war dies nach Erkrankungen durch Meningokokken und Pneumokokken: Die Kinder schafften zu 11 Prozent und 10,2 Prozent seltener einen höheren Schulabschluss (12 Jahre) als die Normalbevölkerung. Ein Hochschulabschluss wurde zu 7,9 und 8,9 Prozent seltener erreicht. Doch auch nach einer H. influenzae-Meningitis leidet die schulische Laufbahn. Der höhere Abschluss wurde zu 5,5 Prozent seltener und ein Hochschulabschluss zu 6,5 Prozent seltener erreicht.

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Häufige bleibende Schäden nach Pneumokokken-Meningitis

Zu den bekannten Folgen einer bakteriellen Meningitis zählen:

  • Hörverlust: Dies ist eine der häufigsten bleibenden Schäden nach einer Pneumokokken-Meningitis.
  • Anfallsleiden: Epileptische Anfälle können als Folge der Entzündung im Gehirn auftreten.
  • Motorische Defizite: Schwierigkeiten mit der Bewegung und Koordination können auftreten.
  • Kognitive Einschränkungen: Diese können sich in Lernschwierigkeiten, Gedächtnisproblemen und Konzentrationsstörungen äußern.
  • ZNS-Schäden: Schädigungen des zentralen Nervensystems können vielfältige neurologische Probleme verursachen.

Bei Kindern kann eine Meningitis bleibende Schäden wie Bewegungsstörungen, Hörschäden bis hin zur Taubheit oder Beeinträchtigung der geistigen Entwicklung nach sich ziehen.

Epidemiologie der Pneumokokken-Meningitis

Pneumokokken sind neben Meningokokken die häufigsten Erreger eitriger Meningitiden jenseits der Neonatalperiode. Vorwiegend betroffen sind Säuglinge und Kleinkinder. Die Letalität beträgt etwa 5 %, aber bei 25 % der Überlebenden treten bleibende Schäden auf.

Die Inzidenz aller invasiven Pneumokokken-Infektionen ist altersabhängig und weist zwei Gipfel auf: einen ersten bei Kindern bis zum Alter von 2 Jahren und einen zweiten bei älteren Personen ab 60 Jahren. Im Alter von 1 bis 5 Monaten betrug die Inzidenz in Deutschland vor Einführung des nationalen Impfprogramms 17,3 (pro 100.000 und Jahr), im Alter von 6 bis 11 Monaten 29,4 und bei Kindern im 2. Lebensjahr 16,3. Die Inzidenz der Pneumokokken-Meningitis lag bei Kindern unter 2 Jahren bei 7,6. Bei den zwei- bis vierjährigen Kindern betrugen die Inzidenzen 5,4 (alle invasiven Infektionen) bzw. 1,8 (Meningitis).

Insgesamt erkrankten in Deutschland jährlich geschätzt etwa 430 Kinder bis zum Alter von 16 Jahren an einer invasiven Pneumokokken-Infektion, davon 160 mit einer eitrigen Meningitis. Wegen der mutmaßlichen Untererfassung von Bakteriämien wurde die tatsächliche Zahl an invasiven Pneumokokken-Infektionen pro Jahr für Kinder bis 5 Jahre auf 970 (bis 2 Jahre: 660) geschätzt.

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Ferner traten durch invasive Pneumokokken-Infektionen jährlich ca. 19 Todesfälle bei Kindern bis 5 Jahren auf, davon 14 bei Kindern bis 2 Jahren, und 38 bzw. 29 Kinder litten an bleibenden Schäden.

Risikogruppen für Pneumokokken-Infektionen

Bestimmte Personengruppen haben ein höheres Risiko, an einer Pneumokokken-Meningitis zu erkranken:

  • Säuglinge und Kleinkinder: Ihr Immunsystem ist noch nicht vollständig entwickelt.
  • Ältere Menschen: Das Immunsystem ist oft geschwächt.
  • Patienten mit Asplenie: Menschen ohne Milz haben eine reduzierte Fähigkeit, bakterielle Infektionen abzuwehren.
  • Patienten mit Immundefekten: Verschiedene Immundefekte können die Anfälligkeit für Pneumokokken-Infektionen erhöhen.
  • Patienten mit chronischen Erkrankungen: Diabetes, chronische Lungen- oder Herzerkrankungen erhöhen das Risiko.

Prävention durch Impfung

Seit Ende 2007 wurde ein anhaltender Rückgang von invasiven Pneumokokken-Infektionen bei Kindern in den ersten 5 Lebensjahren registriert. Zunächst waren dies insbesondere die 7 Serotypen, die im 7-valenten Konjugatimpfstoff enthalten waren. Nach Einführung des erweiterten 13-valenten Konjugatimpfstoffs gingen auch invasive Infektionen durch die zusätzlichen 6 Serotypen zurück. Dies ist ein Erfolg des Impfprogramms in den ersten beiden Lebensjahren und seine indirekten Auswirkungen auch auf andere Altersgruppen.

Im epidemiologischen Jahr Juli 2017 bis Juni 2018 waren ca. 20 % der invasiven Pneumokokkeninfektionen bei Kindern <2 Jahren durch Serotypen der 13-valenten Konjugatvakzine verursacht, die übrigen durch nicht impfpräventable Serotypen. Von 2008 bis 2018 wurde eine Zunahme invasiver Pneumokokken-Infektionen durch diese nicht im 13-valenten Konjugatimpfstoff enthaltenen Serotypen von ca. 40 auf 80 Fälle pro Jahr bei Kindern unter 2 Jahren beobachtet, was einen ursächlichen Zusammenhang mit dem Impfprogramm haben kann (“Replacement”) oder aber durch verändertes Meldeverhalten bedingt sein kann. Diese Zunahme ist geringer als die Abnahme der Krankheitsfälle durch Impfstoff-Serotypen.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Pneumokokken-Impfung für:

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  • Alle Säuglinge und Kleinkinder ab dem zweiten vollendeten Lebensmonat.
  • Personen ab 60 Jahren.
  • Personen mit bestimmten chronischen Erkrankungen oder Immundefekten.

Die Impfung schützt vor den häufigsten Serotypen von Pneumokokken, die invasive Erkrankungen verursachen können.

Diagnose und Behandlung

Bei Verdacht auf Meningitis ist eine schnelle Diagnose entscheidend. Die Diagnose erfolgt in der Regel durch eine Lumbalpunktion, bei der Liquor (Nervenwasser) entnommen und untersucht wird. Im Liquor können Bakterien nachgewiesen und identifiziert werden.

Die Behandlung der Pneumokokken-Meningitis erfolgt mit Antibiotika. Aufgrund zunehmender Resistenzen sind Cephalosporine (z.B. Cefotaxim oder Ceftriaxon i.v.) oder Glykopeptid-Antibiotika (z.B. Vancomycin) die Therapie der ersten Wahl. Vancomycin eignet sich auch für Patienten mit Penicillinallergie. Zusätzlich kann Dexamethason verabreicht werden, um Entzündungen zu reduzieren und das Risiko von bleibenden Schäden zu verringern.

Prävention weiterer Infektionen bei Risikopatienten

Bei Patienten mit Asplenie oder Immundefekten kann durch konsequente Penicillin- bzw. Amoxicillinprophylaxe in Ergänzung zur Impfung das Risiko von invasiven Pneumokokken-Infektionen reduziert werden.

Die Rolle von Pneumokokken

Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae) sind Bakterien, die eine Polysaccharidkapsel besitzen, deren antigene Unterschiede eine Unterteilung in mehr als 90 Serotypen erlaubt. Sie leben auf der Schleimhaut des Nasenrachenraums des Menschen und verursachen normalerweise keine Symptome, da sie vom Immunsystem gut in Schach gehalten werden können. Die Besiedlung des Nasenrachenraums mit Pneumokokken erfolgt sehr früh, etwa bis zum 6. Lebensmonat. Nach Schätzungen der ECDC (European Centre of Disease Prevention and Control) sind etwa 20 - 40 % der Kinder und 5 - 10 % der Erwachsenen symptomlose Träger von Pneumokokken.

Breiten sich die Bakterien vom Nasenrachenraum aus, können sie Krankheiten der oberen und unteren Atemwege verursachen, wie Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis), Mittelohrentzündung (Otitis media) und Lungenentzündung (Pneumonie). Gefährlich wird es, wenn sich die Bakterien in sonst sterile Körperflüssigkeiten ausbreiten, wie Blut und Hirnflüssigkeit, so entwickelt sich eine sogenannte invasive Pneumokokken-Erkrankung (IPD).

Krankheitsbilder durch Pneumokokken

Pneumokokken können verschiedene Krankheitsbilder auslösen:

  • Sinusitis: Fieber und Kopfschmerzen, vereiterte Nebenhöhlen.
  • Otitis media: Starke Ohrenschmerzen und Fieber, häufig bei Kindern.
  • Lobärpneumonien: Klassische Form der Lungenentzündung mit Fieber, Husten und starkem Krankheitsgefühl.
  • Bakteriämie: Bakterien im Blut, oft als Folge einer Pneumokokken-Pneumonie.
  • Meningitis: Erreger in der Gehirn- oder Rückenmarksflüssigkeit, Fieber, Reizbarkeit, Verwirrtheit und Anfälle.
  • Sepsis: Lebensbedrohliches Multiorganversagen aufgrund einer überschießenden Immunreaktion.

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