Die Schnittstelle zwischen Hormon- und Nervensystem: Eine umfassende Betrachtung

Einführung

Das Nerven- und endokrine System sind die beiden Hauptkoordinationssysteme des Körpers. Sie arbeiten zusammen, um die Homöostase aufrechtzuerhalten und die Reaktion des Körpers auf interne und externe Reize zu steuern. Diese beiden Systeme kommunizieren über eine komplexe Schnittstelle, die strukturelle, chemische und funktionelle Beziehungen umfasst. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte dieser Schnittstelle und ihre Bedeutung für die Körperfunktionen.

Strukturelle Beziehungen

Die enge anatomische Verbindung zwischen Nerven- und endokrinem System bildet die Grundlage für ihre strukturellen Beziehungen. Einige Hormondrüsen bestehen aus Nervengewebe oder haben sich in der Evolution daraus entwickelt.

  • Hypothalamus und Neurohypophyse: Teile des Hypothalamus und die Neurohypophyse (Hypophysenhinterlappen) sind direkt aus Nervengewebe aufgebaut.
  • Nebennierenmark: Das Nebennierenmark, das Adrenalin produziert, hat sich aus Nervengewebe entwickelt.
  • Insektengehirn: Auch Teile des Insektengehirns weisen strukturelle Verbindungen zum endokrinen System auf.

Chemische Beziehungen

Hormone dienen nicht nur als Botenstoffe im endokrinen System, sondern auch als Signalmoleküle im Nervensystem. Dies verdeutlicht die chemischen Beziehungen zwischen den beiden Systemen.

  • Adrenalin: Adrenalin ist ein bekanntes Beispiel für ein Hormon, das auch als Neurotransmitter im Nervensystem fungiert.

Funktionelle Beziehungen

Die funktionellen Beziehungen zwischen Nerven- und endokrinem System manifestieren sich in der Zusammenarbeit neuronaler und hormoneller Kontrollmechanismen bei zahlreichen physiologischen Prozessen.

  • Kontrolle der Schilddrüsenfunktion: Die Regulation der Schilddrüsenfunktion ist ein Beispiel für die enge Zusammenarbeit beider Systeme.
  • Verhaltensbeeinflussung: Neuronale und hormonelle Signale wirken zusammen, um das Verhalten zu beeinflussen.
  • Adenohypophyse: Die Verbindung zwischen Nervensystem und Adenohypophyse (Hypophysenvorderlappen) ist von zentraler Bedeutung. Die Adenohypophyse produziert effektorische und glandotrope Hormone, die wichtige Körperfunktionen steuern.

Effektorische Hormone

Effektorische Hormone, wie Prolactin, wirken direkt auf die Erfolgsorgane und lösen dort Reaktionen aus.

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Glandotrope Hormone

Glandotrope Hormone, wie ACTH, steuern die Funktion anderer endokriner Drüsen.

Regulation der Adenohypophyse

Die Funktion der Adenohypophyse wird durch Releasing- (stimulierende) und Inhibiting- (hemmende) Hormone reguliert, die im Hypothalamus gebildet und über ein Pfortadersystem zur Adenohypophyse transportiert werden.

Die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse)

Die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA-Achse), auch Stressachse genannt, ist ein zentrales System zur Stressaktivierung. Sie besteht aus einem komplexen Aktivierungs- und Hemmungsmuster, das die Grundlage für die Anpassungsfähigkeit des Körpers bei Stress bildet.

Bedeutung des Verständnisses der Stressachse

Das Verständnis der HPA-Achse ist entscheidend, um die Wirkungsmacht von Stress auf den Körper zu verstehen. Stress ist eine körperliche Reaktion, die per se nicht negativ ist. Er aktiviert uns zur Lösungsfindung und Musterbildung, wenn unsere Homöostase bedroht oder gestört ist. Das Stresssystem ermöglicht es uns, uns an veränderte Umweltbedingungen anzupassen.

Akteure der HPA-Achse

Die wichtigsten Akteure der HPA-Achse und ihre Hauptfunktionen sind:

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  • Präfrontaler Cortex (PFC): Neuronales Steuerungszentrum, zuständig für kognitive Prozesse.
  • Amygdala: Emotionales Alarmsystem.
  • Hippocampus: Schaltstelle zwischen Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis und emotionales Bewertungssystem.
  • Hypothalamus: Steuerungszentrum des vegetativen (autonomen) Nervensystems und des Hormonsystems.
  • Hypophyse: Schnittstelle zwischen dem Hormonsystem und dem autonomen Nervensystem.
  • Noradrenalin: Hormon und Neurotransmitter.
  • Cortisol: Hormon.

Stressreaktionen

Die Reaktion auf Stressoren lässt sich in zwei Phasen unterteilen:

1. Stressreaktion

Stressreize werden in Erregungspotenziale umgewandelt und an Amygdala und Hippocampus weitergeleitet. Dort erfolgt eine Bewertung, ob wir in der Lage sind, neue Lösungswege zu finden. Das Ergebnis wird an den Hypothalamus weitergeleitet, der die Reaktion in Gang setzt. Der Hypothalamus aktiviert den Locus coeruleus mittels CRH (Cortico Tropin Releasing Hormone), wodurch Noradrenalin freigesetzt wird. Dies führt zu Wachheit, Aktivität und Handlungsbereitschaft. Gleichzeitig wird der Sympathikus aktiviert, der das Nebennierenmark anregt, Noradrenalin und Adrenalin freizusetzen. Dies führt zur Fight-or-Flight-Reaktion.

2. Stressreaktion

Das vom Hypothalamus freigesetzte CRH regt die Hypophyse an, ACTH (adrenocorticotropes Hormon) freizusetzen, das die Nebennierenrinde anregt. Hier wird Cortisol gebildet und freigesetzt, was die Energieversorgung des Körpers sicherstellt, indem es den Blutzuckerspiegel erhöht.

Selbstregulation der Stressachse

Die Stressachse kann sich selbst regulieren, sofern es sich um eine kontrollierbare Stressreaktion handelt. Noradrenalin und Cortisol initiieren diese Regulation. Noradrenalin im Gehirn wirkt hemmend auf den Locus coeruleus, während Cortisol die Hypophyse und den Hypothalamus hemmt und den Hippocampus aktiviert, der ebenfalls den Hypothalamus hemmt.

Unkontrollierbarer Stress

Wenn Amygdala und Hippocampus nicht zu dem Schluss kommen, dass wir den Stressor aus eigener Kraft beseitigen können, kommt es zu einer unkontrollierbaren Stressreaktion. Dabei werden große Mengen an Noradrenalin und Cortisol ausgeschüttet, wodurch sich die Stressachse nicht mehr selbst regulieren kann. Der PFC schaltet ab, und der Hippocampus hemmt den Hypothalamus nicht mehr.

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Resilienz als Regulationsfähigkeit

Resilienz, die Fähigkeit, aus Krisen zu lernen und gestärkt aus ihnen hervorzugehen, ist entscheidend für eine bessere Regulationsfähigkeit der Stressachse. Sie hilft, zukünftige Krisen handhabbarer zu machen und die Stressachse in Balance zu halten. Auch mit einer starken Resilienz können Stresssituationen entstehen, in denen das Stresszentrum übernimmt. In solchen Momenten sind Tools und Fähigkeiten erforderlich, um sich selbst in die Regulation zu bringen.

Die Bedeutung von Stress

Stress ist die Grundlage jeder Adaptation und Weiterentwicklung. Er aktiviert uns zur Lösungsfindung. Ein gesunder Umgang mit Stress und die Kultivierung von Resilienz ermöglichen es uns, die Handlungsenergie zu nutzen und den Problemen des Alltags selbstwirksam zu begegnen.

Neuro-endokriner Reflex und Infektionen

Eine Studie der Charité - Universitätsmedizin Berlin in Kooperation mit dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) und anderen Institutionen hat eine neue Schnittstelle zwischen Nebenniere und Gehirn entdeckt. Die Forscher zeigten, dass eine erhöhte Infektionsrate nach Rückenmarksverletzungen durch eine direkte Fehlsteuerung des geschädigten Nervensystems verursacht wird. Ein neu entdeckter Reflexbogen führt zu einer gestörten Hormonfreisetzung in der Nebenniere, die die Abwehrkräfte des Organismus gegenüber Bakterien schwächt.

Der Reflexbogen

Die Wissenschaftler wiesen nach, dass das Nervensystem über die Hormonproduktion der Nebenniere einen indirekten Kommunikationsweg nutzt, der zu einem starken Abbau vieler Immunzellen führt. Die Fehlfunktion der Nebenniere steht unter direkter Kontrolle des verletzten Nervengewebes. Die veränderten Hormonspiegel führen zu einem Abbau von Immunzellen, insbesondere von Vorläuferzellen der T- und B-Zell-Reihen.

Therapeutische Implikationen

Die Identifikation dieses pathologischen Reflexbogens vertieft das Verständnis der Schnittstellen zwischen Nervensystem und Immunsystem. Die therapeutische Normalisierung dieses neuro-endokrinen Reflexes könnte eine wirksame Strategie sein, um die teils lebensbedrohlichen Infektionen nach einer Verletzung des Zentralnervensystems in den Griff zu bekommen.

Die Hypothalamus-Hypophysen-Achse (HHA)

Die Aufrechterhaltung der inneren Balance und Homöostase des Körpers erfordert eine präzise abgestimmte hormonelle Steuerung. Zentral für diese Regulation ist die Hypothalamus-Hypophysen-Achse, ein essenzielles Bindeglied zwischen dem Nervensystem und dem endokrinen System. Als hierarchisch aufgebautes, neuroendokrines System ermöglicht die Achse die Kommunikation zwischen Gehirn und peripheren endokrinen Drüsen, wodurch lebenswichtige Körperfunktionen koordiniert werden.

Organisation der HHA

Die Hypothalamus-Hypophysen-Achse basiert auf einem hierarchisch organisierten Regelkreis zwischen Hypothalamus, Hypophyse und peripheren endokrinen Drüsen. Die Adenohypophyse spielt eine essenzielle Rolle, da sie durch ihre Hormone die Funktion der meisten endokrinen Organe steuert und selbst der Regulation durch hypothalamische Releasing- und Inhibiting-Hormone unterliegt.

Hormone der HHA

Die adenohypophysären Hormone können sich nach ihrem Wirkort in glandotrope und nicht-glandotrope Hormone unterteilen. Glandotrope Hormone wirken an peripheren endokrinen Drüsen und bewirken dort die Freisetzung von Hormonen. Zu diesen glandotropen Hormonen zählen ACTH (Adrenocorticotropes Hormon), LH (Luteinisierendes Hormon), FSH (Follikel-stimulierendes Hormon) und TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon).

Zirkadiane Steuerung

Die Freisetzung vieler Hypophysenhormone steht unter Einfluss des zirkadianen Rhythmus, der maßgeblich durch den Nucleus suprachiasmaticus im Hypothalamus gesteuert wird.

Hormonelle Regelkreise

Es gibt verschiedene hormonelle Regelkreise, welchen die jeweiligen Hormone zugehörig sind:

  • Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (Kortikotroper Regelkreis): CRH führt zur ACTH-Ausschüttung, was die Steroidhormonsynthese in der Nebennierenrinde bewirkt.
  • Somatotrope Achse: GHRH führt zur Ausschüttung des Wachstumshormons GH (Somatotropin).

Bedeutung der HHA

Die Hypothalamus-Hypophysen-Achse stellt die zentrale Schnittstelle zwischen dem Nervensystem und dem endokrinen System dar und ermöglicht die koordinierte Regulation zahlreicher lebenswichtiger Körperfunktionen durch hormonelle Steuerung. Über die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse vermittelt der Regelkreis eine schnelle sowie effektive Anpassung an körperlichen oder psychischen Stress. Die gonadotrope Achse ist essenziell für die Steuerung von Pubertät, Sexualfunktionen und Fruchtbarkeit. Die Hypothalamus-Hypophysen-Schilddrüsen-Achse reguliert den Grundumsatz des Körpers. Die Wachstumshormonachse steuert das Körperwachstum, insbesondere während der Kindheit und Jugend. Die laktotrope Achse ist entscheidend für die Milchbildung nach der Geburt.

Störungen der HHA

Störungen der Hypothalamus-Hypophysen-Achse können weitreichende gesundheitliche Konsequenzen haben, da sie die Regulation lebenswichtiger Hormonkreisläufe betreffen.

  • Primäre Nebennierenrindeninsuffizienz: Mangel an Cortisol infolge einer Schädigung der Nebennierenrinde.
  • Akromegalie: Abnorme Vergößerung des Schädels, der Organe und der Akren durch Tumoren in der Adenohypophyse, die Wachstumshormon produzieren.
  • Prolaktinom: Häufigster hormonaktiver Tumor der Adenohypophyse, der zu einer Hyperprolaktinämie führt.
  • Chronische Aktivierung der HPA-Achse: Dauerhafter Stress kann zu Dysregulationen im Cortisolhaushalt führen.
  • Sheehan-Syndrom: Postpartale Hypophysennekrose infolge eines Kreislaufschocks bei starker Geburtsblutung.

Der Hypothalamus im Detail

Der Hypothalamus, ein wichtiger Teil des Zwischenhirns, spielt eine zentrale Rolle bei der Verbindung von Nerven- und Hormonsystem. Er besteht aus zwei Hauptbereichen: dem hinteren, "markreichen" Hypothalamus und dem vorderen, "markarmen" Hypothalamus.

Hinterer Hypothalamus

Der hintere Hypothalamus, der im Wesentlichen nur aus den Corpora mammillaria besteht, wird auch als der „markreiche“ Hypothalamus bezeichnet, weil er von dicken, markhaltigen Nervenfasern durchzogen wird. Diese Strukturen gehören zum limbischen System und dienen der Gedächtnisbildung.

Vorderer Hypothalamus

Der vordere, „markarme“ Hypothalamus ist heterogener und von dünneren Nervenfasern durchzogen. Hier liegen zahlreiche Kerngebiete, die im Dienste des vegetativen Nervensystems stehen. Zudem ist dieser vordere Hypothalamus eine endokrine Drüse, die viele verschiedene Hormone produziert und vollgepackt mit Rezeptoren ist, an die Hormone anderer endokriner Drüsen binden.

Wichtige Kerngebiete des Hypothalamus

  • Nucleus suprachiasmaticus: Liegt direkt über der Sehnervenkreuzung und erhält direkte Eingänge von den Ganglienzellen der Netzhaut. Er ist die "Master-​Clock", die den Biorhythmus erzeugt und an den Tag-​Nacht-​Rhythmus anpasst.
  • Nucleus paraventricularis und Nucleus supraopticus: Beherbergen Drüsennervenzellen, die Oxytocin und das Antidiuretische Hormon (ADH) produzieren. ADH verringert die Menge des ausgeschiedenen Urins, während Oxytocin unter anderem die Wehen am Ende der Schwangerschaft auslöst und körperlicher Nähe und Vertrauen dient.
  • Tuber cinereum: Enthält Kerne, die Releasing-​ und Inhibiting-​Hormone produzieren, die wiederum den Hypophysenvorderlappen dazu veranlassen, Hormone zu produzieren oder es zu unterlassen. Zum Beispiel produziert der Nucleus infundibularis Dopamin, das als Inhibiting-​Hormon die Freisetzung von Prolactin in der Adenohypophyse hemmt.

Einfluss des Hypothalamus auf Körperfunktionen

Der markarme Hypothalamus nimmt nicht nur auf hormonellem Weg Einfluss auf die Körperfunktionen. Aus fast all seinen Kerngebieten steigen dünne Axone als Tractus hypothalamo-​spinalis zum Rückenmark hinab.

Zusammenwirken von Hormon- und Nervensystem bei der Regulation von Lebensprozessen

Bei der Regulation von Lebensprozessen wirken Hormon- und Nervensystem zusammen. Im Hormonsystem hat die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) eine übergeordnete Rolle. Sie ist über einen Stiel mit dem Hypothalamus verbunden, wodurch die Verbindung des Hormonsystems mit dem Nervensystem besteht.

Rolle der Hypophyse

Die Hypophyse produziert nur wenige mg Hormone pro Tag. Diese geringe Menge genügt, um sowohl direkt Prozesse im Körper auszulösen (z. B. durch das Hormon Somatropin das Wachstum) als auch andere Hormondrüsen zur Tätigkeit anzuregen. Zwischen den Hormondrüsen und der Hirnanhangsdrüse besteht außerdem eine negative Rückkopplung, d. h., wenn die erforderliche Konzentration wieder eingestellt wurde, wird die Hormonproduktion der Hirnanhangsdrüse zur Anregung der Hormondrüsen wieder reduziert.

Kontrolle des Hypothalamus über die Hypophyse

Die Hypophyse steht unter Kontrolle des Hypothalamus. In Abhängigkeit von den durch die Erregungen in den Nerven übermittelten Informationen werden im Hypothalamus Hormone ausgeschüttet, die die Tätigkeit der Hirnanhangsdrüse hemmen oder in Gang setzen.

Beispiel Schilddrüsenhormonspiegel

Sinkt der Thyroxinspiegel im Blut unter den Normalwert ab, so nehmen Sinneszellen in den Blutgefäßen diese Veränderungen wahr. Über Nerven gelangen die Erregungen ins Zwischenhirn (Hypothalamus). Dort werden Hormone freigesetzt, die die Hirnanhangsdrüse zur Produktion von Hormonen anregen, die wiederum die Schilddrüse anregen, Thyroxin zu produzieren und es ins Blut abzugeben. Dadurch steigt der Thyroxinspiegel wieder an. Die Zellen des Zwischenhirns (Hypothalamus) registrieren über Nerven diesen Anstieg und stellen die Produktion von Freisetzungshormonen zur Anregung der Hirnanhangsdrüse ein.

Hormon- und Nervensystem in Stresssituationen

Hormon- und Nervensystem wirken auch bei Stresssituationen eng zusammen. Informationen der Stressoren werden über das Nervensystem aufgenommen und verarbeitet. Durch das vegetative Nervensystem wird das Nebennierenmark aktiviert. Dadurch werden schlagartig Stresshormone (Adrenalin und Noradrenalin) freigesetzt und in das Blut abgegeben. Sie sorgen dafür, dass das Herz schneller schlägt, der Blutdruck steigt und sich die Atemfrequenz erhöht. Gleichzeitig nehmen Zucker- und Fettgehalt im Blut zu.

Negative Auswirkungen von Dauerstress

Negativ wird Stress erst dann, wenn er häufig auftritt und kein körperlicher Ausgleich erfolgt, die körperlichen „Reserven“ nicht „abgerufen“ werden. Dann „kreisen“ die Brennstoffe Zucker und Fett ungenutzt in der Blutbahn. Dauerhaft erhöhte Blutfettwerte können zur Arterienverkalkung beitragen. Durch einen ständig erhöhten Adrenalinspiegel und damit verbunden durch eine erhöhte Konzentration eines bestimmten Hormons der Hirnanhangsdrüse (ACTH-adeno-corticotropes Hormon) kann es bei Dauerstress zu Erschöpfungszuständen kommen.

Die Hypophyse: Schnittstelle zwischen endokrinem System und Nervensystem

Die Hypophyse ist die Hirnanhangsdrüse - die Schnittstelle zwischen dem endokrinen System und dem Nervensystem. In der Hypophyse werden fast alle wichtigen Hormone, die in der Körperperipherie vorkommen, zum Teil produziert und sezerniert, zum Teil auch nur gespeichert und dann abgegeben.

Aufbau der Hypophyse

Die Hypophyse ist in zwei Bereiche geteilt:

  • Adenohypophyse (Hypophysenvorderlappen, HVL): Enthält Drüsengewebe (ist hormonaktiv); macht drei Viertel des Organs aus.
  • Neurohypophyse (Hypophysenhinterlappen, HHL): Enthält Nervengewebe (Nervenfasern und Neuroglia).

Funktion der Hypophyse

Die Hypophyse produziert und sezerniert verschiedene wichtige Hormone. Die Sekretion wird durch verschiedene Releasing- (Freigabe-) und Inhibiting- (Hemmungs-) Hormone des Hypothalamus gesteuert.

Hypophysenvorderlappen

Im Hypophysenvorderlappen werden die folgenden Hypophysenhormone produziert und sezerniert:

  • Somatotropin (STH): Wachstumshormon, wichtig für das normale Längenwachstum.
  • Corticotropin (ACTH): Regt die Nebennierenrinde zum Wachstum sowie zur Bildung und Sekretion von Glukokortikoiden an.
  • Thyreotropin (TSH): Steuert die Funktion der Schilddrüse.
  • Lipotropin: Wirkt lipolytisch (Fett-abbauend) und beeinflusst damit den Fettstoffwechsel.
  • Follikelstimulierendes Hormon (FSH): Fördert zusammen mit dem Luteinisierenden Hormon (LH) bei der Frau die Follikelreifung beziehungsweise beim Mann die Spermienbildung (Spermatogenese) und die Entwicklung der Hodenkanälchen.
  • Prolaktin (PRL): Wird ab der achten Schwangerschaftswoche gebildet wirkt und auf die Brustdrüse und die Milchproduktion.

Hypophysenhinterlappen

Im Hypophysenhinterlappen werden die folgenden Hormone gespeichert, die von den hypohysären Kernen des Hypothalamus gebildet werden:

  • Oxytocin: Bewirkt die Kontraktion der Gebärmuttermuskulatur bei der Geburt (Auslösung der Wehen) und der Muskelzellen der Brustdrüse (Anregung der Milchsekretion).
  • Vasopressin oder Adiuretin (ADH): Hemmt die Wasserausscheidung über die Nieren (antidiuretische Wirkung) und sorgt für eine Engstellung der Blutgefäße.

Probleme durch eine eingeschränkte Hypophysen-Funktion

  • Hypophysen-Adenom: Gutartige Geschwulst des Hypophysenvorderlappens, die zu einer Überproduktion von Hormonen oder zu einer Raumforderung führen kann.
  • Hypopituitarismus: Unterfunktion des Hypophysenvorderlappens durch Entzündungen, Tumoren oder Medikamente.
  • Diabetes insipidus: Mangel am Hormon ADH, das im Hypophysenhinterlappen gespeichert wird.
  • Weitere Probleme: Einschränkung der Nebennierenrindenfunktion, Hypoglykämie (Unterzucker).

Die "Hormonhierarchie"

Die Hypophyse produziert Steuerhormone, die gezielt Botschaften an andere Hormondrüsen des Körpers senden und diese anregen oder aber hemmen. Auf der dritten Ebene stehen die überall im Körper verteilten Hormondrüsen und hormonproduzierenden Gewebe, wie die Schilddrüse, die Bauchspeicheldrüse, die Geschlechtsorgane sowie die Nebennieren.

Ausnahmen von der Hierarchie

Bei zwei Hormonen, dem Oxytocin und dem Adiuretin, wird die normale Hierarchie übersprungen. Denn die Produktion dieser beiden Botenstoffe ist „Chefsache“, der Hypothalamus übernimmt sie selbst. Weil jedoch auch diese beiden Stoffe die Blut-Hirn-Schranke nicht direkt überwinden können, schickt der Hypothalamus sie zunächst in ein Zwischenlager, den Hinterlappen der Hypophyse.

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