Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die vor allem im frühen Erwachsenenalter auftritt und Frauen häufiger betrifft. Die Symptome sind vielfältig und reichen von Sehstörungen und Empfindungsstörungen bis hin zu Schwindel, Sprachproblemen und motorischen Störungen. Obwohl MS derzeit nicht heilbar ist, gibt es verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, um den Verlauf der Erkrankung zu verlangsamen und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Neben medikamentösen Therapien spielt die Ernährung eine wichtige Rolle bei der Unterstützung der MS-Therapie im Alltag.
Allgemeine Ernährungsempfehlungen bei MS
Unabhängig von der MS-Erkrankung wird grundsätzlich eine gesunde, "mediterrane" Ernährung empfohlen. Diese zeichnet sich durch wenig Fett, viel Gemüse und wenig Kohlenhydrate aus. Eine klare Empfehlung bei MS ist eine salzarme Ernährung, da zahlreiche Studien einen negativen Einfluss einer salzreichen Ernährung belegen.
Die Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung
Eine gesunde, ausgewogene Ernährung ist essenziell für Menschen mit MS. Dabei sollte der Fokus auf frischem Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und gesunden Fetten liegen. Diese Lebensmittel liefern wichtige Nährstoffe und können dazu beitragen, Entzündungen im Körper zu reduzieren.
Einschränkung des Fleischkonsums
Es wird empfohlen, den Fleischkonsum einzuschränken, insbesondere den Verzehr von rotem Fleisch und Wurst, da diese viele entzündungsfördernde Stoffe enthalten.
Förderung von Omega-3-Fettsäuren
Entzündungshemmende Omega-3-Fettsäuren wirken sich positiv auf den Körper aus. Diese sind in Leinöl, Algenöl und fettreichem Fisch wie Lachs, Hering und Makrele enthalten.
Lesen Sie auch: Multiple Sklerose und Vibrationstraining
Reduktion des Zuckerkonsums
Ein hoher Zuckerkonsum kann Entzündungen fördern. Daher ist es ratsam, den Verzehr von Kohlenhydraten wie Weißbrot und Nudeln sowie zuckerhaltige Snacks zu begrenzen. Dies betrifft auch Lebensmittel wie Eis oder gesüßte Joghurts und Müslis.
Spezifische Ernährungsempfehlungen und ihre Wirkung
Intervallfasten
In letzter Zeit wird immer wieder nach dem Intervallfasten bei MS gefragt. Tiermodelle zeigen, dass Fasten entzündungshemmend wirkt und beim Menschen entzündungsfördernde Botenstoffe gehemmt werden. Kleinere Studien haben gezeigt, dass Patientinnen und Patienten, die ein klassisches Intervallfasten (16/8 = 16 Stunden Fasten/8 Stunden Nahrungsaufnahme, bestehend aus zwei Mahlzeiten, ggf. mit dem Verzicht auf Kohlenhydrate am Abend) durchgeführt haben, nach sechs Monaten eine deutlich verbesserte Lebensqualität mit weniger Müdigkeit und depressiven Symptomen hatten. Daher kann dem Intervallfasten besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden.
Adipositas ist ein Risikofaktor sowohl für die Entstehung als auch für einen schweren Verlauf der MS. Insofern ist es sinnvoll, adipösen Personen das Intervallfasten zu empfehlen, da hierdurch sogar mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden können: einen positiven Verlauf der MS bewirken und zusätzlich Komorbiditäten der MS günstig beeinflussen.
Ketogene Diät
Eine weitere häufig gestellte Frage betrifft die Wirkung einer ketogenen Diät, bei der in einem extremen Ausmaß auf Kohlenhydrate verzichtet wird. Die Empfehlung für eine Diät hängt immer auch von den Begleiterkrankungen ab.
Vitamine und Spurenelemente
Vitamine wie A, B6, B12, Zink und Selen, die in Fisch, Fleisch und Gemüse enthalten sind, wirken anti-inflammatorisch. Bestimmte Botenstoffe, Zytokine, die Entzündungsprozesse fördern, können durch diese Vitamine messbar reduziert werden.
Lesen Sie auch: Wohngemeinschaft für MS-Betroffene
Es kommt jedoch häufig vor, dass Patientinnen es mit der Ernährung sehr ernst nehmen und fast gar nichts mehr essen. Hier muss man aufpassen, dass die Ernährungsumstellung nicht in die falsche Richtung läuft und sogar gesundheitsschädigend wirkt. Außerdem sollte Essen schließlich auch noch Spaß machen. Auch auf Kaffee muss nicht verzichtet werden, denn dieser könnte eher eine Schutzwirkung auf die Entstehung und den Verlauf der MS haben.
Ein weiteres Beispiel dafür, dass Betroffene auch „übermotiviert“ sein können, ist Vitamin D. Vitamin D ist zwar extrem wichtig, aber es gibt Betroffene, die mit 20.000 Einheiten am Tag viel zu viel des nützlichen Vitamins zu sich nehmen.
Kurzkettige Fettsäuren
Prospektive Studien geben Hinweise auf die positive Wirkung von kurzkettigen Fettsäuren (z. B. die Propionate). Diese wurden früher in Brot verbacken, wodurch mit dem täglichen Brotkonsum ca. 1 bis 2 Gramm kurzkettige Fettsäuren aufgenommen wurden. Mittlerweile werden kurzkettige Fettsäuren nicht mehr im Brot verbacken. Grob gesagt werden durch kurzkettige Fettsäuren die „schlechten“ Immunzellen im Darm gebunden, gelangen somit in geringerer Menge ins Blut und letztlich auch ins Gehirn. Das Verhältnis von pro- und antiinflammatorischen Zellen wird somit verschoben, Entzündungsprozesse reduziert.
Mehrfach ungesättigte Fettsäuren
Studien zeigen, dass mehrfach ungesättigte Fettsäuren, wie die Omega-3-Fettsäure in Fischöl, antientzündlich wirken. Nach der Gabe von Fischöl wurden hier Interleukin2 und TNF-alpha runterreguliert und regulative T-Leukozyten hochreguliert. Zellschützend wirken auch sekundäre Pflanzenstoffe, die in saisonalem Gemüse und Obst vorkommen.
Margarine statt Butter
Margarine ist pflanzlich, Butter ist tierisch. In tierischen Produkten steckt die Arachidonsäure, die ein Vorbote für entzündungsfördernde Botenstoffe - auch proinflammatorische Zytokine genannt - ist.
Lesen Sie auch: Multiple Sklerose WGs Witten
Weihrauch
Auch für Weihrauch sind antiinflammatorische Effekte nachgewiesen worden. Manche Patientinnen und Patienten nehmen Weihrauch und fühlen sich besser. Weihrauch ist aber nicht als alleinige Therapie zu verwenden.
Grüner Tee
Zur antiinflammatorischen Wirkung von grünem Tee gibt es viele kleinere Studien, die belegen, dass die darin enthaltene Komponente Epigallocatechin eine antioxidative, antientzündliche Wirkung besitzt. Auf den Verlauf der MS konnte man allerdings in einer großangelegten Studie keinen Einfluss auf die Krankheitsprogression oder auf Symptome nachweisen.
Zuckeraustauschstoffe
Zuckeraustauschstoffe sind nicht geeignet und eher gesundheitsschädigend. Sie sollten daher vermieden werden.
Die Rolle des Darms und der Darmflora
Eine gesunde Darmflora kann sich positiv auf den Verlauf der Multiplen Sklerose (MS) auswirken. Probiotika, also lebende Mikroorganismen, unterstützen das Gleichgewicht der Darmbakterien und können Entzündungsprozesse im Körper reduzieren. Ergänzend spielen Präbiotika eine wichtige Rolle. Diese sind Nahrungsbestandteile, die von den Körperzellen nicht verdaut werden, aber das Wachstum und die Aktivität nützlicher Darmbakterien fördern. Eine ausgewogene Ernährung, die sowohl Probiotika als auch Präbiotika enthält, kann daher zur Förderung einer gesunden Darmflora beitragen, die bei MS-Patienten zur Linderung von Entzündungen führen kann.
Zucker und seine Auswirkungen auf den Darm
Zucker fördert ein Darmungleichgewicht, eine sogenannte Dysbiose. Davon spricht man, wenn das Verhältnis der guten und schädlichen Darmbakterien sich ins Negative verschiebt und es vermehrt zu Entzündungsprozessen im Darm kommt. Daraus können sich chronische Entzündungsprozesse im Darmmilieu wie z. B. auch ein Leaky Gut entwickeln.
Die Darmschleimhaut dient normalerweise als schützende Barriere zwischen dem Darm und dem Blutkreislauf. Weist diese Barriere nun infolge eines Leaky-Gut-Syndroms Löcher auf bzw. ist beschädigt, können Inhaltsstoffe aus dem Darm, die z. T. noch unverdaut sind, in den Blutkreislauf gelangen. Dort haben sie jedoch nichts zu suchen und sind gefährlich. Der Körper schüttet Entzündungsbotenstoffe aus und bildet u. a. Antikörper gegen die Eindringlinge. Oftmals kommt es vor, dass diese Fremdstoffe den körpereigenen Geweben und Strukturen ähnlich sind. So können Autoimmunerkrankungen wie die Multiple Sklerose entstehen, bei der sich der Angriff des Immunsystems auf die körpereigenen Myelinscheiden, die unsere Nervenbahnen schützen und ummanteln, richtet. Ein Leaky-Gut kann also mit ursächlich für eine MS-Erkrankung sein, wie auch in Studien gezeigt wird.
Ein Team der Uni Würzburg wies in einer kürzlich veröffentlichten Studie nach, dass ein hoher Zuckerkonsum Einfluss auf die Aktivität entzündungsfördernder Gene haben kann. Wird der Darm also z. B. durch eine Reduktion des Zuckerkonsums weniger Entzündungsreizen ausgesetzt, so gerät das Verhältnis der guten und schädlichen Darmbakterien immer mehr ins Gleichgewicht und auch die MS-bedingte Krankheitsaktivität kann infolgedessen zurückgehen.
Zucker liefert dem Körper keinerlei Nähr- oder Vitalstoffe, sondern saugt die körpereigenen Vitalstoff-Depots regelrecht aus. Gerade die B-Vitamine stehen bei Zucker besonders hoch im Kurs. Der Körper benötigt, um Zucker zu verdauen, besonders viele B-Vitamine. Nehmen wir also Zucker zu uns, sollten wir darauf achten, dass unsere B-Vitamin-Speicher gut gefüllt sind und auch die geleerten B-Vitamine schnell wieder aufgefüllt werden, damit unser Körper nicht in einen Mangel gerät. Dies geschieht am besten durch Vitamin B-haltige Lebensmittel.
Tipps zur Reduktion des Zuckerkonsums
Eine Reduktion des Zuckerkonsums ist durch die vielen Versuchungen, die überall lauern und die Tatsache, dass Zucker so vielen Lebensmitteln zugesetzt ist, nicht einfach umzusetzen. Hier einige Tipps, die helfen können:
- Zuckeralternativen wie z. B. Honig, Erythrit, Xylit oder Stevia verwenden.
- Isolierte Kohlenhydrate wie Back- und Teigwaren oder Weißmehlprodukte durch komplexe Kohlenhydrate ersetzen.
- Im Anschluss an die Hauptmahlzeit ca. 20-30 min warten, bevor etwas Süßes verzehrt wird.
- Auf Fertigwürze verzichten, denn sehr herzhaftes Essen verstärkt die Lust auf Süßes.
Schokolade und Multiple Sklerose: Die Rolle der Flavonoide
Ein Forscherteam aus Großbritannien und Australien berichtete über positive Ergebnisse mit den Favoriten des Kakaos in einer kleinen, doppelt verblindeten Studie mit 40 Patienten. Alle Patienten haben einen schubförmigen Verlauf und Fatigue. 30 Patienten sind weiblich, zehn männlich. Aufgeteilt in zwei Gruppen nahm die eine Gruppe über sechs Wochen hinweg einen Kakaotrunk täglich mit hohem Flavonidtanteil, die andere Gruppe einen Kakaotrunk mit wenig Favonidanteil ein.
Gemessen wurden die Fatigue der Patienten per Fragebogen sowie ihre Ermüdbarkeit im Lauftest. Im Ergebnis zeigte die Gruppe mit hohem Flavonidanteil bei beidem Verbesserungen.
Was sind Flavonoide?
Flavonoide sind sekundäre Pflanzenstoffe, zu denen ein Großteil der Blütenfarbstoffe gehört. Sie sind enthalten in Nahrungsmitteln wie Äpfeln und Kakao. Auch dunkle Schokolade mit mehr als 70 Prozent Kakao enthält große Mengen an Flavonoiden. Unter den Pflanzen sind es vor allem die roten (rote Trauben, rote Äpfel, Rote Beete), die viel Flavonoide enthalten. Innerhalb der Pflanzen steckt am meisten davon in den Schalen, da Flavonoide die Aufgabe haben, die Früchte vor Schädlingen zu schützen.
Flavonoiden wird antioxidative Wirkung zugeschrieben und sie können Enzyme hemmen. Ihr therapeutischer Einsatz erstreckt sich auf Gefäßschutz und Ödemprotektion (Venenmittel) wie Herz-Kreislauf; sie sind enthalten bei Diuretika, Spasmolytika gegen Magen-Darm-Beschwerden sowie in Lebertherapeutika.
Studien zur Wirkung von Flavonoiden bei MS
Die Multiple Sclerosis Society in Großbritannien unterstützt den Ansatz, Flavonoide bei Multipler Sklerose bedingter Fatigue zu testen. Die Forscher glauben, Flavonoide können helfen, sowohl die Entzündung wie die Schäden, die zu Fatigue führen, abzumildern.
Die Studienteilnehmer werden Fragebögen zu ihrer Fatigue ausfüllen, an Gehtests teilnehmen und den Forschern Blutproben überlassen, sodass diese nach Entzündungsparametern suchen kann. Kakao, der reich an Flavonoiden ist, könnte bei bestimmten MS-Patienten eine Fatigue lindern und die Ermüdbarkeit verringern.
Weitere wichtige Aspekte der MS-Behandlung
Anpassung der Energiezufuhr bei eingeschränkter Mobilität
Bei eingeschränkter Mobilität sollte die Energiezufuhr angepasst werden, um Übergewicht zu vermeiden.
Regelmäßige Blutuntersuchungen
Es ist wichtig, regelmäßige Blutuntersuchungen durchführen zu lassen, um eine ausreichende Versorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen sicherzustellen.
Bewegung und Sport
Regelmäßige Bewegung und sportliche Betätigung sind essenziell für MS-Patienten. Diese kann sich positiv auf Symptome wie Spastiken, Fatigue, Körperhaltung, Muskelerhalt und die Prävention von Osteoporose auswirken. Stresslindernde Aktivitäten wie Yoga können sich ebenfalls positiv auf die Symptome der MS auswirken. Aktivitäten wie diese helfen, das Stressempfinden zu reduzieren, was wiederum das Immunsystem stärken kann.
Vitamin D
Die Rolle von Vitamin D in der Entstehung und Behandlung von MS wird intensiv erforscht. Viele MS-Patienten weisen einen Vitamin-D-Mangel auf, und Studien zeigen, dass ein höherer Vitamin-D-Spiegel mit einer geringeren Krankheitsaktivität korreliert sein kann. Die Kombination von Vitamin-D-Supplementen mit bestimmten Medikamenten wie β-Interferon könnte die MS-Aktivität weiter reduzieren. Obwohl einige Studien keine direkten Verbesserungen belegen, wird bei einem nachgewiesenen Vitamin-D-Mangel eine Supplementierung empfohlen.
Cannabis
Der Einsatz von Cannabis in der MS-Behandlung gewinnt zunehmend an Bedeutung. Studien deuten darauf hin, dass Cannabis positiv auf Symptome wie Spastiken, Schmerzempfinden, Gehfähigkeit und Blasenfunktion wirken kann. Cannabisbasierte Medikamente, wie bestimmte Sprays gegen Spastiken, werden zunehmend in der Behandlung von MS eingesetzt.
Akupunktur
Akupunktur wird als eine komplementäre Behandlungsoption für MS diskutiert. Obwohl es nur wenige spezifische Studien zu Akupunktur bei MS gibt, berichten einige Patienten über positive Effekte wie Schmerzlinderung. Andererseits kann es in Einzelfällen zu Nebenwirkungen wie Müdigkeit oder verstärkten Spastiken kommen.
Digitale Hilfsmittel
Moderne digitale Hilfsmittel, wie spezialisierte Apps, bieten wertvolle Unterstützung im Alltag von MS-Betroffenen. Diese Apps können dabei helfen, ein detailliertes Ernährungs- und Symptomtagebuch zu führen und bieten personalisierte Ernährungsempfehlungen an, die auf die Bedürfnisse von Menschen mit MS zugeschnitten sind. Darüber hinaus bieten Online-Communities eine Plattform für den Austausch von Erfahrungen und gegenseitige Unterstützung.
tags: #multple #sklerose #und #schokolade