Schulter-Arm-Schlinge nach Apoplex: Eine umfassende Anleitung

Die Schulter ist das beweglichste Kugelgelenk des menschlichen Körpers, was sie anfällig für verschiedene Verletzungen und Erkrankungen macht. Von Sportunfällen bis hin zu Rheuma und Omarthrose gibt es viele Gründe, warum eine Schulterbandage oder -orthese erforderlich sein kann. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Anwendung von Schulter-Arm-Schlingen, insbesondere im Zusammenhang mit Apoplex (Schlaganfall), und beleuchtet verschiedene Aspekte von Schulterproblemen, Behandlungen und Rehabilitation.

Wann ist eine Schulterbandage oder -orthese erforderlich?

Eine Schulterbandage wird in verschiedenen Situationen benötigt, sowohl präventiv als auch therapeutisch. Sie kann zum Schutz vor Überlastungen, bei Erkrankungen, Verletzungen und zur Unterstützung der Therapie eingesetzt werden. Häufige Anwendungsfälle sind:

  • Geschädigtes Bindegewebe: Unterstützung und Stabilisierung
  • Verspannte oder entzündete Muskulatur: Entlastung und Schmerzlinderung
  • Ausrenkungen (Luxationen): Ruhigstellung und Stabilisierung
  • Muskel- und Sehnenrisse: Unterstützung der Heilung
  • Sportunfälle und Überbelastungen: Prävention und Behandlung
  • Gelenkverschleiß (Arthrose): Schmerzlinderung und Entlastung
  • Rheuma: Schmerzlinderung und Entzündungshemmung

In einigen Fällen können auch fortgeleitete Schmerzen auftreten, die nicht direkt mit der Schulter in Verbindung stehen, beispielsweise durch ein Schleudertrauma.

Arten von Schulterbandagen und -orthesen

Schulterbandagen gibt es in verschiedenen Ausführungen und Materialien. Die gebräuchlichsten Modelle werden über den Arm bis zur Schulter gezogen oder um die Schulter gelegt und mit einem Brustgurt verschlossen. Das Material besteht oft aus einem Polyester-Gemisch, Feinstrick oder CoolPrene, wobei Vollneopren-Bandagen nur zeitlich begrenzt eingesetzt werden sollten, während Polyester- und Feinstrick-Bandagen durchgehend getragen werden können.

Schulterbandagen dienen hauptsächlich der Entlastung, Stützung und dem präventiven Schutz der Schulter. Sie werden auch bei Erkrankungen wie Rheuma oder Omarthrose eingesetzt.

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Schulterorthesen werden primär zur Ruhigstellung verwendet, beispielsweise nach einer Operation.

Es ist ratsam, sich vor dem Kauf von einem Experten im Sanitätshaus beraten zu lassen, um die richtige Passform und das geeignete Modell für die spezifischen Beschwerden zu finden.

Funktion und Wirkung von Schulterbandagen

Neben ihrer stützenden Funktion dient die Schulterbandage auch zur Therapie von Rheuma, Reizzuständen und Arthrose. Sie entlastet die Schulter, verbessert die muskuläre Führung des Gelenks (Propriozeption) und beugt durch Kompression und Massage neuen Entzündungen und Verletzungen vor.

Das elastische Material der Bandage übt einen leichten Wechseldruck auf das darunter liegende Gewebe aus, massiert die Muskulatur und regt die Durchblutung an, was schmerzlindernd und abschwellend wirkt.

Das Anlegen der Schulterbandage

Das Anlegen der Schulterbandage kann anfangs etwas Übung erfordern. Es empfiehlt sich, sich dies im Sanitätshaus von einem Experten erklären zu lassen und es dort einige Male zu üben. Die meisten Modelle werden um die Schulter gelegt oder über den Arm gezogen. Das Tragen unter der Kleidung ist in der Regel problemlos möglich.

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Schulterluxation (ausgekugelte Schulter)

Eine ausgekugelte Schulter, medizinisch als Schulterluxation bezeichnet, gehört zu den häufigsten Gelenkverletzungen. Die Schulter ist aufgrund ihrer besonderen Anatomie besonders anfällig für solche Verletzungen.

Ursachen einer Schulterluxation

Die Ursachen für eine ausgekugelte Schulter sind vielfältig:

  • Sportverletzungen: Kontaktsportarten wie Handball, Volleyball, Rugby oder Kampfsportarten wie Judo bergen ein erhöhtes Risiko. Vor allem bei Sportarten wie Handball, Tennis oder Skifahren ist die Gefahr einer Schulterluxation groß.
  • Stürze: Besonders gefährlich sind Stürze auf den ausgestreckten Arm oder direkt auf die Schulter. Die Schulter kugelt häufig bei dem Versuch aus, sich mit dem Arm bei einem Sturz o.ä. abzufangen.
  • Bindegewebsschwäche und Hypermobilität: Menschen mit angeborener Bindegewebsschwäche haben ein erhöhtes Risiko für Schulterluxationen.
  • Vorherige Luxationen: Wer bereits einmal eine Schulterluxation erlitten hat, trägt ein deutlich erhöhtes Risiko für weitere Luxationen.

Symptome einer Schulterluxation

Eine Schulterluxation lässt sich meist eindeutig erkennen:

  • Akuter, starker Schmerz: Der Schmerz setzt sofort ein und ist oft so intensiv, dass Betroffene die Schulter nicht mehr bewegen können.
  • Sichtbare Fehlstellung: Die ausgekugelte Schulter zeigt eine charakteristische Verformung. Die Schulterkontur wirkt abgeflacht, und der Oberarmkopf kann unter der Haut an ungewöhnlicher Stelle tastbar sein. Meist fällt eine veränderte Schulterkontur durch einen nach vorne stehenden Oberarmkopf auf.
  • Massive Bewegungseinschränkung: Jede Bewegung der Schulter ist extrem schmerzhaft oder unmöglich.
  • Taubheitsgefühle und neurologische Symptome: In manchen Fällen kommt es zu Kribbeln, Taubheit oder Schwächegefühl im Arm.

Diagnose einer Schulterluxation

Die Diagnose einer Schulterluxation umfasst:

  • Anamnesegespräch: Erfragung der Umstände der Verletzung.
  • Körperliche Untersuchung: Inspektion und Abtastung der Schulter.
  • Röntgenuntersuchung: Bestätigung der Luxation und Ausschluss knöcherner Begleitverletzungen.
  • MRT (Magnetresonanztomographie): Detaillierte Beurteilung von Weichteilstrukturen. Eine kernspintomographische Untersuchung (MRT) kann genauer darüber Aufschluss geben, ob es außerdem zu weiteren Verletzungen der Schulter gibt.

Behandlung einer Schulterluxation

Die Behandlung einer Schulterluxation umfasst:

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  • Erste Hilfe:
    • Schulter ruhigstellen
    • Kühlen
    • Niemals selbst einrenken!
  • Reposition: In der Notaufnahme wird die Schulter unter Schmerzmedikation oder leichter Sedierung wieder eingerenkt. Sollten Sie den Verdacht haben, dass Ihre Schulter ausgekugelt ist, lassen Sie diese nur durch einen fachkundig geschulten Arzt wieder einrenken!
  • Ruhigstellung: Nach erfolgreicher Reposition wird die Schulter sofort ruhiggestellt, meist mit einer speziellen Orthese oder Armschlinge. Im Anschluss an die Reposition muss das Schultergelenk ruhig gestellt bzw. immobilisiert werden, um die Schulterschmerzen zu reduzieren und damit der Kapsel-Bandapparat ausheilen kann.
  • Konservative Therapie:
    • Ruhigstellung in Orthese oder Schlinge für etwa zwei bis drei Wochen. Dafür werden vom Arzt entsprechende Bandagen, Orthesen oder Abduktionskissen verordnet.
    • Physiotherapie: Schrittweise Mobilisation und Kräftigung der Rotatorenmanschette.
    • Propriozeptionstraining: Schulung der Tiefenwahrnehmung und Koordination der Schulter.
  • Operative Therapie:
    • Bankart-Repair (arthroskopisch): Befestigung des abgerissenen Labrums an der Gelenkpfanne.
    • Latarjet-Operation: Versetzung eines Knochenblocks vom Rabenschnabelfortsatz des Schulterblatts an den vorderen Pfannenrand.
    • Rekonstruktion des Oberarmkopfes: Wenn es zu einer knöchernen Mitbeteiligung des Oberarmkopfes gekommen ist. In diesem Fall muss die Schulter operativ rekonstruiert werden, damit Gelenkkopf und Gelenkpfanne möglichst wasserdicht wieder aufeinander passen.

Ob es im Anschluss der Schulterluxation zu einer konservativen Therapie oder zu einer Operation kommt, hängt von mehreren Faktoren ab. Zeigt sich durch die vorhergehende Diagnostik, dass wichtige Stabilisatoren in der Schulter verletzt wurden (z.B. Abriss des Labrums) oder es knöcherne Verletzungen gibt, sollten diese bei jüngeren, sportlich und beruflich aktiven Patienten frühzeitig operativ repariert werden.

Rehabilitation nach Schulterluxation

Die Rehabilitation nach einer Schulterluxation ist entscheidend für den Heilungserfolg und die Wiederherstellung der vollen Schulterfunktion:

  • Phase 1 (0-6 Wochen): Ruhigstellung und Schmerzlinderung. Passive Bewegungsübungen unter physiotherapeutischer Anleitung.
  • Phase 2 (6-12 Wochen): Aktive Mobilisation und leichte Kräftigungsübungen für die Rotatorenmanschette.
  • Phase 3 (3-6 Monate): Kontinuierliche Steigerung der Belastung. Krafttraining, Koordinationsübungen und sportspezifisches Training.

Die Heilungsdauer bei Schulterluxation ohne OP beträgt in der Regel drei bis vier Monate. Nach einer Operation kann die vollständige Genesung vier bis sechs Monate oder länger dauern.

Prävention von erneuten Schulterluxationen

Nach einer Schulterluxation kann die Schulter für eine gewisse Zeit instabil bleiben. Folgende Maßnahmen können helfen, erneute Luxationen zu vermeiden:

  • Ergonomisches Arbeiten: Achten Sie am Arbeitsplatz auf eine schulterfreundliche Haltung.
  • Vermeidung von riskanten Bewegungen: Bestimmte Bewegungen belasten die Schulter besonders stark und sollten in der Heilungsphase vermieden werden.
  • Schlafpositionen: Schlafen Sie möglichst nicht auf der betroffenen Schulter.
  • Richtiges Heben und Tragen: Heben Sie schwere Lasten aus den Beinen heraus und halten Sie diese nah am Körper.
  • Sportartspezifisches Training: Um das Risiko für erneute Luxationen zu senken, sind regelmäßige Übungen zur Kräftigung der Rotatorenmanschette und des Schultergürtels unverzichtbar.

Sport nach Schulterluxation

Die Wiederaufnahme sportlicher Aktivitäten hängt von der Schwere der Verletzung, der Behandlungsmethode und dem individuellen Heilungsverlauf ab. Leichte Sportarten ohne Schulterbelastung wie Radfahren oder lockeres Joggen können oft nach sechs bis acht Wochen wieder aufgenommen werden. Für Kontakt- und Überkopfsportarten sollten Sie mindestens drei bis sechs Monate einplanen.

Langzeitfolgen einer Schulterluxation

Eine Schulterluxation kann auch nach erfolgreicher Behandlung langfristige Folgen haben:

  • Chronische Instabilität: Die häufigste Spätfolge ist eine dauerhafte Instabilität der Schulter.
  • Labrumläsionen: Verletzungen des Labrums, wie die Bankart-Läsion oder die SLAP-Läsion.
  • Hill-Sachs-Delle: Eine Delle im Oberarmkopf.
  • Arthroseentwicklung: Wiederholte Luxationen können langfristig zur Entwicklung einer Schulterarthrose führen.

Schulterprobleme nach Schlaganfall (Apoplex)

Armlähmungen gehören zu den häufigsten Folgen einer Hirnschädigung, wie zum Beispiel nach einem Schlaganfall (Apoplex). Die Armlähmung kann sehr unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Häufig beobachtet werden leichtere Lähmungen und auch sehr schwere Lähmungen.

Ursachen von Armlähmungen nach Schlaganfall

Im Gehirn gibt es Gebiete, die für die Steuerung jeder Bewegung erforderlich sind. In der linken Hirnhälfte liegen diese für die rechte Körperseite, in der rechten Hirnhälfte für die linke Körperseite. Man nennt diese Gebiete „motorischer Kortex“ (Hirnrinde). Eine Lähmung entsteht, wenn entweder der motorische Kortex selbst geschädigt ist oder wenn die Nervenleitbahnen vom motorischen Kortex zum Rückenmark geschädigt sind (die sogenannten „kortikospinalen Bahnen“).

Therapie von Armlähmungen nach Schlaganfall

In der Arm-Rehabilitation können sehr unterschiedliche therapeutische Ansätze gewählt werden. Einerseits gibt es verschiedene Therapieformen ohne technische Geräte, um in der Ergo- oder Physiotherapie den betroffenen Arm aktiv zu trainieren.

Hinsichtlich der Dauer und Intensität der Therapie sollte die Rehabilitation der Armmotorik früh nach einem Schlaganfall beginnen. Insbesondere in der frühen Phase nach dem Schlaganfall wird empfohlen, dass eine zusätzliche spezifische Armrehabilitation für mindestens 30 Minuten jeden Werktag erfolgt. In der späten Krankheitsphase (zum Beispiel ein Jahr und später nach einem Schlaganfall) können spezifische Maßnahmen der Armrehabilitation empfehlenswert sein, wie zum Beispiel 90-270 Minuten pro Woche ein strukturiertes, sich wiederholendes Training.

Zusätzlich gibt es geräteunterstützte Therapien wie die neuromuskuläre Elektrostimulation und die Robot-Therapie, aber auch die Therapie mit virtueller Realitätsanwendungen sowie die sensible Stimulation und Akupunktur.

Einige Therapieansätze sind:

  • Arm-Basis-Training: Übt man jeden Tag die Bewegungsfähigkeit wiederholt und einzeln in den verschiedenen Abschnitten von Arm, Hand und Fingern.
  • Arm-Fähigkeits-Training: Trainiert täglich Präzision und Geschwindigkeit („Geschicklichkeit“) bei verschiedenen Armfunktions-Anforderungen an der individuellen Leistungsgrenze.
  • Bewegungsinduktionstherapie (CIMT): Eine spezielle Therapie für Schlaganfall-Betroffene mit einem „erlernten Nicht-Gebrauch“.
  • Spiegeltherapie: Der Patient betrachtet im Spiegel die Bewegung seiner nicht gelähmten Hand.
  • Mentales Training: Eine Verbesserung der Armfunktion ist auch durch das mentale Training denkbar.
  • Neuromuskuläre Elektrostimulation: Nerven und Muskel am Arm werden elektrisch stimuliert.
  • Arm-Therapie-Roboter: Können je nach Bauart Schulter- und Ellenbogen-Bewegungen, Unterarm- und Handgelenksbewegungen oder Fingerbewegungen mechanisch unterstützen.
  • Sensible Stimulation: Verschiedene Formen der sensiblen Stimulation können als Zusatztherapie zur Behandlung von Armlähmungen erwogen werden.

Spezialkleidung nach Schulteroperationen

Nach einer Schulteroperation ist das richtige Outfit entscheidend für eine schnelle Erholung und den täglichen Komfort. Spezielle Textilien können das Leben nach der Operation erleichtern.

Abhängig von der Art der durchgeführten Schulteroperation können bestimmte Kleidungsstücke empfohlen werden:

  • Rotatorenmanschetten-Reparatur: Kleidungsstücke mit Vorderverschlüssen oder seitlichen Öffnungen sind vorteilhaft, um unnötige Bewegungen zu vermeiden.
  • Schultergelenkersatz: Die Bekleidung sollte locker sitzen, um Reibung an der empfindlichen Operationsstelle zu vermeiden, und möglichst wenig Widerstand beim Anziehen bieten.
  • Schulterstabilisierung: Enge oder steife Stoffe könnten die Bewegung unnötig einschränken oder Druck auf die operierte Stelle ausüben.
  • Arthroskopische Schulter-OP: Enge Kleidung kann unangenehm sein und Reibung an den Einstichstellen verursachen.

Weitere Tipps für die Kleiderwahl nach einer Schulteroperation:

  • Unterwäsche, die vorn geteilt wird.
  • Hosen mit Gummibund oder Modelle mit seitlichen Verschlüssen erleichtern das Ankleiden.

Unterstützung des Heilungsprozesses nach Schulteroperationen

Nach einer Schulteroperation ist es entscheidend, den Heilungsprozess aktiv zu unterstützen, um die Beweglichkeit wiederherzustellen und Schmerzen zu minimieren:

  • Frühzeitige und kontinuierliche Physiotherapie: Bereits am ersten Tag nach der Operation sollten passive Bewegungsübungen unter Anleitung eines Physiotherapeuten beginnen.
  • Schonung und richtige Lagerung: In den ersten Wochen nach der Operation sollte die Schulter geschont und nicht aktiv belastet werden.
  • Schmerzmanagement: Eine effektive Schmerztherapie ist wichtig, um die aktive Teilnahme an Rehabilitationsmaßnahmen zu ermöglichen.
  • Anpassung des Alltagsverhaltens: Um den Heilungsprozess nicht zu gefährden, sollten Sie bestimmte Bewegungen und Belastungen im Alltag vermeiden.
  • Geduld und realistische Erwartungen: Die Rehabilitation nach einer Schulteroperation kann mehrere Monate dauern.

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