Spätestens seit der Pandemie haben medizinische Themen wieder eine größere Bedeutung in den Regionalmedien erlangt. Allgemeine Gesundheits- und Ernährungstipps sind ebenfalls beliebte Themen. Oftmals mangelt es jedoch an spezialisierten Redakteuren, die medizinische Studien und Expertenmeinungen schnell und kompetent einordnen können.
Qualität der Wissenschafts- und Medizinberichterstattung
Das Projekt „Medien-Doktor ASSISTANCE“ zielt darauf ab, die Qualität der Wissenschafts- und Medizinberichterstattung in Regionalmedien zu verbessern. In Zusammenarbeit mit Praxispartnern wie den Ruhr Nachrichten und der Nürnberger Zeitung sollen die besonderen Bedürfnisse und Anforderungen der Lokaljournalismus herausgearbeitet werden. Die Erkenntnisse sollen in die Entwicklung eines teilautomatisierten Systems einfließen, das Redaktionen bei der Einhaltung von Qualitätsstandards in der Wissenschaftsberichterstattung unterstützt.
Aktuelle Forschung und Entwicklungen im Fokus
Ein Artikel der „Augsburger Allgemeinen Zeitung“ beleuchtete beispielsweise die mögliche lebensverlängernde Wirkung von Taurin. Ein Beitrag im „Münchner Merkur“ berichtete über die Entwicklung eines neuen Sars-Cov-2-Impfstoffs, der als Nasenspray verabreicht werden könnte. Es wurde jedoch betont, dass es sich bisher ausschließlich um Tierversuche handelt und die Erprobung am Menschen erst im Rahmen einer ersten klinischen Studie geplant ist.
Parkinson im Fokus: Diagnose und Therapie
Ein Artikel der „Augsburger Allgemeinen“ beschrieb die Erprobung eines neuen Diagnoseverfahrens für Parkinson. Der Beitrag machte deutlich, dass der Test erst entwickelt wird und noch nicht allgemein zur Verfügung steht. Informationen zur Zuverlässigkeit der Diagnostik, insbesondere zu Sensitivität und Spezifität des Tests, fehlten jedoch.
Anna Schubert wurde für ihren TV-Beitrag über den hoch fokussierten Ultraschall als Therapieoption bei M. Parkinson mit dem Deutschen Medienpreis der DGN 2023 ausgezeichnet. Dabei werden durch die sich die gebündelten hochintensiven Ultraschallwellen in einem zuvor berechneten Punkt im Thalamus gezielt thermische Läsionen gesetzt, welche die Tremor-auslösenden Zellen ausgeschaltet werden.
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Long Covid und mögliche neurologische Folgen
Die Corona-Pandemie hat auch die Forschung zu neurologischen Erkrankungen beeinflusst. Es gibt Diskussionen darüber, ob Covid-19 das Entstehen von Alzheimer und Parkinson begünstigt. Einige Patienten zeigen neurologische Störungen, die möglicherweise auf ein Eindringen des Virus ins Gehirn hindeuten könnten. Es ist noch unklar, welche langfristigen Folgen dies haben könnte.
Prof. Christian Haass, ein renommierter Hirnforscher aus Icking, wies darauf hin, dass es Parallelen zur Spanischen Grippe gibt, nach der viele Infizierte an Parkinson-ähnlichen Syndromen erkrankten. Er betonte, dass Covid-19 eine sehr ernst zu nehmende Erkrankung ist.
Herausforderungen und Ausblick
Die Berichterstattung über medizinische Themen in Regionalmedien steht vor der Herausforderung, komplexe wissenschaftliche Informationen verständlich und korrekt zu vermitteln. Projekte wie „Medien-Doktor ASSISTANCE“ sind wichtige Initiativen, um die Qualität der Wissenschaftsberichterstattung zu verbessern.
Die Forschung zu Parkinson und anderen neurologischen Erkrankungen wird durch die Corona-Pandemie zusätzlich befeuert. Es bleibt zu hoffen, dass die gewonnenen Erkenntnisse zu neuen Diagnose- und Therapieansätzen führen werden.
Der Fall Ozzy Osbourne: Ein Leben mit Parkinson
Ozzy Osbourne, der an Parkinson erkrankt war, starb im Alter von 76 Jahren. Seine Parkinson-Erkrankung hatte längst Herrschaft über seine Gliedmaßen übernommen. Black Sabbath spielten ihr Abschiedskonzert in Birmingham. Zuvor verabschiedete sich ihr Frontmann mit fünf seiner Solo-Hits von den Menschen, darunter „Mama, I’m coming home“. Die „The End“-Tour mit Sabbath brachte Osbourne 2017 noch zu Ende - seine Konzertreise zum Abschied als Solokünstler musste er abbrechen. Parkinson, 2019 diagnostiziert, und die vielen Jahre mit Alkohol und anderen Drogen forderten ihren Tribut.
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Long Covid: Rätselhafte Corona-Langzeitfolgen
Viele Menschen, die Covid-19 überstanden haben - die Weltgesundheitsorganisation WHO geht allein für Europa von bis zu 17 Millionen aus - fühlen sich über Wochen, Monate oder Jahre nicht mehr richtig gesund. Die WHO warnt bereits vor den enormen Belastungen, die durch Long Covid auf die Gesundheitssysteme weltweit zukommen könnten. Mehr als 200 Symptome werden mittlerweile mit Long Covid in Verbindung gebracht. Andere entwickeln in der Folge Erkrankungen wie Diabetes, Herzmuskelentzündungen oder gar einen Schlaganfall, auch wurde bereits diskutiert, ob Covid-19 das Entstehen von Alzheimer und Parkinson begünstigt.
Studien deuten darauf hin, dass Long Covid nach einer Infektion mit einer Omikron-Variante seltener auftritt als nach einer mit früheren Varianten. Das große Problem bei der Diagnostik von Long Covid ist bisher allerdings das Fehlen von Biomarkern. Deshalb wird intensiv nach solchen Biomarkern geforscht, sie könnten dann auch als Basis für die Entwicklung gezielt wirkender Medikamente genutzt werden. Forschende der Yale University (USA) entdeckten im Blut von Betroffenen erschöpfte T-Zellen, was dafür spricht, dass diese Abwehrzellen dauerhaft stimuliert werden, zum Beispiel durch vorhandene Coronaviren oder reaktivierte andere Viren wie Epstein Barr oder Herpes.
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