Einführung
Im Bereich der alternativen Medizin erfreuen sich Schüssler Salze wachsender Beliebtheit. Diese Therapieform, entwickelt im 19. Jahrhundert von Dr. Wilhelm Heinrich Schüßler, basiert auf der Annahme, dass viele Krankheiten und Beschwerden durch Störungen im Mineralhaushalt des Körpers entstehen. Dieser Artikel beleuchtet die Anwendung von Schüssler Salzen bei Sklerose und Bindegewebsschwäche, wobei besonderes Augenmerk auf die Rolle des Bindegewebes und die spezifischen Wirkungen der einzelnen Salze gelegt wird.
Das Bindegewebe: Eine umfassende Betrachtung
Definition und Aufgaben
Das Bindegewebe ist ein vielseitiges Gewebe, das verschiedene Organe miteinander verbindet, die Zwischenräume zwischen ihnen ausfüllt und Strukturen innerhalb der Organe bildet. Es besteht aus Zellen und der extrazellulären Matrix (EZM), die die Zellen umgibt. Die EZM spielt eine entscheidende Rolle bei der Versorgung und Entsorgung der Zellen sowie bei Entzündungs- und Abwehrreaktionen des Körpers.
Im Alltag wird der Begriff "Bindegewebsschwäche" oft im Zusammenhang mit Organsenkungen, Krampfadern, Bandscheibenproblemen, Senk-Spreizfüßen oder Faltenbildung der Haut verwendet. Medizinisch gesehen ist das Bindegewebe jedoch viel umfassender und erfüllt vielfältige Aufgaben im Körper.
Zusammensetzung und Arten
Das Bindegewebe besteht aus Faserproteinen (Kollagen, Elastin), langkettigen Proteinen und der Grundsubstanz. Je nach Beschaffenheit dieser Bestandteile werden verschiedene Bindegewebsarten unterschieden:
- Lockeres Bindegewebe: Füllmaterial zwischen den Organen, kann sich bei überkalorischer Ernährung in Fettzellen umwandeln.
- Straffes Bindegewebe: Hoher Anteil an Kollagenfasern, wenig Zellen; kommt in Sehnen, Bändern, Organkapseln und Faszien vor.
- Retikuläres Bindegewebe: Vorwiegend in lymphatischen Organen (Leber, Milz, Knochenmark, Lymphknoten, Thymus).
- Stützgewebe: Knorpel und Knochen, deren Interzellularsubstanz mineralisiert ist.
Bedeutung für den Körper
Das Bindegewebe dient als strukturgebendes Gewebe in den Organen, bildet Aufhängebänder und Umhüllungen. Als Knochen und Knorpel bildet es das Grundgerüst des Körpers und ermöglicht Bewegung. Die EZM umhüllt die Zellen und ermöglicht den Transport von Nährstoffen, Sauerstoff und Stoffwechselprodukten. Zudem dient das Bindegewebe als Deponie für Schadstoffe und Säuren, was in der Naturheilkunde als "mesenchymale Verschlackung" bezeichnet wird.
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Schüssler Salze und ihre Beziehung zum Bindegewebe
Das Konzept der Schüssler Salze
Dr. Schüßler ging davon aus, dass Krankheiten durch einen Mangel an bestimmten Mineralsalzen in den Zellen entstehen. Durch die Zufuhr dieser Salze in potenzierter Form soll der Körper in die Lage versetzt werden, den Mineralhaushalt wieder auszugleichen und die Selbstheilungskräfte zu aktivieren.
Relevante Schüssler Salze für das Bindegewebe
Einige Schüssler Salze sind besonders wichtig für die Gesundheit und Funktion des Bindegewebes:
- Nr. 1 Calcium fluoratum (Flussspat, Calciumfluorid): Das Salz des Bindegewebes, der Gelenke und der Haut. Es soll für Schutz, Elastizität, Spannung und Form von Zellen, Geweben, Organen und Stützstrukturen des Körpers sorgen. Es bildet die Hüllen verschiedener Körperteile und hilft, sie vor Schäden zu schützen. Zu diesen Hüllen zählen die Oberflächen von Knochen und Zähnen (Zahnschmelz), die durch Calciumfluorid die nötige Härte erhalten. Die Knochen werden so vor Brüchen geschützt, Zähne vor bakteriellen Schäden wie Karies. Auch für die Blutgefäßwände ist Calcium fluoratum wichtig, denn sie müssen dem ständigen Druck des durchströmenden Blutes standhalten. Calcium fluoratum unterstützt die Spannung und Elastizität der Blutgefäße. Calcium fluoratum ist wichtig für die Haut, Keratine sorgen als Strukturproteine für stabile und elastische Zellen und werden dabei durch Calciumfluorid unterstützt.
- Nr. 4 Kalium chloratum (Kaliumchlorid): Nach Dr. Schüßler führt ein Mangel an Nr. 4 Kalium chloratum D6 auch dazu, dass das Blut, zäh, schwärzlich und dickflüssig erscheint. Wenn das Blut durch Freiwerden des Faserstoffs zu zäh wird, kann es zu erweiterten Gefäßen kommen: wir sprechen dann von Couperose im Gesicht bzw. Besenreisern an den Beinen. Menschen, die einen hohen Bedarf an diesem Funktionsmittel haben sollten eine Zeit lang ganz auf tierische Eiweiße, auch und besonders auf Molkereiprodukte verzichten!
- Nr. 11 Silicea (Kieselsäure): Wichtig für die Bildung von Kollagen, das dem Bindegewebe, den Sehnen, Bändern, Blutgefäßen, Haut und Knorpel Festigkeit und Elastizität verleiht. Hartmut Heine hebt die Bedeutung der Kieselsäure in Hinblick auf ECM besonders hervor: Die Fähigkeit der ECM, Radikale fangen zu können, ist bisher zu wenig berücksichtigt worden. Dabei spielt die Kieselsäure (Si) eine überragende Rolle…. Sie ist als Spurenelement ein integrales Element der ECM, das mit allen ihren Komponenten Verbindungen eingehen kann und das für die intrazelluläre Energiebereitstellung (ATP) in den Mitochondrien unerlässlich ist……Die biologisch aktive Form von Si ist die Kieselsäure (Si(OH)4 bzw. SiO2nH2O), die stets polymer vorliegt. Sie wird ähnlich den anderen Spurenelementen über die Nahrung aufgenommen
- Nr. 21 Zincum chloratum (Zinkchlorid): Soll den Körper beim Aufbau von Bindegewebe, Knochen, Knorpel, Sehnen und Bändern unterstützen. Hilfreich bei Allergien und zur Stärkung der Immunabwehr. Zink ist neben Eisen das häufigste Spurenelement im menschlichen Körper und erfüllt viele wichtige Funktionen. Zink ist unter anderem ein wichtiger Schutz für die Membran jeder Körperzelle. Das Schüßler-Salz Nr. 21, Zinkchlorid oder Zincum chloratum, soll daher zur Stabilisierung der Zellmembranen beitragen. Nach Schüßler-Experten hilft das Mineralsalz Zinkchlorid beim Aufbau von Knorpel, Knochen, Bindegewebe, Sehnen und Bändern, da es an der körpereigenen Bildung von Kollagen und Elastin beteiligt ist.
Anwendung bei Bindegewebsschwäche
Bei Bindegewebsschwäche können die genannten Schüssler Salze unterstützend eingesetzt werden, um die Elastizität und Festigkeit des Gewebes zu verbessern, Entzündungen zu reduzieren und den Stoffwechsel anzuregen. Die Auswahl der geeigneten Salze und die Dosierung sollten jedoch individuell durch einen erfahrenen Therapeuten erfolgen.
Anwendung bei Sklerose
Die Multiple Sklerose ist eine Autoimmunerkrankung, bei der die Myelinscheiden der Nervenfasern im Gehirn und Rückenmark geschädigt werden. Für den Aufbau der Myelinscheiden braucht es Vitamin B12 (Cobalamin). Auf den Aufbau der Neuroglia wirken die biochemischen Funktionsmittel Nr. 5 Kalium phosphoricum D6, Nr. 11 Silicea D12, Nr. 19 Cuprum arsenicosum D12 und Nr. 21 Zincum chloratum .
Fallbeispiele und Erfahrungsberichte
(Hinweis: An dieser Stelle könnten konkrete Fallbeispiele oder Erfahrungsberichte von Patienten eingefügt werden, die mit Schüssler Salzen bei Bindegewebsschwäche oder Sklerose behandelt wurden. Da keine solchen Informationen vorliegen, wird dieser Abschnitt hier ausgespart.)
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Weitere unterstützende Maßnahmen
Neben der Einnahme von Schüssler Salzen können folgende Maßnahmen die Gesundheit des Bindegewebes und den Verlauf von Sklerose positiv beeinflussen:
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel frischem Obst und Gemüse, ausreichend Eiweiß und gesunden Fetten ist wichtig für den Aufbau und die Regeneration des Bindegewebes.
- Bewegung: Regelmäßige Bewegung und Sport stärken die Muskulatur und das Bindegewebe.
- Vermeidung von Schadstoffen: Der Kontakt mit Schadstoffen wie Nikotin, Alkohol und Umweltgiften sollte vermieden werden.
- Stressmanagement: Chronischer Stress kann sich negativ auf das Bindegewebe und den Verlauf von Autoimmunerkrankungen auswirken. Entspannungstechniken wie Yoga, Meditation oder autogenes Training können helfen, Stress abzubauen.
- Basische Ernährung: Die in der Naturheilkunde vertretene These der "Übersäuerung" des Körpers durch falsche Ernährungsgewohnheiten, soll durch eine basische Ernährung ausgeglichen werden.
Systemische Sklerose (Sklerodermie, Systemsklerose, SS, Progressive Systemsklerose PSS)
Chronische autoimmunologische Bindegewebserkrankung aus der Gruppe der Kollagenosen. Es kommt zu Verdickung und Verhärtung der Haut, mit oder ohne Beteiligung innerer Organe (z. B. Speiseröhre, Lunge, Nieren oder Herz), Gelenke oder Muskeln. Über 90 % der Patientinnen leiden unter einem sekundären Raynaud-Syndrom mit Durchblutungsstörungen vor allem an den Fingern. Frauen erkranken etwa viermal häufiger als Männer. Der Krankheitsbeginn liegt meist zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr. Eine Heilung ist nicht möglich, stattdessen steht die Linderung der Beschwerden und die Behandlung der jeweiligen Organschäden im Vordergrund. Zum Einsatz kommen physikalische Maßnahmen, Kälteprophylaxe, Rauchverbot und eine immunmodulierende, antientzündliche Therapie, z. B. Hinweis: Unterschieden von der systemischen Sklerose wird die zirkumskripte Sklerodermie. Sie zeichnet sich durch umschriebene Verhärtungen (Sklerose) der Haut aus, ohne dass dabei innere Organe betroffen sind oder eine Raynaud-Symptomatik auftritt. Ausgangspunkt der systemischen Sklerose ist ein fehlgeleitetes Immunsystem. Es erkennt körpereigene Strukturen als fremd und regt die weißen Blutkörperchen an, Antikörper gegen das eigene Gewebe (Autoantikörper) zu bilden. Die Autoantikörper verteilen sich über das Blut im ganzen Organismus und verursachen an Organen, Gelenken und in der Haut Entzündungen. Gleichzeitig produziert der Körper mehr Bindegewebsfasern (Kollagen). Die überproduzierten Fasern lagern sich als Knoten und Verhärtungen in der Haut an und in den inneren Organen ab. Zusätzlich kommt es durch die autoimmunen Prozesse zu einer Schädigung der Innenschicht der Blutgefäße. Die systemische Sklerose ist selten, es erkranken etwa 50 von 100.000 Menschen in Deutschland daran. Die Ursache ist unklar, eine genetische Veranlagung ist anzunehmen. Diskutiert werden zudem verschiedene Krankheitsauslöser, beispielsweise Chemikalien wie organische Lösungsmittel, Benzin, Quarzstaub oder Formaldehyd. Die systemische Sklerose wird in zwei Formen eingeteilt: die häufigere limitierte Form und die diffuse Form. Bei beiden Formen sind Finger, Zehen sowie Nase und Ohren verhärtet und verdickt. Das Gesicht ist maskenhaft starr, die Mundöffnung verkleinert (Mikrostomie). Die Haut ist aufgequollen, aber zugleich straff und verhärtet, oft lagert sich Kalk ein. Besonders an den Fingern entwickeln sich durch die Veränderungen an Haut und Bindegewebe Kontrakturen (Sklerodaktylie). Das bedeutet, dass die Gelenke in einer Stellung fixiert sind. Bei der limitierten Form beschränken sich die Hautveränderungen fast immer auf die Akren (Finger, Zehen, Nase, Ohren) und das Gesicht. Die seltenere diffuse Form ist weitaus aggressiver. Die Hautveränderungen breiten sich über den gesamten Körper und das Gesicht aus. Außerdem leiden die Patientinnen meist erheblich unter trockenen Schleimhäuten, was sich vor allem an den Augen und im Mund bemerkbar macht. Oft entzünden sich auch die Gelenke. Diese schmerzen dann und werden steif. Bei etwa der Hälfte der Patientinnen ist die Speiseröhre betroffen: ihre Wand wird zunehmend starr, Schluckbeschwerden sind die Folge. Als zweithäufigstes Organ wird die Lunge in Mitleidenschaft gezogen, in Form einer Lungenfibrose mit trockenem Husten und Atemnot. Das zunehmende Bindegewebe versteift die Lunge und behindert das Einatmen. Am Herzen drohen Muskelentzündungen und in der Folge Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen. Das CREST-Syndrom ist eine Sonderform der systemischen Sklerose, die vor allem Frauen über 50 Jahre betrifft. Calcinosis cutis (knotige Kalkeinlagerungen in der Haut) Raynaud-Syndrom Bewegungsstörungen der Speiseröhre (englisch Speiseröhre = esophagus) Sklerodaktylie (gespannte und verhärtete Haut an den Fingern) Teleangiektasien (erweiterte Blutgefäße in der Haut, Besenreiser). Eine Verdachtsdiagnose stellen Ärztinnen bereits nach der klinischen Untersuchung, wenn ihnen die typischen Verhärtungen an Fingern und Zehen auffallen. Auch ein Raynaud-Syndrom spricht für eine Sklerodermie. Kapillarmikroskopie des Nagelfalzes. Dafür tropft die Ärztin etwas Öl auf das Nagelbett (die Nagelfalz) und untersucht es unter einem herkömmlichen Mikroskop. Im Frühstadium sind die Kapillaren (kleinste Blutgefäße) erweitert und manchmal auch ausgesackt. Im Spätstadium ist die Anzahl der Kapillaren deutlich vermindert und es gibt gefäßfreie Zonen. Manchmal lassen sich auch vermehrt Pigmentablagerungen erkennen. Die Kapillarmikroskopie ist wichtig, um das sekundäre Raynaud-Syndrom im Rahmen einer systemischen Sklerose von einem primären Raynaud-Syndrom zu unterscheiden. Hautbiopsie. Mit einer Hautbiopsie lässt sich die Diagnose bestätigen. Dazu entnimmt die Ärztin eine Hautprobe aus einer verhärteten und verdickten Stelle und untersucht sie feingeweblich unter dem Mikroskop. Typische Merkmale sind z. B. Laboruntersuchungen. Bei den Laboruntersuchungen sprechen vor allem die typischen Antikörper für eine systemische Sklerose. Allerdings kann die Erkrankung auch vorliegen, ohne dass diese erhöht sind. Am wichtigsten ist der Nachweis von antinukleären Antikörpern (ANA), die bei 90 % der Patientinnen vorhanden sind. Etwa ein Drittel der Betroffenen hat auch einen positiven Rheumafaktor. Anti-Scl-70-Antikörper sind bei etwa 40 % der Patientinnen mit diffuser systemischen Sklerose positiv und sprechen für eine schlechte Prognose. Antizentromer-Antikörper finden sich vor allem bei der limitierten Form und beim CREST-Syndrom. Anti-RNA-Polymerase III-Antikörper sind mit einer prognostisch ungünstigen Nierenbeteiligung assoziiert. Weitere Laboruntersuchungen helfen dabei, das Ausmaß der Erkrankung zu erkennen. Die Entzündungswerte (CRP, BSG) zeigen, wie stark die Entzündung ausgeprägt ist. Anhand von Kreatininwert und Eiweißausscheidung im Urin weist man eine Nierenbeteiligung nach. Apparative Diagnostik. Bei Schluckbeschwerden zeigen Ösophagus-Breischluck und die Speiseröhrendruckmessung, ob die Speiseröhre beteiligt ist. Um eine Lungenfibrose frühzeitig zu erkennen, werden regelmäßig CT-Aufnahmen der Lunge angefertigt und die Funktion der Lunge untersucht. Die Behandlung der systemischen Sklerose richtet sich nach den betroffenen Organen. Neben dem Erhalt bzw. Basis der Therapie sind allgemeine Maßnahmen (siehe Ihre Apotheke empfiehlt) und eine immunmodulierende und antientzündliche Therapie, die an das Ausmaß der systemischen Entzündung angepasst wird. Wenn allgemeine Maßnahmen (siehe unter Ihre Apotheke empfiehlt) zur Linderung der Hautproblematik nicht ausreichen oder wenn innere Organe beteiligt sind, verordnen die Ärztinnen in der Regel eine antientzündliche bzw. immunmodulatorische Therapie. Medikamente. Neben Kortison werden verschiedene antirheumatische Wirkstoffe eingesetzt. Dazu gehören Cyclophosphamid, Azathioprin, Methotrexat, Mycophenolat-Mofetil oder Tocilizumab. Sie setzen an unterschiedlichen Stellen des Immunsystems an und bremsen dadurch die entzündlichen Vorgänge. Extrakorporale Photopherese. Bei dieser in speziellen Zentren durchgeführten Behandlung werden der Patientin zunächst mithilfe einer Blutwäsche weiße Blutkörperchen (Immunzellen) entnommen, diese mit UV-Licht bestrahlt und wieder zurückinfundiert. Die veränderten, zurückinfundierten Blutkörperchen bewirken dann im Körper, dass die krankhafte Immunreaktion abgemildert wird. Plasmapherese. Sind die Antikörper-Titer im Blut sehr hoch, kann eine Plasmapherese helfen. Dabei handelt es sich um eine Art Blutwäsche, wodurch die Antikörper aus dem Blut entfernt und damit zumindest zeitweise reduziert werden. Stammzelltransplantation. Dieses sehr riskante und aufwändige Verfahren wird eingesetzt, wenn keine anderen Maßnahmen mehr helfen und innere Organe wie die Lunge schwer betroffen sind. Gegen Gelenkschmerzen kommen nichtsteroidale Antirheumatika wie Diclofenac oder Ibuprofen zum Einsatz. Bei starken Gelenkschmerzen und -schwellungen hilft auch niedrig dosiertes Kortison. Trockene Augen lindert man mit Dexpanthenol-Augentropfen oder künstlichen Tränen. Bei Raynaud-Symptomatik kann das Auftragen von nitrathaltiger Salbe die Durchblutung an den betroffenen Stellen verbessern. Nitratsalbe gibt es in Deutschland allerdings nicht als Fertigpräparat, sie muss in der Apotheke angemischt werden. Zur Behandlung schwerer Durchblutungsstörungen dient die intravenöse Gabe von Prostaglandinpräparaten oder Iloprost. Sind Arterien betroffen, ist manchmal ein gefäßchirurgischer Eingriff erforderlich (z. B. Kalkeinlagerungen in der Haut (Calcinosis cutis) erfordern ebenfalls ein chirurgisches Eingreifen. Zur Therapie der interstitiellen Lungenfibrose gibt es seit einigen Jahren vielversprechende Wirkstoffe. Behandelt wird zweigleisig, und zwar sowohl gegen die Entzündung (z. B. mit Cyclophosphamid, Tocilizumab und Mycophenolat-Mofetil) als auch gegen die Bindegewebsvermehrung (antifibrotisch). Zugelassen zur Therapie der Lungenfibrose bei systemischer Sklerose ist der Wirkstoff Nintedanib. Durch seine antifibrotische Wirkung kann Nintedanib den bindegewebigen Umbau der Lunge abmildern und die fortschreitende Atemnot lindern. Die Prognose der systemischen Sklerose ist individuell sehr unterschiedlich. Rauchen abgewöhnen. Nikotin verengt die Blutgefäße und vermindert die Durchblutung. Die durch die systemische Sklerose ohnehin verschlechterte Blutversorgung von Akren und Organen wird dadurch weiter vermindert. Kälte vermeiden. Beim Raynaud-Syndrom sollten die Hände immer und überall möglichst warm gehalten werden. Neben Handschuhen helfen Pulswärmer dabei. Auch sonst ist Kälte zu meiden: Das bedeutet z. B., die Wohnung gut zu heizen und auf Wintersport zu verzichten. Hautpflege und Kleidung. Das zunehmende Spannen der Haut lässt sich durch ölhaltige Bäder, Duschcremes und regelmäßiges Eincremen der Haut mit fetthaltigen Lotionen etwas mildern. Mikrostomie. Sehr belastend für Patient*innen mit systemischer Sklerose ist die Mikrostomie, d. h. das durch Haut- und Bindegewebsschrumpfung Kleinerwerden des Mundes. Essen und Trinken. Bei Schluckstörungen zum Essen viel trinken und gut kauen. Bei gleichzeitiger Refluxkrankheit nicht direkt nach dem Essen hinlegen, da dies vermehrt Magensäure in die Speiseröhre zurückfließen lässt. Gymnastik. Zur Erhaltung der Beweglichkeit tragen gymnastische Übungen bei, z. B. Zahnpflege. Bei trockenem Mund oder erschwerter Mundöffnung auf intensive Zahnpflege achten, da hier vermehrt Karies auftritt. Psychotherapie. Die systemische Sklerose mit all ihren Manifestationen ist eine sehr belastende Erkrankung. Betroffene sollten sich nicht scheuen, psychotherapeutische Unterstützung zu suchen.
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