Du bist, was du isst: Wie Ernährung das Gehirn beeinflusst

Einführung

Das Sprichwort „Du bist, was du isst“ ist mehr als nur eine Redewendung. Es deutet auf einen tiefgreifenden Zusammenhang zwischen unserer Ernährung und unserer Gesundheit hin. In den letzten Jahren hat die Forschung begonnen, die komplexen Wechselwirkungen zwischen Ernährung und Gehirn zu entschlüsseln. Die Ergebnisse zeigen, dass unsere Ernährung nicht nur unsere körperliche Gesundheit, sondern auch unser Verhalten, unsere Stimmung und unsere geistige Leistungsfähigkeit beeinflussen kann.

Ernährung und Verhalten: Eine wachsende Forschungsrichtung

Die medizinische Forschung hat begonnen, sich intensiv damit auseinanderzusetzen, wie unsere Ernährung unser Gehirn und unser Verhalten beeinflusst. Obwohl die Forschung in diesem Bereich noch am Anfang steht, liefern erste Studien faszinierende Einblicke. Die zentrale These dieser Studien ist, dass die Art der Nahrung biochemische Prozesse beeinflusst, die wiederum unser Verhalten steuern.

Der Einfluss von Nährstoffen auf den Hormonhaushalt

Mahlzeiten bestehen aus Makronährstoffen wie Kohlenhydraten, Proteinen und Fetten. Das Verhältnis dieser Nährstoffe zueinander beeinflusst unseren Hormonhaushalt. Aminosäuren, die aus Proteinen gewonnen werden, spielen eine wichtige Rolle als Vorläuferstoffe von Hormonen. Sie beeinflussen, welche Neurotransmitter in unserem Gehirn zur Verfügung stehen. Neurotransmitter sind chemische Botenstoffe, die für die Informationsübertragung zwischen Nervenzellen verantwortlich sind und unser psychisches Befinden beeinflussen.

Kohlenhydrate, Proteine und Entscheidungsfähigkeit

Eine Studie untersuchte, wie sich eine kohlenhydratreiche oder proteinreiche Ernährung auf die Entscheidungsfähigkeit auswirkt. Es zeigte sich, dass ein höherer Kohlenhydratanteil und ein niedrigerer Proteinanteil zu niedrigeren Tyrosinwerten im Blut führten. Tyrosin ist eine Aminosäure, die für die Bildung von Dopamin wichtig ist, einem Neurotransmitter, der die Entscheidungsfindung beeinflusst. Ein hoher Dopaminspiegel könnte dazu führen, dass man sich auch bei unfairen Angeboten belohnt fühlt und diese annimmt.

Diese Ergebnisse bedeuten nicht, dass eine kohlenhydratreiche Ernährung automatisch zu besseren Entscheidungen führt. Vielmehr zeigen sie, dass die Konzentrationen von Neurotransmittern im Blut je nach Ernährung variieren und die Hirnfunktionen beeinflussen können. Eine extrem unausgewogene Ernährung könnte negative Auswirkungen auf unser Verhalten haben. Dies wirft ein neues Licht auf Diäten wie die Low-Carb-Diät, die möglicherweise Nebenwirkungen auf das Sozialverhalten haben könnte.

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Risikobereitschaft und Ernährungsweise

Die Forschung untersucht auch den Zusammenhang zwischen Ernährungsweise und Risikobereitschaft. Tierstudien legen nahe, dass wenig zu essen Auswirkungen auf die Psyche und das Verhalten haben kann. Im Tierreich ist dieser Zusammenhang offensichtlich: Ein hungernder Pflanzenfresser wird bei der Nahrungssuche ein höheres Risiko eingehen als ein sattes Tier.

Ob sich diese Erkenntnisse auf den Menschen übertragen lassen, ist noch unklar. Es gibt Hinweise darauf, dass Hungergefühle auch beim Menschen die Risikobereitschaft erhöhen könnten. Eine Studie mit übergewichtigen Jugendlichen zeigte, dass diese nach dem Betrachten von Lebensmittelbildern Hungergefühle entwickelten und in psychologischen Tests eine hohe Risikobereitschaft zeigten. Die Forscher vermuten, dass sich nach appetitanregenden Signalen die Lust auf ungesundes Essen erhöht und langfristig ein Risikofaktor für Adipositas entsteht.

Serotonin, auch als „Glückshormon“ bekannt, beeinflusst Stimmung und Gefühle und könnte auch die Risikobereitschaft erhöhen. Eine kohlenhydratreiche Ernährung und ein hoher Körperfettanteil könnten sich auf die Nährstoffverwertung und den Serotoninhaushalt auswirken und mit einer erhöhten individuellen Risikobereitschaft einhergehen.

Die Rolle von "Brain Food"

Die Forschung hat gezeigt, dass bestimmte Lebensmittel und Ernährungsmuster unsere geistige Leistungsfähigkeit positiv beeinflussen können.

Die Mittelmeerdiät als ideales "Brain Food"

Die Mittelmeerdiät, die reich an Omega-3-Fettsäuren, Gemüse und Olivenöl ist, gilt als besonders vorteilhaft für das Gehirn. Omega-3-Fettsäuren, die in Fisch vorkommen, schützen die Nervenzellen und sind für die Entwicklung des Gehirns unerlässlich.

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Weitere wichtige Nährstoffe für das Gehirn

  • Trinken: Ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist wichtig für die Durchblutung und die Versorgung des Gehirns mit Sauerstoff. Empfohlen werden Wasser und ungesüßte Schorlen.
  • Kohlenhydrate: Sie sind unverzichtbar für die Energieversorgung des Gehirns. Komplexe Kohlenhydrate wie Stärke (Vollkornprodukte, Haferflocken, Kartoffeln) sind besser geeignet als einfache Kohlenhydrate wie Glukose und Fruktose.
  • Antioxidantien: Sie schützen vor freien Radikalen. Dazu gehören Vitamin C, Flavonoide (Beeren, Rotwein, Kakao) und Isothiocyanate (Kreuzblütler wie Kohl, Senf, Rettich).
  • Entzündungshemmende Stoffe: Manche Carotinoide, wie Lutein (grünes Blattgemüse), wirken entzündungshemmend.
  • B-Vitamine: Sie senken den Homocysteinspiegel ab.

Die MIND-Diät: Eine Kombination aus Mittelmeerdiät und DASH-Ernährung

Die "Mediterranean-DASH Intervention for Neurodegenerative Delay" (MIND)-Diät ist eine Mischung aus mediterraner Ernährung und dem DASH-Ernährungsmuster, das sich als wirksam gegen Bluthochdruck erwiesen hat. Die MIND-Diät legt besonderen Wert auf den Konsum von Beeren und grünem Blattgemüse. Eine Studie zeigte, dass Personen, die die MIND-Diät befolgten, einen geringeren geistigen Abbau und ein geringeres Risiko hatten, an Alzheimer-Demenz zu erkranken.

Was wir essen, hat Auswirkungen auf Körper und Geist

Die ständige Verfügbarkeit von hochkalorischem Essen mit wenigen Nährstoffen und ein sitzender Lebensstil können zu Gewichtszunahme und einem erhöhten Risiko für Adipositas führen. Dies kann negative Folgen für die Gehirngesundheit haben und das Risiko für Schlaganfall und Demenz im späteren Leben erhöhen.

Der Zusammenhang zwischen Übergewicht und Gehirngesundheit

Ungesunde Ernährung, geringe körperliche Aktivität und die Einlagerung von zu viel viszeralem Fett können zu Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck und Typ-2-Diabetes führen. Diese Prozesse können indirekt das Gehirn schädigen und dessen Alterungsprozesse beschleunigen. Eine Studie zeigte, dass ein höherer Taillen-zu-Hüftumfang mit vermehrten Auffälligkeiten in der weißen Substanz des Gehirns verbunden war, die auch im Alter vermehrt auftreten.

Die Rolle des Darms

Unser Darm beherbergt unzählige Darmbakterien, die bei der Verstoffwechselung unserer Nahrung helfen. Einige Bakterien können die Kalorienaufnahme über den Darm modulieren. Andere produzieren kurzkettige Fettsäuren oder andere Signalstoffe und Hormone, welche die Nervenendigungen im Darm ansprechen oder über den Blutkreislauf das Gehirn erreichen können. Dort werden nicht nur Sättigungsprozesse eingeleitet, sondern vermutlich auch weitere kognitive Funktionen beeinflusst.

Die Forschung zu Präbiotika und Darmbakterien

Aktuelle Forschung untersucht, ob die Gabe von hochdosierten Präbiotika aus Ballaststoffen die neuronale Antwort auf verschiedene Essensreize bei Menschen mit Adipositas verändert und das Verlangen nach hochkalorischer Nahrung verringert wird. Ziel ist es, herauszufinden, wie groß der Einfluss der Bakterien überhaupt ist und welche Bakterien in der Darm-Hirn-Kommunikation eine besondere Rolle spielen.

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Ernährungsempfehlungen für ein gesundes Gehirn

Allgemeine Empfehlungen

  • Ausgewogene Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel frischem Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und gesunden Fetten ist wichtig für die Gesundheit von Körper und Geist.
  • Vermeidung von stark verarbeiteten Lebensmitteln: Stark verarbeitete Lebensmittel, die reich an Zucker, Fett und Salz sind, können negative Auswirkungen auf die Gehirngesundheit haben.
  • Regelmäßige Mahlzeiten: Regelmäßige Mahlzeiten helfen, den Blutzuckerspiegel stabil zu halten und das Gehirn mit ausreichend Energie zu versorgen.
  • Ausreichend trinken: Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist wichtig für die Durchblutung und die Versorgung des Gehirns mit Sauerstoff.

Spezifische Empfehlungen

  • Omega-3-Fettsäuren: Essen Sie regelmäßig fetten Fisch wie Lachs, Hering oder Makrele oder nehmen Sie Omega-3-Fettsäure-Ergänzungen ein.
  • Antioxidantien: Essen Sie viel Obst und Gemüse, insbesondere Beeren, grünes Blattgemüse und Kreuzblütler.
  • Ballaststoffe: Essen Sie Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und Gemüse, um eine gesunde Darmflora zu fördern.
  • Kurzkettige Fettsäuren: Fördern Sie die Produktion von kurzkettigen Fettsäuren durch den Verzehr von ballaststoffreichen Lebensmitteln.

Die Rolle von Unternehmen und Kantinen

Unternehmen können die Gesundheit ihrer Mitarbeiter fördern, indem sie gesunde Verpflegungsangebote in Kantinen bereitstellen. Dies kann dazu beitragen, dass Mitarbeiter leistungsfähiger, motivierter und zufriedener bei der Arbeit sind.

Maßnahmen für gesündere Kantinen

  • Gesunde Mahlzeiten an prominenter Stelle platzieren: Die gesünderen Mahlzeiten sollten in der Kantine an prominenter Stelle platziert werden, um die Mitarbeiter zu einer gesünderen Wahl zu animieren.
  • Wahlmöglichkeiten anbieten: Es sollten verschiedene Menüs angeboten werden, so dass sich der Kunde die Essenskomponenten selbst zusammenstellen kann.
  • Gesunde Alternativen zu beliebten Gerichten anbieten: Beliebte Gerichte wie Currywurst oder Schnitzel sollten in gesünderen Varianten angeboten werden, z. B. mit Salat statt Pommes.
  • Mitarbeiter regelmäßig an ausreichend Trinken erinnern

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