Einführung
In unserer schnelllebigen Zeit, in der Stress und Hektik allgegenwärtig sind, suchen viele Menschen nach Wegen, ihr vegetatives Nervensystem auf natürliche Weise zu beruhigen. Pflanzliche Sedativa können hier eine wertvolle Unterstützung bieten. Sie sind oft rezeptfrei erhältlich und wirken in der Regel schonender als synthetische Medikamente. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte pflanzlicher Sedativa, ihre Wirkungsweise, Anwendungsgebiete und wichtige Hinweise zur Anwendung.
Was ist das vegetative Nervensystem?
Das vegetative Nervensystem (VNS), auch autonomes Nervensystem genannt, steuert lebenswichtige Körperfunktionen, die wir nicht bewusst beeinflussen können. Dazu gehören Atmung, Herzschlag, Verdauung, Stoffwechsel und die Funktion der inneren Organe. Das VNS passt diese Funktionen automatisch an die jeweiligen Bedürfnisse des Körpers an. Es besteht aus zwei Hauptteilen:
- Sympathikus: Aktiviert den Körper in Stresssituationen ("Kampf-oder-Flucht"-Reaktion). Erhöht Herzfrequenz, Blutdruck und Atemfrequenz.
- Parasympathikus: Sorgt für Entspannung und Regeneration ("Ruhe-und-Verdauung"-Reaktion). Senkt Herzfrequenz und Blutdruck, fördert die Verdauung.
Ein Ungleichgewicht zwischen Sympathikus und Parasympathikus kann zu verschiedenen Beschwerden führen, wie Nervosität, Unruhe, Schlafstörungen und Verdauungsproblemen.
Ursachen für ein überlastetes vegetatives Nervensystem
Viele Einflüsse können unser Nervensystem überlasten und dazu führen, dass die Nerven "blank liegen". Dazu gehören:
- Stress: Termindruck, Konflikte, finanzielle Sorgen
- Schlafmangel: Unzureichender oder unruhiger Schlaf
- Ungesunde Ernährung: Mangel an wichtigen Nährstoffen
- Genussmittel: Übermäßiger Konsum von Kaffee, Alkohol und Nikotin
- Körperliche Erkrankungen: Schilddrüsenüberfunktion, Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Psychische Belastungen: Depressionen, Angststörungen
Symptome eines überlasteten vegetativen Nervensystems
Ein überlastetes vegetatives Nervensystem kann sich durch vielfältige Symptome äußern, die je nach Person unterschiedlich stark ausgeprägt sein können:
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- Psychische Symptome: Nervosität, innere Unruhe, Reizbarkeit, Angstzustände, Konzentrationsschwierigkeiten, Stimmungsschwankungen, depressive Verstimmungen
- Körperliche Symptome: Schlafstörungen (Ein- und Durchschlafprobleme), Herzrasen, erhöhter Blutdruck, Verdauungsprobleme (z.B. Reizdarm), Kopfschmerzen, Muskelverspannungen, Schwindel, Tinnitus, Schweißausbrüche, Zittern
Pflanzliche Sedativa: Eine natürliche Hilfe
Pflanzliche Sedativa sind Arzneimittel, die aus Pflanzen oder Pflanzenteilen gewonnen werden und eine beruhigende, angstlösende oder schlaffördernde Wirkung haben. Sie können helfen, das vegetative Nervensystem zu beruhigen und das innere Gleichgewicht wiederherzustellen. Viele Menschen greifen gerne zu pflanzlichen Mitteln, um Stress und seine Auswirkungen im Alltag zu verhüten. Sie wirken schonender als chemische Präparate und kommen meist ohne Nebenwirkungen aus. Zudem sind die alternativen Arzneien zur Nervenstärkung schon rezeptfrei zu erhalten.
Beliebte Heilpflanzen und ihre Wirkung
Es gibt eine Vielzahl von Heilpflanzen, die traditionell zur Beruhigung des Nervensystems eingesetzt werden. Zu den bekanntesten und am besten erforschten gehören:
- Baldrian: Wirkt beruhigend und angstlösend, verbessert die Schlafqualität und Schlaftiefe. Die enthaltenen ätherischen Öle hemmen diverse Botenstoffe im zentralen Nervensystem.
- Hopfen: Wirkt vor allem einschlaffördernd und wird oft bei Schlafstörungen eingesetzt, die durch innere Unruhe verursacht werden.
- Passionsblume: Wirkt beruhigend und angstlösend. Studien geben Hinweise darauf, dass es (ähnlich wie bei Baldrian) zu einer Wechselwirkung mit Botenstoffen kommt.
- Lavendel: Wirkt angsthemmend und einschlaffördernd. Lavendelöl kann bei Einschlafschwierigkeiten hilfreich sein.
- Melisse: Wirkt angstlösend und beruhigend auf das Nervensystem. Darüber hinaus hat sie auch eine blähungslindernde Funktion, was hilfreich ist, wenn die innere Unruhe "auf den Magen geschlagen hat".
- Johanniskraut: Wirkt stimmungsaufhellend und angstlösend. Es ist ein wirksames Arzneimittel, das bei depressiven Verstimmungen, Traurigkeit, Antriebslosigkeit, Stimmungsschwankungen und Unruhe eingesetzt wird.
- Hafer: Beruhigt die Nerven und stärkt sie.
Anwendungsformen pflanzlicher Sedativa
Pflanzliche Sedativa sind in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich:
- Tabletten und Kapseln: Praktisch für unterwegs und einfach zu dosieren.
- Tropfen und Tinkturen: Können individuell dosiert werden und wirken oft schneller.
- Tees: Wirken beruhigend und entspannend, ideal für den Abend.
- Öle und Badezusätze: Können über die Haut aufgenommen werden und wirken entspannend.
- Bonbons: Für wen es sowieso schon eine Tortur ist, Tabletten im Krankheitsfall zu schlucken, der kann sich sicher gut mit einer alternativen Nervenstärkung anfreunden.
Vorteile pflanzlicher Sedativa
- Natürliche Inhaltsstoffe: Weniger Risiko für Nebenwirkungen als bei synthetischen Medikamenten.
- Rezeptfrei erhältlich: Viele pflanzliche Sedativa sind ohne Rezept in der Apotheke erhältlich.
- Vielfältige Anwendungsformen: Für jeden Geschmack und Bedarf die passende Darreichungsform.
- Ganzheitliche Wirkung: Viele Heilpflanzen wirken nicht nur beruhigend, sondern haben auch weitere positive Effekte auf den Körper.
Nachteile pflanzlicher Sedativa
- Wirkungseintritt: Die Wirkung tritt oft nicht sofort ein, sondern erst nach einigen Tagen oder Wochen regelmäßiger Einnahme.
- Nicht für jeden geeignet: Bei bestimmten Erkrankungen oder Medikamenteneinnahme ist Vorsicht geboten.
- Wechselwirkungen: Pflanzliche Sedativa können mit anderen Medikamenten interagieren.
- Qualitätsunterschiede: Die Qualität und Wirksamkeit von pflanzlichen Präparaten kann variieren.
Wann ist ein Arztbesuch ratsam?
Auch wenn pflanzliche Sedativa in vielen Fällen eine gute Hilfe sein können, ist ein Arztbesuch ratsam, wenn:
- Die Beschwerden über einen längeren Zeitraum (mehr als zwei Wochen) anhalten oder sich verschlimmern.
- Die Beschwerden sehr stark sind und den Alltag beeinträchtigen.
- Weitere Symptome hinzukommen, wie z.B. Depressionen, Angstzustände oder Panikattacken.
- Eine Grunderkrankung (z.B. Schilddrüsenüberfunktion) vermutet wird.
- Medikamente eingenommen werden, die mit pflanzlichen Sedativa interagieren könnten.
Der Arzt kann die Ursache der Beschwerden abklären und eine geeignete Therapie empfehlen.
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Weitere Maßnahmen zur Beruhigung des Nervensystems
Neben pflanzlichen Sedativa gibt es noch weitere Maßnahmen, die helfen können, das Nervensystem zu beruhigen und Stress abzubauen:
- Entspannungstechniken: Autogenes Training, progressive Muskelrelaxation, Yoga, Meditation
- Regelmäßige Bewegung: Sport, Spaziergänge in der Natur
- Ausreichend Schlaf: 7-8 Stunden pro Nacht
- Gesunde Ernährung: Viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukte, wenig Zucker und Fett
- Vermeidung von Stressoren: Reduzierung von Termindruck, Konflikten und Lärm
- Soziale Kontakte: Zeit mit Freunden und Familie verbringen
- Hobbys und Interessen: Aktivitäten, die Freude bereiten und entspannen
- Achtsamkeit: Bewusstes Wahrnehmen des Augenblicks
SchlafTabs-ratiopharm® als Beispiel für ein Sedativum
SchlafTabs-ratiopharm® ist ein Arzneimittel gegen allergische Reaktionen mit müde-machenden Eigenschaften (Antihistaminikum, Sedativum). Es wird bei medikamentös behandlungsbedürftigen Ein- und Durchschlafstörungen eingesetzt. Der Wirkstoff ist Doxylaminsuccinat.
Wichtige Hinweise zu SchlafTabs-ratiopharm®
- Gegenanzeigen: SchlafTabs-ratiopharm® darf nicht eingenommen werden bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile, bei akutem Asthma, grünem Star (Engwinkelglaukom), Nebennieren-Tumor (Phäochromozytom), Vergrößerung der Vorsteherdrüse (Prostatahypertrophie) mit Restharnbildung, Epilepsie, bei gleichzeitiger Behandlung mit Hemmstoffen der Monoaminoxidase, bei unzureichendem Verschluss des Mageneingangs mit Rückfluss von Nahrung in die Speiseröhre (gastro-ösophagealer Reflux).
- Besondere Vorsicht: Besondere Vorsicht ist geboten bei Patienten mit neurologisch erkennbaren Hirnschäden in der Großhirnrinde und Krampfanfällen in der Vorgeschichte, da bereits durch die Einnahme kleiner Mengen Doxylamin Krampfanfälle (Grand-mal-Anfälle) ausgelöst werden können. Kinder und Jugendliche sollen nicht mit SchlafTabs-ratiopharm® behandelt werden. Die Gefahr des Auftretens von Nebenwirkungen ist bei älteren Patienten größer; bei diesem Personenkreis kann sich dadurch auch die Sturzgefahr erhöhen.
- Wechselwirkungen: Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker, wenn Sie andere Arzneimittel einnehmen/anwenden, kürzlich eingenommen/angewendet haben oder beabsichtigen andere Arzneimittel einzunehmen/anzuwenden. SchlafTabs-ratiopharm® kann die Wirkung von anderen Arzneimitteln verstärken oder beeinflussen.
- Schwangerschaft und Stillzeit: SchlafTabs-ratiopharm® soll während der Schwangerschaft nur auf ausdrückliche Anweisung des Arztes eingenommen werden. Da der Wirkstoff in die Muttermilch übergeht, sollte das Stillen für die Dauer der Behandlung unterbrochen werden.
- Verkehrstüchtigkeit und Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen: Dieses Arzneimittel kann auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch das Reaktionsvermögen so weit verändern, dass die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigt wird. Dies gilt in verstärktem Maße im Zusammenwirken mit Alkohol.
- Nebenwirkungen: Wie alle Arzneimittel kann auch dieses Arzneimittel Nebenwirkungen haben, die aber nicht bei jedem auftreten müssen. Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören Schläfrigkeit, Schwindelgefühl, Benommenheit, Konzentrationsstörungen, Kopfschmerzen, verschwommenes Sehen, Mundtrockenheit, Gefühl der verstopften Nase, Erhöhung des Augeninnendrucks, Verstopfung, Störungen beim Wasserlassen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Appetitlosigkeit oder Appetitzunahme, Schmerzen im Bereich des Magens, Ohrensausen, Beschleunigung des Herzschlages, Unregelmäßigkeit des Herzschlages, Zunahme einer bestehenden Herzleistungsschwäche und EKG- Veränderungen, Abfall oder Anstieg des Blutdruckes, Beeinträchtigung der Atemfunktion durch Eindickung von Schleim und durch Verlegung oder Engstellung von Bronchien, Leberfunktionsstörungen (cholestatischer Ikterus), allergische Hautreaktionen und Lichtempfindlichkeit der Haut, Muskelschwäche, Müdigkeit, Mattigkeit, verlängerte Reaktionszeit, Störungen der Körpertemperaturregulierung, „paradoxe“ Reaktionen wie Unruhe, Erregung, Spannung, Schlaflosigkeit, Alpträume, Verwirrtheit, Halluzinationen, Zittern. Nach längerfristiger täglicher Anwendung können durch plötzliches Absetzen der Therapie Schlafstörungen wieder verstärkt auftreten.
Es ist wichtig, die Packungsbeilage von SchlafTabs-ratiopharm® sorgfältig zu lesen und die Anweisungen des Arztes oder Apothekers zu befolgen.
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