Sehnerv Dünner als Normal: Ursachen, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten

Das Glaukom, im Volksmund als „Grüner Star“ bezeichnet, ist eine der häufigsten Erkrankungen des Sehnervs und eine der häufigsten Ursachen für Erblindungen weltweit. Charakteristisch ist ein kontinuierlicher Nervenfaserverlust, was sich am Sehnervenkopf als eine zunehmende Aushöhlung bemerkbar macht. Ein dünnerer als normaler Sehnerv kann ein Zeichen für verschiedene Erkrankungen sein, darunter das Glaukom. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Diagnosemethoden und Behandlungsansätze für einen dünnen Sehnerv.

Einführung

Der Sehnerv, vergleichbar mit einem Datenkabel, das das Auge mit dem Gehirn verbindet, ist etwa vier Millimeter dick und besteht aus rund einer Million Nervenfasern. Am Sehnervenkopf (Papille) verlässt der Sehnerv das Auge durch eine siebartige knöcherne Struktur, die Lamina cribrosa. Ein fortschreitender Schwund des Sehnerven, der unterschiedliche Ursachen haben kann, wird als Grüner Star (Glaukom) bezeichnet. Oft - aber bei weitem nicht immer - ist die Erkrankung mit einer Erhöhung des Augeninnendruckes verbunden.

Ursachen für einen dünnen Sehnerv

Ein dünner Sehnerv kann verschiedene Ursachen haben, wobei das Glaukom eine der häufigsten ist.

Glaukom

Beim Glaukom sterben die Nervenfasern allmählich ab - das geschieht völlig schmerzfrei und verursacht oft über Jahre hinweg keine Symptome. Verantwortlich für das Absterben der Nervenfasern ist beim Glaukom eine mangelhafte Blutversorgung des Sehnervs. Für eine ausreichende Durchblutung muss der Blutdruck hoch genug sein, um den Widerstand, der durch den Augeninnendruck verursacht wird, zu überwinden. Die Durchblutungsstörung kann deshalb durch einen erhöhten Augeninnendruck verstärkt werden, er ist jedoch nicht die alleinige Ursache.

Es gibt verschiedene Formen des Glaukoms, die zu einem dünnen Sehnerv führen können:

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  • Offenwinkelglaukom (chronisches Glaukom): Die häufigste und gefährlichste Form, da sie oft jahrelang symptomlos verläuft. Dabei ist der Kammerwinkel „offen“, das Auge also völlig normal gebaut. Der Abfluss von Kammerwasser im Augeninneren jedoch ist durch Gewebeveränderungen „verstopft“.
  • Normaldruckglaukom: Bei dieser Form des Glaukoms kommt es zu einem Absterben des Sehnervs, obwohl der Augeninnendruck im Normalbereich liegt. Verantwortlich ist bei den meisten Betroffenen eine verringerte individuelle Drucktoleranz am Sehnervenkopf. Dadurch wird der Sehnervenkopf nicht ausreichend durchblutet. Risikofaktoren für das Normaldruckglaukom sind Migräne, niedriger Blutdruck und Durchblutungsstörungen.
  • Leber’sche hereditäre Optikusneuropathie: Ergänzen Leber’sche hereditäre Optikusneuropathie ist eine neuro-degenerative Erbkrankheit, die zu einer plötzlichen einseitigen Erblindung führen kann. Häufig folgt das andere Auge innerhalb von einigen Monaten. Die Ursache liegt in den Ganglienzellen des Sehnervens. Die Erkrankung gehört zu den Mitochondriopathien, also einer mütterlicherseits vererbten Erkrankung der Mitochondrien (Kraftwerke der Zellen). Das führt zu einem Schwund von Fasern des Sehnervens, v.a. im Randbereich. Die Patienten bemerken zunächst eine Störung der Farbwahrnehmung, insbesondere bei Rot und Grün. Im Endstadium führt die Erkrankung zur Erblindung.

Andere Ursachen

Neben dem Glaukom können auch andere Erkrankungen zu einem dünnen Sehnerv führen:

  • Anteriore ischämische Optikusneuropathie (AION): Die AION ist eine häufige Ursache für eine plötzliche Sehverschlechterung bei Patienten über fünfzig. Die Ursache für diese Erkrankung ist der Ausfall der Blutversorgung des Sehnervs, was zu einer Schädigung der Nervenfasern führt.
  • Optikusneuritis (Neuritis nervi optici): Die Optikusneuritis ist eine Sehnervenentzündung und stellt eine der häufigsten Ursachen für die plötzliche Sehminderung (Dunkelsehen, Störung des Farbsehens) bei jungen Patienten dar.
  • Hypophysentumor: Da die Hypophyse genau an der Sehnervenkreuzung liegt, können größere Tumore, die deutlich seltener sind, zu Sehstörungen und Gesichtsfeldausfällen führen.
  • Meningeome: Meningeome sind sehr langsam wachsende gutartige Tumore, die den Sehnerven oder die Sehnervenkreuzung komprimieren können, ohne dass das zunächst auffällig ist.
  • Raumforderungen im Gehirn: Hirntumore können zu verschiedensten Augensymptomen führen. Je nach Lage des Tumors entsteht ein gemischtes Bild an neuro-ophthalmologischen Ausfällen. So treten oftmals Gesichtsfeldausfälle und Augenbewegungsstörungen auf.
  • Pseudotumor cerebri: Bei dieser Krankheit ist der Hirndruck erhöht, ohne dass es dafür eine klar erkennbare Ursache gibt. Der Sehnerv kann stark anschwellen und mit der Zeit Schaden nehmen.
  • Endokrine Orbitopathie: Die Endokrine Orbitopathie ist eine Autoimmunerkrankung (eine Aktivität des Immunsystems gegen körpereigenes Gewebe), die oft Zellen der Schilddrüse betrifft (Morbus Basedow, Hashimoto-Thyreoiditis). Es werden dabei Substanzen produziert, die zu einem Wachstum der Augenmuskeln und des orbitalen Fettgewebes führen.

Symptome

Ein dünner Sehnerv verursacht oft keine direkten Symptome. Die Symptome hängen vielmehr von der zugrunde liegenden Ursache ab. Beim Glaukom beispielsweise entstehen Gesichtsfeldausfälle, die für den Patienten zunächst unbemerkt bleiben. Erst wenn das Glaukom schon weiter fortgeschritten ist, bemerkt der Patient den fortgeschrittenen Gesichtsfeldausfall (Orientierungsprobleme im Raum, Tunnelblick).

Weitere mögliche Symptome sind:

  • Verschwommenes Sehen
  • Schmerzen neben oder hinter dem Auge, besonders beim Bewegen der Augen
  • Störung des Farbsehens
  • Doppelbilder
  • Hervortreten der Augen (Exophthalmus)
  • Hochgezogene Augenlider mit Augenreizung

Diagnose

Da ein dünner Sehnerv nicht immer einfach zu erkennen ist, sind verschiedene Untersuchungen notwendig, um die Diagnose zu sichern:

  • Tagesdruckprofil: Mehrere Augeninnendruckmessungen über den Tag verteilt, um die Amplitude der tageszeitlichen Schwankungen zu bestimmen.
  • Messung der Hornhautdicke (Pachymetrie): Einmalig sollte die Hornhautdicke bestimmt werden. Da bei der Augeninnendruckmessung die Hornhaut mit dem Messköpfchen verformt wird, sind bei zu dünner Hornhaut die Messwerte fälschlich zu niedrig, bei zu dicker Hornhaut fälschlich zu hoch und müssen entsprechend korrigiert werden.
  • Optische Kohärenztomographie (OCT): Die Optische Kohärenz Tomographie (OCT) ist ein modernes bildgebendes Verfahren. Ohne Berührung des Auges entstehen innerhalb weniger Minuten Schichtaufnahmen der Netzhaut und des Sehnerven, wie in einem Gewebeschnitt. Durch die OCT-Untersuchung können sehr frühe strukturelle Schäden erkannt werden, häufig schon, bevor sich Gesichtsfeldausfälle zeigen.
  • Gesichtsfeldmessung (Perimetrie): Bei dieser Untersuchung wird getestet, wie hell ein Lichtpunkt an verschiedenen Stellen Ihres Gesichtsfeldes sein muss, damit Sie diesen Punkt gerade noch wahrnehmen. Auf diese Weise lassen sich Gesichtsfeldausfälle messen.
  • Elektrophysiologische Untersuchungen (ERG, EOG und VEP): Bei denen wir die Umsetzung der Lichtsignale in elektrische Impulse in der Netzhaut sowie deren Weiterleitung prüfen.
  • Retinal Vessel Analyser / RVA und mittels Ophthalmodynamotrie / ODF: Zur Analyse der Durchblutung des Auges.
  • 24-h-Blutdruckmessung: Um den Blutdruck im Tagesverlauf zu überwachen und nächtliche Absenkungen zu erkennen.

Behandlung

Die Behandlung eines dünnen Sehnervs richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Prinzipiell sind die meisten neuro-ophthalmologischen Erkrankungen behandelbar. Therapie und Prognose sind dabei entscheidend abhängig von der zugrunde liegenden Ursache. Ziel der Glaukomtherapie ist es beispielsweise, dass keine weiteren Schäden am Sehnerven auftreten.

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Glaukomtherapie

  • Augentropfen: Verschiedene augendrucksenkende Augentropfen, die regelmäßig bis mehrfach täglich angewandt werden müssen.
  • SLT: Selektive Lasertrabekuloplastik: Die Wärmeenergie des Lasers zielt auf pigmentierte Zellen ( Melanozyten ) im Trabekelwerk ohne thermische Zerstörung. Die Wärmeenergie aktiviert Markrophagen ( Fresszellen ), die abflusshindernde Eiweißstoffe und andere Ablagerungen entfernen. Hierdurch wird der Abfluss des Kammerwassers aus dem Auge erleichtert. Die SLT kann somit die Anwendung von Augentropfen reduzieren oder ganz erübrigen.
  • Glaukom-Operation: Wenn Medikamente und Laserbehandlungen nicht ausreichen, kann eine Glaukom-Operation notwendig sein. Dabei wird der Abfluss des Kammerwassers dauerhaft verbessert und der Augeninnendruck nachhaltig gesenkt. Eine Operation des Grauen Stars (Katarakt) kann auch beim Grünen Star sinnvoll sein, da die eingesetzte künstliche Linse dünner als die körpereigene ist und mehr Platz im Auge schafft, sodass der Abfluss des Kammerwassers erleichtert wird.

Behandlung anderer Ursachen

  • AION: Behandlung der Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Diabetes.
  • Optikusneuritis: Behandlung mit Kortikosteroiden, in vielen Fällen ist eine weitere Abklärung in Bezug auf Multiple Sklerose erforderlich.
  • Hypophysentumor und Meningeome: Chirurgische Entfernung des Tumors.
  • Pseudotumor cerebri: Medikamentöse Behandlung zur Senkung des Hirndrucks.
  • Endokrine Orbitopathie: Behandlung der Schilddrüsenerkrankung, Kortikosteroide oder Operation zur Korrektur der Augenmuskeln und des Fettgewebes.
  • Leber’sche hereditäre Optikusneuropathie: Ein neues Medikament (Idebenon, Raxone) ist 2015 als sogenanntes „Orphan Drug“ für die Behandlung der LHON zugelassen. Wichtig zu wissen: Für den Therapieerfolg der LHON ist ein möglichst frühzeitiger Beginn der Behandlung sehr wichtig.
  • Normaldruckglaukom: Bei Patienten mit vasospastischem Syndrom sind Medikamente aus der Gruppe der Calciumantagonisten eine Möglichkeit, die gestörte Gefäßregulation positiv zu beeinflussen. In Einzelfällen kann auch eine Behandlung mit den Wirkstoffen Acetazolamid und Pentoxifyllin das Fortschreiten des Glaukoms stoppen und das Gesichtsfeld stabilisieren.

Lebensstil und Vorbeugung

Ein gesunder Lebensstil kann dazu beitragen, das Risiko für Erkrankungen, die zu einem dünnen Sehnerv führen können, zu verringern:

  • Regelmäßige augenärztliche Untersuchungen: Ab dem 40. Lebensjahr wird eine regelmäßige Vorsorgeuntersuchung empfohlen, bei familiärer Vorbelastung auch früher.
  • Gesunde Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit viel grünem Gemüse und blauen Früchten.
  • Vermeidung von Risikofaktoren: Vermeiden Sie Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum.
  • Regelmäßige Bewegung: Moderate sportliche Betätigung wie Walken, Joggen oder Fahrradfahren kann die Durchblutung fördern. Vermeiden Sie jedoch extremen Kraftsport und Übungen mit Kopfstand.
  • Blutdruckkontrolle: Achten Sie auf einen normalen Blutdruck und lassen Sie ihn regelmäßig kontrollieren.
  • Stressmanagement: Vermeiden Sie Stress und sorgen Sie für ausreichend Entspannung.

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