Sehnervschäden nach Staroperation: Ursachen, Risiken und Prävention

Das Glaukom, auch bekannt als Grüner Star, ist weltweit eine der häufigsten Ursachen für irreversible Sehschäden. In Deutschland sind schätzungsweise mehr als 900.000 Menschen betroffen, wobei viele nichts von ihrer Erkrankung wissen, da das Glaukom im Frühstadium kaum Beschwerden verursacht und oft erst spät erkannt wird. Eine der renommiertesten Adressen für diese Augenkrankheit ist das Ophthalmologikum an der Alster unter der Leitung von Prof. Dr. Gisbert Richard, einem international anerkannten Experten für Glaukomdiagnostik und -therapie.

Obwohl eine Kataraktoperation in der Regel sicher und effektiv ist, um das Sehvermögen bei Patienten mit Grauem Star (Katarakt) wiederherzustellen, besteht in seltenen Fällen das Risiko von Sehnervschäden nach dem Eingriff. Dieser Artikel beleuchtet die potenziellen Ursachen, Risikofaktoren und Präventionsmaßnahmen im Zusammenhang mit Sehnervschäden nach einer Staroperation.

Was ist ein Glaukom?

Das Glaukom ist eine Sehnervenschädigung, die meist durch eine Erhöhung des Augeninnendrucks verursacht wird. Das Glaukom bedroht das Augenlicht des Patienten. Es manifestiert sich in der Regel als schmerzfreie, allmähliche Minderung des Sehvermögens. Eine verlorene Funktion kann nicht zurückgewonnen werden, aber ein weiterer Verlust des Sehvermögens kann durch eine medikamentöse oder chirurgische Behandlung vermieden werden. Das Fortschreiten der Erkrankung kann durch Senkung des Augeninnendrucks aufgehalten werden. Dies gelingt anfangs durch die Anwendung von Augentropfen. Jeder kann ein Glaukom entwickeln, aber manche Menschen haben ein höheres Risiko als andere. Prof. Dr. Richard empfiehlt regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen ab dem 40. Lebensjahr.

Ursachen für Sehnervschäden nach Staroperation

Obwohl Sehnervschäden nach einer Kataraktoperation selten sind, können sie verschiedene Ursachen haben:

  • Erhöhung des Augeninnendrucks: Eine vorübergehende Erhöhung des Augeninnendrucks (IOD) nach der Operation kann den Sehnerv schädigen, insbesondere bei Patienten mit bereits bestehendem Glaukom oder einer Anfälligkeit dafür. Die Gefahr sind nur mögliche Druckerhöhungen durch das Kortison, falls man Kortisonresponder ist. Deshalb muss man bei Glaukom beobachtet werden und lässt den Grauen Star am besten stationär operieren.

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  • Entzündung: Eine Entzündung im Auge nach der Operation kann den Sehnerv beeinträchtigen.

  • Direkte Schädigung des Sehnervs: In sehr seltenen Fällen kann der Sehnerv während der Operation direkt geschädigt werden.

  • Ischämie des Sehnervs: Eine unzureichende Durchblutung des Sehnervs während oder nach der Operation kann zu Schäden führen.

  • Vorerkrankungen: Patienten mit Vorerkrankungen wie Glaukom, altersbedingter Makuladegeneration oder diabetischer Retinopathie haben ein erhöhtes Risiko für Sehnervschäden nach einer Staroperation.

  • Engwinkelglaukom: Grund ist die Engwinkel Situation in beiden Augen, dicke Linsen und ein gedrücktes Trabekelwerk. Ob letzteres sich nach der OP entspannt, ist allerdings nicht sehr wahrscheinlich (laut Prof Erb).

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Risikofaktoren

Bestimmte Faktoren können das Risiko für Sehnervschäden nach einer Staroperation erhöhen:

  • Vorhandenes Glaukom: Patienten mit Glaukom sind anfälliger für IOD-bedingte Schäden am Sehnerv.
  • Hoher Augeninnendruck: Ein präoperativ hoher IOD kann das Risiko einer postoperativen Erhöhung erhöhen.
  • Fortgeschrittenes Glaukom: Je stärker der Sehnerv bereits durch Glaukom geschädigt ist, desto anfälliger ist er für weitere Schäden.
  • Alter: Ältere Patienten haben möglicherweise eine geringere Widerstandsfähigkeit des Sehnervs gegenüber Schäden.
  • Kurzsichtigkeit: Patienten mit starker Kurzsichtigkeit haben ein erhöhtes Risiko für Netzhautablösungen und andere Komplikationen, die den Sehnerv beeinträchtigen können.
  • Diabetes: Diabetes kann die Durchblutung des Sehnervs beeinträchtigen und ihn anfälliger für Schäden machen.
  • Andere Augenerkrankungen: Vorhandene Augenerkrankungen wie altersbedingte Makuladegeneration oder diabetische Retinopathie können das Risiko erhöhen.

Diagnose

Die Diagnose von Sehnervschäden nach einer Staroperation umfasst in der Regel eine umfassende Augenuntersuchung, einschließlich:

  • Messung des Augeninnendrucks: Um festzustellen, ob ein erhöhter IOD vorliegt.
  • Untersuchung des Sehnervs: Mittels Ophthalmoskopie oder optischer Kohärenztomographie (OCT), um Schäden am Sehnerv zu erkennen.
  • Gesichtsfelduntersuchung (Perimetrie): Um Gesichtsfeldausfälle zu identifizieren.
  • Optische Kohärenztomographie (OCT): Die Optische Kohärenz Tomographie (OCT) ist ein modernes bildgebendes Verfahren. Ohne Berührung des Auges entstehen innerhalb weniger Minuten Schichtaufnahmen der Netzhaut und des Sehnerven, wie in einem Gewebeschnitt. Durch die OCT-Untersuchung können sehr frühe strukturelle Schäden erkannt werden, häufig schon, bevor sich Gesichtsfeldausfälle zeigen. Dies ermöglicht eine frühzeitige Diagnose und Therapie. Wurde bereits ein Glaukom festgestellt, so kann mittels der OCT-Untersuchung sehr präzise im Verlauf festgestellt werden, ob die Schäden zugenommen haben.

Prävention

Es gibt verschiedene Maßnahmen, um das Risiko von Sehnervschäden nach einer Staroperation zu minimieren:

  • Sorgfältige präoperative Beurteilung: Eine umfassende präoperative Beurteilung ist entscheidend, um Risikofaktoren zu identifizieren und die am besten geeignete chirurgische Technik auszuwählen.
  • IOD-Kontrolle: Bei Patienten mit Glaukom oder einem erhöhten Risiko dafür ist eine sorgfältige IOD-Kontrolle vor, während und nach der Operation unerlässlich.
  • Entzündungshemmende Therapie: Die Anwendung von entzündungshemmenden Augentropfen nach der Operation kann helfen, Entzündungen zu reduzieren und den Sehnerv zu schützen.
  • Schonende Operationstechnik: Eine schonende Operationstechnik kann das Risiko einer direkten Schädigung des Sehnervs minimieren.
  • Regelmäßige Nachuntersuchungen: Regelmäßige Nachuntersuchungen nach der Operation sind wichtig, um Komplikationen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
  • Frühzeitige Diagnose und Therapie: Bei Glaukomverdacht ist es wichtig, dass frühzeitig die Diagnose gesichert wird und anschließend kontinuierlich Daten erhoben werden, ob die Erkrankung voranschreitet und die aktuelle Therapie verstärkt werden muss. Ziel der Glaukomtherapie ist es, dass keine weiteren Schäden am Sehnerven auftreten.

Behandlung

Die Behandlung von Sehnervschäden nach einer Staroperation hängt von der Ursache und dem Schweregrad der Schädigung ab. Zu den möglichen Behandlungen gehören:

  • IOD-senkende Medikamente: Augentropfen oder orale Medikamente zur Senkung des Augeninnendrucks.
  • Entzündungshemmende Medikamente: Augentropfen oder orale Medikamente zur Reduzierung von Entzündungen.
  • Laserbehandlung: In einigen Fällen kann eine Laserbehandlung eingesetzt werden, um den IOD zu senken oder die Durchblutung des Sehnervs zu verbessern. Selektive Lasertrabekuloplastik (SLT): Der Laser behandelt den Abflussbereich des Kammerwassers und verbessert dadurch den Abfluss. Dieses Laserverfahren wird hauptsächlich beim Offenwinkelglaukom eingesetzt. Da nur Pigmentzellen behandelt werden ist die Behandlung schonend. Laser-Iridotomie (YAG-Laser-Iridotomie): Bei dieser Lasertherapie wird eine winzige Öffnung in der Iris geschaffen, um den Abfluss des Kammerwassers zu erleichternund den Druck zu senken. Zyklophotokoagulation: Der Laser reduziert die Produktion von Kammerwasser, indem er gezielt den Ziliarkörper behandelt.
  • Chirurgische Eingriffe: In schweren Fällen kann ein chirurgischer Eingriff erforderlich sein, um den IOD zu senken oder den Sehnerv zu entlasten. Goniotrepanation: Bei der Goniotrepanation (minimalinvasiver Eingriff) wird ein spezieller Trepanationsapparat verwendet, um einen winzigen Kanal in den Trabekelmaschenbereich des Auges zu schaffen. Dadurch wird der Abfluss des Kammerwassers verbessert, was zu einer Senkung des Augeninnendrucks führt. Tiefe Sklerektomie: Bei dieser Methode wird der Bereich des verstopften Trabekelmaschenwerkes ausgedünnt, sodass der Kammerwasserabfluss wieder erleichtert wird und der Augeninnendruck sich normalisieren kann. Eine hauchdünne Membran zwischen Vorderkammer und Abflussweg unter die Bindehaut bleibt erhalten. Chirurgische Maßnahmen sind in 60% - 90% aller Fälle wirksam.

Glaukom-OP mit Stents

Dr. Neuhann: „Bei einem Glaukom-Eingriff sorgt der Augenchirurg dafür, dass die Flüssigkeit im Augeninneren wieder abfließen kann und dadurch der Druck im Inneren des Auges sinkt. Die Lasertherapie ist eine Möglichkeit. Sie können sich dies vorstellen wie die Reinigung eines verstopften Gullideckels: Der Laser weitet das Maschenwerk im Auge, so dass die Flüssigkeit wieder ungehindert über den vorgesehenen Kanal (Schlemm’scher Kanal) abfließen kann. Bei einer minimalinvasiven Therapie mit Stents wird ein künstlicher Kammerwasserkanal geschaffen, der das Maschenwerk, den ‚Gullideckel’, überbrückt und eine direkte Verbindung zwischen dem Augeninneren und dem Schlemm’schen Kanal herstellt. Ganz neu ist der iStent inject W. Er gilt als das kleinste Implantat für den menschlichen Organismus und ist gerade mal einen Millimeter lang und 0,33 Millimeter hoch. Das minimalinvasive Stentverfahren ist ein unkomplizierter Eingriff mit einer Erfolgsquote zwischen 70 und 80 Prozent. Im Rahmen einer Glaukomtherapie ist dies ein sehr guter Wert. Wir haben mit diesen Verfahren mittlerweile zehn Jahre Erfahrung . 75 Prozent unserer behandelten Patienten benötigen auch fünf Jahre nach dem Eingriff keine weitere Zusatztherapie. Eine große Glaukomoperation ist mit sehr viel mehr Nebenwirkungen bei gleicher Erfolgsquote verbunden, daher bevorzugen wir die minimalinvasiven Verfahren.“

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