Sehnerv Untersuchung: Kosten und Nutzen im Überblick

Die Frage nach der Sinnhaftigkeit und den Kosten einer Sehnerv-Untersuchung, insbesondere im Kontext der Glaukom-Früherkennung, ist für viele Patienten relevant. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene Aspekte, um eine informierte Entscheidung zu ermöglichen.

Einführung

Viele Menschen suchen ihren Augenarzt auf, um ihre Sehschärfe bestimmen zu lassen. Bereits bei der Anmeldung erhalten sie ein Informationsblatt über eine empfohlene Untersuchung zur Glaukom-Früherkennung, die in den meisten Fällen nicht von den Krankenkassen übernommen wird. Oft sollen Patienten direkt ihr Einverständnis zur Selbstzahlung geben und im Falle einer Ablehnung unterschreiben, dass sie auf diese Untersuchung verzichten. Dies wirft Fragen nach der Notwendigkeit, den rechtlichen Grundlagen und dem tatsächlichen Nutzen solcher Früherkennungsmaßnahmen auf.

Der Grüne Star (Glaukom): Eine Gefahr für das Augenlicht

Das Glaukom, auch als grüner Star bekannt, ist eine Augenkrankheit, bei der der Sehnerv nach und nach abstirbt. Betroffene bemerken dies oft erst spät, wenn bereits Lücken im Sehbereich auftreten. Unbehandelt kann das Glaukom zur Erblindung führen. Es gibt verschiedene Formen des Glaukoms, wobei ein erhöhter Augeninnendruck ein Risikofaktor ist, aber nicht bei allen Patienten vorliegt. Die Erkrankung tritt in jedem Lebensalter auf, besonders häufig jedoch bei den über 60-Jährigen. Rund 920.000 Menschen sind in Deutschland an einem Glaukom erkrankt.

Methoden zur Glaukom-Früherkennung

Zur Früherkennung eines Glaukoms werden verschiedene Methoden eingesetzt, darunter:

  • Augeninnendruckmessung (Tonometrie): Misst den Druck im Inneren des Auges. Ein erhöhter Augeninnendruck kann ein Risikofaktor für ein Glaukom sein, ist aber nicht immer vorhanden.
  • Augenspiegelung (Ophthalmoskopie/Funduskopie): Betrachtung des Sehnervenkopfes (Papille) am Augenhintergrund, um Veränderungen oder Schädigungen zu erkennen.
  • Optische Kohärenztomographie (OCT): Ein bildgebendes Verfahren, das hochauflösende Querschnittsbilder des Sehnervs und der Netzhaut liefert. Die OCT kann Strukturen bis in drei Millimeter Tiefe darstellen.
  • Gesichtsfelduntersuchung (Perimetrie): Überprüft das Gesichtsfeld auf Ausfälle oder Einschränkungen.

Die verbreitetsten Methoden sind die Augenspiegelung, fachsprachlich Ophthalmoskopie oder Funduskopie, sowie die Messung des Augeninnendrucks, fachsprachlich Tonometrie. Die Glaukom-Früherkennung gehört mit zu den am häufigsten angebotenen individuellen Gesundheitsleistungen.

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Kosten und Leistungen der Krankenkassen

Die Kosten für eine Glaukom-Früherkennung variieren je nach Untersuchungsmethode und Arztpraxis. Eine Kombinationsuntersuchung aus Augenspiegelung und Augeninnendruckmessung kostet in der Regel zwischen 20 und 40 Euro. Eine OCT-Untersuchung liegt meist zwischen 90 und 140 Euro.

Es ist wichtig zu wissen, dass die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) die Kosten für eine Glaukom-Früherkennung in der Regel nicht übernehmen. Diese Untersuchungen gelten als individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL), die selbst bezahlt werden müssen.

Bei einem Glaukom-Verdacht oder einer bereits diagnostizierten Erkrankung übernehmen die Krankenkassen jedoch die Kosten für notwendige Untersuchungen und Behandlungen, wie z.B. Augeninnendruckmessung, Augenspiegelung, Gesichtsfelduntersuchung und die Verschreibung von Augentropfen.

Empfehlungen von Fachgesellschaften

Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) und der Berufsverband der Augenärzte (BVA) empfehlen in ihrer Broschüre "Informationen für Sie - Glaukom" zur Früherkennung die Augeninnendruckmessung und die Augenspiegelung. Zur Abklärung eines Glaukom-Verdachts können zusätzlich die Gesichtsfelduntersuchung eingesetzt werden sowie weitere Verfahren zur Verlaufskontrolle bei bestehendem Glaukom. Zur Früherkennung des Glaukoms wird die OCT demnach nicht empfohlen.

Nutzen und Schaden der Glaukom-Früherkennung: Eine kritische Betrachtung

Der IGeL-Monitor, eine nicht-kommerzielle Internetplattform des Medizinischen Dienstes des GKV-Spitzenverbandes (MDS), bewertet individuelle Gesundheitsleistungen hinsichtlich ihres Nutzens und Schadens.

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Nutzen

Der IGeL-Monitor kommt zu dem Schluss, dass es derzeit keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege für einen Nutzen der Glaukom-Früherkennung gibt, weder für die Kombinationsuntersuchung aus Augenspiegelung und Augeninnendruckmessung noch für die OCT. Es fehlen Studien, die zeigen, dass eine frühe Diagnose und Behandlung des Glaukoms tatsächlich zu besseren Ergebnissen führen als eine spätere Behandlung nach Auftreten von Beschwerden.

Schaden

Der IGeL-Monitor weist darauf hin, dass Früherkennungsuntersuchungen auch indirekte Schäden verursachen können, wie z.B.:

  • Fehlalarme: Gesunde Menschen werden fälschlicherweise als krank eingestuft, was zu unnötigen Ängsten und weiteren Untersuchungen führen kann.
  • Übersehen von Erkrankungen: Trotz Früherkennung werden nicht alle Glaukome erkannt.
  • Übertherapie: Es werden Veränderungen behandelt, die nie zu einer Sehbeeinträchtigung geführt hätten.

Fazit des IGeL-Monitors

Der IGeL-Monitor bewertet die "Augenspiegelung mit Messung des Augeninnendrucks zur Glaukom-Früherkennung" und die "OCT zur Früherkennung eines Glaukoms" jeweils mit "tendenziell negativ".

Psychischer Druck und Verkaufsmethoden in der Arztpraxis

Einige Patienten berichten von einem gewissen Druck in der Arztpraxis, sich für eine Glaukom-Früherkennung zu entscheiden, auch wenn diese nicht von der Krankenkasse übernommen wird. Dies kann dazu führen, dass sich Patienten verunsichert fühlen und das Gefühl haben, eine wichtige Untersuchung zu versäumen, wenn sie ablehnen.

Es ist wichtig zu betonen, dass Ärzte und Ärztinnen nicht dazu drängen dürfen, medizinisch nicht notwendige Privatbehandlungen in Anspruch zu nehmen. Laut Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) dürfen Leistungen, die über das Maß einer medizinisch notwendigen ärztlichen Versorgung hinausgehen, nur berechnet werden, wenn sie auf Verlangen des Zahlungspflichtigen erbracht worden sind.

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Wann ist eine Sehnerv-Untersuchung sinnvoll?

Trotz der kritischen Bewertung der Glaukom-Früherkennung gibt es bestimmte Risikofaktoren, bei denen eine regelmäßige Sehnerv-Untersuchung sinnvoll sein kann:

  • Familiäre Vorbelastung: Wenn in der Familie bereits Fälle von Glaukom aufgetreten sind.
  • Hoher Augeninnendruck: Auch wenn noch keine Schädigung des Sehnervs vorliegt.
  • Kurzsichtigkeit: Kurzsichtige Menschen haben ein erhöhtes Risiko für ein Glaukom.
  • Diabetes und Hypertonie: Diese Erkrankungen können Auswirkungen auf die Blutgefäße haben und das Risiko für ein Glaukom erhöhen.
  • Therapie mit hochdosiertem Kortison: Kann den Augeninnendruck erhöhen.
  • Ältere Menschen: Viele ältere Menschen weisen einen zu hohen Augendruck auf und sind gefährdet, eine dauerhafte Sehstörung zu erleiden, die durch Sehhilfen nicht korrigiert werden kann.

In diesen Fällen sollte man auf jeden Fall regelmäßige augenärztliche Sehnerv-Untersuchungen durchführen lassen - mit einer Messung des Sehnervs.

Die Rolle der Künstlichen Intelligenz (KI)

Künstliche Intelligenz (KI) kann in Zukunft eine wichtige Rolle bei der Früherkennung und Behandlung von Augenkrankheiten spielen. KI-Systeme können beispielsweise hochauflösende Bilder des Auges analysieren und subtile Veränderungen erkennen, die für das menschliche Auge schwer zu erkennen sind. Dies könnte dazu beitragen, Glaukome früher zu erkennen und den Krankheitsverlauf besser zu überwachen.

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