Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich in der Regel durch anfallsartige Kopfschmerzen äußert. Diese Kopfschmerzen werden oft von weiteren Symptomen begleitet, die das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können. Obwohl Migräne oft als "Frauenleiden" wahrgenommen wird, sind auch Männer davon betroffen. Allerdings können sich die Anzeichen und Symptome bei Männern von denen bei Frauen unterscheiden, was die Diagnose erschweren kann.
Was ist Migräne?
Migräne ist definiert als eine neurologische Erkrankung, die durch anfallsartige Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, die in unregelmäßigen Abständen auftreten. Die Schmerzen treten meist nur auf einer Kopfseite auf und sind deutlich stärker als herkömmliche Kopfschmerzen.
In Deutschland leiden etwa sechs bis acht Prozent der Männer an Migräne. Auch vier bis fünf Prozent der Klein- und Schulkinder bis zur Pubertät sind betroffen. Während Frauen ihren ersten Migräneanfall meist zwischen dem zwölften und 16. Lebensjahr erleben, tritt er bei Männern häufiger zwischen dem 16. und 20. Lebensjahr auf. Die Häufigkeit und Intensität der Migräneattacken nehmen zwischen dem 30. und 40. Lebensjahr oft zu, bevor sie ab dem 55. Lebensjahr tendenziell abnehmen.
Formen der Migräne
Es gibt verschiedene Formen von Migräne, wobei die zwei häufigsten die Migräne ohne Aura und die Migräne mit Aura sind.
- Migräne ohne Aura (einfache Migräne): Diese Form ist durch mäßige bis starke, einseitige Kopfschmerzen gekennzeichnet, die von einem pulsierenden, pochenden oder hämmernden Schmerz begleitet werden. Die Schmerzen verstärken sich bei körperlicher Aktivität. Typisch sind auch eine hohe Empfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen und Gerüchen sowie Schwindel und das Sehen von Lichtblitzen oder eigenartigen Formen.
- Migräne mit Aura (klassische Migräne): Bei dieser Form treten zusätzlich zu den Kopfschmerzen neurologische Defizite auf. Diese äußern sich meist als Sehstörungen wie Lichtblitze, die als Aura bezeichnet werden. Der halbseitige Kopfschmerz kann mit Rötungen im Gesicht einhergehen und wird auf eine temporäre Störung der Zirkulation in den Blutgefäßen zurückgeführt.
- Komplizierte Migräne (Migraine accompagnée): Diese Form ist durch längere neurologische Störungen im Vergleich zur Migräne mit Aura gekennzeichnet. Zu den Unterformen zählen die hemiplegische Migräne, die Basilaris-Migräne sowie die ophthalmoplegische Migräne. Die Symptome reichen von leichten Lähmungserscheinungen über Gang- und Sehstörungen bis hin zu Sprachverlust oder Sprachstörungen.
- Migräne der Augen (okulare Migräne): Eine Form der Migräne, die Sehstörungen wie Flimmern, Lichtblitze oder vorübergehenden Sehverlust verursacht, oft ohne Kopfschmerzen.
- Menstruelle Migräne: Migräne, die in direktem Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus steht, oft kurz vor oder während der Menstruation auftritt.
- Abdominelle Migräne: Eine Migräneform, die hauptsächlich bei Kindern auftritt und durch wiederkehrende Bauchschmerzen und Übelkeit gekennzeichnet ist, oft ohne Kopfschmerzen.
- Hemiplegische Migräne: Eine seltene und schwere Form der Migräne, die vorübergehende Lähmungen auf einer Körperseite (Hemiplegie) verursachen kann.
- Migräne mit Hirnstammaura (früher als Basilaris-Migräne bekannt): Eine seltene Form der Migräne, bei der Symptome wie Schwindel, Sprachstörungen, Doppelbilder und Bewusstseinsveränderungen auftreten, die auf den Hirnstamm zurückzuführen sind.
- Vestibuläre Migräne: Eine Migräneform, bei der Schwindel und Gleichgewichtsstörungen die Hauptsymptome sind, oft begleitet von den klassischen Migränekopfschmerzen.
Anzeichen und Symptome der Migräne bei Männern
Die Symptome einer Migräne können sich von Person zu Person unterscheiden. Bei Männern können die Anzeichen jedoch subtiler oder anders ausgeprägt sein als bei Frauen, was die Diagnose erschweren kann.
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Prodromalphase
Vor einer Attacke können Betroffene erste Anzeichen einer Migräne verspüren. Diese können wenige Stunden oder sogar einen Tag zuvor auftreten. Zu den Symptomen gehören:
- Hochstimmungen
- Gefühl besonderer Leistungsfähigkeit
- Gereiztheit
- Depressive Verstimmungen
- Müdigkeit
- Konzentrationsstörungen
- Heißhunger auf Süßigkeiten oder fettige Speisen
- Ungewöhnlicher Durst oder Appetitlosigkeit
- Verstopfungen
Auraphase
Die Aura geht den starken Kopfschmerzen einer Migräne direkt voraus und entwickelt sich in einem Zeitraum von fünf bis zehn Minuten. Die Symptome der Auraphase dauern etwa 15 bis 30 Minuten an und äußern sich durch:
- Sehstörungen wie Lichtblitze, blinde Flecken im Sehfeld, Doppelbilder oder verschwommenes Sehen
- Schwäche
- Schwindel
- Taubheit
- Kribbeln in Gliedmaßen
- Gangunsicherheit
- Sprachstörungen
Es ist wichtig zu beachten, dass die Migräneaura und der Migräneanfall sich überschneiden können oder der Kopfschmerz ganz ausbleibt (isolierte Aura).
Kopfschmerzphase
Bei der eigentlichen Migräne treten die pochenden Schmerzen einseitig auf und verschlimmern sich durch körperliche Tätigkeiten. Je nach Migräneform und ihrer Schwere wird Migräne von vegetativen Störungen wie Schwindel oder Benommenheit oder neurologischen Störungen wie Sehstörungen, Taubheit oder Kribbeln begleitet.
Weitere Symptome
Neben den oben genannten Symptomen können bei Männern auch folgende Anzeichen auf eine Migräne hindeuten:
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- Kopfschmerzen auf beiden Seiten des Kopfes (insbesondere bei älteren Männern)
- Schmerzen im Gesicht, am Nacken, in den Augen oder den Zähnen
- Übelkeit und Erbrechen
- Licht- und Geräuschempfindlichkeit
Stille Migräne
Es handelt sich um eine stille Migräne, wenn Betroffene begleitende Migränesymptome ohne jedoch die eigentliche Migräneattacke verspüren.
Ursachen und Auslöser
Für Migräne besteht generell eine genetische Veranlagung. Bei Menschen mit bestehender Veranlagung können folgende Auslöser für Migräne verantwortlich sein:
- Schlafüberschuss oder Schlafmangel
- Hunger oder Unterzuckerung
- Hormonumstellungen
- Körperlicher oder psychischer Stress
- Bestimmte Nahrungsmittel wie Schokolade, Käse, Zitrusfrüchte, Alkohol
- Licht, Geräusche oder Gerüche
- Wetterveränderungen
- Starke Emotionen
- Bestimmte Medikamente
- Räume, in denen geraucht wird
Bei Migräne handelt es sich um eine Funktionsstörung des Gehirns, der Hirnhaut und ihrer Blutgefäße. Während eines Migräneanfalls funktionieren die schmerzregulierenden Systeme fehlerhaft und machen Betroffene überempfindlich gegenüber Reizen. Zudem haben die Botenstoffe des Gehirns (Neurotransmitter) Einfluss auf den Migränekopfschmerz.
Welche Ursachen Anfälle von Migräne auslösen, ist letztendlich abhängig von der jeweiligen Person. Ein Kopfschmerz- oder Migräne-Tagebuch kann helfen, Auslösern auf die Spur zu kommen.
Diagnose
Die Diagnose von Migräne basiert in der Regel auf der Anamnese und der Beschreibung der Symptome durch den Patienten. Der Arzt wird Fragen zur Häufigkeit, Dauer und Art der Kopfschmerzen sowie zu Begleitsymptomen und möglichen Auslösern stellen. In einigen Fällen können zusätzliche Untersuchungen wie eine neurologische Untersuchung oder bildgebende Verfahren (z. B. MRT) erforderlich sein, um andere Ursachen für die Kopfschmerzen auszuschließen.
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Behandlung
Auch wenn Migräne eine nicht heilbare Krankheit ist, lässt sie sich mit Medikamenten gut behandeln. Dabei gibt es einen Unterschied zwischen Medikamenten für akute Migräne und zur Rückfallprophylaxe.
Akutbehandlung
Für eine erfolgreiche Medikation muss die Therapie zu Beginn der Migräne angewandt werden. Laut deutscher Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft ist eine schrittweise und für den Bedarf gerechte Medikation vorgesehen. Dabei gibt es gegen Übelkeit und Erbrechen ein Antiemetikum, während bei Schmerzen Analgetika, Triptane oder Cortison eingesetzt werden können. Triptane und Ergotamine sollten bei mittelschweren Migräneanfällen oder Migraine accompagnée - allerdings nicht zusammen oder kurz hintereinander - eingesetzt werden. Allerdings sollten Triptane erst nach Abklingen der Aura und beim beginnenden Migränekopfschmerz angewandt werden.
Zusätzlich zur Medikation sollten Migräne-Patienten während einer Attacke idealerweise vor Reizen geschützt werden und sich in einem ruhigen, abgedunkelten Raum aufhalten.
Vorbeugung
Neben einer psychotherapeutischen Verhaltenstherapie, Ausdauersport und Akkupunktur können Medikamente einer Migräne vorbeugen. Zudem sollten Migräneauslöser möglichst vermieden werden. Eine medikamentöse Vorbeugung kann zwar die Erkrankung nicht völlig verhindern, doch sie kann die Häufigkeit, Dauer und Intensität der Migräne mindern.
Diese Behandlung zur Prophylaxe ist für Patientinnen und Patienten sinnvoll, wenn:
- die bisherige Behandlung der migränösen Attacken zu keinem befriedigenden Ergebnis geführt hat
- sie pro Monat unter mehr als drei Migräneanfällen leiden
- keine oder kaum Verträglichkeit für die Medikamente gegen Migräne besteht
- die Migräneanfälle häufiger auftreten
- sie mehr als zehn Tage pro Monat Schmerz- oder Migränemittel einnehmen
- die Migräne das alltägliche Leben stark einschränkt
- es nach einer Migräne zu neurologischen Migränekomplikationen und Störungen kommt, die mehr als sieben Tage andauern
Vorbeugend können Medikamente wie Betablocker, Flunarizin, Antiepileptika oder Topiramat verwendet werden. Seit einigen Jahren gibt es eine neue Behandlung mit so genannten Antikörpern gegen einen bestimmten Botenstoff, das so genannte CGRP, das während des Migräne-Anfalls ausgeschüttet wird.
Um auf natürliche Weise einer Migräne vorzubeugen, sollten Betroffene die Ursachen für die anfallsartigen, migränösen Kopfschmerzen kennen und diese möglichst vermeiden. Hilfreich ist daher ein regelmäßiger Schlafrhythmus, die Einhaltung fester Mahlzeiten sowie das Meiden von lauten Geräuschen oder hellem Licht. Verhaltenstherapeutische Verfahren und Entspannungsübungen können einzeln oder auch ergänzend zur medikamentösen Prophylaxe eingesetzt werden.
Nicht-medikamentöse Therapien
Leiden Patientinnen und Patienten unter mehr als drei Migräneattacken im Monat, gibt es folgende Möglichkeiten der Migränetherapie und -prophylaxe:
- Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson (PMR): Hierbei lernen Betroffene in Form von Fantasiereisen einzelne Muskelbereiche an- und zu entspannen, was auch für Kinder gut geeignet ist.
- Kognitiv-behaviorales Schmerzbewältigungstraining (Stressmanagement): Patientinnen und Patienten lernen, sich mit möglichen Stressfaktoren des Alltags und Berufs im Zusammenhang mit ihren kognitiven Prozessen auseinanderzusetzen und entwickeln Strategien zur Stressbewältigung.
- Biofeedback-Therapie: Bei dieser Methode werden biologische Signale wie etwa der Blutdruck in sicht- oder hörbare Signale umgewandelt, sodass Betroffenen diese bewusst werden. Dabei lernen sie, die Weite ihrer Blutgefäße der Kopfhaut bewusst zu beeinflussen und so die Kopfschmerzen zu lindern.
- Achtsamkeitsbasierte Stressreduktion (MBSR): Eine weitere Möglichkeit, einer Migräne vorzubeugen.
Umgang mit Migräne im Alltag
Migräne kann das tägliche Leben stark beeinträchtigen. Es ist wichtig, Strategien zu entwickeln, um mit den Anfällen umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern. Dazu gehören:
- Führen eines Kopfschmerztagebuchs, um Auslöser zu identifizieren und zu vermeiden
- Einhalten eines regelmäßigen Schlafrhythmus
- Regelmäßige Mahlzeiten
- Stressmanagement-Techniken
- Ausreichend Bewegung
- Vermeidung von bekannten Triggern wie bestimmten Lebensmitteln oder Getränken
- Unterstützung durch Selbsthilfegruppen oder Therapeuten