Lithium: Wechselwirkungen mit Parkinson, psychischen Erkrankungen und mehr

Lithium, ein essentielles Spurenelement, wird in der Medizin viel diskutiert. Dieser Artikel beleuchtet die vielfältigen Aspekte von Lithium, seine Wechselwirkungen mit verschiedenen Erkrankungen wie Parkinson und psychischen Störungen, sowie seine potenziellen therapeutischen Anwendungen und Risiken.

Lithium als essentielles Spurenelement

Lithium ist ein Leichtmetall, das sowohl für das mentale als auch das körperliche Immunsystem von entscheidender Bedeutung sein kann. Es unterstützt die Neurogenese im Hippocampus und reguliert entzündungsfördernde und -hemmende Botenstoffe. Trotz seiner Bedeutung wird Lithium in der EU nicht als Nahrungsergänzungsmittel anerkannt, was zu einer unzureichenden Versorgung der Bevölkerung führen kann, da die natürliche Lithiumzufuhr über die Nahrung oft zu gering ist.

Therapeutische Anwendungen von Lithium

Lithium hat sich als wirksam bei der Behandlung verschiedener Erkrankungen erwiesen:

Bipolare Störung

Lithium ist ein Stimmungsstabilisator und kann helfen, Stimmungsschwankungen zu stabilisieren und Rückfälle bei bipolaren Patienten zu verhindern. Es gilt als die einzige Substanz mit einer überzeugenden antisuizidalen Wirkung bei affektiven Störungen.

Depressionen

Niedrige Lithiumdosen können additiv zu Antidepressiva wirken, insbesondere bei behandlungsresistenten Depressionen. Sie können die Wirksamkeit von Antidepressiva erhöhen und die Zeit bis zum Rückfall verlängern.

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Neuroprotektive Effekte

Es gibt Hinweise darauf, dass niedrig dosiertes Lithium neuroprotektive Eigenschaften hat, die das Gehirn vor Schäden durch neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson schützen könnten.

Angststörungen und Stressbewältigung

Einige Kliniker setzen niedrig dosiertes Lithium zur Behandlung von Angststörungen und zur Verbesserung der Stressbewältigung ein, da es eine stabilisierende Wirkung auf die Stimmung haben kann.

Weitere Anwendungen

Das Interesse an der Verwendung von niedrig dosiertem Lithium erstreckt sich auch auf Geriatrie und die allgemeine kognitive Gesundheit, wobei das Potenzial zur Verbesserung der Lebensqualität und kognitiven Funktionalität untersucht wird. Mikrodosiertes Lithium kann helfen, chronische Neuroinflammation zu verhindern und bestehende Teufelskreise zu durchbrechen, die zu Erkrankungen wie Depression, Alzheimer und Long-COVID und Post-VAC führen.

Antivirale Eigenschaften

Lithium hat antivirale Eigenschaften und kann die Replikation von Viren, einschließlich Coronaviren, hemmen. Es wurde gezeigt, dass Lithium die Schwere von COVID-19-Infektionen reduzieren kann.

Lithium und Parkinson

Parkinson ist eine degenerative Erkrankung des extrapyramidal-motorischen Systems, die durch eine Degeneration der dopaminergen Nervenzellen in der Substantia Nigra und im VTA verursacht wird. Einige der Parkinsonsymptome treten auch bei ADHS auf, darunter Hypokinese, erhöhte Muskelspannung, posturale Instabilität, nicht-motorische neurologische Symptome und kognitive Symptome.

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Als plausibelste Ursache von Parkinson gilt oxidativer Stress, der zu einer Funktionsstörung der dopaminergen Neuronen in der Substantia nigra führt. Reaktive Sauerstoffspezies (ROS) können die Caspase-Kaskade in den Mitochondrien aktivieren, was zum Tod der Zelle führt. Der Dopaminstoffwechsel ist eng mit oxidativem Stress verbunden. Chronische Entzündungen sind ein charakteristisches Merkmal von Parkinson. Dopaminerge Neuronen sind besonders anfällig für aktivierte Glia, die diese toxischen Faktoren freisetzen.

Die Behandlung von Parkinson umfasst verschiedene Medikamente wie Dopaminagonisten, L-Dopa, COMT-Hemmer, MAO-B-Hemmer, Amantadin, Anticholinergika, Budipin und Stimulanzien.

Es gibt Hinweise darauf, dass niedrig dosiertes Lithium neuroprotektive Eigenschaften hat, die das Gehirn vor Schäden durch neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson schützen könnten.

Lithium und psychische Erkrankungen im Alter

Im Alter berichten über 90 Prozent der Erkrankten fast ausschließlich über somatische Beschwerden. Zudem sind die psychischen Symptome einer Depression im Alter oft anders als bei Jüngeren. Nicht Niedergeschlagenheit oder gedrückte Stimmungslage stehen im Vordergrund, sondern vor allem ängstliches Klagen und körperbezogene Sorgen. Beschwerden, mit denen man unter Umständen schon jahrelang lebt, werden typischerweise überbewertet. Dieses »ewige Jammern und Klagen« kann dazu führen, dass Angehörige, Pflegepersonen und Ärzte dem Patienten nicht mehr zuhören.

Eine andere Schwierigkeit ist die Unfähigkeit vieler alter Menschen, über ihr psychisches Befinden zu sprechen. Dem Betroffenen mag selbst oft nicht bewusst sein, dass er an einer Depression erkrankt ist. Möglicherweise kreisen seine Gedanken um eine andere Erkrankung. Ängstlich beobachtet er die Symptome und sorgt sich, dass alles noch viel schlimmer werden könnte. Hinzu kommt die Furcht, dass Rente und Ersparnisse nicht bis ans Lebensende reichen werden.

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Grundsätzlich sollte der Arzt bei einer depressiven Erkrankung immer auch ein mögliches suizidales Risiko ausloten. Mehr als die Hälfte aller Suizide stehen im Zusammenhang mit einer Depression. Es scheint, als seien es vor allem Selbsttötungen junger Menschen, die in der Gesellschaft Betroffenheit auslösen und in den Medien behandelt werden. Suizidalität im Alter wird seltener thematisiert. Dabei bringen sich im Verhältnis mehr Menschen im hohen Lebensalter um als junge Menschen. Besonders gefährdet ist die Gruppe der über 75-jährigen Männer.

Differenzialdiagnostisch sind »normale« Trauer, Schlafstörungen sowie körperliche Erkrankungen, die mit depressiven Symptomen einhergehen können, abzuklären. Trauer und Depression sind unterschiedliche psychische Abläufe. Der Mensch trauert über ein konkretes Ereignis wie Tod des Partners, Wegzug der Kinder, Aufgabe des Eigenheims oder Verlust des Hörvermögens. Der Betroffene kann den Grund seiner Betrübnis benennen. Dagegen wird eine Depression meist als Zustand erlebt, der ohne greifbaren Grund eingetreten ist.

Eine Reihe von organischen, insbesondere hirnorganischen Erkrankungen gehen mit depressiven Symptomen einher. Viele Patienten mit Morbus Parkinson entwickeln im Krankheitsverlauf solche Störungen. Nach einem Hirninfarkt kommt es häufig zu einer Depression (sogenannte Post-Stroke-Depression), ebenso bei anderen, im höheren Lebensalter häufigen Erkrankungen. Auch viele Pharmaka wie Antibiotika, ACE-Hemmer, Betablocker, Glucocorticoide, Herzglykoside, Interferone, Opiate, Virustatika und Zytostatika können depressive Störungen hervorrufen.

Die Therapie alter Patienten unterscheidet sich somit nicht grundsätzlich von der Behandlung depressiver Störungen im jüngeren oder mittleren Alter. Auch die Erfolgsquote ist vergleichbar: Bei etwa 70 Prozent kann eine deutliche Besserung erreicht werden. Eine Kombination von Psychotherapie, Psychopharmaka und umfassender sozialer Unterstützung gilt als optimal.

Empfehlenswert sind Substanzen ohne oder mit nur geringen anticholinergen Effekten. Als Arzneistoffe der Wahl gelten die selektiven Serotoninwiederaufnahme-Hemmer (SSRI) Citalopram, Escitalopram, Sertralin und Paroxetin, selektive Serotonin- und Noradrenalinwiederaufnahmehemmer (SNRI) wie Venlafaxin und Duloxetin sowie Mirtazapin und der reversible MAO-Hemmer Moclobemid.

Lithium-Orotat: Eine überlegene Option?

Lithium-Orotat wird in deutlich geringeren Dosierungen eingesetzt als Lithium-Salze bei der Behandlung bipolarer Störungen. Zur Prävention und Behandlung von neuroinflammatorischen Zuständen wie Long-COVID und Post-Vac-Syndrom wird eine viel niedrigere Dosierung empfohlen. Eine tägliche Einnahme von etwa 115 mg Lithium-Orotat, was etwa 5 mg reinem Lithium entspricht, ist ausreichend. Diese Dosierung ist etwa 40-mal geringer als die bei der Behandlung bipolarer Störungen.

Lithium-Orotat bietet mehrere Vorteile gegenüber anderen Lithium-Salzen wie Lithium-Carbonat:

  • Bessere Bioverfügbarkeit: Lithium-Orotat wird effizienter im Darm resorbiert und hat eine längere Halbwertszeit im Körper, was zu stabileren Lithium-Spiegeln führt.
  • Höhere Konzentration im Gehirn: Aufgrund eines speziellen Transportmechanismus wird Lithium-Orotat besser über die Blut-Hirn-Schranke transportiert, was besonders vorteilhaft für die Behandlung von neurologischen und psychischen Erkrankungen ist.
  • Geringere Dosierung erforderlich: Lithium-Orotat benötigt geringere Dosierungen, um die gleichen therapeutischen Effekte zu erzielen, was das Risiko von Nebenwirkungen reduziert.
  • Weniger Nebenwirkungen: Aufgrund der niedrigeren erforderlichen Dosierungen sind die Nebenwirkungen von Lithium-Orotat im Vergleich zu anderen Lithium-Salzen deutlich geringer.
  • Zusätzliche Vorteile von Orotat: Orotat selbst unterstützt die Gehirnfunktion und Gedächtnisleistung, was die positiven Effekte von Lithium-Orotat weiter verstärkt.

Grundsätzlich kann jede Apotheke Lithium-Orotrat in Form einer Rezeptur, die einzeln angefertigt wird, abgeben. Die Verordnung muss durch einen Arzt auf Rezept erfolgen. Dabei ist zu beachten, dass verschreibungspflichtige Arzneimittel grundsätzlich erst nach Eingang des Orginalrezeptes herstellt und versandt werden dürfen. Entsprechend muss eine Arzt die Kapseln mit je nach Bedarf 1 oder 5 mg Lithium in Form von Li-Orotrat verschreiben, damit die Apotheke die entsprechende Rezeptur herstellen kann. Rezeptfrei ist nur der illegale Bezug über das Ausland. Davon ist dringend abzuraten, weil einerseits die Produktqualität nicht garantiert ist und weil bei therapeutischem Einsatz im niedrigdosierten Bereich eine ärztliche Beurteilung und Begleitung unerlässlich ist. Das gleiche gilt auch für über Youtube propagierte Herstellung einer Eigenherstellung.

Lithium in Schwangerschaft und Stillzeit

Lithium stellt auch eine Off-Label Therapieoption in Schwangerschaft und Stillzeit dar.

Nebenwirkungen und Risiken von Lithium

Lithium kann eine Vielzahl von Nebenwirkungen verursachen, darunter:

  • Tremor
  • Schilddrüsenfunktionsstörungen
  • Nierenschäden
  • Hyperparathyreoidismus
  • Sexuelle Dysfunktion
  • Lithiumintoxikation

Es ist wichtig zu beachten, dass Lithiumintoxikation sich mit einer Vielzahl an Symptomen zeigen kann und mit Symptomen von Begleiterkrankungen verwechselt werden können.

Off-Label-Use von Lithium

Eine Studie untersuchte den Off-Label-Use von Neuroleptika und Lithium anhand von Abrechnungsdaten der gesetzlichen Krankenversicherung. Für Lithium lag der Off-Label-Use bei etwa 8%. Dieser betraf insbesondere den Einsatz bei Schizophrenien und schizoaffektiven Störungen.

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