Das Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt hat seine Pforten für eine neue Dauerausstellung geöffnet, die sich einem der komplexesten und faszinierendsten Organe widmet, das die Natur hervorgebracht hat: dem Gehirn. Unter dem Titel "Gehirne - Entdecken, Erleben, Staunen!" lädt die Ausstellung Besucher dazu ein, die Geheimnisse des menschlichen und tierischen Gehirns zu erkunden und zu verstehen.
Eine Kooperation für die Hirnforschung
In Zusammenarbeit mit der gemeinnützigen Hertie-Stiftung, einem der größten privaten Förderer der Hirnforschung in Deutschland, hat die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung eine Ausstellung geschaffen, die wissenschaftliche Erkenntnisse und interaktive Erlebnisse auf einzigartige Weise verbindet. Die Hertie-Stiftung engagiert sich seit langem in der Hirnforschung, um die komplexen Prozesse im Gehirn zu verstehen, neurologische Erkrankungen wirksam zu bekämpfen und gezielte Präventionsmaßnahmen zu entwickeln.
Karl-Heinz Körbel als besonderes Ausstellungsstück
Ein besonderes Highlight der Ausstellung ist das wirklichkeitsgetreue Modell des Gehirns von Eintracht-Legende und Bundesliga-Rekordspieler Karl-Heinz "Charly" Körbel. Sein Gehirn wurde per MRT gescannt und in eine digitale Skulptur verwandelt, die nun im Mittelpunkt der Ausstellung steht. Körbel selbst fühlt sich geehrt, dass sein Gehirn Teil dieser spannenden Ausstellung ist. Er betont, dass Fußball eine ständige Interaktion zwischen Körper und Geist erfordert und freut sich, dass die Ausstellung dieses komplexe Zusammenspiel so eindrucksvoll zeigt.
Die Idee, Körbels Gehirn auszustellen, reifte bereits vor einigen Jahren. Im Juni 2016 konnte die Öffentlichkeit bei einem Online-Voting darüber abstimmen, wessen Gehirnmodell zum Ausgangspunkt der neuen Sonderausstellung werden soll. Körbel setzte sich dabei mit Unterstützung der Eintracht-Fans unter anderem gegen Nobelpreisträger Albert Einstein und Affenforscherin Jane Goodall durch.
Interaktive Erlebnisse und wissenschaftliche Erkenntnisse
Die Dauerausstellung "Gehirne" bietet den Besuchern die Möglichkeit, komplexe Prozesse im Gehirn spielerisch und interaktiv zu entdecken. Anschauliche Modelle und Animationen vertiefen das Verständnis für das Zusammenspiel der verschiedenen Gehirnbereiche. So erklären Darstellungen und Exponate, wie die Großhirnhälften unsere einzigartigen kognitiven Fähigkeiten wie Sprache und Kreativität steuern, während das Kleinhirn für die Motorik und das Gleichgewicht zuständig ist. Auch grundlegende Körperfunktionen wie Atmung und Herzschlag werden durch den Hirnstamm als "Lebenszentrale" ermöglicht.
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Die Ausstellung beleuchtet auch, wie sich das Gehirn im Laufe eines Lebens verändert - vom Säuglingsalter bis ins hohe Alter. Sie zeigt, wie das Gehirn in den frühen Jahren lernt, sich entwickelt und an neue Herausforderungen anpasst.
Das Gehirn in Aktion: Ein virtuelles Stadionerlebnis
Ein besonderes Highlight ist das virtuelle Stadion, in dem die Besucher in die Rolle von Karl-Heinz Körbel schlüpfen und mit einem Avatar des Fußballspielers auf dem Spielfeld agieren können. Hier können sie nachvollziehen, was im Gehirn eines Spielers passiert, wenn er einen Ball schießt, der Schiedsrichter pfeift oder die Jubelrufe des Publikums hört. Diese interaktive Station verdeutlicht, wie Wahrnehmung, Emotionen und Reaktionen im Gehirn miteinander verknüpft sind.
Künstlerische Gestaltung und persönliche Erinnerungen
Der zeitgenössische Medienkünstler Tim Berresheim hat die Ausstellung mit ungewöhnlichen Ausstellungsdisplays, Raumskulpturen und Augmented-Reality-Exponaten gestaltet. Er greift das Thema an vielen Stellen spielerisch auf und verbindet die Disziplinen der Natur- und Neurowissenschaften mit dem beliebten Sport Fußball. Berresheim hat nicht nur die Skulptur von Charly Körbel entworfen, sondern auch die vier Meter hohen Wände an beiden Seiten des Ausstellungsraums gestaltet. Eine davon greift die Büste bildlich noch einmal auf, die andere zeigt Erinnerungsstücke aus dem Leben des Eintracht-Rekordspielers. Der Blick von Körbels Büste ist auf diese Wand voller Erinnerungen gerichtet.
Ein Blick über den Tellerrand: Tierische Gehirne und Sinnesleistungen
Neben dem menschlichen Gehirn werden in der Ausstellung auch die Gehirne und Nervensysteme anderer Lebewesen betrachtet. Besucher lernen unter anderem das Gehirn der Silberameise, den Infrarotsinn der Lanzenotter und das "dritte Auge" des Nilwarans kennen. Die Ausstellung zeigt die Vielfalt von Gehirnen und deren evolutionäre Entwicklung und stellt die erstaunlichen Sinneswahrnehmungen und Nervensysteme von Tieren in den Fokus.
Begleitprogramm und Vortragsreihe
Die Dauerausstellung "Gehirne" wird von einem ausführlichen Begleitprogramm und einer Vortragsreihe begleitet. Die Vortragsreihe "Faszination Gehirn: Organ der unbegrenzten Möglichkeiten" bietet bis Anfang Juli an sieben Abenden spannende Einblicke in die Struktur, Entwicklung und wesentlichen Funktionen unseres Gehirns. Ein besonderer Themenabend zur Senckenberg-Forschung lädt die Gäste zudem zu einer Erkundung des Tierreichs ein.
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Informationen für Besucher
Die Dauerausstellung "Gehirne" ist seit dem 26. März im Senckenberg Naturmuseum Frankfurt zu sehen.
Adresse:
Senckenberg Naturmuseum FrankfurtSenckenberganlage 2560325 Frankfurt
Öffnungszeiten:
- Montags, dienstags, donnerstags und freitags: 9 bis 17 Uhr
- Mittwochs: 9 bis 20 Uhr
- Samstags, sonntags und an Feiertagen: 9 bis 18 Uhr
Eintrittskarten können online oder vor Ort erworben werden. Informationen zu Führungen und Workshops sind auf der Website des Museums erhältlich.
Stimmen zur Ausstellung
- Prof. Dr. Andreas Mulch, Direktor des Senckenberg Forschungsinstituts und Naturmuseums Frankfurt: "Das Gehirn ist der Schlüssel zu allem, was wir tun, denken und fühlen. Die Ausstellung bietet eine einzigartige Gelegenheit, die Gehirne von Menschen und Tieren aus verschiedenen Perspektiven zu erleben und vereint wissenschaftliche und künstlerische Ansätze."
- Dr. Eva Roßmanith, kommissarische Museumsleiterin: "Es ist uns eine Freude, dass wir in Kooperation mit der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, einem der größten privaten Förderer der Hirnforschung in Deutschland, und mit dem Künstler Tim Berresheim dieses Thema auf so vielseitige Weise präsentieren können."
- Dr. Astrid Proksch, Geschäftsführerin "Gehirn erforschen" der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung: "Die Hirnforschung ist ein dynamisches und spannendes Feld, das uns immer wieder neue Einsichten über das menschliche Gehirn und seine erstaunlichen Fähigkeiten bietet. Wir freuen uns, zu der Ausstellung beizutragen, das Bewusstsein für die Bedeutung der Gehirnforschung zu stärken und gleichzeitig das Interesse der Öffentlichkeit für dieses faszinierende Organ zu wecken."
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