Migräne ist eine weit verbreitete neurologische Erkrankung, von der in Deutschland knapp neun Millionen Menschen betroffen sind. Starke Kopfschmerzen, oft begleitet von Übelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit, beeinträchtigen das Leben der Betroffenen erheblich. Obwohl Migräne bisher nicht heilbar ist, gibt es verschiedene Behandlungsansätze, die Anfälle lindern und die Lebensqualität verbessern können.
Was ist Migräne?
Migräne ist mehr als nur ein starker Kopfschmerz. Es handelt sich um eine neurologische Erkrankung, die sich durch wiederkehrende, heftige Kopfschmerzattacken auszeichnet. Laut der internationalen Kopfschmerzklassifikation liegt eine Migräneerkrankung vor, wenn die Schmerzen mindestens fünf Stunden anhalten und von starker Übelkeit, oft mit Erbrechen, begleitet sind. Viele Patienten klagen zudem über eine gesteigerte Licht- und Lärmempfindlichkeit. Körperliche Anstrengung verstärkt die Symptome zusätzlich.
Ursachen und Auslöser
Die genauen Ursachen von Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass eine genetische Veranlagung eine Rolle spielt. Zudem scheinen viele Betroffene eine besonders hohe Aufmerksamkeit für Reize und eine schnelle Reizverarbeitung zu haben, was das Nervensystem überlasten kann. Im Verlauf einer Attacke kommt es wahrscheinlich zu entzündlichen Vorgängen an den Blutgefäßen im Gehirn.
Bei manchen Menschen können Migräneanfälle durch sogenannte Trigger ausgelöst werden. Diese Trigger können vielfältig sein und variieren von Person zu Person. Ein Migränetagebuch kann helfen, die persönlichen Trigger zu identifizieren und zu vermeiden.
Häufige Trigger:
- Stress
- Schlafmangel oder unregelmäßiger Schlaf-wach-Rhythmus
- Hormonelle Veränderungen (z.B. Menstruation)
- Bestimmte Wetterbedingungen
- Ausgelassene Mahlzeiten
- Bestimmte Nahrungsmittel (selten)
Behandlungsmethoden
Obwohl Migräne nicht heilbar ist, gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Häufigkeit und Intensität der Anfälle zu reduzieren und die Symptome zu lindern.
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Akutbehandlung
Bei akuten Migräneattacken ist es wichtig, Medikamente möglichst frühzeitig einzunehmen. Die Leitlinie zur Therapie von Migräne der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) empfiehlt folgende Medikamente:
- Schmerzmittel: Bei leichten bis mittelschweren Anfällen können rezeptfreie Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol helfen.
- Triptane: Diese spezifischen Migränemedikamente wirken auf Rezeptoren der geweiteten Blutgefäße im Gehirn, die sich daraufhin wieder verengen. Außerdem verhindern sie die Aktivierung entzündungsauslösender Eiweißstoffe. Triptane sind als Tabletten, Nasensprays oder Injektionen erhältlich. Einige Triptane sind in kleiner Packung rezeptfrei in der Apotheke erhältlich, größere Packungen sowie andere Wirkstoffe sind verschreibungspflichtig.
Es ist wichtig zu beachten, dass Schmerz- und Migränemittel nicht an mehr als 10 Tagen im Monat eingenommen werden sollten, um einen Medikamentenübergebrauchskopfschmerz zu vermeiden.
Vorbeugende Maßnahmen
Wenn eine Patientin oder ein Patient an vier oder mehr Tagen im Monat Migräne hat oder wenn die Behandlung mit Triptanen keine ausreichende Besserung von Anfällen bietet, gibt es die Möglichkeit, die Migräne vorbeugend zu behandeln.
- Medikamentöse Prophylaxe: Zur Prophylaxe mit Tabletten kommen unter anderem Betablocker, Antidepressiva oder Mittel gegen Epilepsie infrage.
- Migräne-Antikörper: Diese werden alle vier Wochen unter die Haut gespritzt und richten sich gegen CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide), ein Molekül, das an der Entstehung von Migräneattacken beteiligt ist. Bevor moderne Antikörper zur Migräneprophylaxe verschrieben werden können, muss mindestens eine der Tablettentherapien versucht werden, manchmal auch mehrere. Eine neue Wirkstoffgruppe, die sogenannten Gepante, sollen verhindern, dass sich überhaupt CGRP-Proteine bilden. Sie sollen nicht nur vorbeugend wirken, sondern auch bei akuten Migräneattacken.
- Nicht-medikamentöse Maßnahmen:
- Regelmäßiger Ausdauersport: Laufen, Schwimmen oder Radfahren können den Stresspegel verringern und helfen, Migräneattacken vorzubeugen.
- Entspannungsverfahren: Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen oder Autogenes Training können ebenfalls helfen, Stress abzubauen und Migräne vorzubeugen.
- Regelmäßigkeit: Regelmäßige Schlafens- und Aufwachzeiten sowie Mahlzeiten sind für viele Patientinnen und Patienten hilfreich. Hetze, Unregelmäßigkeit, Naschen und Überspringen von Mahlzeiten können Migränebeschwerden verschlimmern.
- Kopfschmerztagebuch: Das Führen eines Kopfschmerztagebuchs kann helfen, individuelle Trigger zu identifizieren und zu vermeiden.
- Progressive Muskelrelaxation nach Jacobsen
Alternative und Komplementäre Behandlungen
Neben den konventionellen Behandlungsmethoden gibt es auch alternative und komplementäre Ansätze, die bei Migräne eingesetzt werden können. Dazu gehören:
- Akupunktur: Einige Studien deuten darauf hin, dass Akupunktur bei der Vorbeugung von Migräneattacken helfen kann. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) betont jedoch, dass das Verfahren auf keiner nachvollziehbaren pathophysiologischen Grundlage beruht.
- Mind-Body-Medizin: Techniken wie Meditation, Yoga und Tai Chi können helfen, Stress abzubauen und die Entspannung zu fördern.
- Naturheilkundliche Verfahren: Einige Naturheilverfahren, wie z.B. die Ordnungstherapie, können ebenfalls zur Behandlung von Migräne eingesetzt werden.
Migräneforschung: Fortschritte und Perspektiven
Die Migräneforschung hat in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht. Insbesondere die Entwicklung von CGRP-Antikörpern und Gepanten hat neue Möglichkeiten in der Migräneprophylaxe eröffnet.
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Ein wichtiger Aspekt der Forschung ist auch die Erforschung der Ursachen und Mechanismen von Migräne. Ziel ist es, ein besseres Verständnis der Erkrankung zu gewinnen und neue, gezieltere Therapien zu entwickeln.
Forschungsprojekte und Studien
Die Klinik für Integrative Medizin und Naturheilkunde in Bamberg beteiligt sich regelmäßig an klinischen Studien zur Erforschung von Naturheilverfahren und komplementären Methoden bei verschiedenen Erkrankungen, darunter auch Migräne. Diese Studien tragen dazu bei, die Wirksamkeit und Sicherheit dieser Verfahren zu überprüfen und neue Erkenntnisse für die Behandlung von Migräne zu gewinnen.
So wird untersucht, inwiefern die Naturheilkunde mit den Therapiesäulen der klassischen Naturheilkunde in Kombination mit den erweiterten Naturheilverfahren substantiell zur Verbesserung der gesundheitlichen Situation von Post Covid Patienten beitragen kann. Der Forschungszyklus ist in zwei Teilbereiche gegliedert. Evaluation einer multimodalen stationären integrativ-naturheilkundlichen Therapie von PatientInnen mit Post-Covid-Syndrom sowie Evaluation der Wirksamkeit eines multimodalen integrativ-naturheilkundlichen Tagesklinikprogramms mit Schwerpunkt Mind-Body-Medizin und milder wassergefilterter Infrarot-A-Ganzkörperhyperthermie zur Verbesserung von Symptomen und Lebensqualität bei PatientInnen mit Post-Covid-Syndrom
Leben mit Migräne
Migräne kann das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Es ist wichtig, sich über die Erkrankung zu informieren, sich professionelle Hilfe zu suchen und Strategien zu entwickeln, um mit den Anfällen umzugehen.
Tipps für den Alltag:
- Führen Sie ein Kopfschmerztagebuch, um Ihre individuellen Trigger zu identifizieren.
- Achten Sie auf einen regelmäßigen Schlaf-wach-Rhythmus und regelmäßige Mahlzeiten.
- Vermeiden Sie Stress und sorgen Sie für ausreichend Entspannung.
- Treiben Sie regelmäßig Sport.
- Suchen Sie sich Unterstützung bei anderen Betroffenen oder in einer Selbsthilfegruppe.
Spezialisierte Einrichtungen und Anlaufstellen
Für Migränepatienten gibt es spezialisierte Einrichtungen und Anlaufstellen, die eine umfassende Betreuung und Behandlung anbieten. Dazu gehören:
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- Neurologische Kliniken: Viele neurologische Kliniken haben spezielle Kopfschmerzzentren, die auf die Behandlung von Migräne und anderen Kopfschmerzerkrankungen spezialisiert sind.
- Schmerzkliniken: Schmerzkliniken bieten eine multimodale Schmerztherapie an, die verschiedene Behandlungsansätze kombiniert. Ein Beispiel ist die Neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel unter der Leitung von Prof. Dr. Hartmut Göbel, die eine spezielle Therapie von Migräne mit und ohne Aura anbietet.
- Naturheilkundliche Kliniken: Einige Kliniken für Naturheilkunde bieten spezielle Programme zur Behandlung von Migräne an, die auf den Prinzipien der integrativen Medizin basieren.
- Selbsthilfegruppen: Selbsthilfegruppen bieten eine Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen und gegenseitige Unterstützung zu finden.