Das Iliosakralgelenk (ISG), auch Kreuzdarmbeingelenk genannt, spielt eine entscheidende Rolle im Bewegungsapparat des Pferdes. Es verbindet das Kreuzbein mit dem Becken und ist somit maßgeblich an der Kraftübertragung von der Hinterhand über den Rumpf zur Vorderhand beteiligt. Obwohl es sich um ein straffes Gelenk mit geringem Bewegungsumfang handelt, ist es anfällig für Blockierungen und Störungen, die zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führen können. Das resultierende Krankheitsbild wird als ISG-Syndrom oder Sacroiliacalgelenk-Syndrom (SIG-Syndrom) bezeichnet und kann erhebliche Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden des Pferdes haben.
Bedeutung und Funktion des ISG
Das ISG ist kein "echtes" Gelenk im klassischen Sinne, sondern eher eine straffe Verbindung, da das Kreuzbein durch starke Bänder fest im Becken gehalten wird. Diese Bänder ermöglichen eine gewisse Beweglichkeit, die jedoch auf etwa 2 Grad begrenzt ist. Trotz dieses geringen Bewegungsumfangs spielt das ISG eine wichtige Rolle bei der Feinabstimmung des aufrechten Ganges und ist an fast jeder körperlichen Aktivität des Pferdes beteiligt. Es dient als Stoßdämpfer und ermöglicht die Kraftübertragung von der Hinterhand auf den Rest des Körpers.
Ursachen für ISG-Blockierungen
Eine Blockierung im ISG entsteht, wenn die normale Beweglichkeit des Gelenks eingeschränkt ist. Dies kann verschiedene Ursachen haben:
- Trauma: Stürze, ungeschickte Bewegungen oder Überlastungen können zu Zerrungen, Band- oder Knorpelschäden im ISG führen.
- Fehlbelastungen: Einseitige Belastungen, beispielsweise durch einen unpassenden Sattel oder eine falsche Reitweise, können zu Muskelverspannungen und Blockierungen führen.
- Schonhaltungen: Schmerzen in anderen Bereichen des Körpers, wie beispielsweise in der Hüfte, im Knie oder in der Wirbelsäule, können zu Schonhaltungen führen, die das ISG zusätzlich belasten und blockieren.
- Muskuläre Dysbalancen: Verspannungen oder Schwächen in der Muskulatur, die das ISG umgibt, können ebenfalls zu Blockierungen führen.
- Altersbedingte Veränderungen: Wie alle Gelenke unterliegt auch das ISG einem gewissen Verschleiß. Mit zunehmendem Alter können Knorpelschäden und Arthrose entstehen, die die Beweglichkeit des Gelenks einschränken.
Symptome eines ISG-Syndroms
Die Symptome eines ISG-Syndroms können vielfältig sein und variieren je nach Schweregrad der Blockierung und individueller Schmerzempfindlichkeit des Pferdes. Häufige Anzeichen sind:
- Schmerzen im Bereich des Gesäßes: Die Schmerzen können lokalisiert sein oder in die Lendenwirbelsäule, die Hüfte oder die Oberschenkel ausstrahlen.
- Bewegungseinschränkungen: Das Pferd kann Schwierigkeiten haben, sich zu biegen, zu wenden oder Seitengänge auszuführen. Auch das Angaloppieren kann Probleme bereiten.
- Taktfehler: Im Trab oder Galopp können Taktfehler auftreten, insbesondere in der Hinterhand.
- Steifheit: Das Pferd kann sich steif und unbeweglich anfühlen, insbesondere nach Ruhephasen.
- Empfindlichkeit bei Berührung: Der Bereich um das ISG kann druckempfindlich sein.
- Leistungsabfall: Das Pferd zeigt möglicherweise weniger Leistungsbereitschaft und ermüdet schneller.
- Verhaltensänderungen: In manchen Fällen können Pferde mit ISG-Problemen auch Verhaltensänderungen zeigen, wie beispielsweise Aggressivität oder Ängstlichkeit.
- Kreuzen der Hintergliedmaßen: Beim Traben kann das Pferd die Hintergliedmaßen überkreuzen.
- Schleifen der Zehen: Das Pferd schleift mit den Zehen über den Boden.
- Seitliches Ausweichen: Das Pferd weicht mit der Hinterhand seitlich aus.
Diagnose des ISG-Syndroms
Die Diagnose eines ISG-Syndroms kann eine Herausforderung darstellen, da die Symptome oft unspezifisch sind und auch auf andere Erkrankungen des Bewegungsapparates hindeuten können. Eine sorgfältige Anamnese, eine umfassende klinische Untersuchung und gegebenenfalls bildgebende Verfahren sind erforderlich, um die Diagnose zu sichern.
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- Anamnese: Der Tierarzt wird zunächst eine ausführliche Anamnese erheben, um Informationen über die Krankengeschichte des Pferdes, die Art der Nutzung, die Symptome und eventuelle Vorerkrankungen zu sammeln.
- Klinische Untersuchung: Die klinische Untersuchung umfasst eine Beurteilung des Gangbildes, eine Palpation des ISG und der umliegenden Strukturen sowie verschiedene Bewegungstests, um die Beweglichkeit des Gelenks zu überprüfen.
- Bildgebende Verfahren: In manchen Fällen können bildgebende Verfahren wie Röntgen, Ultraschall oder Szintigraphie erforderlich sein, um andere Ursachen für die Beschwerden auszuschließen oder den Zustand des ISG genauer zu beurteilen.
Behandlungsmöglichkeiten des ISG-Syndroms
Die Behandlung des ISG-Syndroms zielt darauf ab, die Blockierung zu lösen, die Schmerzen zu lindern und die normale Funktion des Gelenks wiederherzustellen. Es gibt verschiedene konservative und operative Behandlungsmöglichkeiten:
Konservative Behandlung
- Manuelle Therapie: Osteopathen, Chiropraktiker und Physiotherapeuten können Blockierungen im ISG mithilfe von speziellen Handgriffen (Mobilisationen und Manipulationen) lösen und die umliegenden Muskeln, Bänder und Faszien dehnen.
- Physiotherapie: Nach dem Lösen der Blockade ist es wichtig, die Muskulatur zu stärken und die Beweglichkeit des Gelenks zu erhalten. Physiotherapeutische Übungen können dabei helfen, ein erneutes Blockieren zu verhindern.
- Schmerzmittel: Schmerzmittel (Analgetika) können zur Reduktion der Beschwerden und zur Symptomkontrolle beitragen.
- Entzündungshemmer: Entzündungshemmer können helfen, Entzündungen im Bereich des ISG zu reduzieren.
- Injektionen: In manchen Fällen können Lokalanästhetika oder Kortikosteroide direkt in das ISG injiziert werden, um die Schmerzen zu lindern.
- Akupunktur: Auch Akupunktur kann bei der Behandlung von ISG-Beschwerden eingesetzt werden.
- Anpassung des Trainings: Das Training sollte an den Zustand des Pferdes angepasst werden. Überlastungen sollten vermieden und die Muskulatur gezielt aufgebaut werden.
- Sattelkontrolle: Ein unpassender Sattel kann zu Fehlbelastungen und Muskelverspannungen führen. Daher sollte der Sattel regelmäßig von einem Fachmann überprüft und gegebenenfalls angepasst werden.
- Futterergänzungen: Futterergänzungen mit entzündungshemmenden und knorpelschützenden Eigenschaften können den Heilungsprozess unterstützen.
Operative Behandlung
Eine operative Behandlung des ISG-Syndroms ist nur in seltenen Fällen erforderlich, wenn die konservativen Maßnahmen nicht ausreichend helfen.
- Denervierung: Bei der Denervierung werden die Nerven, die den Schmerz aus dem ISG weiterleiten, durchtrennt oder verödet. Dies kann die Schmerzweiterleitung unterbrechen und die Beschwerden lindern.
- Versteifung: In schweren Fällen kann eine Versteifung des ISG in Erwägung gezogen werden. Dabei wird das Gelenk durch Schrauben oder Platten fixiert, um die Schmerzen zu beseitigen.
Prävention von ISG-Problemen
Um ISG-Problemen vorzubeugen, können folgende Maßnahmen ergriffen werden:
- Aufwärmen vor dem Training: Vor dem Training sollte das Pferd ausreichend aufgewärmt werden, um die Muskulatur zu lockern und die Gelenke auf die Belastung vorzubereiten.
- Ausgewogenes Training: Das Training sollte abwechslungsreich und ausgewogen sein, um einseitige Belastungen zu vermeiden.
- Passender Sattel: Ein gut sitzender Sattel ist wichtig, um Fehlbelastungen und Muskelverspannungen zu vermeiden.
- Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung ist wichtig, um die Muskulatur zu stärken und die Gelenke geschmeidig zu halten.
- Gewichtskontrolle: Übergewicht belastet die Gelenke zusätzlich. Daher sollte auf ein gesundes Körpergewicht geachtet werden.
- Frühzeitige Behandlung von Problemen: Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen sollten frühzeitig von einem Tierarzt abgeklärt und behandelt werden, um chronische Probleme zu vermeiden.
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