Die sensible Innervation der Füße ist entscheidend für Gleichgewicht, Gangsicherheit und die Wahrnehmung des Untergrunds. Nach einer Fußoperation können sensible Nerven beeinträchtigt werden, was zu verschiedenen Beschwerden führen kann. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten von sensiblen Nervenproblemen nach einer Fuß-OP.
Die Bedeutung der sensiblen Nerven für den Fuß
Die Fußsohle ist die einzige Kontaktstelle zum Boden beim aufrechten Gang. Verschiedene Nerven versorgen die Fußsohle und sind für die Gefühlswahrnehmung zuständig. Diese Gefühlswahrnehmung ist sehr wichtig für die Steuerung des Gleichgewichts. Die Sensibilität der Fußsohle ist ein wesentlicher Aspekt der Selbstwahrnehmung des Körpers: Der einzige Kontakt zwischen dem Bewegungsapparat und dem Untergrund sendet für die Bewegungskoordination wichtige Informationen an das Gehirn. Sicherer Stand und sicherer Gang sowie die Gefühlsempfindung der Fußsohle hängen daher von funktionierenden Nerven ab.
Ursachen für sensible Nervenprobleme nach Fuß-OP
Nervenverletzungen können bei jedem chirurgischen oder interventionellen Eingriff auftreten, etwa durch eine Durchtrennung von Hautnerven beim Zugang, eine intraoperative akzidentielle Nervenschädigung oder eine ungünstige postoperative Vernarbung mit nachfolgenden Traktionsschmerzen.
Einige spezifische Ursachen für sensible Nervenprobleme nach Fuß-OP sind:
- Direkte Nervenverletzung: Während der Operation kann es zu einer direkten Schädigung von Nerven durch Schnitte, Quetschungen oder Dehnungen kommen.
- Nervenkompression: Narbengewebe, Schwellungen oder Hämatome nach der Operation können Druck auf die Nerven ausüben und deren Funktion beeinträchtigen.
- Entzündungen: Entzündungsprozesse im Operationsgebiet können die Nerven reizen und schädigen.
- Lagerungsschäden: Eine ungünstige Lagerung des Patienten während der Operation kann zu einer Kompression oder Dehnung von Nerven führen.
- Vorerkrankungen: Vorerkrankungen wie Diabetes, periphere Gefäßerkrankungen oder Arthritis können das Risiko für Nervenschäden erhöhen.
- Iatrogene Ursachen: Etwa 20 Prozent aller operativ versorgten Nervenverletzungen haben eine iatrogene Ursache, wobei unfallchirurgische oder orthopädische Operationen häufig beteiligt sind.
Symptome sensibler Nervenprobleme nach Fuß-OP
Die Symptome sensibler Nervenprobleme nach Fuß-OP können vielfältig sein und hängen von der Art und dem Ausmaß der Nervenschädigung ab. Häufige Symptome sind:
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- Schmerzen: Die Schmerzen können brennend, stechend, kribbelnd oder elektrisierend sein. Sie können konstant oder anfallsartig auftreten.
- Taubheitsgefühl: Ein Taubheitsgefühl in bestimmten Bereichen des Fußes oder der Zehen.
- Kribbeln oder Ameisenlaufen (Parästhesien): Missempfindungen wie Kribbeln oder Ameisenlaufen in der Fußsohle oder den Zehen.
- Überempfindlichkeit (Hyperästhesie): Eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Berührungen, Wärme oder Kälte.
- Verminderte Empfindlichkeit (Hypästhesie): Eine verminderte Empfindlichkeit gegenüber Berührungen, Wärme oder Kälte.
- Muskelschwäche: In einigen Fällen kann es zu einer Schwäche der Fußmuskulatur kommen.
- Eingeschränkte Beweglichkeit: Schmerzen und Missempfindungen können die Beweglichkeit des Fußes einschränken.
- Trophische Störungen: Veränderungen der Hauttrophik (Ausprägung der Leisten, Schweißsekretion, Behaarung etc.) können auf eine sensible Nervenschädigung hinweisen.
Diagnose sensibler Nervenprobleme nach Fuß-OP
Eine frühzeitige und genaue Diagnose ist entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung sensibler Nervenprobleme nach Fuß-OP. Die Diagnose umfasst in der Regel:
- Anamnese: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte des Patienten, einschließlich der Art der Operation, des zeitlichen Verlaufs der Beschwerden und eventueller Vorerkrankungen.
- Klinische Untersuchung: Der Arzt untersucht den Fuß auf Sensibilitätsstörungen, Muskelschwäche und andere Auffälligkeiten. Dabei werden Verfahren wie die Zwei-Punkte-Diskrimination und der Semmes-Weinstein-Monofilament-Test zur genaueren Quantifizierung eingesetzt.
- Elektrophysiologische Untersuchungen: Neurographie und Elektromyographie können helfen, die Funktion der Nerven zu beurteilen und den Ort und das Ausmaß der Schädigung zu bestimmen.
- Bildgebende Verfahren: Hochauflösender Ultraschall (Sonographie) oder Magnetresonanztomographie (MRT) können eingesetzt werden, um die Nerven darzustellen und mögliche Ursachen für die Nervenkompression oder -schädigung zu identifizieren. Die MR-Neurographie bietet völlig neue Möglichkeiten der frühzeitigen Diagnostik.
- Testblockade: Der betreffende Nerv kann ultraschallkontrolliert mit minimalen Mengen an Lokalanästhesie und sehr differenziert probeweise blockiert werden.
Behandlung sensibler Nervenprobleme nach Fuß-OP
Die Behandlung sensibler Nervenprobleme nach Fuß-OP hängt von der Ursache und dem Ausmaß der Nervenschädigung ab. Es gibt sowohl konservative als auch operative Behandlungsmöglichkeiten.
Konservative Behandlung
- Schmerzmittel: Schmerzmittel wie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) oder Opioide können zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.
- Antikonvulsiva und Antidepressiva: Diese Medikamente können bei neuropathischen Schmerzen helfen.
- Kortikosteroide: Kortikosteroide können Entzündungen reduzieren und die Nervenfunktion verbessern.
- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Beweglichkeit des Fußes zu verbessern, die Muskulatur zu stärken und die Sensibilität zu verbessern.
- Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, den Alltag trotz der Beschwerden zu bewältigen.
- Orthopädische Hilfsmittel: Schuheinlagen oder Orthesen können helfen, den Fuß zu stabilisieren und den Druck auf die Nerven zu reduzieren.
- Lokale Maßnahmen: Warme Fußbäder, transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS), Akupunktur, milde Infrarotstrahlung oder die Applikation von Kälte können zur Schmerzlinderung beitragen.
- Psychotherapie: Psychotherapie kann helfen, die Schmerzakzeptanz zu verbessern und den Umgang mit chronischen Schmerzen zu erlernen.
Operative Behandlung
Eine operative Behandlung kann in folgenden Fällen erforderlich sein:
- Nervenkompression: Wenn eine Nervenkompression durch Narbengewebe, Schwellungen oder andere Raumforderungen verursacht wird, kann eine operative Dekompression des Nervs erforderlich sein.
- Nervenverletzung: Wenn ein Nerv während der Operation durchtrennt wurde, kann eine operative Nervennaht oder Nerventransplantation erforderlich sein.
- Neurom: Wenn sich ein schmerzhaftes Neurom (Nervenknoten) gebildet hat, kann dieses operativ entfernt werden.
- Nerventumoren: Periphere Nerventumoren werden mithilfe eines Operationsmikroskopes freigelegt und entfernt.
Es gibt verschiedene operative Techniken zur Behandlung von Nervenproblemen nach Fuß-OP:
- Neurolyse: Bei einer Neurolyse wird der Nerv freigelegt und von Narbengewebe oder anderen Strukturen befreit, die den Nerv komprimieren.
- Nervennaht: Bei einer Nervennaht werden die durchtrennten Enden eines Nervs mikrochirurgisch miteinander vernäht.
- Nerventransplantation: Bei einer Nerventransplantation wird ein Spendernerv (meist ein sensibler Nerv aus dem Bein) verwendet, um einen Nervendefekt zu überbrücken.
- Nerventransfer: Lassen sich Nerven nicht direkt rekonstruieren, können gesunde funktionelle Nerven auf den erkrankten Nerv umgelenkt werden, um so die Chance einer Regeneration der ursprünglichen Funktion wiederherzustellen.
- Neuromresektion: Bei einer Neuromresektion wird das schmerzhafte Neurom entfernt. In manchen Fällen kann der Nervenast in die Tiefe der umliegenden Muskulatur versenkt werden, um eine erneute Bildung eines Neuroms zu verhindern.
Nachbehandlung
Nach einer operativen Behandlung ist eine intensive Nachbehandlung erforderlich, um die Nervenfunktion wiederherzustellen und Komplikationen zu vermeiden. Die Nachbehandlung umfasst in der Regel:
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- Ruhigstellung: Der Fuß wird für einige Zeit ruhiggestellt, um die Heilung zu fördern.
- Physiotherapie: Physiotherapie ist wichtig, um die Beweglichkeit des Fußes zu verbessern, die Muskulatur zu stärken und die Sensibilität zu verbessern.
- Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, den Alltag trotz der Beschwerden zu bewältigen.
- Schmerzmittel: Schmerzmittel können zur Schmerzlinderung eingesetzt werden.
- Narbenbehandlung: Eine Narbenbehandlung kann helfen, die Narbenbildung zu reduzieren und die Beweglichkeit des Gewebes zu verbessern.
Tarsaltunnelsyndrom nach Fuß-OP
Das Tarsaltunnelsyndrom ist eine spezielle Form der Nervenkompression, bei der der Nervus tibialis im Tarsaltunnel am Innenknöchel eingeklemmt wird. Dieses Syndrom kann auch nach einer Fuß-OP auftreten.
Ursachen
Ursächlich sind meist Fußfehlstellungen wie der Knick-Senkfuß oder Verletzungen. Ödeme und Schwellung z. B. Hochhackige oder enge, hohe Schuhe wie Wander- und Skischuhe können die Schmerzen beim Tarsaltunnelsyndrom auslösen oder sogar verstärken. Die Einengung des Tarsaltunnels kann eine Vielzahl von Ursachen haben. Entzündliche Erkrankungen wie Arthritis, Rheuma und rheumatoide Arthritis führen ebenfalls zu Schwellungen und Beschwerden im Bereich des Tarsaltunnels. Auch Krampfadern, Knochenbrüche oder Knochensporne können auf den Tarsaltunnel drücken.
Symptome
Patienten spüren unterschiedlich intensive, wechselnde Beschwerden. Zum Teil treten die Fußschmerzen als Nachtschmerzen mit Ausstrahlung in Ferse und Unterschenkel auf. Kribbeln oder Taubheit der Fußsohle - zum Teil bis in die Zehen - sind möglich. Manche haben auch das Gefühl, das ihr Fuß "einschläft". Patienten mit Tarsaltunnelsyndrom leiden teilweise auch unter Schmerzen am Fußrücken. Häufig nehmen die Schmerzen im Verlauf des Tages zu. Vor allem aber sind sie in der Nacht und in Ruhe zu spüren. Massage und Reibung können die Fußschmerzen wieder verringern. Eine Zunahme der Schmerzen bei Belastung, insbesondere bei einem Trainingsstart nach langer Ruhephase, ist kennzeichnend.
Diagnose
Die Kooperation eines erfahrenen Spezialisten für Fuß- und Sprunggelenkerkrankungen mit einem Neurologen ist für die exakte Diagnose des Tarsaltunnelsyndroms vorteilhaft. Der Orthopäde stellt eine Verdachtsdiagnose durch intensive Patientenbefragung. Untersuchung des Tarsaltunnels. Durch Druck mit dem Daumen untersucht der Fußspezialist die im Tarsaltunnel verlaufenden Beugesehnen. Druckschmerzen an einer typischen Stelle über dem Nervenverlauf des Nervus tibialis bestätigen den Verdacht während der klinischen Untersuchung durch den Fußspezialisten. Der untersuchende Arzt kann durch Beklopfen des Nerven bei der klinischen Untersuchung ein elektrisierendes, in die Fußsohle ausstrahlendes Gefühl auslösen (Tinel-Zeichen).
Behandlung
Wann immer es möglich ist, behandeln wir das Tarsaltunnelsyndrom konservativ, also ohne operativen Eingriff. Der Arzt therapiert die schmerzhafte Nervenveränderung am Tarsaltunnel primär durch Einspritzungen von lokalen Betäubungsmitteln. Bei starken Entzündungen als Auslöser des Tarsaltunnelsyndroms sind schmerzstillende und entzündungshemmende Medikamente erforderlich. Sportliche Aktivitäten und körperliche Belastungen, welche die Symptome verstärken, sollte der Patient nach Möglichkeit reduzieren oder vorübergehend aussetzen. Auch Schienen eignen sich zur konservativen Behandlung des Tarsaltunnelsyndroms. Sie reduzieren den Druck und die Beweglichkeit, die beide den Tibialisnerven zusätzlich komprimieren. Sind Knick-Senkfüße die Ursache für das Tarsaltunnelsyndrom, können auch Schuheinlagen helfen. Der geplante Operationsschnitt bei einem Tarsaltunnelsyndrom: Es ist notwendig, das Retinakulum (Halteband) über dem Nerv zu eröffnen und den Nerv im Verlauf zu befreien.
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