Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende, starke Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen und erhöhter Empfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen. Die Lebenszeitprävalenz von Kopfschmerzen liegt bei etwa 66 %, während Migräne 12 bis 16 % der Bevölkerung betrifft. Frauen sind dabei zwei- bis dreimal häufiger betroffen als Männer. Migräne ist nicht nur eine häufige Ursache für vorübergehende körperliche Einschränkungen, sondern auch mit anderen Erkrankungen wie Depressionen, Angststörungen und vaskulären Erkrankungen assoziiert.
Akuttherapie der Migräne
Die Akuttherapie zielt darauf ab, die Symptome einer Migräneattacke zu lindern.
Evidenzbasierter Behandlungsstandard
Migräneattacken leichter bis mäßiger Intensität können mit Acetylsalicylsäure (1000 mg als Brausetablette), Paracetamol (1000 mg als Tablette oder Suppositorium) oder einem nichtsteroidalen Antirheumatikum (NSAR, z. B. Ibuprofen 400 bis 600 mg als Tablette oder Suppositorium) behandelt werden. Bei Übelkeit und Erbrechen ist die Zugabe von Metoclopramid zu einem Analgetikum bzw. NSAR sinnvoll und kann die Wirkung von Analgetika verbessern. Bei Erbrechen sollten Analgetika vorzugsweise als Suppositorien eingenommen werden.
Triptane
Bei schweren Migräneattacken, die nicht auf ein Analgetikum oder NSAR ansprechen, ist eine Behandlung mit einem Triptan sinnvoll. Triptane sind den unspezifischen Analgetika und Ergotaminpräparaten hinsichtlich der Wirksamkeit bei Migräne überlegen. Aktuell sind sieben Triptane verfügbar, die sich hinsichtlich ihrer Wirklatenz, Wirkstärke und Wirkdauer unterscheiden. Im Vergleich zu Sumatriptan sind bei oraler Einnahme Rizatriptan und Eletriptan rascher wirksam, Naratriptan und Frovatriptan sind dagegen eher verzögert wirksam. Die stärker und rascher wirksamen Triptane sind in der Regel auch mit stärkeren Nebenwirkungen behaftet. Häufige Nebenwirkungen der Triptane sind Übelkeit, Schwindel, Parästhesien und Müdigkeit.
Wenn die Wirkung verschiedener Triptane bei oraler Applikation unzureichend ist, sollte eine parenterale Anwendung erfolgen. Der schnellste Wirkeintritt und die höchste Wirksamkeit ist für die subkutane Gabe von Sumatriptan belegt, die Wirkung setzt hier nach etwa zehn Minuten ein. Nachteile dieser Applikationsform sind allerdings die höhere Rate an Nebenwirkungen und die deutlich höheren Kosten. Alternativ ist die Kombination eines oralen Triptans mit ASS oder einem NSAR wirksamer als die jeweilige Monosubstanz. Bei Migräne mit frühem Auftreten von Übelkeit und Erbrechen empfiehlt sich eine Applikation der Triptane als Nasenspray, Suppositorium oder subkutan. Je früher ein Triptan appliziert wird, umso besser wirkt es. Um aber einen Kopfschmerz durch Übergebrauch von Schmerz- oder Migränemitteln zu vermeiden, sollten Triptane erst eingenommen werden, wenn der Patient den Kopfschmerz sicher als Migräneattacke identifizieren kann. Bei Triptanen gibt es einen fast linearen Zusammenhang zwischen der Einnahmehäufigkeit und dem Risiko der Entwicklung eines Kopfschmerzes durch Übergebrauch von Medikamenten. Prinzipiell sollten Wirkstoffe zur Akuttherapie der Migräne durchschnittlich nicht häufiger als an zehn Tagen pro Monat eingenommen werden, um einer Chronifizierung von Kopfschmerzen zu vermeiden. Bei Migräne mit Aura wird die Applikation eines Triptans aus Sicherheitsgründen erst nach der Auraphase empfohlen.
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Triptane und kardiovaskuläres Risikoprofil
Eine in der klinischen Praxis häufige Behandlungsentscheidung betrifft Patienten mit kardiovaskulärem Risikoprofil. Triptane sind Agonisten am Serotonin-HT1B/-HT1D-Rezeptor und besitzen vasokonstriktive Eigenschaften vorwiegend im extrazerebralen arteriellen System. Aus theoretischen Gründen besteht daher eine Kontraindikation gegen Triptane bei erhöhtem kardiovaskulärem Risikoprofil (u. a. koronare Herzerkrankung, Zustand nach Schlaganfall, unkontrollierte arterielle Hypertonie). Diese Patienten konnten bis Einführung von Lasmiditan lediglich mit konventionellen Analgetika und NSAR behandelt werden. Zumindest bei Patienten ohne diese vaskulären Kontraindikationen sprechen populationsbezogenen Studien gegen ein relevantes vaskuläres Risiko durch Triptane. Aussagekräftige epidemiologische Daten für Patienten mit koronarer Herzerkrankung und anderen vaskulären Kontraindikationen liegen allerdings nicht vor. Eine retrospektive Schätzung geht davon aus, dass in den USA bis zu 20 % der Patienten mit Migräne Kontraindikationen gegen Triptane haben. Epidemiologische Daten der deutschen Bevölkerung hierzu sind nicht bekannt.
Wechselwirkungen mit anderen serotonergen Arzneimitteln
Theoretisch können Triptane bei gleichzeitiger Anwendung mit anderen serotonergen Arzneimitteln, z. B. selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI), trizyklische Antidepressiva (TCA) oder Monoaminoxidase (MAO)-Hemmer zu einem Serotoninsyndrom führen, in der klinischen Praxis ist dies jedoch sehr selten. Da Eletriptan, Naratriptan und Frovatriptan kaum über das MAO-System metabolisiert werden, kann das Risiko durch Einsatz dieser Wirkstoffe weiter minimiert werden.
Lasmiditan
Von den beiden neuen, seit 2022 zur Akuttherapie der Migräne in Deutschland zugelassenen Wirkstoffen Rimegepant und Lasmiditan, ist bisher nur Lasmiditan (Rayvow®) auf dem deutschen Markt zum 1. März 2023 eingeführt worden. Lasmiditan ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der „Ditane“, es handelt sich um Serotonin-HT1F-Rezeptoragonisten ohne vasokonstriktive Wirkung an den Koronararterien. Lasmiditan ist daher im Gegensatz zu Triptanen auch für Patienten mit deutlich erhöhten vaskulären Risikofaktoren zugelassen, obwohl Studien zu dieser Population bisher fehlen. Im indirekten Vergleich ist Lasmiditan ähnlich wirksam, wie Triptane. Wegen zentralen Nebenwirkungen (Schwindel, Müdigkeit) muss mindestens acht Stunden nach Einnahme von Lasmiditan auf das Führen von Kraftfahrzeugen verzichtet werden. Die Kosten für Lasmiditan sind etwa zehnfach höher im Vergleich zu den Triptanen.
Versorgungssituation in Deutschland
Die medizinische Behandlung von Patienten mit Migräne in Deutschland ist verbesserungswürdig. In einer großen, für die erwachsene Bevölkerung in Deutschland repräsentativen Studie zeigte sich, dass etwa drei Viertel der Patienten mit Migräne zur Attackenbehandlung verschreibungsfreie Analgetika einnehmen. Zu dem gleichen Ergebnis kam eine große retrospektive Beobachtungsstudie in Deutschland, in der nur 21,2 % der Patienten mit Migräne ein Triptan zur Attackenbehandlung verschrieben wurde, 74,2 % dagegen ein Analgetikum bzw. NSAR. In einer weiteren epidemiologischen Studie behandelten nur 11 % der Teilnehmer mit Migräne in Deutschland Attacken mit einem Triptan. Bei Migräneattacken, die nicht auf klassische Analgetika/NSAR ansprechen und bei starkem Migränekopfschmerz können Serotonin-5-HT1B/1D-Rezeptoragonisten (Triptane) eingesetzt werden. Voraussetzung für eine Anwendung im Rahmen der Selbstmedikation ist eine ärztliche Diagnose. Zur Auswahl stehen derzeit Almotriptan 12,5 mg (etwa Dolortriptan® bei Migräne), Naratriptan 2,5 (etwa Formigran®) und Sumatripan 50 mg (etwa Sumatriptan Hexal® bei Migräne). Die einzelnen Triptane unterscheiden sich in der Dauer bis zum Wirkeintritt und in ihren Halbwertszeiten/ihrer Wirkdauer. Wird eine möglichst rasche Wirkung gewünscht, eignen sich Almotriptan und Sumatriptan besser als Naratriptan. Ist vor allem eine möglichst lang anhaltende Wirkung erforderlich - etwa bei erfahrungsgemäß häufigem Wiederkehrkopfschmerz - kann Naratriptan die geeignetere Wahl darstellen. Stichwort Wiederkehrkopfschmerz: Bei allen drei Triptanen ist eine erneute Anwendung möglich, wenn die Schmerzen nach anfänglicher Besserung erneut auftreten. Unterschiede gibt es aufgrund der Halbwertszeiten jedoch hinsichtlich der Zeiträume zwischen erster und erneuter Anwendung. Während bei Almotriptan und Sumatriptan ein Abstand von mindestens zwei Stunden erforderlich ist, sind es bei Naratriptan mindestens vier Stunden. Als Substanz mit dem besten Nebenwirkungsprofil nennt die Leitlinie (neben dem verschreibungspflichtigen Eletriptan 40 mg) Almotriptan 12,5 mg. Berichten Patienten, dass ein bestimmtes Triptan nicht gewirkt habe, muss dies nicht für die gesamte Wirkstoffklasse angenommen werden. Keine Selbstmedikation mit Triptanen darf bei Patienten unter 18 Jahren und über 65 Jahren erfolgen. Auch bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Durchblutungsstörungen in den Beinen, Bluthochdruck oder mit einem Schlaganfall in der Vorgeschichte verbietet sich eine Selbstmedikation. Auch Wechselwirkungen sind möglich. So sollte insbesondere nach gleichzeitig angewendeten Antidepressiva aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) und der Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) gefragt werden, da hier eine gleichzeitige Anwendung das Risiko für ein Serotonin-Syndrom erhöhen kann. Sowohl für klassische Analgetika/NSAR als auch für Triptane gilt: Die Wirksamkeit der Arzneimittel ist höher, wenn sie möglichst früh in der Kopfschmerzphase eingenommen werden. Kombinations-Analgetika und Triptane sollten außerdem nicht häufiger als zehn Tage im Monat angewendet werden, Monoanalgetika nicht häufiger als 15 Tage, da andernfalls das Risiko für Kopfschmerz durch Übergebrauch von Schmerzmitteln (»Analgetika-Kopfschmerz«) steigt. Patienten mit häufigen Attacken sollten außerdem über die Möglichkeiten der Prophylaxe informiert und an den Arzt verwiesen werden. Aber auch rezeptfreie Prophylaxe-Möglichkeiten haben sich als wirksam erwiesen. Dazu gehört insbesondere Ausdauersport. Auch ihre Migränetrigger zu kennen, kann für manche Betroffene hilfreich sein.
Serotonin und Migräne
Der Signalstoff Serotonin kontrolliert die Weite kleiner Blutgefäße, die Schlagkraft des Herzens, wirkt ebenso am Tag-Nacht-Rhythmus mit wie auch bei der Schmerzwahrnehmung und ist somit ein Alleskönner, der auch bei verschiedensten Erkrankungen in Erscheinung tritt. Besonders gut kennt man ihn von Depressionen, die unter anderem mit einem sogenannten Serotonin-Wiederaufnahmehemmer behandelt werden können. Diese Klasse von Antidepressiva kann die Wirkdauer von Serotonin im Gehirn ausweiten. Einem Mangel an dem sogenannten Glückshormon wird dadurch entgegengewirkt. Aber auch bei Migräne spielt Serotonin eine wichtige Rolle - während einer Attacke ist typischerweise zumindest die Serotoninkonzentration im Blut erhöht. Der Einsatz zumindest mancher Antidepressiva könnte also bei Migräne angebracht sein. Tatsächlich werden sie auch vorbeugend verschrieben, allerdings ist bisher unklar, wie erfolgversprechend eine solche Behandlung ist.
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Antidepressiva in der Migräneprophylaxe
Eine Metaanalyse von Studien ergab, dass Antidepressiva Vorteile gegenüber Placebobehandlung bei der Reduktion der Migräneanfälle hatten. Patienten, die Antidepressiva erhielten, hatten mit größerer Wahrscheinlichkeit mindestens 50 % weniger Kopfschmerzen als Patienten unter Placebo (Wahrscheinlichkeiten 28,9 % versus 20,2 %). Allerdings war dieser Effekt nicht klar von einem zufälligen Ergebnis zu unterscheiden. Die Datenlage zeigt damit, dass Migräneure möglicherweise von einer Behandlung mit Antidepressiva profitieren könnten und eventuell eine Verringerung der Migränehäufigkeit erreichbar wäre. Jedoch waren die Ergebnisse, außer bei einem speziellen Wirkstoff - Amitryptilin, ein Wiederaufnahmehemmer für Serotonin und einen weiteren Botenstoff, Noradrenalin - nicht eindeutig.
Trizyklische Antidepressiva sind sowohl in der Prophylaxe von Spannungskopfschmerzen als auch in der Prophylaxe der Migräne wirksam. Der therapeutische Effekt nimmt mit der Behandlungsdauer zu. In Europa werden zur Prophylaxe der Migräne in erster Linie Betablocker, Calciumkanalblocker und Antiepileptika eingesetzt, trizyklische Antidepressiva sind Arzneistoffe der ersten Wahl für den chronischen Spannungskopfschmerz. Trizyklische Antidepressiva waren nicht nur gegenüber Plazebo überlegen, sondern auch signifikant besser wirksam als selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer.
Erwartungsgemäß hatten Trizyklika mehr Nebenwirkungen als Plazebo. Die am häufigsten genannten Nebenwirkungen waren Mundtrockenheit, Benommenheit und Gewichtszunahme. Die Wirksamkeit ist besonders hoch bei Patienten, die gleichzeitig an einer Depression leiden.
Sumatriptan
Sumatriptan ist ein Arzneistoff aus der Wirkstoffklasse der Triptane. Der Wirkstoff wird hauptsächlich in der Akutbehandlung von Migräne und Cluster-Kopfschmerzen angewendet. Durch seine verengende Wirkung auf Herzkranzgefäße sind besondere Warnhinweise bzw. Der vaskuläre 5-HT1D Rezeptor wird überwiegend in kranialen Blutgefäßen gefunden und vermittelt Vasokonstriktion. Darüber hinaus hemmt Sumatriptan die Aktivität des Trigeminusnervs. Es wird empfohlen, die Behandlung beim ersten Anzeichen von Migränekopfschmerz, Cluster-Kopfschmerz (nur subkutan!) oder damit in Zusammenhang stehenden Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen oder Lichtempfindlichkeit zu beginnen und nicht prophylaktisch einzusetzen. Sumatriptan ist aber auch bei Anwendung zu einem anderen Zeitpunkt der Attacke gleichermaßen wirksam. Zur akuten Behandlung der Migräne sollte Sumatriptan nur als Monotherapie eingesetzt werden. Die gleichzeitige Gabe mit Ergotamin-haltigen Arzneimitteln ist kontraindiziert. Bei Nicht-Ansprechen auf die erste Dosis, sollte Sumatriptan nicht ein zweites Mal auf dieselbe Attacke angewendet werden. Die empfohlene Dosis beträgt 50 mg Sumatriptan. Einige Patienten benötigen 100 mg Sumatriptan. Bei höheren Einzeldosen ist keine Wirkungsverbesserung zu erwarten. Falls bereits abgeklungene Beschwerden wieder auftreten kann erst nach mindestens zwei Stunden eine weitere Dosis innerhalb der nächsten 24 Stunden eingenommen werden. Die empfohlene Dosis beträgt 20 mg Sumatriptan nasal, appliziert in ein Nasenloch. Sumatriptan 6 mg wird subkutan injiziert. Bei Anwendung höherer Dosen ist keine Wirkungsverbesserung zu erwarten. Falls bereits abgeklungene Symptome wieder auftreten, kann frühestens nach zwei Stunden eine weitere Dosis subkutan injiziert werden. Die Verordnung von Sumatriptan nasal bei Jugendlichen über 12 Jahre sollte nur durch einen spezialisierten Arzt in der Migränebehandlung erfolgen. Die empfohlene Dosierung von Sumatriptan nasal ist die Applikation von 10 mg Sumatriptan in ein Nasenloch. Insgesamt dürfen nicht mehr als 2 Dosen Sumatriptan nasal 10 mg im Abstand von zwei Stunden innerhalb von 24 Stunden angewendet werden. Die Anwendung von Sumatriptan bei Patienten über 65 Jahre wird nicht empfohlen, da die Daten begrenzt sind. Die Filmtabletten bzw. Tabletten werden unzerkaut mit Wasser eingenommen. Sumatriptan subkutan ist nur zur subkutanen Injektion vorgesehen und darf nicht intravenös injiziert werden. Während der Schwangerschaft sollte eine akute Migräneattacke zunächst mit Analgetika wie Paracetamol und NSAR (Ibuprofen, Naproxen) behandelt werden. NSAR dürfen jedoch nicht nach der 28. SSW eingenommen werden. Es wurde gezeigt, dass Sumatriptan nach subkutaner Anwendung in die Muttermilch übergeht. Die Exposition des Säuglings kann minimiert werden, indem das Stillen für 12 Stunden nach der Anwendung vermieden wird.
Triptane: Anwendung, Wirkung und Nebenwirkungen
Triptane beeinflussen die Wirkung des Botenstoffs Serotonin im Gehirn. Bei der Therapie von Migräneattacken und bestimmten weiteren Kopfschmerzarten wie Cluster-Kopfschmerzen angewendet, wirken Triptane schmerzlindernd und verbessern das Allgemeinbefinden. Sie werden in Tabletten, Nasensprays, Schmelztabletten oder Spritzen verabreicht. Unerwünschte Wirkungen sind beispielsweise Schwindel oder Müdigkeit.
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Triptane gelangen über das Blut ins Gehirn und aktivieren auf Nervenzellen und Blutgefäßen bestimmte Andockstellen für den Nervenbotenstoff Serotonin (5-HT1-Rezeptor). Dadurch verengen sich durch den Migräneanfall geweitete Blutgefäße und es werden weniger Entzündungsbotenstoffe durch die Nervenzellen freigesetzt. Triptane sind demzufolge gefäßverengend, entzündungshemmend und schmerzstillend. Ihr Effekt ist umso besser, je früher sie angewendet werden.
Nicht immer bedarf es der Einnahme eines Triptans. Bei leichten bis mittleren Schmerzen reichen oft Schmerzmittel wie Ibuprofen, Paracetamol oder Acetylsalicylsäure aus. Diese wirken jedoch manchmal nicht wie gewünscht, wenn die Migräneattacken mit schweren Schmerzen einhergehen - in solchen Fällen empfehlen Mediziner Triptane. Ein Migräneanfall kann mit einem Vorboten, der sogenannten Aura, angekündigt werden. Diese kann beispielsweise durch Sehen von Blitzen oder anderen Sehstörungen, Gesichtsfeldausfälle (Skotome) oder einem kribbelnden Gefühl bemerkt werden. Die meisten Triptane wirken nur sehr kurz, gegebenenfalls kommen die Kopfschmerzen teils sogar stärker zurück. Betonung steht auf Migränekopfschmerz. Besteht erst eine Aura ohne Schmerz, sollte bis zum Eintritt des Schmerzes gewartet werden. Treten die Schmerzen erneut innerhalb weniger Stunden auf, kann innerhalb eines Tages eine zweite Dosis verwendet werden, allerdings frühestens 2 Stunden nach der ersten. Weitere Dosen oder höhere Dosen haben keinen Nutzen.
Ist keinerlei Wirkung festzustellen, sollte auf ein anderes Schmerzmittel (Ibuprofen, Paracetamol, Acetylsalicylsäure) gewechselt werden. Die häufigste Einnahmeform ist die Tablette. Einige Wirkstoffe sind jedoch auch als Schmelztabletten erhältlich. Diese zergehen im Mund und werden so schnell über die Mundschleimhaut aufgenommen. Davon profitieren Menschen mit Schluckproblemen oder Übelkeit während eines Migräneanfalls. Eine weitere Darreichungsform stellt das Nasenspray dar. Zolmitriptan z.B. Nicht selten erzielt ein eingenommenes Triptan nicht die gewünschte Wirkung. Dann sollte Rücksprache mit dem Arzt gehalten werden, um eine andere Behandlungsform zu finden.
Um Wechselwirkungen oder verstärkte/verminderte Wirkungen von Arzneimitteln zu vermeiden, sollte Ihr Arzt immer informiert werden, wenn Sie weitere Medikamente einnehmen, kürzlich eingenommen haben oder einnehmen wollen. Wenn gleichzeitig Arzneimittel gegen Depressionen eingenommen werden, muss der Arzt vor Anwendung eines Triptanes informiert sein. MAO-Hemmer (z.B. SSRI (selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) oder SNRI (Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer) zur Behandlung von Depressionen, können zu vermehrten unerwünschten Wirkungen führen. Wird ein Triptan zu häufig eingenommen, können Ihre Kopfschmerzen chronisch (dauerhaft) werden. Falls Sie ein starker Raucher sind oder eine Nikotinersatztherapie mit z.B. Migräne kann unter anderem durch Stress ausgelöst werden.
Wechselwirkungen von Triptanen
Mit Ausnahme von Naratriptan werden die Triptane hauptsächlich entweder über ein Cytochrom-P450-(CYP-)Isoenzym oder über die Monoaminooxidase A (MAO-A) verstoffwechselt. Der Metabolismus ist maßgebend für potenziell pharmakokinetische Wechselwirkungen.
CYP-Isoenzyme
Eletriptan, Frovatriptan und Zolmitriptan werden primär über ein Cytochrom-P450-(CYP-)Isoenzym abgebaut. Eletriptan ist Substrat von CYP3A4. Folglich darf es nicht mit Arzneimitteln kombiniert werden, die CYP3A4 ausgeprägt hemmen wie Clarithromycin, Itraconazol und Ritonavir. Frovatriptan ist Substrat von CYP1A2. Bei gleichzeitiger Gabe mit dem starken CYP1A2-Hemmer Fluvoxamin steigt die Plasmakonzentration des Triptans um 27-49 %. Die klinische Relevanz scheint wegen der großen therapeutischen Breite von Frovatriptan jedoch gering zu sein. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe im Tabakrauch induzieren dosisabhängig die Bildung von CYP1A2. Zolmitriptan ist Substrat von CYP1A2. Als maximale Tagesdosis werden bei gleichzeitiger Gabe von CYP1A2-Hemmern 5 mg Zolmitriptan empfohlen. Der über CYP1A2 gebildete aktive Metabolit N-Demethyl-Zolmitriptan wird über die Monoaminooxidase A (MAO-A) abgebaut. Daher wird eine Maximaldosis von 5 mg über 24 Stunden bei Komedikation mit dem MAO-A-Hemmer Moclobemid empfohlen.
MAO-A-Substrate
Almotriptan, Rizatriptan und Sumatriptan werden über die Monoaminooxidase A (MAO-A) abgebaut. Während die Clearance von Almotriptan durch Moclobemid in einem Ausmaß beeinflusst wird, das keine Dosisanpassung erfordert, dürfen Rizatriptan und Sumatriptan nicht mit MAO-Hemmern zusammen verordnet werden.
Naratriptan
Naratriptan wird weitgehend unverändert renal eliminiert. Wechselwirkungen auf Ebene des Metabolismus sind nicht zu erwarten.
Risiko für ein Serotoninsyndrom?
Die US-amerikanische Arzneimittelüberwachungsbehörde FDA warnte 2006 vor einer möglichen Wechselwirkung von Triptanen mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) und Serotonin/Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmern (SNRI) mit dem Risiko eines lebensbedrohlichen Serotoninsyndroms. Ein Serotoninsyndrom entsteht durch eine Hyperstimulation der 5-Hydroxytryptamin-(5-HT-)Rezeptoren 5-HT1A und 5-HT2A im zentralen und peripheren Nervensystem.
Triptane sind jedoch Agonisten der 5-HT1B- und 5-HT1D-Rezeptoren. Vor dem Hintergrund dieses pharmakologischen Wirkungsprofils ist es nicht plausibel, dass Triptane zu einem schwerwiegenden Serotoninsyndrom beitragen. In einem Positionspapier der American Headache Society wird auf die mangelnde Datenlage hingewiesen. Die Gefahr für ein Serotoninsyndrom wird als so gering angesehen, dass die gemeinsame Gabe von Triptanen mit SSRI- und SNRI-Antidepressiva nicht eingeschränkt werden muss. Auch für die Empfehlung, Triptane zu bevorzugen, die nicht über das MAO-A-System abgebaut werden, fehlen fundierte Daten.
Dennoch sollten Patienten, die gleichzeitig Triptane und Antidepressiva (SSRI und SNRI) einnehmen, besonders sorgfältig ärztlich begleitet werden.
Es lässt sich schlussfolgern, dass ein mögliches Risiko für das Serotoninsyndrom, wenn Triptane in Kombination mit einem selektiven Serotonin-Reuptake-Inhibitor (SSRI) oder einem selektiven Serotonin/Norepinephrin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) verwendet werden, nicht mit wissenschaftlichen Daten zu belegen oder zu quantifizieren ist.
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