Migräneprophylaxe mit Betablockern: Wirkung, Nebenwirkungen und mehr

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederkehrende Kopfschmerzen gekennzeichnet ist, oft begleitet von Übelkeit, Erbrechen und Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Die medikamentöse Migräneprophylaxe spielt eine wichtige Rolle bei der Reduzierung der Häufigkeit, Intensität und Dauer von Migräneattacken. Betablocker, ursprünglich zur Behandlung von Herzerkrankungen und Bluthochdruck entwickelt, haben sich auch als wirksam bei der Vorbeugung von Migräne erwiesen.

Medikamentöse Migräneprophylaxe: Ein Überblick

Eine medikamentöse Migräneprophylaxe ist angezeigt, wenn Patienten mehr als dreimal im Monat unter Migräne leiden, Schmerz- oder Migränemittel bei Attacken unzureichend helfen oder wenn Schmerzmittel und andere Arzneimittel gegen Migräne ständig eingenommen werden, wobei die 10-20-Regel (an 20 Tagen pro Monat sollte keine Migräne-Akutmedikation erfolgen) nicht berücksichtigt wird. Ziel der Prophylaxe ist es, die Zahl der Migränetage um 50 Prozent zu reduzieren und das Risiko eines Medikamentenübergebrauchs von Schmerzmitteln und Triptanen in der Akuttherapie der Migräne zu vermeiden.

Es ist wichtig, die richtige Dosis der Medikamente behutsam zu finden. Ein erfahrener Arzt oder Neurologe steigert die Dosis langsam bis zur ersten Zieldosis, von der er üblicherweise eine Wirkung erwartet. Ob eine medikamentöse Vorbeugung bei Migräne wirksam ist, lässt sich erst nach einem Zeitraum von zwei bis drei Monaten sagen. Um den Erfolg der Therapie nachvollziehen zu können, empfiehlt es sich, bereits Wochen vor Beginn der medikamentösen Migräneprophylaxe mit dem Führen eines Migränetagebuchs zu beginnen.

Wirkstoffgruppen in der Migräneprophylaxe

Es gibt verschiedene Wirkstoffgruppen, die bei der Migräneprophylaxe zum Einsatz kommen. Diese sind jedoch nicht immer migränespezifisch, d. h., sie wurden nicht speziell gegen die Erkrankung entwickelt.

  • Betablocker: Diese Arzneistoffe werden bei Herzerkrankungen oder Bluthochdruck, aber auch zur Migräneprophylaxe verschrieben. Sie können Bindungsstellen von verschiedenen Botenstoffen blockieren und dadurch zum Beispiel die Wirkung des Stresshormons Adrenalin hemmen. Vorbeugend gegen Migräne haben sich Betablocker in verschiedenen Studien als wirkungsvoll erwiesen. Der Wirkmechanismus setzt bei den Migräne-Ursachen an.
  • Antidepressiva: Diese kommen in erster Linie bei der Behandlung von Depressionen zum Einsatz. Generell gelten Antidepressiva als gut verträglich, trotzdem können sie zu Nebenwirkungen wie Verstopfung oder Kreislaufschwäche führen.
  • Antikonvulsiva (Antiepileptika): Eine weitere Wirkstoffgruppe, die Ärzte zur Migräneprophylaxe verschreiben.
  • Kalziumantagonisten (Kalziumkanalblocker): Diese nutzen Ärzte für gewöhnlich in der Therapie von Herz- und Gefäßkrankheiten wie einer Herzenge (Angina pectoris). Die Medikamente können den Kalziumstrom hemmen, den Blutdruck senken und die Gefäße erweitern.
  • CGRP-Antikörper: Bei der Therapie mit CGRP-Antikörpern handelt es sich um eine migränespezifische Prophylaxe. Sie kommt bei Migräne-Patienten zum Einsatz, die aufgrund von Vorerkrankungen andere Medikamente nicht einnehmen dürfen.
  • Pflanzliche Präparate, Vitamine und andere Substanzen: Auch diese kommen in der Migräne-Prophylaxe zum Einsatz.

Betablocker in der Migräneprophylaxe

Betablocker sind Arzneistoffe, die Ärzte bei Herzerkrankungen oder Bluthochdruck, aber auch zur Migräneprophylaxe verschreiben. Sie können Bindungsstellen von verschiedenen Botenstoffen blockieren und dadurch zum Beispiel die Wirkung des Stresshormons Adrenalin hemmen. Vorbeugend gegen Migräne haben sich Betablocker in verschiedenen Studien als wirkungsvoll erwiesen.

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Wirkmechanismus

Der Wirkmechanismus von Betablockern bei der Migräneprophylaxe setzt bei den Migräne-Ursachen an. Sie blockieren Beta-Adrenorezeptoren, die sich unter anderem in Herz und Niere, im Fettgewebe und in der Muskulatur befinden. Diese Rezeptoren spielen eine tragende Rolle, wenn es darum geht, den Körper aus dem Ruhe- in den Aktionszustand zu versetzen. Unter Stress werden das Hormon Adrenalin und der Nervenbotenstoff Noradrenalin ausgeschüttet. Beide docken an den Betarezeptoren an. Die Rezeptoren senden darauf Signale an das sympathische Nervensystem (Sympathikus). Das ist der aktivierende Teil im vegetativen (nicht willentlich steuerbaren) Nervensystem, das die Organfunktionen reguliert. Der Sympathikus veranlasst, dass Herz- und Atemfrequenz sowie der Blutdruck ansteigen. Der Körper wird kurzfristig leistungsfähiger.

Indem Betablocker das Andocken von Adrenalin und Noradrenalin an den Betarezeptoren verhindern, halten sie den Puls und den Blutdruck niedrig. Das entlastet das Herz. Es wird vermutet, dass die Stabilisierung der Gefäße und die Reduktion der adrenergen Stimulation eine Rolle bei der Migräneprophylaxe spielen.

Beispiele für Betablocker

Einige Beispiele für Betablocker, die zur Migräneprophylaxe eingesetzt werden, sind:

  • Metoprolol: Metoprolol ist ein klassischer Betablocker, der das Herz und den Kreislauf vor den Wirkungen des Stresshormons Adrenalin abschirmt. Er senkt den Blutdruck, die Schlagfrequenz des Herzens, das Herzschlagvolumen und die Erregungsleitungsgeschwindigkeit. Metoprolol wird u.a. bei Bluthochdruck (arterieller Hypertonie), bei der koronaren Herzkrankheit und nach einem Herzinfarkt verordnet.
  • Propranolol: Propranolol wird ebenfalls bei Migräne eingesetzt.

Dosierung

Die Dosierung von Metoprolol richtet sich nach dem individuellen Behandlungserfolg des Patienten und der jeweiligen Indikation. Zur Migräneprophylaxe können Dosierungen zwischen 100 mg bis 200 mg Metoprololtartrat (entsprechend 95 bis 190 mg Metoprololsuccinat) einmal täglich angewendet werden.

Es ist wichtig, dass die Dosis nur langsam gesteigert wird, da das Maximum der Wirkung erst nach Tagen oder Wochen erreicht wird.

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Nebenwirkungen

Allgemein gelten Betablocker als gut verträglich. Dennoch können Nebenwirkungen auftreten. Möglich sind:

  • zu starke Verlangsamung der Herzfrequenz
  • zu starke Senkung des Blutdrucks
  • Durchblutungsstörungen in Händen und Füßen mit Kältegefühl
  • Verengung der Atemwege, was Asthmaanfälle begünstigen kann
  • Schlafstörungen oder Albträume
  • Unterdrückung von Anzeichen einer Unterzuckerung - wichtig für Menschen mit Diabetes
  • Müdigkeit, Somnolenz, Schwindelgefühl
  • Kopfschmerzen
  • Bradykardie
  • Orthostase-Syndrom, gelegentlich mit Synkopen
  • Belastungsdyspnoe
  • Übelkeit, Erbrechen, Abdominalschmerz
  • Erektionsstörungen (selten bei Männern)

Auch wenn Nebenwirkungen auftreten, dürfen Sie das Medikament nicht selbstständig absetzen, sondern müssen umgehend ärztlichen Rat einholen. Ihr Arzt oder Ihre Ärztin kann Ihnen einen anderen Betablocker verschreiben.

Wechselwirkungen

Wenn Sie bereits andere Arzneimittel einnehmen, müssen Sie bei einem neuen Medikament mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin immer mögliche Wechselwirkungen abklären. Bei Betablockern sind Wechselwirkungen unter anderem mit folgenden Medikamenten möglich:

  • andere Mittel gegen Bluthochdruck oder Herzrhythmusstörungen, vor allem Calciumkanalblocker
  • Arzneimittel mit blutdrucksenkender Nebenwirkung, zum Beispiel manche Antidepressiva, Prostatamittel oder Medikamente bei Parkinson
  • manche Medikamente bei Asthma oder chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD)
  • manche Antihistaminika (Arzneimittel bei Allergien)
  • bestimmte Schmerzmittel - sogenannte Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Aspirin, oder Ibuprofen.

Außerdem kann Alkohol die Wirkung und Nebenwirkungen von Betablockern verstärken.

Kontraindikationen

Aufgrund der geschilderten Wirkungen und möglichen Nebenwirkungen sind Betablocker nicht geeignet für Menschen mit:

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  • Lungenerkrankungen und Asthma
  • stark verlangsamter Herzfrequenz
  • akuter Herzinsuffizienz (mit der Behandlung darf nur in einer stabilen Phase der Herzinsuffizienz begonnen werden)
  • Störung der Impulsweiterleitung im Atrio-Ventrikular-Knoten (AV-Knoten) des Herzens, der wichtig ist für die Steuerung der Herzfrequenz; zum Beispiel beim Wolff-Parkinson-White-Syndrom
  • metabolischer Azidose (Übersäuerung des Blutes)

Außerdem sollten Leistungssportler und -sportlerinnen Ihre Sportart gegenüber dem Arzt oder der Ärztin erwähnen, da Betablocker teilweise auf der Dopingliste stehen. Metoprolol darf in der Schwangerschaft nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung angewendet werden. Metoprolol sollte nicht in der Stillzeit angewendet werden, es sei denn, die Einnahme wird als notwendig erachtet.

Weitere Aspekte der Migräneprophylaxe

Neben der medikamentösen Migräneprophylaxe gibt es auch nicht-medikamentöse Maßnahmen, die zur Vorbeugung von Migräneattacken beitragen können. Dazu gehören:

  • Akupunktur: Nachgewiesen ist bisher, dass die Häufigkeit von Migräne-Attacken nach einer Akupunktur oftmals abnimmt. Wissenschaftlich belegt ist, dass Akupunktur zur Vorbeugung von episodischer Migräne beitragen kann.
  • Biofeedback-Therapie: Ziel ist es, über die Rückmeldung (Feedback) der eigenen Körperfunktionen auf bestimmte Situationen zu reagieren und diese bewusst zu beeinflussen.
  • Progressive Muskelentspannung: Menschen erlernen dabei, die wichtigsten Muskeln ihres Körpers kontrolliert anzuspannen und daraufhin wieder zu entspannen.
  • Autogenes Training: Ein bewährtes Entspannungsverfahren, welches Betroffene auch vorbeugend für Migräne-Attacken einsetzen können.
  • Kognitive Verhaltenstherapie: Psychologische Faktoren wie Stress spielen bei herkömmlichen Kopfschmerzen eine wesentliche Rolle. Dies gilt auch für Migräne: Stress zählt zu den häufigsten Auslösern einer Attacke und kann deren Häufigkeit steigern.
  • Ausdauersport: Regelmäßiger Ausdauersport wie Schwimmen, Walken oder Radfahren (mindestens dreimal wöchentlich) kann helfen.
  • Stressreduktion: Regelmäßige Pausen im hektischen Alltag und genügend Schlaf sind wichtig.
  • Vermeidung von Triggern: Zu guter Letzt gehört auch das Vermeiden individuell unterschiedlicher Migräne-Auslöser (sogenannte Trigger) zu den nicht-medikamentösen Maßnahmen, um der Migräne vorzubeugen.
  • Nahrungsergänzungsmittel: Nahrungsergänzungsmittel wie Magnesium, Coenzym Q10 und Riboflavin sind gut verträglich und haben in Studien positive Effekte auf Migräne gezeigt.
  • Ernährung: Gerade eine ketogene- und niedrig-glykämische Ernährungsweisen werden seit längerem als diätetische Ansätze zur Migränebehandlung diskutiert.

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