Alzheimer-Demenz-Forschung an der Goethe-Universität Frankfurt: Fortschritte und Perspektiven

Die Alzheimer-Demenz ist eine der größten Herausforderungen im Bereich der Altersmedizin. An der Goethe-Universität Frankfurt wird intensiv an der Erforschung dieser Krankheit gearbeitet, um neue Diagnose- und Therapieansätze zu entwickeln. Ziel ist es, die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Familien zu verbessern.

Frühdiagnose der Alzheimer-Demenz: Ein neuer Test

Eine frühe Diagnose der Alzheimer-Demenz ist entscheidend, da Medikamente in einem frühen Stadium der Erkrankung oft wirksamer sind. Ein internationales Team unter der Leitung von Prof. Harald Hampel hat einen neuen Test entwickelt, der die Konzentration von Protein-Aggregaten im Nervenwasser schon in geringen Mengen nachweisen kann.

Eines der Hauptmerkmale der Alzheimer-Krankheit ist die übermäßige Ablagerung des Eiweißstoffs Beta-Amyloid im Gehirn. Diese Ablagerungen stören die Funktion der Nervenzellen und können zu irreparablen Schäden führen. Prof. Hampel und seine Mitarbeiter haben gezeigt, dass die Konzentration dieser toxischen Oligomere im Nervenwasser bei Alzheimer-Patienten im Vergleich zu gesunden Kontrollprobanden deutlich erhöht ist. Interessanterweise steigt die Konzentration dieser Oligomere mit zunehmenden Gedächtnisstörungen und anderen kognitiven Defiziten der Patienten.

„Dies ist ein bahnbrechender Befund, da die meisten anderen bisher verfügbaren Nachweismethoden, so genannte Biomarker, für Alzheimer deutlich weniger sicher den Schwund der geistigen Fähigkeiten anzeigen können“, so Prof. Hampel. Der Test könnte zukünftig auch eingesetzt werden, um die Wirkung neuer Medikamente zu erproben, die spezifisch die Verklumpung des Amyloid-Proteins und damit die Bildung der Amyloid-Oligomere hemmen oder deren Abbau beschleunigen sollen.

Publikation: Santos AN, Ewers M, Minthon L, Simm A, Silber RE, Blennow K, Prvulovic D, Hansson O, Hampel H. Amyloid-β Oligomers in Cerebrospinal Fluid are Associated with Cognitive Decline in Patients with Alzheimer's Disease. J Alzheimers Dis. 2012 (Jan 3. [Epub ahead of print]).

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Aktuelle Fortschritte in der Alzheimer-Forschung und Präventionsmöglichkeiten

Am 11. September kamen auf dem Campus Westend der Goethe-Universität Frankfurt zahlreiche Besucher zusammen, um sich über aktuelle Fortschritte in der Alzheimer-Forschung und praktische Präventionsmöglichkeiten zu informieren. Besonderes Augenmerk lag auf den neuesten Entwicklungen im Bereich der Antikörper-Wirkstoffe.

Prof. Dr. Lutz Frölich stellte die vielversprechenden Ergebnisse aktueller Studien vor und erklärte, wie solche Therapien dazu beitragen könnten, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen. Er ging auf die Wirkungsweise der neuen Medikamente, die möglichen Nebenwirkungen und die Zugangsbeschränkungen für Patientinnen und Patienten mit bestimmten genetischen Merkmalen ein. Trotz einiger Einschränkungen bezeichnete er die beiden Medikamente Leqembi und Kisunla als großen Fortschritt - auch wenn das Ziel einer Heilung noch nicht erreicht ist.

Neben den medikamentösen Ansätzen wurde auch das Thema Prävention intensiv beleuchtet. Prof. Dr. Johannes Pantel machte deutlich, dass ein gesunder Lebensstil mit regelmäßiger Bewegung, ausgewogener Ernährung, geistiger Aktivität und sozialer Teilhabe einen wichtigen Beitrag leisten kann, das Risiko einer Alzheimer-Erkrankung zu verringern. Ebenfalls wichtig für ein gesundes Altern sei die Behandlung von medizinischen Risiken - wie Bluthochdruck, hohe Cholesterinwerte und Diabetes. Sobald diese medizinischen Risikofaktoren aber adäquat behandelt werden, erhöhen sie das individuelle Erkrankungsrisiko nicht mehr, konnte Prof. Pantel die Anwesenden beruhigen. Allgemein riet er zu einem aktiven und bewussten Lebensstil - „Fernsehen gehört nicht dazu“, so Prof. Pantel.

Forschungsprojekte zur Alzheimer-Krankheit an der Goethe-Universität

Forscher der Frankfurter J.W. Goethe-Universität engagieren sich in verschiedenen Forschungsprojekten zur Alzheimer-Krankheit. Professor Dr. Thomas Deller, Direktor des Institutes Anatomie I: Klinische Neuroanatomie der Dr. Senckenbergischen Anatomie, und Dr. Peter Uhlhaas vom Labor für klinische Neurophysiologie und Neuroimaging des Universitätsklinikums Frankfurt erhielten Fördermittel von der Alzheimer Forschung Initiative e.V (AFI) für ihre Forschungsprojekte.

Die Rolle der axonalen Sprossung bei der Alzheimer-Krankheit

Die Alzheimer-Demenz (AD) ist eine chronische Erkrankung, die das Gehirn zerstört. Charakteristisch sind Proteinansammlungen (so genannte ?-Amyloid-Plaques) und das Absterben von Nervenzellen im Gehirn. In der Umgebung dieser ?-Amyloid-Ablagerungen sind die normalen Verbindungen zwischen den Nervenzellen unterbrochen. An der Entstehung dieser Störungen des Netzwerkes sind unter anderem krankhafte Wachstumsprozesse von Nervenfasern (Axonsprossung) beteiligt.

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Das Projekt von Professor Deller dient dem Ziel, die Ursachen der Amyloid-induzierten axonalen Sprossung bei der Alzheimer Krankheit zu untersuchen. In diesem Projekt will Professor Deller die Reorganisationsprozesse von Nervenfasern im Bereich der Amyloid-Ablagerungen erforschen. Weiterhin sollen bestimmte Substanzen auf ihre Rolle als potenzielle Auslöser der Axonsprossung untersucht werden. Durch Aufklärung des Regulationsmechanismus der axonalen Sprossung will die Forschergruppe Zielmoleküle identifizieren, die für die Entwicklung neuartiger Therapien geeignet sein könnten.

Defizite im Denken und in der Wahrnehmung: Die Rolle der Kommunikation zwischen Hirnregionen

Das Projekt von Dr. Peter Uhlhaas befasst sich mit der Frage, welche Rolle die Kommunikation zwischen verschiedenen Hirnregionen bei Defiziten im Denken und in der Wahrnehmung spielt. Die visuelle Wahrnehmung des Menschen erfordert eine präzise Kommunikation im Millisekundenbereich zwischen Nervenzellen verschiedener Hirnregionen. Trotz der Fortschritte beim Verständnis der krankhaften Veränderungen bei der Alzheimer Demenz (AD), sind die Mechanismen im Gehirn, welche die schwerwiegenden Defizite in Kognition und Wahrnehmung bei der AD auslösen, noch nicht gefunden worden.

Im Forschungsprojekt von Dr. Uhlhaas soll die Hypothese überprüft werden, ob Defizite in der visuellen Wahrnehmung bei der AD infolge einer gestörten Kommunikation zwischen verschiedenen Bereichen des Gehirns entstehen. Die Gruppe um Dr. Uhlhaas will die Hirnfunktionen von Patienten mit AD und leichter kognitiver Beeinträchtigung (LKB) mit Hilfe der Magnetoenzephalographie (MEG) untersuchen. Das MEG ist das optimale bildgebende Verfahren zur Beobachtung der Kommunikation zwischen verschiedenen Hirnregionen innerhalb kurzer Zeiträume. Sie wollen die Hypothese überprüfen, ob bei AD-Patienten beim Betrachten von Bildern mit menschlichen Gesichtern Defizite bei der visuellen Wahrnehmung auftreten, die mit einer verminderten Kommunikation zwischen Hirnregionen zusammenhängen. Die Forscher gehen davon aus, dass durch diese Beobachtungen wichtige Erkenntnisse zur Funktionsweise des Gehirns bei der AD gewonnen werden können.

Unterstützung der Forschung durch die Deutsche Alzheimer Gesellschaft (DAlzG)

Zu den satzungsgemäßen Aufgaben der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) gehört auch die Unterstützung der wissenschaftlichen Forschung. Die DAlzG unterstützt deshalb regelmäßig Forschungsvorhaben im Bereich Demenz. Die DAlzG schreibt alle zwei Jahre eine Forschungsförderung im Bereich der Versorgungsforschung aus. Die DAlzG unterstützt Forschungsprojekte auch praktisch, beispielsweise indem sie ihr Expertenwissen in Projektbeiräten zur Verfügung stellt.

Arbeitsgruppe „Demenz und Forschung"

Menschen mit Demenz wollen mitreden und wollen gehört werden, insbesondere dann, wenn es um ihre eigenen Belange geht. Dies gilt auch für die Forschung. Wenn in Forschungsprojekten Menschen mit Demenz im Fokus stehen, dann sollte die Forschung auch die Gedanken, Erfahrungen und das Wissen von Menschen mit Demenz einbeziehen.

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Im Rahmen des Projektes PraWiDem, wurde eine Arbeitsgruppe Demenz und Forschung aufgebaut. Sie hat das Projekt kontinuierlich begleitet und einmal im Monat aktuelle Forschungsfragen diskutiert. Die gemeinsame Arbeit in der AG Demenz und Forschung sollte weitergehen, damit die wertvollen Erfahrungen nicht verloren gehen. Daher entschied sich die AG - gemeinsam mit der Deutschen Alzheimer Gesellschaft - die Arbeit fortzuführen.

Angebote für Angehörige demenzkranker Menschen

Demenzen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen im Alter und haben weitreichende Konsequenzen für die Betroffenen und deren Familien. Häufig fallen erste Zeichen wie Vergesslichkeit oder Rückzug erst nach längerer Zeit auf oder werden mit typischen Alterserscheinungen verwechselt. Viele Demenzerkrankungen werden daher oft zu spät diagnostiziert, und wertvolle Monate oder Jahre gehen ohne richtige Behandlung verloren. Auch nach gestellter Diagnose entstehen viele Herausforderungen durch eine zunehmende Veränderung in der Wahrnehmung des Selbst und der Umwelt sowie durch fortschreitende Hilfsbedürftigkeit.

Die Informationsgruppe richtet sich an Angehörige demenzkranker Menschen und bietet Informationen rund um die Krankheit, deren Diagnose und Behandlung sowie wertvolle Hinweise und Anregungen zu Alltagsproblemen sowie zu Fragen hinsichtlich Pflegeeinstufung, Betreuung, Versorgungs-, Beratungs- und Hilfsangeboten. Die Teilnahme ist kostenlos. Die Angehörigengruppe wird in einem Kooperationsprojekt der Alzheimer Gesellschaft Frankfurt am Main e.V. und der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychosomatik des Universitätsklinikums Frankfurt gemeinsam veranstaltet. Beide Einrichtungen bieten darüber hinaus auch weitere Angebote für Menschen mit Demenz und deren Angehörige. So bietet die Alzheimer Gesellschaft Frankfurt e.V. unter anderem auch die Möglichkeit, Einzeltermine für eine individuelle Beratung nach Diagnosestellung oder in Krisensituationen sowohl für Patienten als auch für Angehörige zu vereinbaren.

Fazit

Die Alzheimer-Demenz-Forschung an der Goethe-Universität Frankfurt leistet einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung neuer Diagnose- und Therapieansätze. Durch die enge Zusammenarbeit von Forschern, Ärzten und Patienten können innovative Lösungen gefunden werden, um die Lebensqualität der Betroffenen und ihrer Familien zu verbessern. Die Goethe-Universität Frankfurt ist ein wichtiger Anlaufpunkt für alle, die sich über die neuesten Entwicklungen in der Alzheimer-Forschung informieren möchten.

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