Ein Hirntumor kann, abhängig von seiner Lage und Ausdehnung im Zentralnervensystem, zu Begleiterscheinungen führen, wie z.B. einem erhöhten Druck im Schädelinneren. Eine der möglichen Komplikationen ist der Hydrozephalus, oft auch als „Wasserkopf“ bezeichnet. Dabei sammelt sich übermäßig viel Liquor (Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit) im Schädelinneren an. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und vor allem die Shunt-Verfahren zur Behandlung des Hydrozephalus bei Hirntumoren.
Hydrozephalus: Ursachen und Symptome
Der Begriff „Hydrocephalus“ stammt ursprünglich aus dem Griechischen und bedeutet „Wasserkopf“. Gemeint ist damit die krankhafte Erweiterung der Hirnwasserkammern („Ventrikel“). Ein Hydrozephalus kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden, darunter:
- Hirntumore: Tumore, die die Hirnwasserwege blockieren.
- Blutungen im Schädelinneren: Diese können im Rahmen einer Frühgeburtlichkeit auftreten.
- Meningitis: Entzündungen der Hirnhäute.
- Zysten: Diese können die Hirnwasserwege einengen.
- Schädel-Hirn-Trauma: Verletzungen des Kopfes.
Die Symptome eines Hydrozephalus variieren je nach Alter des Patienten.
Symptome bei Säuglingen:
- Übermäßiges Schädelwachstum.
- Das sogenannte „Sonnenuntergangsphänomen“ (Abwärtsblick der Augen).
- Trinkunlust.
- Wiederholtes Erbrechen.
- Bewusstseinsstörungen.
- Epileptische Anfälle.
- Vermehrte Schläfrigkeit bis hin zu Koma-ähnlichen Zuständen.
- Bradykardie (verlangsamter Herzschlag).
- Mittelfristig Entwicklungsverzögerung.
Symptome bei Kindern und Erwachsenen:
- Nüchternerbrechen.
- Wesensänderung.
- Stärkste Kopfschmerzen.
- Sehstörungen.
- Epileptische Anfälle.
- Vermehrte Schläfrigkeit bis hin zu Koma-ähnlichen Zuständen.
- Bradykardie (verlangsamter Herzschlag).
Häufig sind Betroffene teilnahmslos, leiden an Konzentrationsstörungen oder Verwirrtheit. Typisch sind Kopfschmerzen in Verbindung mit Erbrechen und Übelkeit.
Diagnostik des Hydrozephalus
Um die Situation besser einschätzen zu können wird nach Erhebung der Krankengeschichte eine bildgebende Diagnostik durchgeführt. Hierbei ist vor allem bei Säuglingen mit noch offener Fontanelle zunächst eine Ultraschalldiagnostik des Schädels anzustreben. Diese ist sehr schnell und einfach durchführbar.
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Zur besseren Einschätzung der Ursache des Hydrocephalus erfolgt häufig auch eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Schädels in Narkose.
Eine Computertomographie (CT) des Schädels bleibt der Notfallsituation vorbehalten. Der Vorteil ist die kurze Zeit, die für diese Untersuchung benötigt wird. Der Nachteil ist eine gewisse, wenn auch nur geringe Strahlenbelastung, wobei es sich um Röntgenstrahlung handelt. Weiterhin können nur begrenzt Aussagen über das Hirngewebe getroffen werden.
Die verschiedenen Verfahren der Bildgebung erlauben dann eine Einschätzung, ob Druck im Schädelinneren vorliegt. Damit kann gezielt eine passende Therapie geplant werden.
Shunt-Verfahren: Eine Übersicht
Die Therapie des Hydrocephalus zielt darauf ab, den überschüssigen Liquor aus dem Gehirn abzuleiten und so den Druck im Kopf zu verringern. Eine effektive medikamentöse Therapie zur Behandlung des Hydrocephalus ist derzeit nicht bekannt. Die einzige Möglichkeit, die Ursache für einen Hydrocephalus zu beheben, bleibt somit ein chirurgischer Eingriff. Die Ursache kann jedoch meist nicht direkt behoben werden, da beispielsweise ein gestörter Abfluss durch Verklebungen nach Blutungen nicht wiedereröffnet werden kann. Stattdessen werden alternative Abflusswegegeschaffen um somit den Aufstau des Hirnwassers zu beheben.
Hierbei kommen verschiedene Verfahren zur Anwendung:
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Ventrikulo-peritonealer Shunt (VP-Shunt)
Die gängigste Operation bei nachgewiesenem Hydrocephalus ist die Anlage eines sogenannten ventrikulo-peritonealen Shunts. Damit ist ein Schlauchsystem aus Silikon gemeint, welches von einer Hirnwasserkammer, meist einem Seitenventrikel aus unter der Haut bis in den Bauch geleitet wird und das Hirnwasser in den Bauchraum ableitet. In der Bauchhöhle wird das Hirnwasser dann wieder in den Blutkreislauf aufgenommen. So erklärt sich die spezifische Bezeichnung VP-Shunt. Ziel der Umleitung ist die Verringerung des Drucks im Kopf, weshalb der Shunt häufig die bevorzugte Behandlungsmethode für Menschen mit Hydrocephalus ist.
Bestandteile eines Shunt-Systems:
- Katheter: Ein flexibler Schlauch, der in die Hirnkammern eingeführt wird.
- Ventil: Reguliert den Fluss des Liquors und verhindert, dass er zurück ins Gehirn gelangt. Es gibt verschiedene Ventiltypen; einige haben einen festgelegten Druck, während andere entsprechend den individuellen Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten angepasst werden können. Technologieführend sind die Gravitationsventile, die ihren Öffnungsdruck in Ahängigkeit von der Körperposition verändern können und so einen gesunden Hirndruck in jeder Körperlage ermöglichen. Menschen stehen, gehen, sitzen und liegen. Um auf sich verändernde Randbedingungen einzugehen, können verstellbare Gravitationsventile implantiert werden. Diese Ventile erlauben es dem Arzt, den Öffnungsdruck für die liegende und die stehende Körperposition nach der Operation zu verändern. Besonders die Verstellbarkeit für die stehende Position scheint für Normaldruckhydrocephalus-Patienten besonders wichtig. Da die Patienten oftmals ein Ventil im fortgeschrittenen Lebensalter erhalten, ändern sich die Lebensumstände in wenigen Jahren häufig sehr schnell. Mit Hilfe speziell entwickelter Instrumente kann der Öffnungsdruck schmerzfrei durch die Haut gemessen und verstellt werden. Eine Kontrolle mittels Röntgenbild entfällt. Darüber hinaus sind die neuesten verstellbaren Gravitationsventile mit einer mechanischen Bremse ausgestattet.
- Ablaufschlauch: Leitet den Liquor in eine andere Körperregion, meist den Peritonealraum (Bauchraum). Sollte es nach verschiedenen Bauchoperationen nicht möglich sein den ableitenden Silikonkatheter in den Bauchraum abzuleiten, gibt es auch die Möglichkeit das Hirnwasser über einen ventrikulo-atrialen Shunt, anstatt in den Bauchraum, in den rechten Herzvorhof abzuleiten. Diese Art der Ableitung wird jedoch vergleichsweise selten angewendet, auch aufgrund des schnellen Wachstums der Kinder.
Um zu verhindern, dass insbesondere aufgrund der Schwerkraft (beispielsweise beim Hochnehmen des Kindes oder beim Laufen) zu viel Hirnwasser auf einmal abfließt, werden meist Ventile in einem Shuntsystem verbaut. Hierbei gibt es eine Vielzahl von Herstellern und Ventiltypen mit jeweiligen Vor- und Nachteilen. Gute Erfahrung haben wir mit Differentialdruck-, und Gravitationsventilen gemacht. Es gibt fest eingestellte und verstellbare Ventile. Bei den fest eingestellten Ventilen gibt es selbstverständlich angepasste Druckstufen für Kinder. Die Druckstufe wird nach den individuellen Erfordernissen des Kindes ausgewählt.
Risiken und Komplikationen:
Wie bei allen chirurgischen Eingriffen sind auch bei der Platzierung eines Shunts bestimmte Risiken zu berücksichtigen. Dazu gehören potenzielle Infektionen, Blutungen, Verstopfungen ebenso wie die Möglichkeit des mechanischen Versagens des Ventils. Obwohl Shunts für eine lange Lebensdauer konzipiert sind, können sie mit der Zeit aus verschiedenen Gründen versagen. Daher ist eine regelmäßige medizinische Überwachung unerlässlich.
Mögliche Komplikationen ie bei jedem chirurgischem Eingriff, sind als Hauptkomplikationen, im Rahmen des Krankenhausaufenthaltes, die Verletzung der Organe, hier des Hirns, Blutungen oder Infektionen zu nennen. Weiterhin können später im Verlauf Materialversagen, die Verstopfung der Bauteile oder eine Fehllage der Bauteile auftreten. Die späten Komplikationen treten am häufigsten im 1. Jahr nach der Operation auf und müssen durch eine Folgeoperation behoben werden.
Postoperative Komplikationen sind z.B. Überdrainage mit subduralen Blutungen oder Schlitzventrikelbildung. Etwa die Hälfte dieser Blutungen bildet sich spontan zurück, die andere Hälfte muss behandelt oder operativ entlastet werden. Andere Folgerisiken sind Shuntinsuffizienzen, z.B. Auftretendes Fieber in den ersten Wochen nach der Operation sollte unbedingt ernst genommen und zu einer Wiedervorstellung in der Klinik führen.
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Nachbehandlung:
Die Nachbehandlung findet im Rahmen regelmäßiger Nachkontrollen statt, die während unserer „Shuntsprechstunde“ durchgeführt werden.
Aufgrund der bereits erwähnten erhöhten Komplikationsrate und des erheblichen Kopfwachstums im 1. Lebensjahr erfolgt eine ärztliche Vorstellung zu Beginn häufiger in Abständen von 3 bis maximal 6 Monaten. Bei guter Entwicklung erfolgen dann jährliche bis zweijährliche Kontrollen, bei denen vor allem auf die Entwicklung des Kindes, eine noch ausreichende Länge des Katheters im Bauchraum und optimale Ableitung des Hirnwassers geachtet wird.
Alle 3 bis 4 Jahre wird außerdem eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Kopfes durchgeführt, um die Lage des zentralen Schlauches und die Weite der Hirnwasserkammern zu beurteilen. Zeigt sich der Schlauch im Bauchraum durch das Wachstum des Kindes zu kurz wird der Schlauch in einer Operation verlängert.
Speziell bei einer ventriculo-peritonealen Ableitung wird am Tag der Operation noch eine Nahrungskarenz eingehalten. Bereits am nächsten Tag darf der Patient essen und trinken und er sollte unter krankengymnastischer Anleitung mobilisiert werden. In den Folgetagen wird in der Regel der Hirnkatheter und die Weite der Hirnkammern mittels einer computertomographischen Untersuchung kontrolliert.
Maßgeblich für eine erfolgreiche Nachsorge ist der regelmäßige Patientenkontakt. Er fördert das Verständnis für das Krankheitsbild und die Aufmerksamkeit des Patienten und seiner Familie im Alltag. Es sollten jährliche Kontrollen der klinischen Symptome und CT-Verlaufsuntersuchungen folgen.
Externe Ventrikeldrainage (EVD)
Bei einer frischen Blutung oder Infektion stellt sich das Hirnwasser nach Eingehen in den Ventrikelraum trüb und eiweißreich dar, was zu einem Verstopfen der Schläuche oder Bauteile des Shuntsystems führen kann. In diesem Fall wird das Hirnwasser vorübergehend über eine „Externe Ventrikeldrainage“ (EVD) aus dem Körper hinaus abgeleitet. Sobald das Hirnwasser klar ist und die richtige Druckstufe gefunden wurde, wird das System, wie oben beschrieben, in den Bauch hineingelegt.
Diese Maßnahme ist mit einem kleinen neurochirurgischen Eingriff verbunden, bei dem ein kleiner, weicher Kunststoffschlauch (Ventrikelkatheter) durch die Schädeldecke in einen der Hirnventrikel gelegt wird. Aus diesem lässt man dann das Hirnwasser in einen Auffangbeutel ablaufen. Die externe Ventrikeldrainage kann allerdings nur für eine bestimmte Zeit angelegt werden, da über den Katheter Keime eindringen und Infektionen verursachen können; sie dient also nur als Notfallmaßnahme.
Minimal-invasive endoskopische Operation
In seltenen Fällen, zum Beispiel bei einem Fehlbildungshydrocephalus, speziell einer „Aquäduktstenose“, kann auch eine endoskopische, minimal-invasive Operation durchgeführt werden. Hierbei wird im Gehirn ein neuer, innerer Abflussweg (z.B. per „Ventrikulozisternostomie“) geschaffen. Solche Operationen erfolgen nach gemeinsamer Prüfung der Indikation durch die Kollegen der Neurochirurgie. Hierbei muss jedoch beachtet werden, dass bei kleinen Kindern trotzdem im Verlauf die Anlage eines ventrikulo-peritonealen Shunts notwendig werden kann.
Endoskopische Ventrikulostomie (ETV)
Bei diesem chirurgischen Eingriff wird der Boden des dritten Ventrikels (Hirnkammer) geöffnet, sodass der Liquor durch ein kleines Loch direkt in die basalen Zisternen fließen kann. Von dort zirkuliert er um das Gehirn und das Rückenmark. Hier wird der Boden des III. Ventrikels mit Hilfe eines Endoskopes und eines Katheters eröffnet, um einen Umgehungskreislauf für den Liquor innerhalb des Ventrikelsystems zu schaffen.
Für die Durchführung einer Ventrikulozisternostomie ist die Verwendung eines Endoskops notwendig, bei dem zusätzlich zu einem optischen Kanal ein Arbeitskanal zur Einführung von chirurgischen Instrumenten vorliegt. Darüber hinaus sollten zwei weitere Kanäle zur kontinuierlichen Spülung und zum Abfluss vorliegen. Bei dem operativen Eingriff wird typischerweise ein rechts frontaler Schnitt und nach Darstellung des Knochens ein Bohrloch in der Schädelkalotte angelegt. Die harte Hirnhaut wird eingeschnitten und die Kortexoberfläche dargestellt. Nachdem eine kleine Eröffnung in der Oberfläche des Gewebes geschaffen wurde, wird das Endoskop rechtwinklig zur Oberfläche eingebracht und damit der Seitenvenrikel in der rechten Hemisphäre des Gehirns punktiert. Es stellt sich dem Operateur nun durch die optische Einheit die mittleren Anteile des Seitenventrikels mit dem Plexus choroideus und dem Foramen monroi dar, welches die Verbindung zum dritten Ventrikel ermöglicht. Hier wird die Spitze des Endoskops eingebracht, sodass nun der Einblick auf den Boden des dritten Ventrikels möglich ist. Dieser wird durch die anatomischen Landmarken der so genannten Corpora mamillaria und dem Infundibulum begrenzt. Es kann jetzt ein stumpfes Instrument durch den Arbeitskanal eingebracht werden, welches soweit vorgeschoben wird bis eine Perforation des Bodens möglich ist. Das Instrument wird entfernt und es wird ein so genannter Fogarty-Katheter eingebracht, welcher am Ende einen aufblasbaren Ballon mit einem Durchmesser von circa 5 Millimeter beinhaltet. Hiermit kann die geschaffene Öffnung erweitert werden. Der Katheter wird nun entfernt und das Endoskop wird nach Kontrolle der erfolgreichen Perforation ohne Anzeichen einer Blutung aus den Venrikeln vorsichtig zurückgezogen. Die Eröffnung der harten Hirnhaut wird verschlossen und die Haut in zwei Schichten vernäht. Durch diesen Eingriff ist nun ein Umgehungskreislauf des Liquors geschaffen worden, bei dem ein direkter Durchfluss von den Seitenventrikeln über den dritten Ventrikel in den Subarachnoidalraum möglich ist. Der Verschluss auf Höhe des Aquaedukts oder des Ausgangs vom vierten Ventrikels ist damit umgangen.
Die Erfolgsrate dieses Eingriffs liegt im Allgemeinen bei ca. 80 Prozent. Bei dem erfolgreichen Eingriff erübrigt sich die Implantation eines Fremdkörpers, im Sinne eines ventrikulo-peritonealen Shunts, welcher bekanntermaßen im Langzeitverlauf diverse Komplikationen mit sich bringen kann. Eine relative Indikation für die Ventrikulozisternostomie ist in diesem Zusammenhang der Verschlusshydrocephalus bei Kindern im ersten Lebensjahr, da bei ihnen die Erfolgquote dieser Therapie nur bei 20 bis 30 Prozent liegt.
Es darf nicht unerwähnt bleiben, dass ein solcher Eingriff auch mit Komplikationsmöglichkeiten verbunden ist. Neben den allgemeinen Risiken wie Wundheilungsstörungen, Infektionen oder Liquorfistel, besteht vor allem die Gefahr einer Nachblutung über die der Patient aufgeklärt werden muss. Nicht zuletzt deshalb, weil sich unterhalb des Bodens vom dritten Ventrikel eine bedeutende Schlagader des Gehirns, die sogenannte Arteria basilaris, befindet, die in keinem Fall verletzt werden darf. Eine ausreichende Erfahrung zur Durchführung dieses Eingriffs ist aus diesem Grund notwendig.
Die Ventrikulozisternostomie ist inzwischen ein Verfahren mit häufiger Anwendung geworden, welches mit entsprechender Erfahrung eine sehr geringe Komplikationsrate besitzt. Eine weitere Betreuung der Patienten ist aber auch ohne Shunt notwendig, da ähnlich wie bei einem Shunt eine Insuffizienz im Sinne eines Verschlusses der Eröffnung auftreten kann. Dieser Fall ist jedoch im Vergleich zu einem Shunt vergleichsweise deutlich geringer einzustufen.
Aquäduktplastie
Im Rahmen der Hydrocephalus-Therapie werden weitere Operationen, wie zum Beispiel die Aquäduktplastie durchgeführt. Hierbei handelt es sich um die Erweiterung des Liquorkanals zwischen dem dritten und vierten Ventrikel. Der Eingriff ist mit äußerster Vorsicht durchzuführen, weil sich der Aquaedukt im Bereich des Hirnstamms befinden, in dem unter anderem die Augenbewegungen und die Wachheit des Patienten gesteuert werden. Daher gibt es nur eingeschränkte Indikationen zur Durchführung dieses Eingriffs, und zwar die Isolation des vierten Ventrikels, bei der der Aquaedukt nur kurzstreckig verschlossen ist. Das heißt der vierte Ventrikel ist von dem Liquorkreislauf ausgeschlossen und durch die trotzdem auch hier stattfindende Liquorproduktion kommt es zu einer Aufweitung des Ventrikels und damit zur Kompression des Hirnstamms und des Kleinhirns. Die Therapie besteht darin, durch Eröffnung des Aquaedukts die Zirkulation des Liquors zu ermöglichen. Der Ausfluss aus den internen Liquorräumen wird dann entweder über die Kombination mit einer Ventrikulozisternostomie oder mit einem ventrikulo-peritonelaem Shunt erreicht.
Technisch wird der Eingriff ähnlich wie bei der Ventrikulozisternostomie durchgeführt. Die Bohrlochlokalisation erfolgt jedoch etwas weiter frontal und bei der Inspektion des dritten Ventrikels orientiert man sich an der Anatomie im hinteren Anteil, der trichterförmig in den Aquaedukt mündet. Mit einem Katheter kann nun der kurzstreckige Verschluss eröffnet werden. Es muss intraoperativ entschieden werden ob zur Aufrechterhaltung der Eröffnung ein Ventrikelkatheter als so genannter Stent belassen werden muss. Damit wird eine erneute Verwachsung verhindert. Dieser Stent wird entweder an einen Shunt oder an ein Rikhamreservoir im Bereich der Schädelkalotte fixiert, damit eine ungewollte Verlagerung verhindert werden kann.
Die Alternative zu diesem Eingriff ist entweder die Perforation des vierten Ventrikels von außen durch einen Ventrikelkatheter und der gleichzeitige Anschluss dieses Katheters an einen Shunt oder die Schädeleröffnung im Bereche des Übergangs zwischen Kleinhirn und Halswirbelsäule, um in mikroskoischer Technik die Eröffnung der Ausgänge des vierten Ventrikels zu ermöglichen. Vor allem der letztere Eingriff ist einerseits sehr aufwendig und andererseits nicht bei jedem Patienten möglich.
Navigierte Neuroendoskopie
Sollte bei einem Hydrocephalus einerseits eine interne Abflussstörung einzelner Ventrikelkompartimente in Zusammenhang mit einer anatomischen Unregelmässigkeit des Liquorsystems vorliegen, kann die Kombination der Endoskopie mit einem so genannten Navigationssystem sehr hilfreich sein. An der Charité hat das Team der Kinderneurochirurgie in den vergangenen Jahren vermehrt diese Methode bei Kindern angewendet. Es soll hierbei die Situation vermieden werden, dass aufgrund fehlender anatomischer Landmarken die Orientierung in den Liquorräumen nicht mehr möglich ist. Das hierbei verwendete Navigationssystem ist ein Computer, der die vor der Operation angefertigten Bilddaten einspeichert. Auf dem Patienten werden zusätzlich Marker auf die Haut geklebt, die auch in den MRT-Bildern sichtbar sind. Dadurch kann im Operationssaal mit Hilfe einer Infrarotkamera die Position des Patientenkopfs im Raum lokalisiert werden. Die Kamera erkennt ebenfalls bestimmte Instrumente, sowie auch das Endoskop wenn es mit Markern versehen ist. Ähnlich wie bei dem Navigationssystem im Auto, kann dabei die Position des Endoskops im Kopf, anhand der MRT-Daten, die quasi als Landkarte dienen, dem Operateur mitgeteilt werden. Eine verbesserte Orientierung ist hiermit möglich.
Als Problem stellt sich jedoch teilweise dar, wenn es zu einem zu großem Liquorverlust während der Operation kommen sollte, dass die Bilddaten, die vor der Operation durchgeführt worden sind, mit der intraoperativen Situation nicht mehr übereinstimmen. Das muss kontinuierlich durch den Operateur überprüft werden. Die Situation kann aber auch durch kontinuierlichen Ausgleich des Flüssigkeitsverlusts im Sinne einer Spülung mit entsprechendem Ablauf verbessert werden.
Ziel der dieser Operationstechnik ist es, bei komplizierten anatomischen Situationen im Rahmen des Hydrocephalus möglichst einfache Ableitungssysteme zur ermöglichen. Das heißt die Liquordrainage durch einen Shunt soll entweder vermieden werden oder durch möglichst wenige Katheter gewährleistet werden. Einerseits soll damit die langfristige Komplikationsrate durch zum Beispiel Obstruktionen verringert werden und andererseits und soll es bei notwendigen Revisionsoperationen die Diagnose der Fehlfunktion erleichtern. Man muss auch erwähnen, dass dieses Verfahren mit einem hohen technischen Aufwand verbunden ist und glücklicherweise nur bei wenigen Patienten notwendig ist. Aber gerade die schwerwiegenden Fälle können hiermit eine deutliche Verbesserung in der Behandlung erlangen.
Prognose bei Hydrozephalus
Zunächst sind die neurologischen Probleme der Kinder Folge der Ursache des Hydrocephalus und nicht der Shuntoperation. Bei rechtzeitiger und zielgerichteter Therapie zeigt sich häufig eine gute Prognose, natürlich in Abhängigkeit der Ursache, sodass die Kinder im weiteren Verlauf eine gute Entwicklung zeigen und möglicherweise keinen zusätzlichen Förderbedarf haben.
Wichtig sind jedoch regelmäßige Verlaufskontrollen, hierbei vor allem über unsere „Shuntsprechstunde“. Regelmäßige augenärztliche Untersuchungen sollten ebenfalls durchgeführt werden.
Bei möglichem Förderbedarf binden wir unsere mit einem Shuntsystem versorgten Kinder auch an unser Sozialpädiatrisches Zentrum (SPZ) an.
Fazit
Der Hydrocephalus ist eine ernstzunehmende Komplikation bei Hirntumoren, die unbehandelt zu schweren Schäden führen kann. Shunt-Verfahren stellen eine effektive Möglichkeit dar, den Hirndruck zu senken und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Die Wahl des geeigneten Verfahrens hängt von der Ursache und Art des Hydrocephalus sowie dem individuellen Zustand des Patienten ab. Eine regelmäßige medizinische Überwachung ist entscheidend, um Komplikationen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.
Weiterführende Informationen und Hilfe
Gern beantworten wir all ihre Fragen zum Thema „Hydrocephalus bei Kindern“ auch im Rahmen unserer „Shuntsprechstunde“. Zudem können wir Ihnen folgende Informationsquellen und Institutionen für weiterführende Informationen und Unterstützung nennen:
- Sozialpädiatrisches Zentrum (SPZ) des Universitätsklinikums Dresden
- Arbeitsgemeinschaft Spina Bifida und Hydrocephalus e.V.
- proREMUS e. V. Selbsthilfeverein und Elterninitiative
Häufige Fragen zum Thema „Hydrocephalus bei Kindern“
Ist ein Hydrocephalus heilbar? Wie kann man einen Hydrocephalus heilen?
Die Ursache eines Hydrocephalus ist grundsätzlich nicht heilbar. Man kann ihn aber so gut behandeln, dass ein normales Leben, natürlich abhängig vom Schweregrad der Hirnschädigung, möglich ist. Die gängigste Art einen Hydrocephalus zu behandeln ist die Ableitung des Hirnwassers in den Bauchraum durch einen ventrikuloperitonealen Shunt. Im Bauchraum wird das abgeleitete Hirnwasser resorbiert und gelangt wieder in den Körperkreislauf. Bei Verwachsungen im Bauchraum, die beispielsweise durch Voroperationen im Bauchraum entstanden sind, gibt es auch die Möglichkeit der Hirnwasserableitung in den Blutkreislauf, ein sogenannter ventrikuloatrialer Shunt. Bei seltenen Indikationen wie der Aquäduktstenose besteht auch die Möglichkeit, eine innere Ableitung als 3.-Ventrikulozisternostomie ohne Fremdkörper durchzuführen.
Ist ein Hydrocephalus gefährlich?
Ein Hydrocephalus kann, wenn er nicht behandelt wird, gefährlich sein. Durch den Aufstau des Hirnwassers in den Hirnwasserkammern kommt es zur Erweiterung selbiger und nachfolgend zur sogenannten Hirndrucksteigerung. Da das Hirngewebe im knöchernen Schädel nicht ausweichen kann, wird somit entweder die Durchblutung behindert oder das Hirngewebe selbst geschädigt. Deshalb ist das frühzeitige Erkennen und Behandeln eines Hydrocephalus zur Verhinderung bleibender Schäden sehr wichtig.
Ist Hydrocephalus eine Behinderung?
Ein Hydrocephalus kann Symptome verschiedenster Ausprägung haben und somit für den Betroffenen auch eine Behinderung darstellen. Ein Großteil der Betroffenen hat jedoch nur wenige Einschränkungen im Alltag. Der Shunt, welcher den ableitenden Katheter darstellt, wird unter der Haut verlegt und ist äußerlich kaum sichtbar.
Wie äußert sich erhöhter Hirndruck?
Erhöhter Hirndruck kann, abhängig vom Alter des Kindes, sehr verschiedene Symptome verursachen. Säuglinge fallen durch eine Größenzunahme des Kopfes mit gespannter Fontanelle, auseinanderweichenden Schädelnähten und eventuell einem sogenannten Sonnenuntergangsphänomen auf. Sie zeigen schwallartiges Erbrechen, Trinkunlust, starke Müdigkeit, Unleidlichkeit oder Krampfanfälle. Bei älteren Kindern gesellen sich zu den Symptomen Erbrechen, starke Müdigkeit und Krampfanfällen noch starke Kopfschmerzen, Wesensänderung und Sehstörungen.
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