Jeder kennt es: Manchmal scheinen die Mitmenschen einen gezielt auf die Nerven zu gehen. Ob im Supermarkt, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder im Privaten - es gibt unzählige Situationen, in denen uns das Verhalten anderer stört oder gar aggressiv macht. Doch wie können wir damit umgehen, ohne uns unnötig aufzuregen? Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen für unser Genervtsein und zeigt verschiedene Strategien, um gelassener mit schwierigen Menschen und Situationen umzugehen.
Warum uns andere Menschen nerven
Veränderungen im Laufe des Lebens
Früher schien es einfacher, Freundschaften zu schließen und Menschen zu treffen, die man mag. Doch je älter wir werden, desto genervter sind wir oft von anderen. Das liegt unter anderem daran, dass sich unsere Prioritäten verschieben. Freundschaften bleiben auf der Strecke, wenn Partner zusammenziehen oder Kinder bekommen. Zudem sind wir weniger bereit, uns für andere zu verändern und erwarten mehr von Freundschaften als nur oberflächliches Abhängen. Wir haben gelernt, uns selbst zu akzeptieren und unsere freie Zeit nicht mit Menschen zu verbringen, die uns nicht guttun.
Angststörungen und Gereiztheit
Wenn dich wirklich alles nervt, könnte eine Angststörung dahinterstecken. Menschen mit Angststörungen sind generell gereizter und lassen sich leichter aus dem Gleichgewicht bringen. Ihr Nervensystem ist in höchster Alarmbereitschaft, was zu einer erhöhten Sensibilität für Geräusche und Reize führt. Auch Schlafmangel und Langeweile können die Reizbarkeit verstärken.
Rigide Persönlichkeit und hohe Standards
Wer hohe Ansprüche an sich und andere hat, neigt eher dazu, von der Welt enttäuscht und genervt zu sein. Unflexibilität und Unnachgiebigkeit erschweren es, entspannter mit den eigenen Regeln umzugehen und zu akzeptieren, dass Dinge nicht immer nach Plan laufen. Solche Verhaltensmuster haben oft ihren Ursprung in der Kindheit.
Spezifische Auslöser und Misophonie
Manche Menschen reagieren besonders empfindlich auf bestimmte Stimulanzien wie Ungerechtigkeit oder laute Telefongespräche in der Öffentlichkeit. Wer Kaugeräusche anderer nicht ertragen kann, leidet möglicherweise an Misophonie, einer Krankheit, bei der das Gehirn bestimmte Geräusche anders verarbeitet.
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Unterdrückte Gefühle
Oftmals sind wir nicht wegen einer Kleinigkeit genervt, sondern weil wir Ärger über ein anderes Thema herunterschlucken. Es ist wichtig, sich dessen bewusst zu sein und die zugrunde liegenden Probleme anzugehen.
Strategien für einen gelasseneren Umgang
Die Macht der Perspektive
Es wird immer Situationen geben, in denen sich Menschen nicht so verhalten, wie wir es uns wünschen. Daran können wir nichts ändern. Aber wir können entscheiden, wie wir darauf reagieren. Anstatt uns zu ärgern, können wir versuchen, die Situation mit Humor zu nehmen. Lachen kann uns vor einem Stimmungstief bewahren und unsere generelle Einstellung verbessern.
Den inneren Wissenschaftler aktivieren
Um das Verhalten anderer nicht persönlich zu nehmen, können wir die Rolle des neugierigen Wissenschaftlers einnehmen. Dieser möchte die größeren Zusammenhänge verstehen und bezieht das Verhalten des anderen nicht auf sich. Stattdessen versucht er, die Motive und Hintergründe des Handelns zu ergründen. War es das Elternhaus, die Erziehung oder frühere Erfahrungen, die den Menschen zu dem gemacht haben, was er ist? Ziel ist es, die Perspektive zu wechseln und die eigene Sicht auf die Welt zu erweitern.
Gemeinsamkeiten suchen
Selbst mit der größten Nervensäge können wir Gemeinsamkeiten finden. Ob es die Liebe zur Klaviermusik, das gemeinsame Ziel, gute Arbeit zu leisten, oder die Sorge um das eigene Kind ist - es gibt immer etwas, das uns verbindet. Wenn wir uns darauf konzentrieren, können wir eine bessere Gesprächsbasis schaffen und Respekt für die Unterschiedlichkeiten entwickeln.
Finalität statt Kausalität
Anstatt uns zu fragen, warum sich jemand so verhält (kausale Betrachtungsweise), sollten wir uns fragen, was er mit seinem Verhalten erreichen will (finale Perspektive). Was ist der Zweck seines Handelns? Welche Bedürfnisse werden daraus deutlich? Wenn wir das verstehen, können wir besser darauf eingehen und gemeinsam eine Lösung finden.
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Die So-So-Technik
Wenn sich jemand im Supermarkt vordrängelt, können wir ihn anschauen und "So, so" sagen, während wir den Augenkontakt halten. Wenn die Person nicht reagiert, ist sie wahrscheinlich so ignorant, dass auch ein harscher Hinweis nichts gebracht hätte. Wenn man die Person später auf dem Parkplatz wiedertrifft, kann man sie noch einmal ansprechen, ohne dass sie vor anderen das Gesicht verliert.
Die Ich-Botschaft
Wenn wir jemanden auf sein Verhalten hinweisen wollen, sollten wir eine klare Ich-Botschaft senden, z.B. "Ich fand das gerade echt unpassend, dass Sie sich vorgedrängelt haben." Danach sollten wir uns aus der Situation entfernen, um eine Diskussion zu vermeiden.
Projektion erkennen
Oftmals nerven uns bestimmte Menschen, weil sie uns an ungelöste Konflikte oder verdrängte Eigenschaften in uns selbst erinnern. Anstatt uns damit auseinanderzusetzen, projizieren wir unsere eigenen Gefühle auf die Person. Wenn wir das erkennen, können wir uns intensiver mit uns selbst auseinandersetzen und unsere eigenen Triggerpunkte identifizieren.
Strategien gegen den Ärger
- Der Zauberspruch: Frage dich, ob die Situation in einem Jahr noch wichtig sein wird. Wenn nicht, lohnt es sich nicht, sich darüber zu ärgern.
- Nie wieder sprachlos: Überlege dir schlagfertige Antworten auf dumme Sprüche und Sticheleien.
- Die Gegenfrage: Stelle unsachliche Äußerungen infrage und lass sie nicht im Raum stehen.
Weitere Tipps
- Grenzen setzen: Sage höflich, aber bestimmt, wenn andere deine roten Linien überschreiten.
- Emotionale Distanz: Bringe eine größtmögliche emotionale Distanz zwischen dich und die Nervensäge.
- Mini-Auszeiten: Schaffe dir kurze Auszeiten, um dich zu beruhigen.
- Persönlichkeitsunterschiede akzeptieren: Mache dir bewusst, dass Menschen unterschiedlich sind und nicht jeder so tickt wie du.
- Verständnis zeigen: Versuche, dich in die Lage des anderen hineinzuversetzen und Mitgefühl zu zeigen.
- Ruhe bewahren: Bleibe in emotional schwierigen Situationen ruhig und sachlich.
- Nicht persönlich nehmen: Nimm Verbalattacken nicht persönlich, sondern betrachte sie als Ausdruck der inneren Verfassung des anderen.
- Schwierigen Menschen aus dem Weg gehen: Wenn möglich, vermeide den Kontakt zu Menschen, die dich ständig auf die Nerven gehen.
- Humor: Betrachte die Situation als Sketch und nimm sie mit Humor.
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