Sind Hirntumore immer tödlich? Ein umfassender Überblick

Hirntumoren sind eine komplexe und vielfältige Gruppe von Erkrankungen, die viele Fragen aufwerfen. Eine der häufigsten und besorgniserregendsten Fragen ist, ob ein Hirntumor immer tödlich ist. Dieser Artikel soll einen umfassenden Überblick über Hirntumoren geben, die verschiedenen Arten, ihre Behandlungsmöglichkeiten und die damit verbundene Prognose.

Einführung

Hirntumoren sind relativ seltene Krebserkrankungen, die etwa 2 % aller Krebsfälle ausmachen. In Deutschland erkranken jährlich schätzungsweise 7.000 Menschen neu an einem Hirntumor. Obwohl sie im Vergleich zu anderen Krebsarten wie Brust-, Prostata- oder Darmkrebs seltener sind, stellen Hirntumoren aufgrund ihrer potenziellen Auswirkungen auf die neurologische Funktion und die Lebensqualität eine erhebliche Herausforderung dar.

Was sind Hirntumore?

Ein Hirntumor ist eine abnorme Gewebemasse, die im Gehirn wächst. Es ist wichtig zu betonen, dass Hirntumor nicht gleich Hirntumor ist. Es gibt viele verschiedene Arten von Hirntumoren, die sich in ihrem Ursprung, ihrem Wachstumsmuster und ihrer Aggressivität unterscheiden.

Gutartige vs. bösartige Tumore

Hirntumoren können grob in gutartige und bösartige Tumoren unterteilt werden.

  • Gutartige Tumoren: Diese Tumoren sind in der Regel langsam wachsend und klar abgegrenzt. Sie breiten sich nicht auf andere Teile des Körpers aus (keine Metastasierung) und wachsen nicht unkontrolliert in das umliegende Gewebe hinein. Allerdings können auch gutartige Tumoren lebensbedrohlich sein, wenn sie im Schädelinneren wachsen und auf wichtige Hirnstrukturen drücken. Ein Beispiel für einen überwiegend gutartigen Hirntumor ist das Meningeom.
  • Bösartige Tumoren: Diese Tumoren sind aggressiver und wachsen schnell. Sie können in das umliegende Hirngewebe eindringen und sich schwer entfernen lassen. Bösartige Tumoren können auch Metastasen in anderen Teilen des zentralen Nervensystems (ZNS) bilden, obwohl dies selten vorkommt. Ein Beispiel für einen bösartigen Hirntumor ist das Glioblastom.

Arten von Hirntumoren

Es gibt über 130 verschiedene Arten von Tumoren des zentralen Nervensystems (ZNS). Einige der häufigsten Arten sind:

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  • Gliome: Diese Tumoren entstehen aus Gliazellen, den Stützzellen des Gehirns. Gliome machen etwa 60 % aller Hirntumoren aus. Es gibt verschiedene Arten von Gliomen, darunter Astrozytome, Oligodendrogliome und Ependymome. Das Glioblastom ist das häufigste und aggressivste Gliom.
  • Meningeome: Diese Tumoren entstehen aus den Hirnhäuten, den Membranen, die das Gehirn und das Rückenmark umgeben. Meningeome sind meist gutartig und wachsen langsam. Sie werden oft zufällig bei bildgebenden Untersuchungen entdeckt.
  • Neurinome (Schwannome): Diese Tumoren entstehen aus den Hüllzellen der Hirnnerven und Rückenmarkswurzeln.
  • Hirnmetastasen: Dies sind Tumoren, die sich von Krebs in anderen Teilen des Körpers ausgebreitet haben, z. B. Lungenkrebs oder Brustkrebs. Hirnmetastasen machen etwa 30 bis 40 % aller Hirntumoren aus.
  • Plexustumoren: Diese Tumoren entstehen aus den Plexusepithelzellen, die die Hirnkammern auskleiden. Es gibt gutartige (Plexuspapillome) und bösartige (Plexuskarzinome) Varianten.

Symptome von Hirntumoren

Die Symptome eines Hirntumors hängen von der Größe, der Lage und der Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors ab. Einige häufige Symptome sind:

  • Kopfschmerzen: Oft morgens oder nachts stärker werdend.
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Sehstörungen
  • Sprachschwierigkeiten
  • Krampfanfälle
  • Persönlichkeitsveränderungen
  • Schwäche oder Taubheit in einem Arm oder Bein
  • Gleichgewichtsstörungen

Es ist wichtig zu beachten, dass diese Symptome auch durch andere Erkrankungen verursacht werden können. Wenn Sie jedoch eines oder mehrere dieser Symptome haben, sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um die Ursache abzuklären.

Diagnose von Hirntumoren

Die Diagnose eines Hirntumors umfasst in der Regel eine neurologische Untersuchung, bildgebende Verfahren und eine Biopsie.

  • Neurologische Untersuchung: Der Arzt untersucht die neurologische Funktion des Patienten, einschließlich Reflexe, Muskelkraft, Koordination, Sensibilität, Sehen, Sprechen und Gedächtnis.
  • Bildgebende Verfahren: Die Magnetresonanztomografie (MRT) ist das wichtigste bildgebende Verfahren zur Diagnose von Hirntumoren. Die MRT kann detaillierte Bilder des Gehirns liefern und helfen, die Lage, Größe und Art des Tumors zu bestimmen. In einigen Fällen kann auch eine Computertomografie (CT) verwendet werden, insbesondere wenn eine MRT nicht möglich ist.
  • Biopsie: Eine Biopsie ist die Entnahme einer Gewebeprobe aus dem Tumor zur Untersuchung unter dem Mikroskop. Die Biopsie kann während einer Operation oder mit einer Nadelbiopsie durchgeführt werden. Die Biopsie ist notwendig, um die Art des Tumors zu bestimmen und den Grad der Bösartigkeit festzulegen.

Behandlung von Hirntumoren

Die Behandlung von Hirntumoren hängt von der Art, der Größe, der Lage und dem Grad des Tumors sowie vom Alter und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Patienten ab. Zu den gängigen Behandlungsmodalitäten gehören:

  • Operation: Ziel der Operation ist es, den Tumor so vollständig wie möglich zu entfernen, ohne das umliegende Hirngewebe zu schädigen. In einigen Fällen kann eine vollständige Entfernung des Tumors zur Heilung führen. Bei anderen Tumoren ist eine vollständige Entfernung aufgrund ihrer Lage oder Ausdehnung nicht möglich.
  • Strahlentherapie: Die Strahlentherapie verwendet hochenergetische Strahlen, um Krebszellen abzutöten. Sie kann nach einer Operation eingesetzt werden, um verbleibende Tumorzellen zu zerstören, oder als primäre Behandlung, wenn eine Operation nicht möglich ist.
  • Chemotherapie: Die Chemotherapie verwendet Medikamente, um Krebszellen im ganzen Körper abzutöten. Sie kann nach einer Operation und Strahlentherapie eingesetzt werden, um das Wachstum von Tumorzellen zu verhindern, die sich möglicherweise ausgebreitet haben.
  • Zielgerichtete Therapie: Die zielgerichtete Therapie verwendet Medikamente, die spezifische Moleküle in Krebszellen angreifen. Diese Medikamente können dazu beitragen, das Wachstum und die Ausbreitung von Krebszellen zu verlangsamen. Ein Beispiel hierfür ist der monoklonale Antikörper Bevacizumab, der die Angiogenese (Neubildung von Blutgefäßen) im Tumor hemmt.
  • Tumortherapiefelder (TTF): TTF ist eine relativ neue Behandlungsform, die elektrische Felder verwendet, um das Wachstum von Krebszellen zu stören. TTF kann in Kombination mit Chemotherapie bei bestimmten Arten von Hirntumoren eingesetzt werden.

Prognose von Hirntumoren

Die Prognose von Hirntumoren variiert stark und hängt von einer Reihe von Faktoren ab, darunter:

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  • Art des Tumors: Einige Arten von Hirntumoren, wie z. B. gutartige Meningeome, haben eine sehr gute Prognose. Andere Arten, wie z. B. Glioblastome, haben eine schlechte Prognose.
  • Grad des Tumors: Tumoren mit höherem Grad sind aggressiver und haben eine schlechtere Prognose als Tumoren mit niedrigerem Grad.
  • Lage des Tumors: Tumoren, die sich in der Nähe wichtiger Hirnstrukturen befinden, sind schwieriger zu behandeln und haben möglicherweise eine schlechtere Prognose.
  • Alter und allgemeiner Gesundheitszustand des Patienten: Jüngere Patienten und Patienten mit einem guten allgemeinen Gesundheitszustand haben tendenziell eine bessere Prognose.
  • Ausmaß der Resektion: Eine möglichst vollständige Entfernung des Tumors verbessert in der Regel die Prognose.
  • Molekulare Marker: Bestimmte genetische Veränderungen in den Tumorzellen können die Prognose beeinflussen. Beispielsweise haben Patienten mit einem Glioblastom, das eine MGMT-Promotor-Methylierung aufweist, eine bessere Prognose als Patienten ohne diese Methylierung.

Es ist wichtig zu beachten, dass die Prognose nur eine Schätzung ist und dass jeder Patient anders auf die Behandlung anspricht.

Spezifische Tumorarten und ihre Prognosen

  • Glioblastom: Das Glioblastom ist der häufigste und aggressivste Hirntumor bei Erwachsenen. Trotz intensiver Behandlung, einschließlich Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie, beträgt die mittlere Überlebenszeit etwa 15 Monate. Nur etwa 5 % der Patienten überleben 5 Jahre.
  • Meningeom: Die meisten Meningeome sind gutartig und wachsen langsam. Eine vollständige operative Entfernung führt oft zur Heilung. Aggressivere Meningeome (WHO-Grad 2 oder 3) haben ein höheres Risiko für ein Wiederauftreten und erfordern möglicherweise zusätzliche Behandlungen wie Strahlentherapie oder Chemotherapie.
  • Pilozytisches Astrozytom: Dies ist der häufigste Hirntumor im Kindesalter. Er wächst langsam und ist oft gutartig. Sofern möglich, wird er operativ entfernt und gilt damit häufig als geheilt.

Zufallsbefunde bei Meningeomen

Meningeome werden heute oft zufällig bei bildgebenden Untersuchungen entdeckt, insbesondere bei älteren Menschen, die aufgrund anderer Erkrankungen untersucht werden. In diesen Fällen müssen Ärzte und Patienten gemeinsam entscheiden, wie mit dem Zufallsbefund umgegangen werden soll. Kleine, asymptomatische Meningeome in unkritischer Lage können zunächst beobachtet werden ("Watch and Wait"). Eine Operation oder Strahlentherapie ist in der Regel nur erforderlich, wenn der Tumor wächst, Symptome verursacht oder wichtige Hirnstrukturen gefährdet.

Hirntumoren bei Kindern

Hirntumoren sind die zweithäufigste Krebsart bei Kindern nach Leukämie. Im Gegensatz zu Erwachsenen entwickeln Kinder häufiger gutartige Gliome oder bösartige Medulloblastome des Kleinhirns. Die Behandlung von Hirntumoren bei Kindern erfordert einen multidisziplinären Ansatz mit Spezialisten für Kinderonkologie, Neurochirurgie und Strahlentherapie. Glücklicherweise können einige Hirntumoren bei Kindern operativ geheilt werden. Kinder haben auch ein unglaubliches Erholungspotenzial und können Funktionen teilweise neu erlernen.

Leben mit einem Hirntumor

Die Diagnose und Behandlung eines Hirntumors kann für Patienten und ihre Familien sehr belastend sein. Es ist wichtig, sich von einem multidisziplinären Team aus Ärzten, Therapeuten und Selbsthilfegruppen unterstützen zu lassen. Viele Patienten finden es hilfreich, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen und Informationen über ihre Erkrankung und Behandlungsmöglichkeiten zu sammeln.

Forschung und Fortschritte

Die Forschung auf dem Gebiet der Hirntumoren schreitet stetig voran. Neue Therapien und Behandlungsmethoden werden entwickelt, um die Prognose von Patienten mit Hirntumoren zu verbessern. Dazu gehören:

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  • Immuntherapie: Die Immuntherapie nutzt das körpereigene Immunsystem, um Krebszellen zu bekämpfen. Es gibt vielversprechende Ergebnisse mit Immuntherapie bei bestimmten Arten von Hirntumoren.
  • Gentherapie: Die Gentherapie zielt darauf ab, genetische Defekte in Krebszellen zu korrigieren.
  • Personalisierte Medizin: Die personalisierte Medizin verwendet Informationen über die genetischen Eigenschaften eines Tumors, um die Behandlung auf den einzelnen Patienten zuzuschneiden.

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