Skoliose und Nervenschmerzen: Ursachen, Symptome und Behandlungen

Die Skoliose, eine Verkrümmung und Verdrehung der Wirbelsäule, betrifft in Deutschland mehr als 900.000 Menschen. Der Begriff stammt vom altgriechischen Wort „skolios“ ab, was „krumm“ bedeutet. Schätzungsweise drei bis fünf Prozent der Bevölkerung sind betroffen, wobei sich die Skoliose meist erst im Laufe des Lebens entwickelt und Mädchen häufiger betroffen sind als Jungen. In etwa 80 Prozent der Fälle bleibt die Ursache unklar, was als idiopathische Skoliose bezeichnet wird. In anderen Fällen können Knochenveränderungen, Muskel- oder Nervenerkrankungen die Ursache sein.

Was ist Skoliose?

Eine gesunde Wirbelsäule verläuft von hinten betrachtet gerade von oben nach unten. Bei einer Skoliose weicht die Wirbelsäule von dieser geraden Linie ab und krümmt sich seitlich. Definitionsgemäß liegt eine Skoliose vor, wenn die Abweichung von der Längsachse mindestens zehn Grad beträgt. Zusätzlich können sich die Wirbel verdrehen, was die Verformung der Wirbelsäule weiter verstärkt.

Ursachen und Formen der Skoliose

Die Ursachen einer Skoliose sind vielfältig, aber in 90 Prozent der Fälle entsteht sie während des Wachstums, ohne dass eine klare Ursache erkennbar ist (idiopathisch). Eine Theorie besagt, dass ein ungleichmäßiges Wachstum der Rückenmuskeln und Wirbelkörper bei Kindern und Jugendlichen im Wachstumsalter zur Entwicklung einer Skoliose führt. Auch genetische Faktoren können eine Rolle spielen.

Zehn Prozent der Skoliosen treten als Folge anderer Erkrankungen auf (sekundäre Skoliosen). Diese können in osteopathische (Knochen), myopathische (Muskel) und neuropathische (Nerven) Skoliosen unterteilt werden. Zu den zugrunde liegenden Erkrankungen gehören:

  • Idiopathische Skoliose: Skoliose ohne erkennbaren Auslöser, oft während der Pubertät.
  • Sekundäre Skoliose: Skoliose als Folge anderer Ursachen, beispielsweise im Alter.
  • Kongenitale Skoliose: Skoliose aufgrund angeborener Fehlbildungen.
  • Neuromuskuläre Skoliose: Skoliose aufgrund von Erkrankungen der Muskeln oder des Nervensystems.
  • Säuglingsskoliose: Skoliose, die bereits im Säuglingsalter auftritt und sich häufig von selbst zurückbildet.
  • Infantile Skoliose: Skoliose, die zwischen dem Säuglingsalter und dem 3. Lebensjahr entsteht.
  • Juvenile Skoliose: Skoliose mit einem Entstehungsalter zwischen dem 4. und 10. Lebensjahr.
  • Adoleszenten-Skoliose: Entwickelt sich ab dem 11. Lebensjahr.
  • Thorakale Skoliose: Skoliose in der Brustwirbelsäule.
  • Thorakolumbale Skoliose: Skoliose am Übergang zwischen Brust- und Lendenwirbelsäule.
  • Lumbale Skoliose: Skoliose in der Lendenwirbelsäule.
  • Doppelbogige Skoliose: Thorakale und lumbale Skoliose liegen gleichzeitig vor.
  • Rechts-konvexe Skoliose: Skoliose, die nach rechts zeigt.
  • Links-konvexe Skoliose: Skoliose, die nach links zeigt.

Symptome der Skoliose

Die Symptome einer Skoliose können je nach Schweregrad und Lokalisation der Krümmung variieren. Kinder und Jugendliche verspüren selten Schmerzen, sodass die Skoliose oft zufällig oder durch äußere Anzeichen wie ungleiche Schultern oder eine ungleichmäßige Taille auffällt. Im Erwachsenenalter klagen Betroffene häufiger über Beschwerden. Zu den möglichen Symptomen gehören:

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  • Kosmetische Symptome:
    • Schiefstand der Schultern
    • Schiefes Becken
    • Schiefer Kopf
    • Rippenbuckel (vor allem bei stärkerer Krümmung)
    • Muskelwulste im Lendenbereich oder am Hals
  • Weitere Symptome:
    • Eingeengte Brust- und Bauchorgane
    • Lendenwulst
    • Knie-, Nacken- und Rückenschmerzen
    • Muskelverspannungen
    • Degenerative Veränderungen der Zwischenwirbelscheiben
    • Neuralgien
    • Sensibilitätsstörungen durch Druck auf Nerven
    • Paresen (Muskelschwäche)
    • Atemnot (bei starker Krümmung)
    • Herz-Kreislauf-Probleme (bei starker Krümmung)
    • Schluckbeschwerden (in seltenen Fällen)

Im fortgeschrittenen Stadium können die Verformung und Asymmetrie des Rumpfes zu einer psychischen Belastung führen, da sich die Patienten für ihr Aussehen schämen.

Diagnose der Skoliose

Eine Skoliose kann durch verschiedene Methoden erkannt werden:

  • Selbstuntersuchung: Achten Sie auf Schulterschiefstand, eine ungleichmäßige Taille oder einen Buckel.
  • Vorbeugetest (Adams Bending Test): Beugen Sie sich nach vorne. Ein Arzt kann mithilfe eines Skoliometers den Abweichungsgrad der Wirbelsäule bestimmen.
  • Ärztliche Untersuchung: Der Arzt wird die Wirbelsäule betrachten, den Schulter- und Beckenstand prüfen und den Vorbeugetest durchführen.
  • Röntgenaufnahme: Eine Röntgenaufnahme bestätigt die Diagnose und bestimmt den Cobb-Winkel, der das Ausmaß der Krümmung angibt.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Bei ungewöhnlichen Krümmungen kann ein MRT Fehlbildungen des Rückenmarks oder der Wirbelkörper erkennen.

Behandlung der Skoliose

Die Behandlung einer Skoliose hängt vom Alter des Patienten, dem Ausmaß der Krümmung und den vorhandenen Beschwerden ab. Ziel ist es, das Fortschreiten der Krümmung zu verhindern, Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern.

Konservative Behandlung

Die konservative Behandlung eignet sich besonders für Kinder und Jugendliche im Wachstumsalter. Sie umfasst:

  • Physiotherapie: Spezielle Übungen, wie die Schroth-Therapie oder die Vojta-Therapie, kräftigen die Muskulatur, verbessern die Haltung und fördern die Beweglichkeit. Massagen können helfen, die Muskulatur zu entspannen.
  • Korsett: Ein Skoliose-Korsett hält die Wirbelsäule aufrecht und kann verhindern, dass sich die Krümmung verschlechtert oder sogar verbessert. Es wird getragen, bis das Wachstum der Wirbelsäule abgeschlossen ist.
  • Schmerzmittel: Bei Bedarf können entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen eingenommen werden.
  • Sport: Sportarten wie Schwimmen, Radfahren, Joggen oder Klettern können die Muskulatur stärken und die Beweglichkeit erhalten.

Operative Behandlung

Eine Operation wird in Betracht gezogen, wenn:

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  • Die Skoliose stark ausgeprägt ist und die inneren Organe beeinträchtigt.
  • Die konservative Therapie keine Besserung bringt.
  • Nervenbedingte Probleme wie ausstrahlende Schmerzen oder Muskelschwäche auftreten.

Bei der Operation werden die betroffenen Wirbel mithilfe von Metallstäben begradigt und versteift (Spondylodese). Dies kann mit einem Verlust an Beweglichkeit einhergehen, der im Alltag jedoch meist keine große Einschränkung bedeutet. Bei jungen Patienten, deren Wachstum noch nicht abgeschlossen ist, können sogenannte Growing-Rod-Systeme eingesetzt werden, die eine Korrektur ermöglichen und gleichzeitig das natürliche Wachstum der Wirbelsäule berücksichtigen.

Behandlung der adulten lumbalen Skoliose

Die lumbale Skoliose im Erwachsenenalter führt häufig zu massiven Rückenschmerzen und eingeschränkter Lebensqualität. Die Behandlung richtet sich nach der klinischen Symptomatik und dem Leidensdruck des Patienten.

  • Konservative Therapie: Ein gezieltes muskuläres Trainingsprogramm zur Stärkung der tiefen Bauch- und Rückenmuskulatur kann die Instabilität kompensieren. Eine Korsettbehandlung sollte nur in Einzelfällen verordnet werden, da sie dem muskulären Aufbau entgegenwirkt. Medikamentöse Schmerzbehandlung kann mit nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac erfolgen.
  • Injektionstherapie: Injektionen mit einem lokalen Betäubungsmittel und einem lang wirkenden Corticosteroid an die Nervenwurzel oder direkt in den Wirbelkanal können radikuläre Schmerzen und Beinschmerzen lindern.
  • Operative Therapie: Eine Operation wird in Erwägung gezogen, wenn alle konservativen Maßnahmen ausgeschöpft sind und die Schmerzen die Lebensqualität stark beeinträchtigen, Nervenwurzeln geschädigt werden oder eine fortschreitende Fehlhaltung besteht. Die Behandlungsmöglichkeiten reichen von der minimalinvasiven dekompressiven Operation bis hin zur aufwendigeren langstreckigen Korrekturspondylodese.

Begleiterkrankungen bei Skoliose im Erwachsenenalter

Skoliose bei Erwachsenen kann mit verschiedenen Begleiterkrankungen verbunden sein, die entweder als Ursache oder als Folge der Wirbelsäulenverkrümmung auftreten können. Diese Begleiterkrankungen können die Symptome der Skoliose verschlimmern und müssen bei der Behandlung berücksichtigt werden.

  • Bandscheibendegeneration: Veränderungen der Bandscheiben sind häufig und können zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führen.
  • Osteoporose: Eine verminderte Knochendichte kann die Wirbelsäulenstabilität beeinträchtigen.
  • Chronische Rückenschmerzen: Eine häufige Begleiterscheinung, die durch die anhaltende Fehlbelastung der Wirbelsäule und der umgebenden Muskulatur verursacht wird.
  • Beeinträchtigung der Herz- und Lungenfunktion: Bei einer ausgeprägten Skoliose im Brustbereich kann es zu Atembeschwerden kommen.
  • Seelische Probleme: Sichtbare Verformungen und/oder chronische Schmerzen können das Selbstwertgefühl beeinträchtigen und zu sozialem Rückzug führen.

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