Die Akupunktur, eine etwa 3000 Jahre alte alternative Heilmethode aus der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), basiert auf der Vorstellung, dass die Lebensenergie (Qi) durch 14 definierte Körperbahnen, die Meridiane, fließt. Störungen dieses Energieflusses sollen durch Akupunktur behoben und das Gleichgewicht wiederhergestellt werden können. Die genauen Wirkmechanismen sind jedoch noch nicht vollständig geklärt.
Was ist Akupunktur?
Akupunktur ist ein therapeutisches Verfahren, bei dem feine, sterile Nadeln an bestimmten Punkten des Körpers in die Haut eingebracht werden. Diese Akupunktur-Punkte sollen auf den Leitbahnen des Qi (auch Meridiane genannt) liegen und Körperfunktionen beeinflussen. Die Stimulation jener Akupunkturpunkte soll sich positiv auf den körpereigenen Energiefluss auswirken.
Anwendungsbereiche der Akupunktur
Die Akupunktur wird in verschiedenen Bereichen eingesetzt, insbesondere bei chronischen Schmerzen. Sie kann eine Alternative zu einer übermäßigen Schmerzmitteleinnahme darstellen. In der Orthopädie findet sie vor allem bei Rücken-, Gelenk- und unspezifischen Schmerzen des muskuloskelettalen Systems Anwendung.
Einige spezifische Anwendungsbereiche sind:
- Kniegelenk: Mukosafalte (Plica mediopatellaris), Meniskusverletzung, vordere Kreuzbandruptur (ACL), Kreuzbandrevision, hintere Kreuzbandruptur (PCL), laterale Bandverletzungen, kombinierte Knieinstabilitäten (ALL), Patellaluxation, Knorpelschaden, Osteoarthritis
- Schultergelenk: Schulterluxation, Impingement-Syndrom, Kalkschulter (Tendinitis calcarea), Rotatorenmanschettenläsion, Schmerzen in der Bizepssehne, Schulterarthrose (Omarthrose), Frozen Shoulder
- Wirbelsäule: Bandscheibenvorfall (Diskusprolaps), Rückenschmerzen, SI-Gelenk-Syndrom, Spinalkanalstenose, Lumbales Syndrom (LWS-Syndrom)
- Pädiatrische Orthopädie: Fußfehlstellungen, Hüftgelenkserkrankungen, Osteochondrosis dissecans, Skoliose, Wachstumsschmerzen, X- und O-Beine
- Sportorthopädie: Akute Muskel- und Sehnenverletzungen, Sportleiste, Runner's Knee (Tractus iliotibialis Syndrom), Patellaspitzensyndrom, Knöchelverstauchung (OSG-Distorsion), Achillodynie, CAM-Impingement, Werferschulter
- Weitere: Osteoporose und Knochenstoffwechsel
Der Behandlungsablauf
Vor der Behandlung erfolgt eine ausführliche Aufklärung über den Ablauf und mögliche Risiken. Anschließend wird die optimale Platzierung der Nadeln individuell anhand der Beschwerden bestimmt. Sterile Einmalnadeln werden dann an den Akupunkturpunkten in die Haut gestochen und dort für 10 bis 20 Minuten belassen. Danach werden sie sanft entfernt. Nach der Behandlung können Betroffene regulär ihrem Alltag nachgehen.
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Ist Akupunktur schmerzhaft?
Die Akupunkturnadeln sind sehr dünn (ca. 0,2 mm), weshalb das Stechen in der Regel nur wenig schmerzhaft ist. Patienten können ein leichtes Stechen oder Ziehen verspüren. Üblicher ist ein Gefühl von Wärme, ein Kribbeln oder ein leichtes Ziehen an der Einstichstelle.
Mögliche Risiken und Nebenwirkungen
Die Akupunktur ist in der Regel eine sichere Behandlungsmethode. Werden die Nadeln falsch gesetzt, kann das für den Patienten unangenehm werden - und in seltenen Fällen ernsthaft schaden. Wenn die Akupunktur von erfahrenen Therapeuten ausgeführt wird, sind Risiken und Nebenwirkungen eher unwahrscheinlich. Dennoch kann es zum Teil zu leichten Blutungen, Blutergüssen, Schmerzen am Einstich, Hautrötungen oder Müdigkeit kommen. Sehr selten sind Nervenreizungen, Schwindel oder Bewusstlosigkeit. Beim Verwenden von unsauberen Nadeln können selten Infektionen auftreten.
In seltenen Fällen kann es zu schwerwiegenden Komplikationen kommen, wie z.B.:
- Pneumothorax: Durchstechen der Lunge, was zu einem Lungenkollaps führen kann.
- Verletzung innerer Organe oder des Zentralnervensystems: Dies kann durch zu tiefes Eindringen der Nadeln geschehen.
- Infektionen: Durch unsterile Nadeln können Krankheitserreger übertragen werden.
- Allergische Reaktionen: In seltenen Fällen können Patienten allergisch auf die Nadeln oder Desinfektionsmittel reagieren.
Um Risiken zu minimieren, sollten folgende Punkte beachtet werden:
- Qualifikation des Therapeuten: Der Akupunkteur sollte über eine fundierte Ausbildung und Erfahrung verfügen. Ärzte absolvieren für die Zusatzausbildung "Akupunktur" mehrere Grundkurse mit umfangreichen praktischen Übungen sowie weitere Praxiskurse.
- Hygienestandards: Es sollten ausschließlich sterile Einwegnadeln verwendet werden.
- Anamnese: Der Therapeut sollte sich über die Krankengeschichte des Patienten informieren, um mögliche Risiken zu erkennen.
- Aufklärung: Der Patient sollte über mögliche Risiken und Nebenwirkungen aufgeklärt werden.
Studienlage und wissenschaftliche Evidenz
Die Akupunktur ist in der Wissenschaft ein umstrittenes und viel diskutiertes Thema. Einige Studien kommen zwar zu positiven Ergebnissen in Bezug auf die Wirksamkeit von Akupunktur - diese Studien werden von Experten jedoch oftmals kritisiert für ihre mangelnde methodische Qualität oder empirische Fehler in der Auswertung. Zudem ergab etwa eine Metastudie aus dem Jahr 2020 (es wurden 33 Einzelstudien verglichen), dass es keine Rolle spielt, ob Patienten mit einer Scheinbehandlung oder mit Akupunktur behandelt werden.
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Es gibt Hinweise darauf, dass die Wirkung der Akupunktur teilweise auf Placebo-Effekten beruhen könnte. Allerdings gibt es auch Studien, die zeigen, dass Akupunktur über Placebo-Effekte hinaus wirken kann, indem sie beispielsweise den lokalen Blutfluss stimuliert, örtliche Immunreaktionen verstärkt und schmerzstillende Reaktionen auslöst.
Kostenübernahme durch Krankenkassen
Trotz der uneindeutigen Studienlage übernehmen Krankenkassen seit 2007 die Kosten für Akupunkturbehandlungen, jedoch nur, wenn ein Arzt sie zur Linderung von chronischen Schmerzen der Lendenwirbelsäule (LWS) oder bei Gelenkarthrose per Rezept verordnet. Die Kosten für einen Heilpraktiker werden häufig nicht übernommen. Üblicherweise werden die Kosten für zehn Akupunktursitzungen (innerhalb von sechs Wochen) übernommen, im begründeten Einzelfall auch für fünf weitere (innerhalb von zwölf Wochen).
Akupunktur in der Schwangerschaft
In der Schwangerschaft und Geburtsvorbereitung kann Akupunktur zum Einsatz kommen, um beispielsweise für allgemeine Entspannung zu sorgen, Ängste zu lindern oder gegen etwaige Rückenschmerzen vorzugehen. Ob und inwieweit durch Akupunktur Wehen ausgelöst werden, ist wissenschaftlich noch nicht hinreichend erforscht.
Die Rolle der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM)
Die Akupunktur ist ein wichtiger Bestandteil der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), die eine ganzheitliche Medizin ist. Das bedeutet, der gesamte Mensch steht im Mittelpunkt der Therapie (nicht nur seine Symptome und körperlichen Störungen). Es wird möglichst ursächlich therapiert. Bewegungstherapie (z. B. Tai Chi, Qi Gong). Auch wird in der TCM die Konstitution des jeweiligen Menschen bei der Diagnose und Wahl der Therapie berücksichtigt. Man schaut, was fehlt dem Menschen in seiner jetzigen Phase (was braucht er) und wovon hat er zu viel (was muss entfernt/ausgeleitet werden).
Akupunktur bei Heuschnupfen
Heuschnupfen ist ebenfalls eine häufige Indikation für die Methode. Schon 2008 veröffentlichten Forscher rund um Prof. Dr. med. Prof. Zwei anschließende Meta-Analysen kamen jedoch nicht zu einem eindeutigen Ergebnis und konnten keine Empfehlung für die Methode bei Heuschnupfen aussprechen. Die typischen nasalen Symptome (Schnupfen, Juckreiz, Niesen, verstopfte Nase) gingen signifikant zurück. Die Patienten brauchten weniger antiallergische Medikamente. Die Lebensqualität in Bezug auf heuschnupfenbedingte Beschwerden stieg beträchtlich. Es besserten sich Schlafqualität, Augenprobleme, Psyche usw.
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Scheinakupunktur
In vielen Studien wird die echte Akupunktur mit einer Scheinakupunktur verglichen. Bei einer Scheinbehandlung werden die Nadeln nur sehr oberflächlich in die Haut gesteckt, nur dort, wo sich keine Punkte befinden und die Nadeln werden auch nicht manipuliert.
Wenn sowohl bei der echten Akupuntur als auch bei der Scheinbehandlung eine vergleichbare Wirkung erzielt werden konnte, so wurden bei beiden häufig in dieselben sog. Dermatome (Hautareale) gestochen. Das bedeutet, dass beim Akupunktieren nicht unbedingt direkt der anvisierte Punkt getroffen werden muss, um eine Wirkung zu erzielen. Wenn hingegen in der Scheinakupunktur ganz andere Dermatome gestochen wurden als beim echten Akupunktieren, dann waren die Unterschiede in der Wirkung signifikant.
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