Rückenschmerzen sind ein weit verbreitetes Problem, das viele Menschen betrifft. In manchen Fällen können die Schmerzen von den Facettengelenken ausgehen. Eine Facettendenervation, bei der die Nerven an den Wirbelgelenken verödet werden, die den Schmerz an das Gehirn weiterleiten, kann in solchen Fällen in Betracht gezogen werden. Es ist jedoch wichtig zu wissen, dass der Eingriff keine nachgewiesenen Vorteile gegenüber einer konservativen Behandlung, insbesondere mit Physiotherapie, hat.
Was ist ein Facettensyndrom?
Bei einem Facettensyndrom sind die Nerven an einem oder mehreren Facettengelenken (Wirbelgelenken) gereizt, was Schmerzen auslöst. Diese Schmerzen werden meist konservativ behandelt, also ohne operativen Eingriff.
Konservative Behandlung von Facettenschmerzen
Die konservative Behandlung beinhaltet vor allem gezielte Übungen aus der Physiotherapie zur Kräftigung der Rücken- und Rumpfmuskulatur oder Bewegungsformen wie Yoga oder Pilates. Um Rückenschmerzen mit konservativen Behandlungen wie Physiotherapie und Schmerzmitteln gut zu behandeln, ist keine genaue Diagnose nötig.
Wann kommt eine Facettendenervation infrage?
Wenn Rückenschmerzen trotz konservativer Behandlungen über Monate anhalten und den Alltag sehr belasten, wird manchmal eine Facettendenervation in Betracht gezogen. Dabei werden die Nervenfasern in den schmerzleitenden Nerven mit Hitze oder Kälte zerstört (verödet).
Voraussetzungen für eine Facettendenervation
Die folgenden Voraussetzungen sollten erfüllt sein, bevor eine Facettendenervation in Betracht gezogen wird:
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- Die Schmerzen bestehen seit mindestens drei Monaten.
- Die Schmerzen schränken den Alltag erheblich ein und werden trotz einer Kombination aus Bewegung, Kräftigungsübungen und Medikamenten nicht besser.
- Ärztliche Untersuchungen liefern Hinweise darauf, dass die Beschwerden von den Facettengelenken ausgehen.
- Mindestens eine Facettenblockade zeigt, dass die Schmerzen wahrscheinlich in einem oder mehreren Facettengelenken entstehen.
Bei der Entscheidung für oder gegen eine Facettendenervation spielt auch die persönliche Situation eine Rolle. Wie groß ist der eigene Leidensdruck? Bevor man sich für eine Facettendenervation entscheidet, ist es sinnvoll, sich gut über die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten zu informieren.
Diagnostik von Facettenschmerzen
Es ist schwierig festzustellen, ob Schmerzen tatsächlich von den Facettengelenken ausgehen, da die Beschwerden denen bei anderen Arten von Rückenschmerzen stark ähneln. Auch körperliche Untersuchungen können nur erste Hinweise geben. Bildgebende Untersuchungen wie Röntgen, eine Computer-Tomografie (CT) oder Magnetresonanz-Tomografie (MRT) erlauben keine Aussage darüber, ob Schmerzen von den Facettengelenken ausgehen: Denn Studien zeigen, dass es keinen Zusammenhang zwischen Rückenschmerzen und in der Bildgebung sichtbarer Facettenarthrose gibt.
Facettenblockade zur Diagnose
Um möglichst sicher festzustellen, ob eines oder mehrere Facettengelenke den Schmerz auslösen, ist eine sogenannte Facettenblockade nötig (auch diagnostischer Block genannt). Dabei wird ein kurz wirksames Betäubungsmittel an die Seitenäste der Spinalnerven gespritzt, die die Facettengelenke im betroffenen Rückenbereich versorgen.
Zwar ist die Facettenblockade die beste Methode, um Facettenschmerzen festzustellen - falsche Diagnosen sind aber trotzdem möglich. Denn manchmal schaltet die Facettenblockade auch Schmerzen aus, die gar nicht von den Facettengelenken kommen, sondern von Rückenmuskeln oder Wirbelbändern, die von benachbarten Nerven versorgt werden. Aus Studien weiß man, dass die Schmerzen nach einer solchen Injektion bei bis zu 50 % der so Untersuchten auch nachlassen, wenn sie nicht von den Facettengelenken ausgehen. Um die Aussagekraft der Untersuchung zu erhöhen, wird die Facettenblockade daher manchmal wiederholt.
Eine Alternative zur Facetteninfiltration ist die Blockade der sensiblen Nerven, welche an der Versorgung des Gelenkes beteiligt sind. Da jedes Gelenk einen sensiblen Ast aus der angrenzenden oberen und unteren Nervenwurzel erhält, wird beim sog. "Medial Branche Block das schmerzhafte Wirbelsäulengelenk" ausfindig gemacht.
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Wie funktioniert eine Facettendenervation?
Ein Nerv besteht aus vielen Nervenfasern, die Schmerzsignale an das Gehirn weiterleiten. Erst dadurch empfinden wir Schmerz. Bei einer Facettendenervation werden die Nerven verödet, die unter Verdacht stehen, den Schmerz weiterzuleiten. Dazu werden meist Radiowellen eingesetzt, die den Nerv erhitzen (Radiofrequenzdenervation, Radiofrequenzablation). Die Schmerztherapie kennt viele Methoden, doch nur wenige sind so bewährt und mit Studien belegt wie die Thermokoagulation, zu Deutsch Hitzesondenbehandlung.
Hierfür wird eine schmale Sonde (0,9mm) röntgengestützt an das Facettengelenk oder den Querfortsatz gebracht. Um zu überprüfen ob dieses Verfahren für Sie infrage kommt, wird zunächst mit der o.g. Facettengelenksinfiltration oder dem „Medial Branche block das schmerzhafte Wirbelsäulengelenk“ ausfindig gemacht.
Durchführung der Facettendenervation
Eine Facettendenervation ist normalerweise ambulant möglich. Man liegt dabei auf dem Bauch. Eine Narkose ist nicht nötig. Für den Eingriff werden feine Hohlnadeln (Kanülen) in den Rücken gestochen. Über die Kanülen wird eine kleine Sonde an die betroffenen Nervenäste geführt. Mit der Sonde überträgt die Ärztin oder der Arzt entweder Hitze zwischen 45 und 80 Grad (Thermokoagulation oder Radiofrequenzdenervation) oder Kälte zwischen minus 20 und minus 60 Grad (Kryodenervation).
Zunächst betäuben wir die betroffenen Wirbelsäulenabschnitte örtlich. Dann führen wir die Hitzesonde unter Röntgenkontrolle und computergesteuert an den richtigen Nervenknoten (Ganglion). Anschließend spritzt der Arzt erneut ein örtliches Betäubungsmittel, jetzt jedoch direkt an die zu behandelnde Stelle (perineurale schmerztherapeutische Injektion). Dann wird die Sondenspitze und damit auch der Nervenknoten erhitzt (koaguliert). Die Nervenfaser wird so behandelt, dass die Leitfähigkeit der hier verlaufenden Schmerzfasern unterbrochen wird und Schmerzen nicht mehr weitergeleitet werden können. Speziell bei der Facetten-Thermokoagulation kommt hinzu, dass zur präzisen Darstellung des zu behandelnden Wirbelgelenkes eine kleine Menge Röntgenkontrastmittel in das Facettengelenk eingespritzt wird.
Nach durchgeführter Behandlung unter ambulanten Bedingungen ist eine mindestens einstündige Überwachung in unserer ambulanten Operationseinheit erforderlich. Danach können Sie mit einer Begleitperson bereits wieder nach Hause gehen. Sofort nach dem Eingriff können Sie mit einer stabilisierenden und isometrischen Physiotherapie beginnen. Arbeitsfähigkeit ist unmittelbar nach dem Eingriff in Abhängigkeit von der Rückbildung der Beschwerdesymptomatik gegeben. Körperliche Belastungen durch unterschiedliche Sportarten sind kurze Zeit nach dem Eingriff wieder möglich. Die Belastbarkeit der Wirbelsäule wird durch dieses Behandlungsverfahren in keiner Weise beeinträchtigt.
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Wie lange hält die Wirkung an?
Die Verödung soll die Schmerzweiterleitung für wenigstens zwölf Monate unterbrechen. Die zerstörten Nervenfasern können sich aber mit der Zeit erholen und nachwachsen. Damit können die Nerven ihre Funktion wieder aufnehmen und die Schmerzen können zurückkehren. Dann lassen sich die Nerven erneut veröden.
Erfolgsaussichten und Studienlage
Ob eine Facettendenervation hilft, wurde bislang nur in wenigen Studien untersucht. Dazu wurde sie mit einer Scheinbehandlung verglichen, bei der die Teilnehmenden nur dachten, sie hätten eine Verödung erhalten (Placebo). Diese Studien liefern Hinweise darauf, dass eine Facettendenervation Schmerzen über einen Zeitraum von etwa vier Wochen lindern kann. Längerfristig zeigte sich allerdings kein Vorteil.
Weil die Studien klein waren, lässt sich die Wirksamkeit der Verödung im Vergleich zu einer Scheinbehandlung aber nicht abschließend beurteilen. In einer großen Studie wurde untersucht, was bei einer Facettenarthrose besser hilft: Physiotherapie allein oder Physiotherapie plus Facettendenervation. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten eine konservative Therapie mit 8 bis 12 Stunden Physiotherapie innerhalb von 3 Monaten und bei Bedarf auch psychotherapeutische Unterstützung.
In der nationalen und internationalen Literatur werden für die Hitzesondenbehandlung Erfolgsquoten von über 80 Prozent angegeben, speziell für die Facetten-Thermokoagulation sogar über 85 Prozent.
Mögliche Nebenwirkungen und Risiken
Sowohl nach einer Facettenblockade als auch nach einer Facettendenervation kann die Einstichstelle schmerzen und es kann zu kleinen Blutergüssen in der Haut kommen. Die umliegende Haut kann für einige Tage bis wenige Wochen druckempfindlich sein und taub werden, kribbeln oder jucken. Manchmal ist die Beweglichkeit etwas eingeschränkt, weil das erhitzte Gewebe gereizt ist. Die verödeten Nerven können sich vorübergehend entzünden, was sich ähnlich anfühlt wie ein Sonnenbrand. Um dies zu vermeiden, wird nach der Verödung manchmal etwas Kortison an die Nerven gespritzt.
Die verödeten Nerven sind nicht nur für die Facettengelenke zuständig, sondern auch für bestimmte Muskeln und Bänder zwischen den Wirbeln und entlang der Wirbelsäule. Die Verödung kann diese Muskeln und die Bandscheiben daher etwas schwächen. Meist hat dies keine gesundheitlichen Folgen. Es ist aber nicht ganz auszuschließen, dass dadurch die Wirbelsäule instabiler wird. Manche Fachleute empfehlen daher, auch nach einer Verödung die Rückenmuskulatur zu trainieren. Regelmäßige Bewegung führt außerdem dazu, dass man seltener Rückenschmerzen hat.
Wenn bei der Behandlung versehentlich eine Nervenwurzel erhitzt wird, kann es vorübergehend zu Beinschmerzen, einem Schwächegefühl oder Taubheit in den Beinen kommen.
Alternative Verfahren
Ein anderes, eher selten eingesetztes Verfahren ist die sogenannte endoskopische Denervation. Dabei können neben der Verödung auch Knochen abgetragen, Nerven und Bänder durchtrennt oder das Gelenk gespült werden. Weil bei dem Eingriff stärker in den Körper eingegriffen wird, hat er auch mehr Risiken. Es fehlt aber an aussagekräftigen Studien zu diesem Verfahren.
Fazit
Die Facettendenervation kann eine Option zur Linderung von Rückenschmerzen sein, wenn konservative Behandlungen nicht ausreichend helfen. Es ist jedoch wichtig, sich der begrenzten Studienlage und der möglichen Risiken bewusst zu sein. Eine sorgfältigeDiagnostik und eine individuelle Abwägung der Vor- und Nachteile sind entscheidend, bevor man sich für diesen Eingriff entscheidet. Konservative Behandlungen, insbesondere Physiotherapie, sollten immer zuerst ausgeschöpft werden.
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