Spastik, eine Form der Muskelsteifheit oder -verkrampfung, kann die Bedienung von Computern erheblich erschweren. Glücklicherweise gibt es eine Reihe von Sondertastaturen und anderen Hilfsmitteln, die speziell für Menschen mit Spastik entwickelt wurden, um ihnen die Computernutzung zu ermöglichen oder zu erleichtern. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über Spastik, ihre Ursachen und Folgen sowie über die verschiedenen Arten von Sondertastaturen und anderen Hilfsmitteln, die für Menschen mit Spastik verfügbar sind.
Was ist Spastik?
Spastik, auch spastische Lähmung oder Spastizität genannt, ist eine Störung der Muskelkontrolle, die durch eine erhöhte Muskelspannung (Tonus) gekennzeichnet ist. Dies führt zu Steifheit, Verkrampfungen und unwillkürlichen Muskelbewegungen. Die Ursache für spastische Lähmungen ist eine Schädigung im zentralen Nervensystem (ZNS), also im Gehirn oder Rückenmark. Hierbei sind die Nervenbahnen betroffen, die das Gehirn mit dem Rückenmark verbinden und die Muskulatur des Körpers versorgen.
Ursachen von Spastik
Die häufigste Ursache von Spastik ist ein Hirninfarkt (ischämischer Schlaganfall), bei dem das Gehirn plötzlich nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Glukose versorgt wird. Der Sauerstoffmangel im Gehirn kann auch bereits während des Geburtsvorgangs auftreten, wenn das Neugeborene über die Nabelschnur nicht ausreichend versorgt wird, die eigene Atmung jedoch noch nicht steuern kann (frühkindliche Hirnschädigung).
Weitere mögliche Ursachen für Spastik sind:
- Hirnblutung
- Tumor in Gehirn oder Rückenmark
- Multiple Sklerose (MS), eine Krankheit, die sich durch eine Schädigung des Zentralnervensystems (Gehirn und Rückenmark) bemerkbar macht. Sie ist als Krankheit nicht heilbar, aber behandelbar.
- Entzündungen im Bereich des zentralen Nervensystems (Meningitis, Myelitis, Enzephalitis)
- Zerebralparese (In rund drei Viertel aller Fälle von Zerebralparese sind spastische Lähmungen zu beobachten, die abhängig von der Lokalisation des geschädigten Gewebes im Gehirn unterschiedliche Körperbereiche betreffen können.)
Folgen von Spastik
Spastik kann eine Vielzahl von körperlichen Beeinträchtigungen verursachen, darunter:
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- Verkürzung von Muskeln
- Haltungsschäden und Fehlstellungen der Gelenke, die bis zur Deformation von Gelenken reichen können
- Schmerzen
- Bewegungseinschränkungen bis hin zur Bewegungslosigkeit. Menschen mit spastisch gelähmten Händen können Probleme mit Tastenkombinationen oder ganz generell mit der Bedienung einer Tastatur haben.
- Probleme beim Sprechen und Schlucken (wenn die Sprach- und Schluckmuskulatur betroffen ist)
- Koordinationsstörungen (etwa beim Zusammenspiel von Auge und Hand)
- Sehstörungen (Schielen, Sehen von Doppelbildern, wenn die Augenmuskulatur betroffen ist)
Aufgrund der Fehlbelastung kommt es zu einem schnelleren Verschleiß von Gelenken.
Diagnose und Behandlung von Spastik
Die Diagnose von Spastik erfolgt in der Regel durch eine körperliche Untersuchung und neurologische Tests. Die Behandlung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
Zu den Behandlungsmöglichkeiten gehören:
- Physiotherapie: Um eine Besserung zu erzielen, sind Menschen mit einer spastischen Lähmung auf eine intensive Physiotherapie angewiesen. Dabei wird versucht, die Gelenke zu mobilisieren und zu bewegen. Außerdem werden verkürzte Muskeln gedehnt und durch gezielte Kräftigungsübungen zu einer Balance zwischen der betroffenen und weniger betroffenen Extremitäten beigetragen. Gerade bei einer Schädigung des zentralen Nervensystems kommt häufig Krankengymnastik nach Bobath in Betracht. Möglich sind zum Beispiel auch die manuelle Therapie oder Krankengymnastik an Geräten.
- Medikamente: Bei ausgeprägten Spasmen werden ergänzend zur Physiotherapie auch Medikamente eingesetzt. Durch Muskelrelaxanzien wird eine Entspannung der Skelettmuskulatur bewirkt. Jedoch sollten Betroffene sich über die Nebenwirkungen (z.B.
- Botulinumtoxin (Botox): In der Behandlung von Patienten mit Spastik wird auch Botulinumtoxin - besser bekannt als Botox - eingesetzt. Durch die Injektion des Nervengiftes in stark verdünnter Form wird die Reizweiterleitung von den Nervenfasern auf die Muskeln gehemmt. Für den Zeitraum von drei bis sechs Monaten lassen die Verspannungen deutlich nach. In Kombination mit einer intensiven Physiotherapie lassen sich so deutliche Behandlungserfolge erzielen. Botox kann langfristig eingesetzt werden.
- Hilfsmittel: Spezielle Tastaturen, Mäuse und andere Hilfsmittel können Menschen mit Spastik die Computernutzung erleichtern.
Sondertastaturen und andere Hilfsmittel für Menschen mit Spastik
Menschen mit Spastik können aufgrund von Muskelverkrampfungen, Bewegungseinschränkungen oder Koordinationsstörungen Schwierigkeiten bei der Bedienung einer Standardtastatur haben. Glücklicherweise gibt es eine Vielzahl von Sondertastaturen und anderen Hilfsmitteln, die speziell für diese Bedürfnisse entwickelt wurden.
Sondertastaturen
Sondertastaturen sind in verschiedenen Ausführungen erhältlich, um den unterschiedlichen Bedürfnissen von Menschen mit Spastik gerecht zu werden. Einige gängige Typen sind:
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- Tastaturen mit großen Tasten: Diese Tastaturen verfügen über größere Tasten als Standardtastaturen, was das Tippen für Menschen mit eingeschränkter Feinmotorik erleichtert.
- Tastaturen mit flachen Tasten: Diese Tastaturen haben flache Tasten, die weniger Hub erfordern, was für Menschen mit Muskelsteifheit von Vorteil sein kann.
- Tastaturen mit Tastenabdeckung: Bei einer Fingerführung wird das ungewollte Drücken mehrerer Tasten verhindert. Durch die Abdeckplatte entstehen Vertiefungen über den Tasten, die den Schreibfinger in die Tasten eintauchen lassen. So ist sie beispielsweise bei Zittern oder spastischen Lähmungserscheinungen hervorragend geeignet. Ebenso profitieren Finger- /Kopfstabbenutzer, dysmeliegeschädigte Menschen sowie Menschen mit Gelenkproblemen wie z.B.
- Einhandtastaturen: Gorlo&Todt Kleinfeldtastaturen sind besonders für Menschen mit einem eingeschränkten Bewegungsradius oder für die Bedienung mit einer Hand geeignet. Diese Einhandtastatur zeichnet sich durch ein sehr kleines Tastenfeld aus. Durch die zudem engere und ergonomische Anordnung der Tasten kann mit dieser Tastatur effizient und handgelenkschonend gearbeitet werden. Zur Bedienung der Tastatur muß die Hand nur wenig bewegt werden, da die häufig genutzten Tasten in einem Kernfeld (rechts oder links) angeordnet sind. Durch die Verwendung von Kurzhubtasten mit einem Hub von nur 1,6 mm statt wie sonst üblich 4 mm wird eine schnelle Tasteneingabe ermöglicht.Eine einstellbare Einfingerfunktion macht die Bedienung mit nur einer Hand möglich, so können z.B. permanent rastend: die Taste wird gehalten, bis sie ein weiteres Mal gedrückt wird ( so lassen sich z. B. Alle Rasttasten lassen sich individuell und einfach vom Anwender einstellen.Während der Benutzung wird der Zustand der Rastfunktion für jede Taste durch eine rote Lampe signalisiert.Eine Treibersoftware ist zum Betrieb des Gerätes nicht notwendig. Alle Funktionen sind an der Tastatur einstellbar und werden in der Tastatur gespeichert.Gorlo & Todt Tastaturen zeichnen sich durch eine hohe Lebensdauer aus. Die Tastaturen werden individuell für den Kunden angefertigt, so dass auch Sonderwünsche umgesetzt werden können. Das Gehäuse ist aus einem vollen Hartaluminiumblock gefräst und extrem robust.
- Programmierbare Tastaturen: Die KT10 Sondertastatur bietet viele Einsatzmöglichkeiten, die die Bedienung Ihres PC-Systems im täglichen Gebrauch erleichtern. Optionale Erweiterungen, wie z.B. Alle Tastatureingaben können direkt in der Sondertastatur gespeichert werden. Diese gespeicherten Texte bzw. Makros können an jedem beliebigem PC wieder abgerufen werden. So stehen die Texte, die Sie an Ihrem Heim-PC geschrieben haben, z.B.
- TiPY Keyboard: TiPY Keyboard ist eine neue und innovative Einhand-Tastatur, die eine vollständige Steuerung Ihres Computers mit nur einer Hand ermöglicht. Diese bahnbrechende Technologie verfügt über ein einzigartiges doppelseitiges Tastatur-Design, das eine uneingeschränkte Nutzung sowohl der linken als auch der rechten Hand durch eine drehbare, ergonomische Handgelenkstütze ermöglicht. Das patentierte Design von TiPY Keyboard ist weltweit anerkannt und bietet ein unvergleichliches Erlebnis für Menschen mit körperlichen Einschränkungen, Arm- undHandbehinderungen oder Lähmungen, da es eine effektive Lösung bietet, die es ihnen ermöglicht, alle Funktionen eines Computers mit nur einer Hand zu nutzen.
Weitere Hilfsmittel
Neben Sondertastaturen gibt es noch weitere Hilfsmittel, die Menschen mit Spastik die Computernutzung erleichtern können:
- Mäuse mit speziellen Griffen: Diese Mäuse sind so geformt, dass sie leichter zu greifen und zu bedienen sind, insbesondere für Menschen mit eingeschränkter Handfunktion.
- Trackballs: Trackballs sind stationäre Zeigegeräte, bei denen der Benutzer einen Ball bewegt, um den Cursor zu steuern. Dies kann für Menschen mit Zittern oder unwillkürlichen Bewegungen von Vorteil sein.
- Joysticks: So genannte Nullweg-Joysticks werden beispielsweise häufig von Menschen mit Muskeldystrophie verwendet, die ihre Arme und Hände nur sehr eingeschränkt bewegen können. Andere Joysticks ähneln einem Gaming-Joystick mit dem Unterschied, dass die Knöpfe nicht am Hebel angebracht sind, sondern am Fuß des Joysticks.
- Headset-Mäuse: Eine Headset-Maus ist für Menschen geeignet, die eine gute Kontrolle über ihren Kopf haben und sonst keine Extremitäten bewegen können. Das Headset erkennt die Kopfbewegung über einen Lagesensor und steuert die Maus dorthin, wohin sich der Kopf bewegt. Eine Zielgruppe wären beispielsweise Menschen mit einer hohen Querschnittlähmung, die die Arme nicht bewegen können.
- Augensteuerungen: Sowohl Kopf- als auch Augensteuerung nutzen eine Kamera, um eine Maus zu bedienen. Die Kamera einer Augensteuerung erkennt die Bewegung der Augen und bewegt die Maus dorthin, wohin die Augen schauen.
- Kopfsteuerungen: Bei einer Kopfsteuerung oder Kopfmaus erkennt eine Kamera die Kopfhaltung (beispielsweise über einen Reflektorpunkt, der im Gesicht angebracht ist) und bewegt die Maus dorthin, in die sich der Kopf dreht.
- Mundmäuse: Eine Mundmaus ist vor allem für Menschen gedacht, die eine gute Kontrolle über ihren Mund haben, jedoch nicht über ihren gesamten Kopf oder andere Extremitäten. Die Bewegung des Joysticks mit dem Mund bewegt den Mauszeiger. Die Mundmaus wurde für Menschen entwickelt, die lediglich eine gute Kontrolle über den Mund haben.
- Externe Buttons: Viele digitale Hilfsmittel wie spezielle Joysticks oder Gaming Controller bieten die Möglichkeit den Klick der Maus oder anderer Tasten durch externe Buttons zu ersetzen. Je nach den körperlichen Möglichkeiten, kann man diese Buttons dort anbringen, wo die betroffene Person möglichst beweglich ist. Das kann beispielsweise am Rollstuhl an der Kopfstütze sein, um den Button mit dem Kopf zu betätigen oder auf dem Boden liegend, um den Button mit dem Fuß zu drücken. Man nutzt also die Ressourcen von Menschen mit körperlichen Einschränkungen, die zur Verfügung stehen.
- Sprachausgabe: Falls dem Erkrankten das Sprechen schwer fällt, kann er sich einer Sprachausgabe bedienen. Sie spricht geschriebene Worte laut aus.
Software und Bedienungshilfen
Neben speziellen Hardware-Hilfsmitteln gibt es auch Software und Bedienungshilfen, die die Computernutzung für Menschen mit Spastik erleichtern können:
- Bildschirmtastaturen: Bildschirmtastaturen sind virtuelle Tastaturen, die auf dem Bildschirm angezeigt werden und mit einer Maus, einem Trackball oder einem anderen Zeigegerät bedient werden können.
- Spracherkennungssoftware: Mit Spracherkennungssoftware können Benutzer ihren Computer mit ihrer Stimme steuern und Text diktieren.
- Anpassbare Tastaturbelegungen: Viele Betriebssysteme ermöglichen es Benutzern, die Tastaturbelegung anzupassen, um häufig verwendete Befehle leichter zugänglich zu machen.
- Clevy Dyscover: Clevy Dyscover ist eine Ergänzung für die Clevy-Tastatur, um besonders Kindern mit Dyslexie (Lese-Rechtschreibschwäche) das Lernen zu erleichtern. Als zweiteiliges Set besteht Clevy Dyscover aus einer Abdeckung für die Clevy-Tastatur und der zugehörigen Software. Mit der Abdeckung werden die Tasten für Zahlen und Satzzeichen auf der Clevy-Tastatur durch die im Deutschen am häufigsten verwendeten Buchstabenkombinationen ersetzt. Die Software sorgt dafür, dass bei Betätigung einer Taste die jeweilige Buchstabenkombination auf dem Bildschirm erscheint, und gleichzeitig der entsprechende Laut über die PC-Lautsprecher ausgegeben wird. Clevy Dyscover lässt sich in Kombination mit jeder Software mit Schrifteingabemöglichkeit verwenden. Somit ist es geeignet, um in Kombination mit regulärer Textverarbeitungssoftware genutzt zu werden, aber auch bspw.
Finanzierung von Hilfsmitteln
Die vorgestellten digitalen Hilfsmittel können nicht frei im Handel erworben werden. Es handelt sich vielmehr um medizinische Produkte mit einer Hilfsmittelnummer, die in der Regel von einem Arzt verschrieben-, von der Krankenkasse bezahlt- und über ein Sanitätshaus bestellt werden. Damit eine solche Bewilligung erfolgt, sollte man möglichst fundiert und detailliert begründen, warum dieses Hilfsmittel benötigt wird. Falls die Krankenkasse dennoch ablehnt, sollte man hartnäckig bleiben und Widerspruch einlegen. Oft reicht das schon aus, um bei der Bewilligung erfolgreich zu sein. Sollte auch das nicht reichen, lohnt es sich in manchen Fällen den Rechtsweg einzuleiten und gegen die Ablehnung zu klagen.
Viele Menschen mit Behinderung benötigen auch am Arbeitsplatz Hilfsmittel, um einen Computer zu bedienen und entsprechend arbeiten zu können. Krankenkassen zahlen aber nur Hilfsmittel, die für den persönlichen Gebrauch im privaten Umfeld benötigt werden. Am Arbeitsplatz ist der Arbeitgeber zuständig. Um diesen zu entlasten, kann eine Finanzierung der benötigen Hilfsmittel über den Integrationsfachdienst der Arbeitsagentur beantragt werden.
Fazit
Die Auswahl der richtigen Sondertastatur und anderer Hilfsmittel kann Menschen mit Spastik erheblich dabei helfen, ihre Computerfähigkeiten zu verbessern und ihre Unabhängigkeit zu erhöhen. Es ist wichtig, verschiedene Optionen auszuprobieren und sich von Fachleuten beraten zu lassen, um die besten Lösungen für die individuellen Bedürfnisse zu finden.
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Es gibt kaum unabhängige Informationen und man ist häufig auf Sanitätshäuser oder die eigenen Therapeutinnen und Therapeuten angewiesen, die sich im besten Fall im Bereich der digitalen Hilfsmittel auskennen. Das hängt aber stark von den Personen ab. Um auch bei neu entwickelten Hilfsmitteln auf dem Laufenden zu bleiben, kann es auch sinnvoll sein, sich auf Messen wie der Reha-Care oder ähnlichen Rehamessen zu informieren. Hier trifft sich die Branche und stellt neue Entwicklungen vor.
Neben digitalen Hilfsmitteln gibt es aber auch noch Software oder Bedienungshilfen, die wir an anderer Stelle vorstellen werden. In jedem Fall lohnt sich eine Internetrecherche, um das richtige Hilfsmittel zu finden. Es gibt einige Kanäle und Plattformen, die über digitale Hilfsmittel informieren.
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