Einleitung
Morbus Parkinson, auch bekannt als Schüttelkrankheit, ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die durch den Verlust von dopaminproduzierenden Zellen im Gehirn gekennzeichnet ist. Die Diagnose im Frühstadium ist entscheidend, um rechtzeitig mit einer geeigneten Therapie zu beginnen und den Verlauf der Erkrankung positiv zu beeinflussen. Da die klinischen Symptome erst auftreten, wenn bereits ein erheblicher Teil der Nervenzellen in der Substantia nigra degeneriert ist, konzentriert sich die Forschung auf die Entwicklung von Methoden zur Früherkennung. Die transkranielle Sonographie (TCS) hat sich als vielversprechende nicht-invasive Methode zur Identifizierung von Veränderungen in der Substantia nigra erwiesen, die auf ein erhöhtes Parkinson-Risiko hinweisen können.
Pathophysiologie von Morbus Parkinson
Beim Morbus Parkinson kommt es zum Absterben von Zellen in der Substantia nigra, einer Struktur im Mittelhirn, die den Botenstoff Dopamin produziert. Dopamin wird normalerweise durch Nervenbahnen (Axone) zu den Basalganglien (Striatum) transportiert und steuert die Bewegungsabläufe. Bei Parkinson ist dieser Transport unterbrochen, was zu einem Dopaminmangel führt. Dieser Mangel manifestiert sich in den typischen Symptomen wie Zittern, unsicherem Gang und verlangsamten Bewegungen.
Bedeutung der Frühdiagnose
Die klinischen Symptome des Morbus Parkinson manifestieren sich erst, wenn die Krankheit bereits weit fortgeschritten ist und etwa 60 Prozent der Nervenzellen im Bereich der Substantia nigra degeneriert sind. Daher ist die Frühdiagnose von entscheidender Bedeutung. In den letzten Jahren haben sich die Untersuchungen auf Störungen der Stimmung, des Geruchssinns oder der Farbwahrnehmung konzentriert, die bei einigen Patienten vor dem Auftreten der typischen Parkinson-Symptome auftreten.
Transkranielle Sonographie (TCS) als Instrument der Früherkennung
Die transkranielle Sonographie (TCS) ist eine nicht-invasive Methode, die es ermöglicht, das Gehirn durch die intakte Schädeldecke sonographisch darzustellen. Bei Parkinson-Patienten zeigt sich in der Substantia nigra eine deutlich höhere Signalintensität. Diese Veränderungen können bereits bei Personen ohne manifeste Symptome festgestellt werden.
Durchführung der TCS
Bei der Untersuchung wird der Ultraschallkopf an die Schläfe gehalten. Bei gesunden Menschen gibt die dahinter liegende Hirnstruktur nur ein schwaches Bildsignal. Bei Menschen mit Morbus Parkinson ist dieses Gewebe, die Substantia nigra, deutlicher sichtbar. Die Ärzte vermessen dann die Größe der betroffenen Fläche. Dies erfordert jedoch ein modernes, hochauflösendes Ultraschallgerät und die Erfahrung des Arztes.
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Ergebnisse der TCS bei Parkinson-Patienten
Studien zeigen, dass bei mehr als 90 % der Parkinson-Erkrankten im Ultraschall ein verstärktes Signal im Bereich der Substantia nigra zu sehen ist. Dies kann bereits vor dem Auftreten von Symptomen der Fall sein. Allerdings reicht der Ultraschallbefund allein nicht als Diagnosemerkmal aus, da auch bei etwa neun Prozent der Gesunden diese Region auffällig ist.
Vorteile und Grenzen der TCS
Die TCS ist eine schnelle und kostengünstige Methode. Sie kann jedoch nur eine Verdachtsdiagnose unterstützen und Parkinson im Frühstadium nicht direkt feststellen.
Weitere diagnostische Verfahren
Neben der TCS gibt es weitere diagnostische Verfahren, die zur Früherkennung von Morbus Parkinson eingesetzt werden können:
- Nuklearmedizinische Verfahren: Positronen-Emissions-Tomographie (PET) und Single-Photonen-Emissions-Tomographie (SPECT) können den Verlust von Nervenzellen in der Substantia nigra darstellen. Die DaTSCAN-Szintigraphie kann mit hoher Wahrscheinlichkeit einen Morbus Parkinson ausschließen, wenn ein normales Bild vorliegt.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Eine kraniale MRT sollte bei Verdacht auf Parkinson frühzeitig erfolgen, um andere Erkrankungen auszuschließen.
- Geruchstestung und Polysomnographie: Diese Untersuchungen können als ergänzende Diagnostik bei ersten Symptomen, die auf eine Parkinson-Krankheit hinweisen können, miteinbezogen werden.
- Genetische Diagnostik: Auf Wunsch der Betroffenen kann eine humangenetische Diagnostik durchgeführt werden, insbesondere wenn Parkinson in der Familie auftritt oder die Krankheitssymptome vor dem 50. Lebensjahr auftreten.
- MIBG-Szintigraphie: Diese Untersuchung kann Veränderungen des sympathischen Nervensystems, wie sie bei Morbus Parkinson bereits im Frühstadium auftreten, nachweisen.
- IBZM-Szintigraphie: Dient dazu, Morbus Parkinson diagnostisch von anderen Parkinsonsyndromen zu unterscheiden.
Risikofaktoren und Früherkennung
Nach den derzeitigen Erkenntnissen haben nahe Verwandte von Betroffenen, Personen mit Depressionen, bestimmten Schlafstörungen oder eingeschränktem Geruchssinn ein erhöhtes Erkrankungsrisiko. Für diese Risikogruppen könnte ein Früherkennungs-Screening auf Basis des Hirnultraschalls sinnvoll sein, insbesondere wenn in Zukunft Medikamente zur Verfügung stehen, die eine effektive Neuroprotektion ermöglichen.
Therapie im Frühstadium
Prof. Dr. Lachenmayer (Hamburg) bestätigte, dass bei Vorliegen neuroprotektiver Mittel, wie dem Dopaminagonisten Ropinirol, Parkinson-Patienten nicht erst bei Auftreten von funktionellen Beeinträchtigungen, sondern schon bei Diagnosestellung therapiert werden sollten. Wenn klinische Symptome vorlägen, müsste für eine langfristig effektive Behandlung nach wie vor zwischen L-Dopa und einem Therapiebeginn mit Dopaminagonisten entschieden werden.
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L-Dopa ist schnell wirksam, führt aber zu motorischen Komplikationen. Dopaminagonisten müssen langsam höher dosiert werden, vermeiden beziehungsweise verringern aber motorische Störungen, insbesondere Dyskinesien. Vor allem bei jüngeren Patienten empfiehlt Lachenmayer einen Therapiebeginn mit einem Dopaminagonisten.
Aktuelle Leitlinie zur Parkinson-Krankheit
Seit November gibt es eine neue, vollständig überarbeitete S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Parkinson-Krankheit. Die Leitlinie betont die Bedeutung einer frühzeitigen und differenzierten Diagnose und empfiehlt, im Fall erster Symptome, die im Frühstadium auf eine Parkinson-Krankheit hinweisen können, zum Beispiel eine Geruchstestung oder eine polysomnographische Untersuchung im Schlaflabor als ergänzende Diagnostik miteinzubeziehen sowie nicht motorische Symptome.
Forschungsansätze für die Zukunft
Die Parkinson-Forschung hat entscheidende Fortschritte gemacht, die in die neue Leitlinie eingeflossen sind, um eine Behandlung nach aktuellem Wissensstand zu gewährleisten. Besonders wichtig für den Behandlungserfolg ist eine frühzeitige und differenzierte Diagnose, welche schon jetzt die Therapieempfehlungen beeinflusst. Die Früherkennung ist auch Voraussetzung für eine ursächliche Therapie, die wir hoffentlich in wenigen Jahren zur Verfügung haben. Darauf bereitet die neue Leitlinie vor.
Ein Schwerpunkt der aktuellen Forschung liegt auf der Identifizierung von Vulnerabilitätsgenen, mit deren Hilfe Personengruppen bestimmt werden können, bei denen die Wahrscheinlichkeit, an Parkinson zu erkranken, relativ hoch ist. Zudem wird an der Entwicklung von Bluttests zur Frühdiagnostik von Morbus Parkinson gearbeitet.
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