Umgang mit dem Gefühl, Freunde zu nerven: Ein Ratgeber für sensible Menschen

Freundschaften sind ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens. Sie geben uns Halt, Unterstützung und das Gefühl, dazuzugehören. Doch was passiert, wenn wir das Gefühl haben, unsere Freunde zu nerven? Dieses Gefühl kann uns verunsichern, ängstigen und sogar dazu führen, dass wir uns von unseren Freunden distanzieren. Aber keine Sorge, du bist nicht allein mit diesem Gefühl. Viele Menschen erleben es im Laufe ihres Lebens. Dieser Artikel soll dir helfen, mit diesem Gefühl umzugehen und deine Freundschaften zu stärken.

Die Bedeutung von Freundschaften

Freundschaften haben einen unglaublichen Einfluss auf unser Wohlbefinden. Sie können uns helfen, schwierige Zeiten zu überstehen, unsere Ziele zu erreichen und ein erfülltes Leben zu führen. Es gibt Menschen in deinem Leben, die dich bedingungslos lieben, dich unterstützen und immer für dich da sind. Sie sind oft brutal ehrlich, aber du weißt immer, woran du bist und kannst dich auf diese Freundschaften wirklich verlassen. Solche positiven Beziehungen sind ganz leicht zu erkennen. Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die negativen Einfluss auf dich haben, und du merkst es vielleicht nicht einmal gleich, weil sie dich nicht offensichtlich „sabotieren“.

Ursachen für das Gefühl, zu nerven

Es gibt viele Gründe, warum wir das Gefühl haben könnten, unsere Freunde zu nerven. Einige davon sind:

  • Unsicherheit: Wir zweifeln an uns selbst und unserer Wertigkeit als Freund. Wir denken, wir seien nicht interessant, lustig oder gut genug.
  • Angst vor Ablehnung: Wir haben Angst, dass unsere Freunde uns nicht mehr mögen, wenn wir uns „falsch“ verhalten.
  • Bedürfnis nach Bestätigung: Wir suchen ständig nach Bestätigung von unseren Freunden, um unser Selbstwertgefühl zu stärken. Dies kann jedoch als anstrengend und aufdringlich wahrgenommen werden.
  • Negative Erfahrungen: Wir haben in der Vergangenheit negative Erfahrungen in Freundschaften gemacht, die uns geprägt haben.
  • Introvertiertheit: Introvertierte Menschen brauchen mehr Zeit für sich und können sich schneller von sozialen Interaktionen erschöpft fühlen. Dies kann dazu führen, dass sie sich schuldig fühlen, wenn sie nicht so oft mit ihren Freunden interagieren, wie diese es erwarten.
  • Friend-xiety: Die ständige Sorge, in einer Freundschaft etwas falsch zu machen oder nicht mehr gemocht zu werden. Oft drehen sich die Gedanken um vermeintliche Fehler oder um Situationen, in denen sich eine Reaktion anders anfühlte als erwartet.

Anzeichen dafür, dass du andere nervst

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle diese Anzeichen bedeuten müssen, dass du deine Freunde wirklich nervst. Es könnte auch andere Gründe für ihr Verhalten geben. Wenn du jedoch mehrere dieser Anzeichen bemerkst, solltest du in Erwägung ziehen, dein Verhalten zu ändern.

  • Deine Freunde antworten seltener auf deine Nachrichten oder Anrufe.
  • Sie sagen Verabredungen kurzfristig ab.
  • Sie wirken ungeduldig oder genervt, wenn du mit ihnen sprichst.
  • Sie vermeiden es, Zeit mit dir alleine zu verbringen.
  • Sie machen sich über dich lustig oder kritisieren dich häufig.
  • Sie scheinen desinteressiert an dem, was du zu sagen hast.
  • Sie geben dir das Gefühl, dass du zu viel von ihnen verlangst.
  • Es kommt ohne erkennbaren Grund zu starken Stimmungsschwankungen.
  • Dein Gegenüber schiebt dir sofort die Schuld in die Schuhe, wenn mal etwas nicht so läuft, wie ihr es geplant hattet, auch wenn du gar nichts dafür konntest.

Strategien, um mit dem Gefühl umzugehen

Wenn du das Gefühl hast, deine Freunde zu nerven, gibt es verschiedene Strategien, die du anwenden kannst, um damit umzugehen und deine Freundschaften zu verbessern:

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  1. Selbstreflexion: Nimm dir Zeit, um über dein Verhalten und deine Bedürfnisse nachzudenken. Frage dich, warum du das Gefühl hast, zu nerven. Bist du unsicher, ängstlich oder suchst du nach Bestätigung? Bist du bereit, dein Leben von Menschen zu befreien, die reines Gift für dich sind? Dann nimm dir die Zeit, um hier mal ordentlich auszumisten.
  2. Kommunikation: Sprich offen und ehrlich mit deinen Freunden über deine Gefühle. Teile ihnen mit, dass du dir Sorgen machst, sie zu nerven, und frage sie, ob sie etwas an deinem Verhalten stört. Ehrlich gesagt, echte Freundschaften halten Offenheit aus - und wachsen sogar daran. Zu sagen "Ich habe manchmal Angst, dir zu viel zu sein", ist mutig.
  3. Grenzen setzen: Lerne, deine eigenen Grenzen zu erkennen und zu kommunizieren. Es ist wichtig, dass du dich nicht überforderst und deine Bedürfnisse nicht vernachlässigst, um anderen zu gefallen. Freundschaften und Beziehungen sollten niemals einseitig sein.
  4. Erwartungen anpassen: Akzeptiere, dass Freundschaften sich im Laufe der Zeit verändern können. Nicht jede Freundschaft muss für immer halten, und es ist okay, wenn sich Prioritäten verschieben. Deine Freund:innen sind nicht für die Erfüllung all deiner Bedürfnisse und Wünsche zuständig verantwortlich. Du trägst dafür selbst die Verantwortung und eben auch dafür, dich nicht in der Beziehung zu verlieren oder dich permanent verunglimpfen und kritisieren zu lassen.
  5. Selbstwertgefühl stärken: Arbeite an deinem Selbstwertgefühl, um unabhängiger von der Bestätigung anderer zu werden. Konzentriere dich auf deine Stärken und Erfolge und sei stolz auf dich selbst.
  6. Achtsamkeit und Selbstmitgefühl: Der erste Schritt ist, die eigenen Gedanken zu beobachten: Was löst die Angst aus? Wir können laut der Therapeutin außerdem üben, auch mal nicht zu reagieren, wenn wir ein solches Unsicherheitsgefühl verspüren.
  7. Professionelle Hilfe: Wenn du Schwierigkeiten hast, mit deinen Gefühlen umzugehen, kann es hilfreich sein, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ein Therapeut kann dir helfen, deine Ängste zu verstehen und Strategien zu entwickeln, um sie zu bewältigen.

Toxische Freundschaften erkennen und beenden

Manchmal ist das Gefühl, zu nerven, ein Anzeichen dafür, dass eine Freundschaft nicht gesund ist. Toxische Freundschaften sind Beziehungen, die uns emotional schaden, uns auslaugen und unser Selbstwertgefühl untergraben. Anzeichen für eine toxische Freundschaft sind:

  • Machtspiele und Kontrollsucht.
  • Narzissmus.
  • Krankhafte Eifersucht.
  • Isolierung(-versuche) von anderen Freund:innen oder der Familie bis hin zu extremer Kontrolle.
  • Jemand entschuldigt sich nie, macht die andere Person subtil oder offen klein und behandelt sie herablassend.
  • Egozentrismus, Ignoranz und Distanziertheit.

Wenn du dich in einer toxischen Freundschaft befindest, ist es wichtig, dich zu schützen und die Beziehung zu beenden. Dies kann schwierig sein, aber es ist notwendig für dein eigenes Wohlbefinden. Die Liebe zu dir selbst sollte immer größer sein, als das Festhalten an Beziehungen, die dir emotional schaden. Daran musst du bei diesem Punkt immer denken. Ich weiß, es ist nicht leicht, jemandem die „Freundschaft“ zu kündigen, aber du kannst dich darauf verlassen, dass es dir nach einem klärenden Gespräch und etwas Abstand mit Sicherheit sehr viel besser gehen wird.

Tipps zur Beendigung einer Freundschaft

Wenn du dich entscheidest, eine Freundschaft zu beenden, gibt es einige Tipps, die dir dabei helfen können:

  1. Sei ehrlich und direkt: Sag klipp und klar, dass du in Zukunft keinen Wert darauf legst, weiterhin Kontakt zu haben. Du musst dich nicht groß erklären, wenn es dir aber ein Bedürfnis ist, kannst du ruhig auch deine Gründe angeben. Lass dich aber auf keine großen Diskussionen ein - denn bis zu diesem Gespräch hast du ja selbst schon reichlich über „Für und Wider“ nachgedacht und führst dieses Gespräch ja nicht ohne Grund.
  2. Bleibe ruhig und sachlich: Vermeide Vorwürfe und Beschuldigungen. Konzentriere dich auf deine eigenen Gefühle und Bedürfnisse.
  3. Setze klare Grenzen: Mache deutlich, dass du keinen weiteren Kontakt wünschst.
  4. Akzeptiere die Reaktion deines Gegenübers: Es ist möglich, dass dein Freund wütend, traurig oder verletzt reagiert. Versuche, ruhig zu bleiben und dich nicht auf eine Auseinandersetzung einzulassen.
  5. Gib dir Zeit: Es kann einige Zeit dauern, bis du über die Beendigung der Freundschaft hinweg bist. Sei geduldig mit dir selbst und erlaube dir, zu trauern.

Freundschaften pflegen

Neben dem Umgang mit dem Gefühl, zu nerven, ist es auch wichtig, aktiv Freundschaften zu pflegen. Hier sind einige Tipps, wie du das tun kannst:

  • Sei aufmerksam: Höre deinen Freunden aufmerksam zu und zeige Interesse an ihrem Leben.
  • Sei unterstützend: Biete deinen Freunden deine Hilfe und Unterstützung an, wenn sie sie brauchen.
  • Sei ehrlich: Sei ehrlich zu deinen Freunden, auch wenn es schwierig ist.
  • Sei zuverlässig: Halte deine Versprechen und sei pünktlich zu Verabredungen.
  • Verbringe Zeit miteinander: Nimm dir regelmäßig Zeit, um mit deinen Freunden etwas zu unternehmen.
  • Sei verständnisvoll: Akzeptiere, dass deine Freunde Fehler machen und unterschiedliche Meinungen haben können.
  • Verzeihe: Sei bereit, deinen Freunden zu verzeihen, wenn sie dich verletzen.

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